Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1901)
- Date
- 1901-02-08
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3228419-3228426--57271-3293633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
4 die israelitische Beerdigungsbrüderschaft den rrerretr Eingang in derk Friedhof ans ihre Kosten Herstellen und beim Ministerium die Erlaubnis; erwirken werde, das; das Gebäude sür das czechische Altstädter Gymnasium aus dem geänderten Bleeke errichtet werde. Auch die Verfertigung der hierdurch bedingten neuer; Plärre sür dieses Gymnasialgebäude wolle die Brüderschaft aus Eigenem besorgen lassen. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, das Anerbieten der israelitischen Beerdigungsbrüderschaft abzulehuen und dem Stadtrathe zu empfehlen, die weiteren Verhandlungen mit der Brüderschaft abzubrechen und bei dem ursprünglichen Eirteignungsprojekte zu beharreu. Was wird nun werden? — Irr der ersten Sitzung des Polenklnbs des österreichischen Reichsraths hat der wiedergewählte Obmann o. Jaworski n. a. folgenden Punkt als Grundsatz des Polenklubs bezeichnet: Festhaltung an dem ererbten Glauben der Väter bei weitester Toleranz gegen andere Konfessionen. — Die L e m berger Handels- und Gewerbekammer hat den Neichsrathabgeordneten P i ep e s - P oratynsk i zum Präsidenten gewählt. — Der llnterrichisminister ernannte den Professor an der Exportakademie Dr. Siegmund Feilbogen zum Mitglieds der slaatswissenschastlichen Prüfungskommission in Wien. Rußland. 1.. 'I. Odessa, 25. Januar. Am 28. voriger; Monats fand hier die feierliche Einweihurig des vor Kurzem ans Kosten der bekannten hiesigen Philantropiu Frau Louise Aschkenasy errichteter; Operationspavillons im jüdischen Hospital statt. Zu dieser erhebenden Feier erschienen die Frau Gräfin Mussirr- Puschkin, die Gattin des Konrmandirendeu des Odessaer Militärbezirks, Stadthanptmann Graf Schuwalow nebst Frau, die Gräfin Kapnist. Vorsteherin des Nöthen Kreuzes. General Depp, Bürgermeister Seleny, der Magistrat in eorporo. viele Stadtverordnete, Professoren, särrrrrrtliche Aerzte aller hiesigen Heilanstalten, hervorragende christliche und jüdische Bankiers, Vertreter der russischen Geistlichkeit, viele hohe Beamte und alle Vertreter hiesiger jüdischer Wohlthätigkeitsanstalten. Im Bethause des Hospitals, welches mit Pflanzen dekorirt und hell erleuchtet war, fand zunächst ein feierlicher Gottesdienst durch der; bewährten Oberkarrtor Minkowsky und seinen vorzüglichen Chor statt. Diesem folgte das Dankgebet für die Genesung unseres Kaisers Nikolai II. Den Schluß bildete die Absingung der Volkshynure „Gott schütze den Kaiser" irr russischer Sprache. Hierauf begab sich die Versammlung irr das neu errichtete Gebäude. Wenn der bewährte Fachmann, der kaiserliche Leibebirnrg Prof. Weljaminow. sich ausdrückte, daß es in Rußland keiner; ähnlichen Operationspavillon giebt, so gehen wir nicht fehl, wenn wir sagen, daß ein zweiter schwerlich in den großen Residenzen Europas zu finden sein dürfte. Das Gebäude ist ein Meisterwerk. Alle Einrichtungen bis irr die kleinsten Einzels heiter; träger; den Stempel der Vollkommenheit an sich. Vor; dem Giebel des Daches bis irr die unteren Souterrains, vor; den größter; Instrumenten bis ans die kleinster; sehen wir das wachsame Auge der edlerr Spenderin, der tüchtigen Aerzte und der umsichtigen Baukonnnissiou. Keine Mittel wurden gespart, und das Werk ist auch in der That gelungen. Im Foyer des neuer; Operationspavittons in Gegenwart einer zahlreicher; Gesellschaft begann nunmehr die Ehrung der Frau Louise Aschkenasy, der Schöpferirr dieses schönen Werkes. Der Sekretär des Kuratoriums. Dr. med. Prrritz, betrat die Nednerbühne und las den Beschluß dieser Verwaltungsbehörde vor. Aus diesem Dokumente entnehmen wir, daß die erbliche Ehrerrbürgerin Frau Louise Aschkenasy im Juni 1898 zur Erinnerung der Vermählung ihrer Tochter Sophie rrrit dem Baron Alfred von Güuzbnrg ein Kapital von 76 510 Nnbel zur Errichtung eines Operationspavillons beim jüdischen Krankenhause schenkte. In Anbetracht der vielen milden Spenden der Iran Aschkenasy, die sich irr der Errichtung einer Kinderabtheilung, einerJ mechanischen Waschanstalt, einer musterhaften Küche, . eines Röntgen- Kabinets, einer Desinfektionskammer und endlich des Operatious-- Pavillons dokumentirte, wurde Frau Aschkenasy zur Ehrenkuratorin ernannt, mit dem Rechte, an der Verwaltung der Anstalt lebenslänglich Theil zu nehmen. Außerdem wandte sich das Kuratorium au die Behörde mit folgendem Ersuchen: 1. Von den zwei Operationssälen, die sich irr diesen; Pavillon befinden, einem der; Namen Louise und dem andern der; Namen ihres verewigten Gatter; Eugen beizulegen. 2. In; Operationspavillon das Bild der Spenderin anzubringen. 