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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-22 · Heft 12 (22.3.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 12 (22.3.1901)
Date
1901-03-22
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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2 des kaiserlichen Rathes Naphtali Tittinger in Lemberg n,ld der Stadtverordnete Eduard Hamburger in Olmütz, deren Ableben ich Ihnen jüngst berichtete, haben ansehnliche Legate für humanitäre Zwecke hinterlassen. — In Brünn ist der hochangesehene Fabrikant Herr mann Spitz, ein Schwager des Brünner Kultnsvorstandes Oberingenieur Epler. im 72. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene hat es durch eigene Kraft zu einer hervorragenden Stellung gebracht; u. a. bekleidete er auch den Posten eines spanischen Vizekonsnls. und wurde in dieser Stellung durch die Verleihung des „Isabellen-Ordens" ausgezeichnet. Großbritannien. s. London, 16. März. Am 11. d. M. feierte in Oxford der in Bitsch in Ungarn geborene berühmte jüdische Gelehrte Dr. Adolf Neubauer seinen 70. Geburtstag. Der Nahmen eines kurzen Zeitungsartikels reicht kaum hin, um die Verdienste dieses großen jüdischen Gelehrten, dem die Geschichte der jüdischen Wissenschaft einen Ehrenplatz neben Zunz. Geiger und Steinschneider einräumen wird, gebührend zu würdigen. Nebst zahlreichen in allen erdenklichen Zeitungen und Zeitschriften zerstreuten Einzelartikeln hat Dr. Neubauer eine größere Anzahl Schriften theils selbst verfaßt, theils nach seltenen Manuskripten edirt und mit wichtigen wissenschaftlichen Notizen versehen. Sein erstes großes Werk, durch das Neubauer in der weiten Gelehrtenwelt bekannt wurde, war seine 1868 erschienene Geographie des Talmuds, welche ihrem Verfasser auch den Nus als Hilssbibliothekar der Bodleicma zu Oxford verschafft hat. Als solcher versaßte er in 18 jähriger emsiger Thätigkeit den hebräischen Katalog dieser weltberühmten großen Büchersammlung. In dem von Nenan und anderen Gelehrten herausgegebene großen Sammelwerk „I^lustoiro liltürrüre üe Irr kVunee" schrieb er 1877 die Geschichte der jüdischen Nabbiner in Frankreich vom Beginn des 14. Jahrhunderts, eine bedeutsame Arbeit, die 1893 in der „Geschichte der jüdischen Schriftsteller in Frankreich im 14. Jahrhundert" eine Fortsetzu-ng fand. Der Jubilar, welcher Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, Ehrendoktor der Heidelberger Universität?c. war. erhielt au seinem 70. Geburtstage zahlreiche Gratulationen aus allen süns Welttheilen. Chiesrabbi Dr. Adler hat in seiner am 9. d. M. in der St. Johns Wood Synagoge gehaltenen Predigt die Verdienste des Jubilars eingehend gewürdigt. Von Nah und Fern. — Den vom Senat der königlichen Akademie der Künste. Sektion für Musik, für das laufende Jahr ausgeschriebenen zweiten Michael Beer-Preis. bestehend in einem Stipendium von 2250 Mark zu einer einjährigen Studienreise, hat der Musiker Siegfried Fall erhallen. — Dem Stndirenden des Ballfaches Alfred Masnr. z. Z. in Koburg. einem Sohn des Stadtraths Masnr in Nawitsch. ist beim Wettbewerb um den Schinkelpreis seitens der technischen Hochschule in Berlin dieser Preis Anerkannt worden. Es ist dies bereits diezweite Auszeichnung, die Herr Masnr sich errungen. Im vorigen Jahre erhielt er die silberne Staatsmedaille und ein Stipendium für eine wissenschaftliche Neise. — Die ganze Allslage des polnischen Hetzblattes „Praca" in Posen ist am 3. d. M. vor dem Erscheinen wegen eines Artikels über die Konitzafsäre ans Anordnung der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. — Nabbiner Dr. Ianlns in Aache n wird am 31. d. M. sein 25jähriges Amtsjttbilänm feiern. — Dem Generaldirektor der Hamburg-Amerikalinie Herrn A. Ballin wurde dasEhren-Komthnrkrenz des grvßherzoglich oldenbnrgischeu Hans- und Verdienstordens verliehen. — In Hamburg wurde voll der neu zusammengetretenen Bürgerschaft der bisherige Präsident A. Hinrichsen, unser Glaubensgenosse, säst einstimmig mieder-gewählt. — In einer gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und der Vertranenskomnlission der „Alten und Neuen Klans" in Hamburg sind die Herren Dr. S. Bamberge r-Snlz (Elsaß) und I. K oh n-Preßburg zu Nachfolgern der verstorbenen Klausrabbiner G. Schlesinger und M. Frieden gewählt worden. — In der Kommissionssitznng des Landesansschnsses in Straß bürg (Elsaß) wurde über die Gehaltsaufbesserung der Geistlichen verhandelt. Während die Protestanten und Katholiken bedeutend aufgebessert wurden, erhielten die Rabbiner nur eine ganz unbedeutende Erhöhung ihres Gehaltes, weil Leider die israelitischen Konsistorien sich nicht in besonders lebhafter Weise