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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-29 · Heft 13 (29.3.1901) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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65. Jahrgang, Nr. 13. Dvv Gemrindrltvie. ° « Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes Duöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 27. März. Der Ausschuß des „ Deutsch-Israelitischen Gem ei nd ebu ll des " hat soeben den folgenden wichtigen Bescheid des Ministeriums des Innern in Sachen der Fürsorge-Erziehung verwahrloster jüdischer Kinder erhalten. „Berlin. 19. März. Den Herren Oberpräsidenten habe ich, wie ich dem Ausschuss ans die Eingabe vom 26. v. Mts. ergebenst erwidere, mitgetheilt. daß der Ausschuß bereit sei, männliche israelitische Fürsorgezöglinge in die vorn 1. Mai d. I. ab eröffnete Erziehungsanstalt Nepzin bei Schivelbein aufzunehmen, und die Unterbringung männlicher israelitischer Fürsorgezöglinge, die nicht in diese Anstalt überwiesen werden sollen, in geeignete jüdische Familien, sowie weiblicher israelitischer Fürsorgezöglinge in jüdische Waisenhäuser oder geeignete Familien zu vermitteln. Hierbei habe ich die Herren Oberpräsidenten ersucht, die Landeshauptleute. Landesdirekioren und den Magistrat zu Berlin dahin zu verständigen, daß sie dem Anerbieten des Ausschusses soweit als irgend möglich Nachkommen, auch mit Hilfe des Ausschusses geeignete Fürsorger vermitteln. Die Höhe der Entschädigung für die Unterbringung der Zöglinge in der Anstalt und die Uebernahme der Mehrkosten des Transports in diese gegenüber den Transportkosten in eine in der heimathlichen Provinz belegene Anstalt durch den Ausschuß werden die zur Unterbringung der Zöglinge verpflichteten Kommunalverbände mit dem Ausschuß direkt vereinbaren. Im Anstrage : Peters. Berlin, 2-7. MÜrz. Der Verein „I sraelitis eh es Le hr e r - inuenheim", welcher nach Eintragung in das Vereinsregister nunmehr gesetzliche Korporationsrechte besitzt, hat auch im zweiten Jahre! seines Bestehens eine erfreuliche Entwicklung genommell. Zn den bereits im ersten Vereinsjahre gebildeten Ortsgruppen sind die Gruppen Stargard und Königsberg hinzugekommen; die Gruppe Breslau ist aus dem Verein ausgeschieden. Die Stellung der Ortsgruppen ist dahin geregelt, daß sie ihrer Eingänge an den Hauptverein Berlin abgeben und den Nest zur Bestreitung eigener Unkosten znrückbehalten. Aus dem Vorstande sind im Laufe des Jahres allsgeschieden Rektor Dr. Adler, welcher zum Ehrenmitgliede ernannt wurde, und Frl. Werner, Hamburg: neu eingetreten sind Oberlehrer Dr. Schäfer und die Lehrerin Frl. Baginsky. Vorsitzender des Vereins ist Sauitätsrath Dr. Wiesenthal. Das Wirthschaftskomitee. dessen Zusammenkünfte allmonatlich sind, widmet sich in anerkennenswerthem Eifer dein Wohle der Insassinnen des Heims, welches seit dem 1. Oktober eine Vergrößerung um drei Zimmer erfahren hat. Acht Damen haben bisher im Heim Ausnahme gesunden, von denen nur zwei aus Berlin sind, während die anderen sechs Damen aus den verschiedenstell Theilen Deutschlands stammen. Auch die Zahl der Mitglieder ist dank der unermüdlichen Thätigkeit der zweiten Vorsitzenden llllt 145 gestiegen. 8). Berlin, 25. März. Der „V e r ein f ü r j l'l dische K ranken- Pflegerinnen" kann bereits seinen siebenten Jahresbericht veröffentlichen. ans welchem ein weiterer erfreulicher Fortschritt zu entnehmen ist. Die Meldung der Schülerinnen ist eine fortdauernd rege, das Verständlich für den Berns der Krankenpflege ist stetig im Wachsen begriffen. Das Vednrsniß für Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen ist in allen Gauen des Vaterlandes rege geworden, und vom hiesigen Verein ist die Ausbildung jüdischer Schwestern für Breslau, Königsberg, Nürnberg und München bereits übernommen worden. Alls Kosten der U. O. B. B. Grobloge für Deutschland Vlll werden jährlich sechs Schülerinnen zu Schwestern erzogen. Die Schwestern habe" nach beendeter Lehrzeit noch ein ferneres Dienst- : jahr ill Berlin zn bleiben und werden erst dann den auswärtigen Gemeinden überwiesen. Alls der Zahl der früheren Schülerinnen sind Schwestern, theils ill leitenden Positionen, bereits