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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-25 · Heft 4 (25.1.1901) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 3 (sequence 18)
Language
German
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3 zum Theil durch sein eigen Fleisch und Blut, zum Lheil durch nahe Angehörige zum Ruhm geführt wurde. Er hat die letzten Jahre in stiller Zurückgezogenheit verbracht. Was er im Leben geleistet, hat Früchte getragen und wirkt nach. Die Trauerfeier für den Dahingeschiedeuen fand heute statt. Den Vorstand der Gesellschaft der Freunde vertraten Koiiimerzienrath Kopetzki und Regierungsrath Magnus, die Aeltesten der Kaufmannschaft Stadtrath Weigert und Generaldirektor Goldschmidt. Vom Vorstand der jüdischen Gemeinde bemerkte man Justizrath Dr. Meyer und Herrn Julius Jacobi. Der Brüderverein, die Magule Rßini, der Vorstand des Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde, der Hilfsverein für Märkisch-Friedland' die Assistenten des organischen Laboratoriums der königlichen Hochschule waren durch Abordnungen vertreten. Dr. Klemperer voll der Reformgemeinde hielt die Gedächtnißrede. Nach der Feier wurde die Leiche nach dem Friedhof in der Schönhauser Allee übergeführt, wo die feierliche Bestattung erfolgte. Kottitz, 21. Januar. Daß die durch die neuesten Vorgänge in Könitz in der Bevölkerung hervorgerufene Erregung auch wieder Fehlgriffe und falsche Gerüchte zeitigen würde, war vorausznsehen. Unter den Depeschen des gestrigen Abendblattes haben wir ein offiziöses Telegramm aus Könitz wiedergegeben. welches positiv die Auffindung von Winters Unterkleidern und Strümpfen aus dem alten jüdischen Kirchhofe meldete. Ein späteres Telegramm des offiziösen Telegraphenbureaus erklärt aber, genaue Feststellungen hätten ergeben, daß die gestern gefundenen Unterkleider nicht Winter gehören. Die Vermuthung liegt nahe, daß die Unterkleider von einem antisemitischen Wahrheitsfreunde aus den jüdischen Kirchhof geschleppt worden sind, um den Mordverdacht neuerdings, wo man auch andere Spuren zu verfolgen scheint, wieder ausschließlich aus die Juden zurückzulenken. — Am 17. wurde in Gegenwart des Bürgermeisters der Mönchsee polizeilich abgesucht, in den benachbarten Straßen, am Mönchanger und in der Rähmenstraße fanden Haussuchungen statt. Auch bei dem aus Sturz gebürtigen Lehrer Weichet wurde eine Haussuchung Vorgenommen. lieber das Ergebniß ist noch nichts bekannt. Vierzehn Berliner Kriminalbeamte trafen am 17. hier ein, Haussuchungen fanden unter anderem auch bei Lewy und Caspari statt. ck Knttowitz, 21. Januar. Am 19. d. M. fand zu Beutheu im „Deutschen Haus" eine Versammlung des Verbandes der Rabbiner Ob erschlösse ns statt. Der Vorsitzende Dr. Cohn- Kattowitz theilte u. a. mit. daß in einer oberschlesischen Gemeinde in einer zwischen dem Vorstände und einem Kultnsbeamten entstandenen Streitsache die Vermittelungdes oberschlesischen Gemeindebnndes und des oberschlesischen Rabbinerverbandes angerufeu und auch ein Vergleich erzielt worden sei. Die Generalversammlung des oberschlesischen Gemeindebuudes habe für die seitens des Rabbiuerverbandes beantragte rituelle Verköstigung der jüdischen Sträflinge am Pessachfeste in Groß-Strehlitz und Ratibor die Summe von 200 Mark bewilligt. Nach Verlesung des Kassenberichtes und Ertheilung der Decharge erfolgte eine eingehende Behandlung des bereits in früheren Versammlungen besprochenen Punktes der Tagesordnung betreffs der Revision des Religionsunterrichts in den rabbinerlosen Gemeinden. Dr. Cohn giebt an Hand der diesbezüglich eingelausenen Schriftstücke eine eingehende Darlegung der Sachlage. Die Verhandlungen zwischen dem oberschlesischen Rabbinerverbaud und Gemeindebnnd sind soweit gediehen, daß an die betreffenden Gemeinden ein von Rabbiner Dr. Cohn - Kattowitz und Amtsgerichtsrath Glogauer- Tarnowitz entworfener Fragebogen versandt wurde. Eine große Anzahl von bejahenden Antworten ist bereits eingelaufen. Dem» entsprechend beschließt die Versammlung, dem oberschlesischen Gemeindebunde Mittheilnug zu machen, daß die Verbaudsrabbiuer die Revision und Inspektion in den rabbinerlosen Gemeinden in der nächsten Zeit in Airgriff nehmen würden. In dem Schema der Zuteilung der einzelnen Gemeinden an die betreffenden Rabbiner wurden ans Wunsch mehrerer Kollegen noch einige Aenderungen vorgenommen. Die schon längst angestrebte und gewünschte Inspektion des Religionsunterrichts und der religiösen Institutionen sowie die Abhaltung von Wanderpredigteu in den rabbinerlosen Gemeinden ist hiernach ihrem Ziele nahe gerückt. Wegen vorgeschrittener Zeit mußten einige Punkte von der Tagesordnung abgesetzt werden. Es wurde der Antrag angenommen die künftigen Sitzungen