um daS Wohl der Nabbiller gekümmert haben. Die dritte und zweite Klasse der Rabbiner erhielt eine Gehaltserhöhung von 100 Mark, sodann wurden die Altersznlagen besser geordnet, indem beim 40. Lebensjahr eine Alterszulage voll 300 Mark eintritt, beim 50. Lebensjahre eine solche im Betrage von 400 Mark und beim 60. Lebensjahre eine solche von 800 Mark. — Am 27. v. M. starb Moritz Marx, ehemaliger Direktor der israelitischen Schulen in Bagdad, im Alter von 76 Jahren in Paris. Herr Marx war einer der ersten Direktoren der Allianceschulen; er hat nacheinander die Schulen von Bagdad und Saloniki geleitet. Im Jahre 1876 hat das Centralkomitee ihm den bedeutenden Posten als Direktor der Knabenvorbereitungsschnle in Paris übertragen. 21 Jahre lang hat Herr Marx zahlreiche Generationen herangebildet, die nach seiner Art gelernt haben, sich dem Erziehnngswerk der Alliance in Asien und Afrika zu widmen. — Am 8. d. M. starb in London der berühmte jüdische Ornithologe Joseph Abraham. 1839 in Leeds geboren, ging er schon als 16jähriger Knabe nach Australien, wo er in Viktoria sich als Goldgräber versuchte. Aber schon 1861 kehrte er nach London zurück, um kurz darauf in die Natnralienhandlung seines Schwiegervaters zu treten. Diesem Geschäft widmete sich der Verstorbene mit solcher Hingebung und derartigem Erfolge, daß er nicht allein ein sehr populärer Mann in East-London sondern auch der Freund und Berather zahlreicher Gelehrten wurde, die sich bei dem berühmten Vogelhändler und beste Kenner der gefiederten Welt Nath und Auskunft holten. Der Verstorbene stand auch mit mehreren gekrönten Häuptern in geschäftlichem Verkehr und war nicht wenig stolz daraus, daß sein Geschäft die häufigen Besuche des Königs von Belgien und des früheren Prinzen of Wales und jetzigen Königs Eduard VII. erhalten hat. — Das Board os Guardians hat eben seinen 42. Jahresbericht veröffentlicht. Der Kassenbestand belief sich am 1. Januar 1900 ans 1653 Lstr.. die Einnahmen des Berichtjahres betrugen 137 881 Lstr., während die Ausgaben 140 930 Lstr. beanspruchten. so daß das Board mit einem Fehlbetrag von 3048 Lstr. abschließt. Die großen Ausgaben wurden durch das plötzliche Anwachsen der Einwanderung Rumänischer Juden nach England verursacht, wodurch dre Zahl der Nothleidenden im Londoner Ghetto die ganz enorme Hohe von 5439 erreicht hat. — Der russische Senat hat entschieden, daß Kinder jüdischer Soldaten, deren Väter ihrer Militär- Pflicht nach dem alten Nekrutirullgssystem genügt haben, von diesen bei jeder beliebigen Gemeinde außerhalb wie innerhalb des Ansiedelungsrayons eingetragen werden dürfen, selbst wenn diese Väter in der betreffenden Gemeinde nicht ihren ständigen Aufenthalt haben. Mit dieser Eintragung wird gleichzeitig sür die Kinder das Recht erworben, überall in Rußland wohnen und daselbst unbewegliches Eigenttzum erwerben zu dürfen. — In wenigen Tagen wird in Petersburg einer der verdienstvollsten und einflußreichsten jüdischen Gelehrten Rußlands ein wichtiges Jubiläum feiern. Am 31. d. M. werden 40 Jahre verflossen sein, seitdem Staatsrath Dr. Abraham Harkavy in dem jetzt nicht nieln bestehenden russisch-jüdischen Journal „Rasswjet" (Morgendämmerung) seinen ersten Artikel veröffentlicht hat. — Ans Casablanca sind bei der Pariser Alliance neue Klagen über Mißhandlung von Inden eingelaufen. Der jüdische Händler Elymi d'Azemour gerieth mit einem Araber in Streit, weil dieser letztere ihm Maaren abgenommen, und als es zum Bezahlen kam, dem Juden statt Geld eine furchtbare Ohrfeige verabreichte. Der Geschlagene lief znm Kadi und, als er da kein Recht erhalten konnte, weiter znm Gouverneur. Dieser ließ aber den „Hund voll einem Inden" ins GefÜngniß werfen und ihn an Händen und Füßen in Eisen schmieden. Eine Beschwerde der jüdischen Gemeinde verschlimmerte nur die Lage des unglücklichen jüdischen Händlers wesentlich, dem der Gouverneur noch die Bastonade. bestehend in 500 Stockschlägen, geben ließ. Erst der Verwendung eines einflußreichen Inden gelang es, dem armen Elymi nach zweitägiger Hast die Freiheit wiederzugeben. — Wie „H. T. B." meldet, ist Ernesto Nathan, der Großmeister der italienischen Freimaurer, welcher Offiziersdienste in der englischen Armee in Südafrika genommen hatte, einen» Telegramm aus Kapstadt zufolge dort gestorben. — In New Aork ist am 2. d. M. der Präsident des jüdisch-theologischen Seminars, Josef Blnmenthal, im 67. Lebensjahre gestorben. Er war auch Vorsitzender der Scheerit- Jsrael-Gemeinde. Druck und Verlag voll Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für Lue Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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