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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-25 · Heft 4 (25.1.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 4 (sequence 3)
Language
German
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4 der treuen Lebensgefährtin sich zu trenn.en, ohne ihr seine Scheidegrnße aus tieferschüttertem Herzen nachznrusen. Da blieb kein Auge thräneuleer. als man die Worte hörte: „Untergegangen ist die Sonne am Mittage!".'— Möge der vereinsamte Gatte, der scholl in viele Herzen mit seinem warmen Worte den Balsam des Trostes geträufelt, in diesem^seineu Berufe, Andere zu trösten, auch selber Trost finden! ZL Bonn, 16. Januar. Ein schönes Zusammentreffen! Am schwarzen Brett der juristischen Fakultät hiesiger Universität befindet sich soeben die Allzeige, das; sich Herr Gerichtsassessor Dr. Stier aus Charlottenburg, der Sohn des Berliner Rabbiners, mit einer Antrittsrede „über die Unverletzlichkeit des Eigenthums und des Verwaltnngsaktes" Hierselbst habilitirt, und dann die Bekanntmachung, daß Herr Referendar Max Cohn aus Bonn, der Sohn des hiesigen Rabbiners, am 19. d. Ms. behufs Erlangung der juristischen Doktorwürde die von ihm eingereichte Jnaugural-Dissertation „über die Behandlung des Nothstandes in den Ktz 228 und 904 des Bürgerlichen Gesetzbuches" vertheidigen werde. —t. München, 21. Januar. Der Nath des königlichen Landgerichts München 1 Dr. Alfred Cohen hat Titel. Rang und Gehalt eines Oberlandesgerichtsraths erhalten. Dr. Cohen hat seiner Zeit die Staatskonkursprüfung mit der Note I bestanden; er ist der erste Jude, der unter Belastung beim Landgerichte die Rechte eines Oberlandesgerichtsraths erhält. Da die vorhandenen Oberlandesgerichtsrathsstellen nur ein zu geringes Avancemellt für die Landgerichtsräthe gewähren würden, bekommen nämlich ungefähr 40 Landgerichtsräthe schon als solche die Rechte eines Oberlandesgerichtsrüths. Oesterreich-Ungarn. Wien, 21. Januar. Unsere angeblich antisemitisch verseuchte Residenz hat nun doch zwei jüdische Abgeordnete gewählt: Dr. Ofner und Dr. Ellenbogen. Man sieht daraus, was hier geschehen könnte, wenn die sogenannte Fortschrittspartei wirklich freisinnig. und wenn die hiesigen Juden nur ein bischen, wenigstens in entscheidenden Momenten, einig wären. Leider ist aber keine Aussicht vorhanden, daß beide Fälle in absehbarer Zeit eintreten könnten. — Anläßlich des 70. Gebnrtsfestes des Kaisers Franz Joseph wurde vom Leopoldstädter Bethausverein „Montesiore" einstimmig beschlossen, eine neue Thorarolle anzuschaffen und dieselbe „Kaiser Franz-Josephs- Jubiläumsthora" zu benennen. Auf ein an den Kaiser gerichtetes Gesuch wurde diese Bitte bewilligt. Am 14. d. M. wurde eine Deputation des Vereins vom Kaiser in Audienz empfangen. Der Sprecher der Deputation dankte für die Allszeichnung und setzte den Zweck des Bethausvereins auseinander. Der Kaiser antwortete hierauf: „Es dient Mir dies als ein besonderer Beweis Ihrer stets treuen Gesinnung; es hat Mich sehr gefreut, und Ich habe Ihren Wunsch sehr gern erfüllt. Wo ist Ihr Bethaus? Haben Sie schon Ihr eigenes Haus?" Dr. Brady antwortete: „Noch nicht, Majestät, aber es ist projektirt, ein solches zu bauen." — „Wo denn?" fragte der Kaiser. — „In der Leopoldstadt." Die Deputation wurde hierauf hnldvottst entlassen. — „Slowo Polskie" melden einen an die Affäre Araten erinnernden Vorfall, welcher sich in Lemberg vor einigen Tagen ereignete. Die zehnjährige Tochter des jüdischen Bürstenbinders Reisler wurde auf. der Straße von einem unbekannten Frauenzimmer angesprochen und mit Zuckerwerk nach dem entlegenen Vororte Lesienice gelockt, wo schließlich Vorübergehende auf das sich sträubende Kind aufmerksam wurden und dasselbe sannnt der Entsührerin auf den Gendarmerieposten brachten. Dort gab Letztere an, sie heiße Emma Lozinska und habe die Absicht gehabt, das Mädchen in ein Frauenkloster zn bringen, um es dort zu taufen. In dieser Angelegenheit wurde die Strafuntersuchung eingeleitet. — Im abgelaufenen Jahre war in Budapest die Zahl Derjenigen, die den jüdischen Glanben verlassen haben, eine große. 