Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1901)
- Date
- 1901-03-29
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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65. Jahrgang. Ar. 13. Berlin» 29. März 1901 eitung des Audenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Nabbiner N* Ludwig Phttippson Kann. Verlags-Vrpedition: Gerlm, Jerusalemer str. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der ..Allgem. Zeitung des Juderithums", Berlin 8^V., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mofse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis. Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!.3 M. Ne-acteur: Gustav Karpeles. Inhalt. Leitartikel; Die „Arbeit an Israel". — Die Woche. — Aus der Berliner Gemeinde. -- Brief aus Oesterreich. — Aus den Niederlanden. — Bogumil Goltz und die Juden. II. Von Dr. Adolf Kohut. - Nachträgliches zu Goethe und die Juden. Von Professor Dr. Ludwig Geiger. — Zseiriveion: Die Königsbraut. XIII. Historische Erzählung von Carola Buchheim. — Kronele. XVIII. Eine Erzählung von Alexander Weill. — Literarische Mittheilungen. Der Oemeinvebote. Kkorreivondenzen und Nachrichten: Berlin, Setershagen, Leobschütz, Elberfeld, Wiesbaden, Homburg v. d. H., München, Ptuttgart, Wien, Budapest, Paris. — Bon Nah und Fern. — Geschäftliche Notizen. Nie .»Arbeit an Israel". Berlin, 26. März. ls, a, es wird fürchterlich gearbeitet an Israel! Von allen Seiten nnd nach allen Richtungen. Insofern hat die Mission ein Recht, ihre Thätigkeit eine „Arbeit an Israel" zu nennen. Es fragt sich nur, ob diese Arbeit auch eine lohnende, und ob sie irgend welchen Werth hat. Die Protokolle der vom 6. bis 9. Oktober v. I. in Köln abgehaltenen Missionskonferenz. die wir in diesen Tagen erhalten haben, geben daraus nur eine unbefriedigende Antwort. Gleichwohl ist der Verlauf der Konferenz sür »ns bvn Interesse, denn er zeigt uns. wie diese Richtung innerhalb der evangelische» Kirche sich zu den großen Zeitfragen zu stellen geneigt ist.! Auf der allgemeinen Missionskonferenz wurde eine Reihe s >on Vorträgen gehalten, von denen uns jedoch nur drei inter-! ssiren. Der erste ist ein geschichtlicher Ueberblick über die zesammte Judenmission des 19. Jahrhunderts von Pastor F. R. Stolle in Köln, der zweite ist ein Vortrag von Pastor > t. Bieling in Berlin über Judenmission und Zionismus, der j ritte endlich, sür uns der interessanteste, von dem bekanntet; Proessor Dr. Gustav Dalman in Leipzig über Jndeiimission nnd lntisemitismus. Die andern Vorträge über die „Verkündigung des Evangeliums in Westeuropa", über die „Proselytensrage nr Westeuropa" und die „Vorbildung der Missionsarbeiter" l aben sür unS nur geringeres Interesse, weil sie schon oft bebandelte und ebenso oft widerlegte Themata erörtern. s Der Rückblick aus die Arbeit der Judenmission im 16. Jahrt ändert würde an Werth gewinnen, wenn er irgend welche natistische Daten über den Erfolg der „Arbeit an Israel" geben möchte. Statt dessen erhalten wir nur einige Auseiuander- > Hungen über die Zunahme und Ausbreitung der Judenmission während des 19. Jahrhunderts „in Zeit und Raum" nnd über Wachsthnm und Frucht „des inneren Lebens ans dem Missionsacker". In dem geschichtlichen Rückblick steht nichts, was nicht bereits längst bekannt wäre. Die Zahl der Proselyten wird nach dein bekannten Missionsstatistiker I. de le Rvi ans etwa UlnOO berechnet, eine Zahl, die, wie wir schon oft wiederholt haben, nach unserer Ansicht weil übertrieben ist. Daneben wird aber das Bekenntnis; gemacht, „daß die evangelische Kirche zumal in Deutschland sich viel mehr als geschehen der Juden hätte annehmen sollen", und daß andererseits die Judenmissivil „hinsichtlich der Einwirkung auf die Kirche sich viel zu unkräftig gezeigt hat". Pastor Stolle meint, das; an der Judeninission noch sehr viel zu ändern sei. Kr spricht zu'seinen Brüdern mit tiefer Selbsterkenntnis;: „Sind wir voran gekommen: was haben wir an den meisten der.Ilwtitnla.Inclmen erlebt? Erwiesen sie sich nicht mit im Singulären um so rühmlicheren Ausnahmen als eine Saat ins Steinichte? Und mußte es nicht so kommen bei dem Winde, der auS ihrem eigenen Lager wehte? Bei dem Geiste, aus dem heraus ein Kandidat der Theologie die bisherigen Bestrebungen der Judeninission „kurz als Prvselytenmacherei zu charakterisiren" beliebte, die Missionare als Eckensteher verhöhnte nnd ihr Zeugnis; als „ein auf Flaschen gezogenes Christenzeugnis;" bezeichneto! Was soll man da von einem Proselyten sagen, über die neuerdings so manche Klage, und zwar gerade aus dein Munde der Einsichtigsten unter diesen sich erhebt!" Pastor Stolle hat Recht: Tiefere Selbsterkenntnis; ist der Mission vor allem noch. Von großem Interesse ist auch der Vortrag des bekannten Pastor Bieling über das Verhältnis; der Iiideniinssion zu», Zionismus. Er beginnt mit einem Eitat ans Jehudn Halevis Zivnide. Pastor Bieling war selbst auf dem erste» Zionistenkoiigres; zu Basel nnd interessirt sich sehr für die Frage. Indes; gelangt er doch zu folgendem Urtheil: 1. „Der Zionismus ist nach seiner Entstehung und seinem Wese» eine rein diesseitige, keine religiöse Bewegung. 2. Der Zionismus macht die Herze» im jüdischen Volk durchaus nicht empfüiiglicher für die Predigt von Christo, eher noch verschließt er sie dagegen, ü, Ter Zionismus verdient gleichwvht unsere vollste Aufmerksamkeit, weil mit ihm ein neuer Abschnitt in dcr Geschichte Israels seine» Anfang nehmen wird. 1. Seine rechte Würdigung und Beurtheilniig findet der Zionismus nur vom biblischen Standpunkt aus. -1. Der Zionismus nöthigt uns zu einer verstärkten Predigt des Evangeliums nnter den Inden, wobei wir uns freilich ebenso sehr vor überschwänglichen Hoffnungen wie vor gewagten Experimenten zu hüte» haben." Wir können uns natürlich nicht in eine Kritik der einzelnen Thesen dieses Vortrags einlassen und bemerke» nur knrz Folgendes: Unsere Zustimmung können wir nur der ersten These geben, denn auch wir halten den Zionismus für keine religiöse Bewegung. Der zweite» These werden die Zionisten