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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-04 · Heft 1 (4.1.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 übermäßigem Glaubenseifer vorgenommen worden. Der königliche Staatsanwalt erhob nichtsdestoweniger gegen den Rabbiner Mayer Schuck die Anklage wegen Wappenverletzung. Bei der diese Woche stattgehabten Gerichtsverhandlung verwahrte sich der Rabbiner gegen diese Anschuldigung, worauf er mit der Begründung sreigesprochen wurde, weil im vorliegenden Falle von einer Wappenverletzung keine Rede sein könne. — Der Debreziner Frauenverein für Krankenunter stütz u ng feierte die 25. Jahreswende seiner Begründüng. Aus diesem Anlasse gab der Verein eine Festschrift heraus, für die Litteraten, Staatsmännerund viele hervorragende Persönlichkeiten Beiträge lieferten. Unter Anderen auch Koloman von Tisza, Graf Albert Apponhi. Emil Abrünyi, Eugen und Viktor Räkosi u. s. w. — Die Pester Lloydgesellschaft hat den Beschluß gefaßt, für ihren Sitzungssaal das Bild Siegisrnnnd Kohners, des Vorstehers der Kultusgemcinde, anfertigen zu lassen. — In Szatmar ist der Spitalarzt Dr. Ignaz Gönczy unter großer Theilnahme der Stadtbevölkernng zu Grabe getragen worden. Der resormirte Geistliche Räcz hielt die Grabrede. — Vor Kurzem richtete die Universitätsjugend auf Anregung der katholischen Volkspartei an den Universitätsseuat die Bitte, es mögen in den Lehrsälen, in der Aula u. s. w. Kruzifixe und Heiligenbilder angebracht werden. Der Senat hat in seiner jüngsten Sitzung dieses Verlangen abschlägig beschrieben. Nußland. 1^. 1. Odessa, 27. Dezember. Man theilt uns mit, daß der jüdische Soldat des Stretenskhregimentes (von der Reserve) Zukasow den Militärorden von St. Georg IV. Klasse für den Heldenmuth, den er in der Schlacht bei A ig u n bewies, empfangen hat. — Die Stadtverwaltung H el sin g sors beschloß, der dortigen jüdischen Gemeinde gratis einen Platz zum Bau einer Synagoge und einer Schule zu geben. — In der Sitzung der Bessarabischen Guberniallandschaft, die heute in Kischinew stattfand, ehrte dieselbe das Andenken des vielfach verdienten Dr. Blumenfeld mit Erheben von den Sitzen. Ferner beschloß die Versammlung, der Familie des Dahingeschiedenen ihr Beileid auszudrücken; dann genehmigte dieselbe die Unterstützung an die Familie des Heimgegangenen, und zwar in folgender Weise: für Erziehung der Kinder 9 00 Rubel jährlich im Laufe von zehn Jahren. — Das Komitee der„GesellschaftzurVerbreiLungdes Handwerks nnd d er Agrikultur unter den Iuden in Rnß - Land", die zum Gedächtniß der 25jährigen Regierung Kaiser Alexander II. gegründet wurde, veröffentlichte den Bericht über die Thätigkeit desselben für die abgelanfenen 20 Jahre, vom Jahre 1880 bis 1899. Im Laufe dieser Zeit betrugen die Einnahmen: an Spenden 225 570 Rubel Jahresbeiträge 118 302 Rubel, spezielle Geschenke für verschiedene Sachen 90 969 Rubel. Die Zinsen von dem eisernen Fonds betrugen 282 823 Rubel. Im Ganzen, inclusive der Rückzahlungen von Unterstützungen, beträgt die Einnahme in dieser Periode von 20 Jahren die Summe von 870 619 Rubel. Die Ausgaben betrugen während dieser Zeit an Unterstützungen 434 902 Rubel, wovon an verschiedene Lehranstalten 138 909 Rubel, den Zöglingen 18 887 Rubel, den Ackerbauern 105055 Rubel, den Handwerkern 172 050 Rubel. Nach der Per 1. Januar 1900 abgeschlossenen Bilanz betragen die Kapitalien dieser Gesellschaft 400 808 Rubel, wovon der eiserne Fonds 343 550 Rubel und spezielle Kapitalien 53 289 Rubel bilden.— In Bels stok ist der Plan entstanden, eine niedrige technische Schule für die jüdische Jugend zu gründen. Es verlautet das Gerücht, daß der bekannte Moskauer Philanthrop Herr Wolfs Wysozky die Bereitwilligkeit ausgedrückt habe, 60 000 Rubel zu spenden, um diese Idee zu verwirklichen. Das Projekt des Typus dieser technischen Schule wird in diesem Momente ausgearbeitet. — Aus Warschau schreibt man: Das plötzliche Hinscheiden des Warschauer General-Gouverneurs Fürsten Jmeretinsky hat die dortige Bevölkerung in tiefste Traner versetzt. Hinsichtlich seines Wirkens zu Gunsten der Juden müssen wir an erster Stelle die Erhöhung der Norm der jüdischen Zöglinge im polytechnischen Institute bis 15 Prozent und in den Handelsschulen bis 40 Prozent hervorheben. Der verewigte Fürst zog die Forderung der jüdischen Bevölkerung in Betracht und ihre vollkommene Bereitwilligkeit, bedeutende Opfer für die erwähnten Lehranstalten zu bringen, die ausschließlich aus Gemeindemitteln entstanden. Unter seiner Verwaltung wurden im Königreich Polen zum ersten Male jüdische wohlthätige