Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1901)
- Date
- 1901-01-11
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Miscrllen. — Einen Platz im Paradiese verpflichtet sich nach einer Mittheilung Polnischer Blätter ein in einem kleinen Orte Russisch- Polens wohnender Nabbi gegen eine Zahlung von 2000 Rubel zu verschaffen. Dieser Zadik stellt über den Empfang der Summe eine Quittung aus, in welcher es u. a. heißt, er verpflichte sich, „täglich, im Laufe eines Jahres, sür den Verstorbenen zu beten, wodurch dieser den Händen der bösen Geister entrissen und ihm der direkte Weg in das Paradies eröffnet wird." Trotz der Ungereimtheit dieser ganzen Sache soll der „Zadik" durch seine „Quittungen sür das Paradies" bereits ein beträchtliches Vermögen erworben haben. Unerhört! — Goethe und die Bibel. Außer durch die in der Sprache Goethes nachweisbaren Spuren des biblischen Einflusses wird die ästhetische Wirkung namentlich des Alten Testaments ans den Dichter uns durch Goethe selbst bezeugt, der im vierten Buch von Dichtung und Wahrheit ausdrücklich hervorhebt, wie die idyllischen Bilder des orientalischen Lebens in den fünf Büchern Mosis ihn zur Sammlung und Beruhigung stimmten. 1775 schrieb Goethe an Merck: „Ich habe das Hohe Lied Sal om os übersetzt, welches i st die herrlichste Sammlung Liebeslieder, die Gott erschaffen hat". Die Bedeutung der Bibel überhaupt für den „Faust" und ihr dichterischer Einfluß auf ihn ist häufig bemerkt worden und aus jedem Kommentar ersichtlich, daß z. B. der „Prolog im Himmel" auf Hiob I, 6 beruht. — In einer Abhandlung „Goethes Faust und das Hohe Lied" hat O. Pnivwer neuerlich nachgewieseu. daß der „Faust" viele wörtliche Anlehnungen an Schir Hafchirim enthält, das Goethe in den Noten zum „Divan" wie folgt charakterisirt: Durch uud durch wehet eine milde Luft des lieblichsten Bezirks von Canaan; ländlich trauliche Verhältnisse. Wein-, Garten- und Gewürzbau. etwas von städtischer Beschränkung." Analog ist die Atmosphäre der Gretchenscenen im „Faust". Selbst der Monolog am Spinnrad zeigt den Einfluß des biblischen Gedichtes, namentlich in der sechsten und siebenten Strophe, in der die Vorzüge des Geliebten geschildert werden. Wenn Gretcheu von Faust „seiner Rede Zauberfluß" hervorhebt, so findet sich im Hohen Liede „seine Kehle voll Süßigkeit", wie Goethe übersetzt. — Einer unserer hervorragendsten Litterarhistoriker, Wilhelm Scherer, hat bereits darauf hiugewieseu, daß im „Egmout" die Situation zu Beginn des fünften Aufzuges, da Klärchen, in den Straßen umherirrend, ihren Geliebten sucht, .von jenen Stellen im Hohen Lied eingegeben sein wird, in denen Snlamith nach ihrem Bräutigam forschend geschildert wird. Den starken Eindruck, den das Hohe Lied auf Goethe gemacht, bestätigen auch spatere Werke des Dichters, so z. B. die Palldora. Im 17. Buch voll Dichtung uud Wahrheit sagt Goethe : „Es war ein Zustand, voll welchem geschrieben steht: Ich schlafe, aber mein Herz wacht" (Schir Haschirim V, 2). Goethe hat sich irr einer Rezension einer Uebersetzuug des Hohen Liedes (von Umbreit), einer Besprechung, die erst nach seinem Tode gedruckt wurde, mit der Auffassung, daß Alltage uud Ausführung des Hohen Liedes dramatisch seien, einverstanden erklärt, einer Auffassung, die erst von Mandel staur konsequent durchgeführt worden ist.! Geschäftliche Notizen. — Die schöllell Pariser! n n e u sind entzückt gewesen, als sie Leichners Fabrikate, die sie in so reichem Maße gebrauchen, auf der > Pariser Ausstellung so herrlich vertreten fanden und schätzen diese! Schönheitsmittel jetzt um so höher, seit sie wissen, daß der Fabrikant! L. Leichner Vize-Präsident der Preisrichter sür Parfümerien war. Leichners Fettpuder, Hermelinnn d Aspa si a - Pu d er , ferner Rothschminken für Straße und Theater, haben sich über die ganze Erde verbreitet lind sind das beliebteste Verschönerungsmittel für das Gesicht geworden bei Arm und Reich. 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