thätig in Hamburg, München und Nürnberg. Seit dem 1. Juli hat eine Schwester mit zwei Schülerinnen den Dienst im Operationssaal des hiesigen jüdischeil Krankenhauses übernommen, auch ill einem Theile der inneren Frauen-! abtheilnng des Krankenhauses sind bereits Schwestern thätig. Im jüdischen Kurhospital wurde wie bisher die Pflege voll zwei Schwestern ausgeführt, im Genesungsheim in Lebnitz widmen sich drei Schwestern den Rekonvaleszenten. Die Zahl der Schwestern ist im Berichtsjahr voll 29 ans 33 gestiegen, während nenn Schülerinnen gegen acht des Vorjahres voll! Verein ausgenommen wurden. Von den 55 eingegangenen Neumeldungen mußten 7 ans ärztlichen Bedenken znrückgewiesen werden, 8 geeignete Bewerberinnen zogen ihr Gesuch vor Eintritt auf Wunsch ihrer Angehörigen zurück, welche ihre Schützlinge vor großen Anstrengungen, vielleicht auch vor Ansteckungsgefahr zu hüten wünschen. Beide Vorurtheile treffen durchaus nicht zu, die Schwestern werden sorgfältig außer voll der sehr fürsorglichen Oberill auch ärztlich überwacht, und der Gesundheitszustand der jetzigen Insassen des Heims kann als höchst günstig bezeichnet werden. Die allsgeübten Pflegen sind im Vergleich zum Vorjahre von 275 Pflegen in 6960 Tagen auf 355 Pflegen ill 8335 Tagen gestiegen: unentgeltliche Pflegen sind soweit thunlich gewährt worden. Die finanzielle Lage des Vereins ist eine gesunde, die Zahl der Mitglieder ist ans 1401, die Zahl der immerwährenden Mitglieder voll 25 auf 35 gestiegen. Im Schwesternheim ist nunmehr auch die vierte Etage zn behaglichen Räumen für die Insassen ansgestaltet worden, i III der gestrigen Genereraloersammlung des Vereins, welche ill Vertretung des erkrankten erstell Vorsitzenden vom Handelsrichter Hugo Deutsch geleitet wurde, wurden die ansgelosten Vorstandsmitglieder durch Akklamation wiedergewählt. §2 Berlin, 24. März, lieber antisemitischen Unfug! schreibt die „Tägliche Rundschau", die sollst gelegentlich gern einmal ill Antisemitismus »nacht: „Eine hiesige antisemitische Verlagsbuchhandlung schickt uns eine Ansichtspostkarte zu, auf der ill roher Ausführung die E r m ordnng des G h m n asiasten Winte r im Keller des Fleischers Lewh zn Könitz dargestetlt wird. Ans der Karte prangt die Inschrift „Gedenket des 11. März 1900! All diesem Tage fiel der Ghmnasiast Winter in Könitz dem Schächtmesser zum Opfer. Achtet also aus Eure Geschwister, die da ledig sind; hütet Eure Kinder!" Das ist eine A u s s ch re i t u ug widrigen Ge schäfts - lllldRadallantisemitismus. die Unterdrückung herausfordert. Die Untersuchung in Könitz hat, dank der Geschicklichkeit der Berliner Polizeikommissare und anderer Gerichtsorgane, zu keinem Ergebuiß geführt. Man kann über die mnthmaßlichen Mörder denken, wie man will: aber Leute, denen bislang nichts bewiesen ist, offen als Mörder zu bezeichnen und ihre That sogar im Bilde darzustelleu, ist eine alles Maß übersteigende Gesinnu ugsroh he it und Gewissenlosigkeit, die nur wilder Aufhetzung, nicht aber dem Suchen nach Wahrheit dienen kann. — Auf dein gleichen Felde steht übrigens die Verherrlichung, die in einzelnen antisemitischen Kreisen mit dem Opfer des Kouitzer Mordes, dem Gymnasiasten Winter, getrieben wird. Mai» mag den Tod des jungen Menschell »loch so sehr bedauern und die Möglichkeit einer Sühne für seine Ermordung noch so heiß herbeisehnen; zum Gegenstand der Bewunderung und Hochachtung eignet sich der frühreife und mit dem Laster allzu jung vertrante M e u sch wirklich und wahrhaftig nicht, und es ist deswegen ein Unfug, wenn seil» Bild auf Allsichtspostkarten verbreitet wird oder die Schaufeilster antisemitischer Buchhandlnugeu und Wirthshäuser! schmückt. Eine derartige „Märtyrerverehruug" b e l e i d i g t jedes gesunde Gefü h l und schädigt nicht die Juden, sondern wirft ein trübes Licht auf die G e i st e s v e r s a s s u u g Derer, die solchen Unfug begünstigen." : Berlin, 20. März. Der im Interesse unserer unglücklichen Glaubensbrüderin Rumänien segensreich wirkende Verein „N o m auia" veranstaltet am 30. d. M. eine Festlichkeit, deren Ertrag zur Unterstützung jüdischer Schulen ill Rumänien bestimmt ist. Angesichts

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