8. Irr Anbetracht dessen, daß zur Errichtung dieses Hauses ein viel bedeutenderer Betrag erforderlich war, als der hierfür angesetzte, nämlich statt 76 510 Rubel noch ungefähr 40000 Nnbel, beschloß der Verwaltrurgsrath.drlrchVerurittlurrg des Odessaer StadthanptmanrrS auch diese zweite Spende der Frau Aschkenasy zur Kenntnis; Seiner Kaiserlichen Majestät zu bringen. Bürgermeister Seleny begrüßte Frau Aschkenasy mit folgenden Worten: „Mir, als dem Vertreter der Stadt, ist eine solche Feier wie die heutige besonders angenehm. Ich will nicht erst erwähnen, welchen Nutzen die eben eingeweihte Anstalt der Stadt in; Allgemeinen und der; Kranken im Besondern bringen wird. Im Namen der städtischen Verwaltung und irr meinem eigenen Namen gratulire ich Ihnen zur Eröffnung derselben und danke Ihnen sür die reiche Spende." — Der Oberarzt des Krankenhauses Dr. Jusefowitsch las hieraus irr Vertretung des erkrankter; Präses des Verwaltungsrathes Herrn Salomorr Prrritz eine Dankadresse vor. Sodann überbrachte Dr. Silberberg die irr wärmsten Worten abgefaßte Adresse der Korporation der Hospitalärzte. Dr. Schaposchnikow dankte der Spenderin irr einer kurzen Rede und überreichte ihr in einem schönen Rahmen das künstlich arrsgeführte Gruppenbild der Aerzte und der Mitglieder des Kuratoriums. Dr. Wirrokurow überreichte der Wohlthaterin die Ansichten aller Gebäude des jüdischen Hospitales, die auf ihre Kosten errichtet wurden. Die Adressen und Gaben waren von den herzlichster; Ansprachen begleitet. Nach der Besichtigung der einzelnen Kabiuete, die durch ihre Eleganz sich auszeichnerr, wurden die Ehrengäste irr einen besonderen Saal eiugeladen, wo Champagner und Erfrischungen herumgereicht wurden. Den Reigen der Trirrksprüche eröfsnete Stadthauptmann Graf Schuwalow ans den Kaiser und die kaiserliche Familie, der mit Enthusiasmus ausgenommen wurde, worauf die Volkshynure ertönte. Auch auf die edle Spenderin brachte Gras Schuwalow einen mit allgemeinem Beifall aufgeuommeuen Triuspruckr aus, der ebenso wie alle folgenden in dem Wunsche gipfelte, daß der wahrhaft großherzigen Frau noch lange beschieden sein möge, Gutes zu wirkerr und sich des Segens ihrer Werke in ungetrübtem Glück zu erfreuen! Von Nah und Fern. — Graf P ü ckler-Klein-Tschirne ist am 31. v. M. vorn Oberverwaltungsgericht seines Postens als Amtsvorsteher endgültig enthoben worden. — Das Reichsgericht hat die Berufung des Staatsanwalts und der Verurtheilten im Prozeß Maßlofs verworfen. Die Revision der Staatsanwaltschaft wurde verworfen wegen Unzulässigkeit derselben, die des verurtheilten Maßloff wegen Unbegründetheit der erhobenen prozessualen Beschwerden. Die von der verurtheilten Frau Roß eingelegte Revision war als ungenügend motivirt überhaupt nicht zur Verhandlung vor dem Reichsgericht zugelasserr worden. — Der Prozeß gegen Moritz Lewy wird am 18. d. M. irr Könitz verhandelt worden. — Der Herausgeber des antisemitischen „Deutscher; Generalanzeigers" irr Berlin, Carl Sedlatzeck, wurde gestern vor; der Strafkammer irr Bromberg wegen Beleidigung durch die Presse zu einem Monat Gesäugniß verurtheilt. — Die Buchhandlung Joseph Jolowicz in Posen erwarb die umfangreiche Bibliothek aus dem Nachlasse des verstorbenen Rabbiners Dr. H. Errgelbert-St. Gallen. — Kantor David Baum st ein in Lobsens verläßt nach fünfjähriger gedeihlicher Wirksamkeit seine Gemeinde, die ihn nur ungern scheiden sieht, und geht nach Schwerin a. W. als Karrtor. — Professor Dr. S. Jadassohn irr Leipzig, der vor einiger Zeit in Gemeinschaft mit Saint-Saöns und Delibes zurr; korrespondireuden Mitglieds der königlichen Akademie der Musik in Florenz ernannt wurde, ist rum auch zum Mitglieds der königlich Schwedischen Akademie der Musik in Stockholm erwählt worden. —Wie das im Ministerium des Kultus herausgegebene „Eentralblatt" meldet, sind die diesjähriger; Prüfungen am israelitischen Seminar zrr Kassel festgesetzt worden: Beginn der Entlassmrgsprüfung 20. März, der Aufnahmeprüfung 27. März, der zweiten Volksschullehrerprüfnng 20. Oktober. (Diese Prüfung hält unter der; jüdischen Seminaren bekanntlich nur das Kasseler ab.) — Ein katholisches „Komitee zur Vertheidigrmg des Rechts" in Paris hat an den Kriegsminister ein Dankschreiben dafür gerichtet, daß er sich der jüdischen Offiziere gegen die Intoleranz ihrer christlichen Kameraden angenommen habe. — Der „Jntransigearrt" erzählt von'einem Zweikampf des jüdischen Offiziers Fernand Natisborrrre irrParis mit einem Kameraden wegen der Dreysus-Angelegenheit; Natisbonne sei schwerverwundet worden. — In Stockholm ist in seinem 62. Lebensjahre der Vorsteher der Gemeinde, der Großhändler Herrmann Nachmanson, gestorben. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich sür die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.