144 Erwachsene haben ihren Austritt aus dem Verbände der jüdischen Konfession angezeigt, welche Ziffer die Höhe von 200 erreicht, wenn auch die minderjährigen Kinder hinzugerechnet werden. Unter den Uebertreteuden befinden sich zumeist Ministerialbeamte, Lehramtskandidaten und Stndirende. — Jll Lakonlyak bei Oedeuburg ist der Rabbiner David Ullmann im 80. Lebensjahre und nach 52 jährigem verdienstvollen Wirken gestorben. Friede seinem Alldenken! — In Prag ist am 14. d. M. einer der allgesehensten und besten Männer der jüdischen Gemeinde, der Advokat Dr. Friedrich Dnschenes. im 58. Lebensjahre gestorben. Er gehörte seiner Zeit dem Stadtverordnetenkollegium, ferner Per Gelneinderepräsentanz und vielen jüdischen Vereinen als Vorstandsmitglied arl. Ehre seinem Andenken! Don Nah und Fern. — Bei dem Ordens- und Krönungsfeste erhielten: den Kronenordeu II. Klasse Geheimer Kommerzienrath Herz, III. Klasse Julius Bleichröder, IV. Klasse Harry Lö w e n stein. Reichsbankagent; den Rothen Adlerorden IV. Klasse Professor Dr. I. Caro-Breslau, Kommerzienrath Dannenbaum. SLadtrath Mamroth, A. Pinkus. Geheimer Medizinalrath Dr. Sander-Dalldorf, Sanitätsrath Dr. Würzbnrg hier; das Allgemeine Ehrenzeichen M. Cohn, städtischer Gelderheber hier. — Nach kurzem Leiden ist hier am 20. d. M. der Rechtsanwalt Leopold Katz im 41. Lebensjahre gestorben. Er war einer der tüchtigsten jüngeren Anwälte beim Landgericht I. — Wegen Beleidigung des Pfarrers Fr. W e i chm a n n in Sternberg i. N. wurde der Redakteur der „Deutschen Wacht", H. Berthold. zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt. Es handelte sich um die Schrift des Pfarrers Weichmann für das Schächten. - In Münsterberg feierte Herr Louis Berger seinen 80. Geburtstag unter lebhafter Theilnahme der Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die dem hochangesehenen und allgemein beliebten Manne durch ihren Vorstand die herzlichstell Glückwünsche sandten. ^6 mnltos annos! — Dem Kreisphysikus Dr. Kornfeld in Grottkau ist der Titel „Geheimer Sanitätsrath" verliehen worden. — In Gleiwitz ist am 17. d. M. Herr Meyer Staub im 74. Lebensjahre verstorben, der länger als ein Menschenalter der dortigen Gemeinde als Vorsteher und Repräsentant seine Dienste gewidmet hat. — In Posen ist am 15. d. M. der Rabbiner Dr. Max Landsberg im 71. Lebensjahre gestorben. Er war Rabbiner des Humanitätsvereins und Neligionslehrer am Gymnasium. Friede seiner Asche! - Dr. S. Grombacher, Lehrer an der israelitischen Neligionsschule in Frankfurt a. M.. ist zum Direktor der Straßbnrg i. E. neu begründeten Gemeindereligionsschule und zum Oberlehrer für Religion all den dortigen höheren Unterrichtsanstalten gewählt worden. — Wie dem „Mainzer Journal" mitgetheilt wird, hat jüngst der erste israelitische Lehrer im höheren Schulwesen Hessens seine Anstellung gefunden, und zwar Herr Sch wa rzsch i ld als Oberlehrer am Offenbacher Gymnasium. Damit ist denn wohl noch auf einem anderen Gebiete als im hessischen Justizdienst die Gleichberechtigung aller Konfessionen überzeugend dargethan. — In Bern bestand Fräulein Frieda Samter, Tochter des verstorbenen Stadtraths Dr. Samter-Danzig, das Doktorexamen ma§na eum lauste in germanischer Philologie, deutscher und englischer Litteratnr. Eine Jüdin, Fräulein Zipkin. ist in Bern Assistentin am anatomischen Institut; im Laboratorium war Fräulein Dr. Samelsohn beschäftigt; Privatdozentin für Aesthetik und Literaturgeschichte ist Fräulein Dr. Tumarkin daselbst. — In Asti ist Joseph Ottolenghi. der langjährige Vorsitzende der dortigen jüdischen Gemeinde, Bruder des Generals Ottolenghi, gestorben. Jll seinem Testament hat er u. a. auch die drei jüdisch-italienischen Zeitschriften s„Vesillo Jsraelitico", „Corriere Jsraelitico" und „Mose") mit Legaten bedacht. — Professor Alex. Ancona in Pisa ist in den Ruhestand getreten und hat bei diesem Alllaß hohe Ehrenbezeugungen von der Regierung und der Universität empfangen. Rektor der Universität Pisa ist der Professor des Handelsrechts David Supino. — Die etwa ein Jahr zurückliegende Herausforderung Robert v. Rothschilds in Paris durch den jungen Grafen Lnbersac, die seinerzeit keine Folge haben konnte, weil Rothschild minderjährig war, ist nun entsprechend ausgetragen worden, da der Beleidigte seine Großjährigkeit erreicht hat und an demselben Tage, wo dies geschah, dem Beleidiger seine Zeugen schickte. — In Petersburg feierte am 18. d. M. Rabbiner Dr. A. Drabkin sein 25jähriges Amtsjubiläum unter allgemeiner Theilnahme seiner Gemeinde und weiterer Kreise. — In der jüngsten Sitzung des Aussichtsraths der 3. C. wurde Mr. Pariente, bisher Direktor der Allianceschnle zu Tetuan, zum Inspektor der voll Baron Rothschild übernommenen Kolonien in Palästina ernannt. Mr. Pariente gilt als einer der begabtesten Beamten der ^Iliauee Israelite, der in Smyrna mit großem Geschick die Schulen und sonstigen Wohlthätigkeitsinstitutioneu derselben organisirt hat. Gleichzeitig ist Mr. David Gazes zum Direktor der Kolouisationsgesellschaft in Buen os-A ires ernannt worden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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