in möglichst leicht zu erreichenden Städten abznhalten, und in möglichst frühe Morgenstunden anzusetzen, damit möglichst alle Punkte der Tagesordnung zur Erledigung gelangen können. I.. Harrrwvet', 21. Januar. Anläßlich des zweihundertjährigen Bestehens des Königreichs Preußen war am 18. Januar Abends in der Synagoge Fest g o t t es d i e n st. Herr Oberkantor Lienhart und Chordirigeut Rose boten vollendet Schönes. Meisterhaft wyr auch die Festpredigt des Herrn Landrabbiuers Dr. Grouemann. Auch in dem jüdischen Lehrerseminar fand eine Feier statt. Gesänge der Seminaristen und Uebuugsschuler wechselten mit Deklamationen ab. Seminarlehrer Levisohn hielt die nach Form und Inhalt gleich ausgezeichnete Festrede. — Die Generalversammlung des Vereins ehemal i g e r R e l i g i o n s s ch ü l e r i u n e n ergab, daß der Verein wieder auf ein segensreiches Jahr znrückblickeu darf. Der Vorstand wurde wiedergewählt, und auch in dem letzten Jahre wurde für das geistige und körperliche Wohl einer großen Anzahl armer Kinder gesorgt. Bei der Chanukkaseier wurden ungefähr 200 Kinder erfreut, und sehr sympathisch war die Erscheinung, daß in diesen! Jahre noch mehr als früher Kinder aller Stände vertreten waren. — Bei den Stichwahlen wurde Herr S. Meyer st ein zum Repräsentanten gewählt. — Der Zionismus macht augenblicklich hier viel von sich reden. Veranlassung gab ein Vortrag, der hier in dem „Verein zur Förderung jüdischen Wissens" über Zionismus gehalten wurde, und zu dem die hiesigen Zionisten geladen waren. Eine sehr lange, interessante Debatte schloß sich an den Vortrag. Eine direkte Stärkung des Zionismus kann man bei objektiver Beurtheilung nicht konstatiren; es ist jedoch nicht zu verkennen, daß die Führer sehr rege und geschickt für ihre Idee eintreten. U. Hamburg, 21. Januar. Herrmauu Jakobsohu. einer der ältesten und angesehensten Journalisten und Schriftsteller unserer Stadt, ist zwei Tage nach seinem 71. Geburtstage im Kreise seiner Familie sanft entschlafen. Ist ein Leben köstlich, wenn es Muhe und Arbeit gewesen ist, so war es das des Dahingeschiedenen. Herrmauu Jakobsohn war an den verschiedensten Hamburger Blättern thätig, am längsten wohl bei der Reform, wo er noch mit Stettenheim und Dr. Stinde zusammen arbeitete. Er war einer der gründlichsten Kenner der Hamburger Lokalchronik, sein volkstümlicher Humor worüber die Grenzen seiner Vaterstadt bekannt. Noch im vorigen Jahre wurde er zu seinem 70. Geburtstage durch zahlreiche Ehrungen erfreut. Die große Beliebtheit und Wertschätzung, welche der Verblichene genoß. zeigte sich so recht bei seinem Leichenbegängniß. Von Nah und Fern waren die kostbarsten Blumenspenden eingetroffeu, unter der großen Zahl der Leidtragenden bemerkten wir die Redakteure und Mitarbeiter der Presse sowie namentlich viele Mitglieder des Journalisten- und Schriststeller-Vereins. Die Beisetzung fand ans dem israelitischen Friedhof in Ohlsdorf statt. — Herr N. Samson, bisheriger zweiter Vorsitzender der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, hat zum Januar d. I. sein Amt uiedergelegt. In der gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten wurde Herr Alfred Levy zum Gemeindevorsteher gewählt, sowohl der Vater als auch der Großvater haben schon dieselbe Würde in unserer Gemeinde bekleidet. Herr Levy ist bereits seit vielen Jahren in den verschiedensten Zweigen der Verwaltung thätig, er gehört dem Vorstand des Altenhauses, des Vorschußinstitttts. des Levy-Stiftes und auch des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur an. 1. Frankfurt a. M., 13. Januar. Eine allgemeine Trauer hat heute hier alle Herzen ergriffen: eine edle Frau ist dahingegangeu, Frau Rabbiner Dr. Plaut ist ins bessere Jenseits abberufen worden! Wenn diese edle Frau in ihrem Leben die Hochachtung Aller, die sie kannten, genoß, so trat dies auch heute bei ihrer Beerdigung in rührender Weise in die Erscheinung. Eine unübersehbare Menschenmenge war herbeigeeilt, um der Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Da war kein Unterschied der religiösen Richtungen zu konstaliren, Freisinnige und streng Orthodoxe waren hier beisammen, um die Verstorbene und auch die Lebenden zu ehren. In der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes ergriff zuerst Rabbiner Dr. Horowitz das Wort und schilderte in anschaulichen Zügen das edle Wesen der Heimgegangenen. Die Worte des Redners fanden den lebhaftesten Wiederhall in den Herzen der Zuhörer. Nun trat aber etwas ein, was alle Anwesenden aufs Tiefste erschütterte. Der gebeugte Gatte der Verblichenen, der gar nicht hatte sprechen wollen, konnte es im letzten Augenblick nicht über sich gewinnen, von den theuren Resten

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