Gesellschaften, und erst vor Kurzem die Sparkasse der jüdischen Handwerker und Kleinhändler in Publin. bestätigt. Die auf seine Veranlassung niedergesetzte Kommission betreffend die Bauernangelegenheiten im Königreiche ist n. a. jetzt damit beschäftigt, die Resultate der Anwendung des Gesetzes vom 11. Juni 1891, welches den Juden den Ankauf von Bauernland verbietet, zu studiren. Von Nah und Fern. — Die „Evangelische Allianz" hat für ihre Gebetswoche vom 6. bis 13. Januar 1901 für den 12. d. M. die Vorschrift ausgegeben. dafür zu beten, „daß der Antisemitismus in allen Ländern aufhören möge". Darüber natürlich große Entrüstung bei den Antisemiten. — Dr. med. Friedrich Wolfs hat den Titel Sanitätsrath erhalten. — Daß bei dem Reichs Militärgericht unter 30 Rechtsanwälten sich 6 jüdische befinden, bereitet der „Deutschen Wacht" großen Kummer. Das antisemitische Blatt meint, daß die militärischen Gerichtsbehörden jüdische Rechtsanwälte überhaupt nicht zulassen sollten. — Am 28. v. M. beging das in weiten Kreisen unserer Gemeinde wohlbekannte Caspar Lichtenstein'sche Ehepaar das Fest der silbernen Hochzeit. Deputationen verschiedener gemeinnütziger Vereine überbrachten dem Jubelpaare ihre Glückwünsche. Rabbiner Dr. Lippschitz würdigte in längerer Rede die Verdienste desselben um die Neligiousschule der Lippmann-Tauß - Synagoge und den Franeuverein „Mathilde". -- Der Fabrikbesitzer Louis Nathan in Nowawes bei Potsdam ist zum Kreistagsdeputirten gewählt worden, ebenso der Kaufmann C. BadtinLoebau i. W.-Pr. — Verschiedenen Blättern wird „aus zuverlässiger Quelle" aus Könitz gemeldet, daß sowohl von der Staatsanwaltschaft als auch von der Vertheidigung gegen das Urtheil des Schwurgerichts im Prozeß Masloff das Rechtsmittel der Revision eingelegt worden ist. Die Zustellung des Urtheils sei am vergangenen Sonnabend erfolgt; daraufhin habe bereits die Staatsanwaltschaft die von ihr eingelegte Revision gerechtfertigt. Der Vertheidiger der verurtheilten Frau Roß soll keine Revision eingelegt haben. — Ueber die antisemitischen Agitationsvorträge des Pfarrers Krösell in Kloxin, Kreis Pyritz, ist vor einiger Zeit eine Beschwerde an das brandenbnrgische Konsistorium gerichtet worden; ein Bescheid scheint indeß noch nicht eingegangen zu sein. — Die Unterzeichner des Aufrufes der neuen Vereinigung in Könitz haben eine Vorladung vor den Untersuchungsrichter erhalten. Wie von betheiligter Seite mitgetheilt wird, handelt es sich für den Untersuchungsrichter darum, festzustellen, was eigentlich bezweckt wird, ob etwa Anhaltpunkte bekannt oder vorhanden sind, welche die Behörden nicht gewürdigt haben. — Der Kaufmann Jacoby aus Tuchel, der am 22. Oktober v. I. vom Konitzer Schwurgericht wegen Meineides zu 1 Jahr Zuchthaus verurtheilt wurde, inzwischen aber ins Krankenhaus hat gebracht werden müssen, hatte gegen das Urtheil Revision eingelegt. Das Reichsgericht verwarf indeß am 19. v. M. die Revision, so daß das Konitzer Urtheil rechtskräftig geworden ist. — Die Ko nitzer Strafkammer verurtheilte neun jugendliche Burschen ans Tuchel, die sich am 10. Juni an den dort infolge des Konitzer Mordes verübten Ausschreitungen gegen jüdische Einwohner betheiligt haben, zu Gefängnißstrasen von einer Woche bis vier Monaten. — Die Seelsorge für die im Zuchthause zu Kronthal untergebrachten israelitischen Strafgefangenen ist von der Regierung dem Rabbiner Dr. Walter in Bromberg übertragen worden, der hente in der Strafanstalt die erste Betstunde abhielt. — Am 27. v. M. verschied in Ratibor im Alter von 83 Jahren Herr Stadtrath Nathan Freund. — Nach Mitteilungen des bayerischen Oberkonsistoriums traten im Jahre 1899 zur evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern 16 Juden über, eine verhältnißmäßig geringe Zahl. - Dem leitenden Arzt der Sanitätskolonne in Konstanz, Dr. Guggenheim. ist das Ritterkreuz II. Kl. des Zähringer Löwenordens verliehen worden. — In der Todtenliste der vorigen Woche (Nr. 52> sind die Namen des bekannten italienischen Diplomaten und Senators Isaak Artom, des französischen Dichters Louis Natisbonne und des Barons Adolf v. Rothschild nachzutragen. — Die erste Frau, die beim Pariser Barreau zugelassen wurde, Madame Petit, ist eine Jüdin. — Der Hanptmann der Artillerie Bloch ist zum Professor an der Artillerieschule von St. Cyr ernannt worden. — Zn London ist Abraham Mocatta, ein Neffe Moses Montefiore's, früher Präsident der portugiesischen Gemeinde, zugleich einer der berühmtesten Schachspieler, im 69. Lebensjahre gestorben. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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