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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-26 · Heft 43 (26.10.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Sprechfaul. Geehrte Redaktion! EZierdurch erlaube ich mir au Sie die Bitte zu richten, Ulkterstützungsgesuche beziehungsweise Aufrufe für einzelne Personen und Familien auch im Jnseratentheile nicht mehr aufzunehmen. Vor etwa drei Wochen waren in einer Nummer Ihres Blattes zwei derartige Inserate — von einem Lehrer in Preußen und einem Rabbiner in Süddeutschland unterzeichnet. Was mich zu dieser Bitte veranlaßt, ist zunächst die Erfahrung, hinter solchen Inseraten häufig Schwindel steckt. — Durch Vermittelung der betreffenden Gemeindevorstände habe ich irr mehreren Fällen solchen Schwindel feststellen können — in zwei Fällen waren Kantoren an der Beute betheiligt, einmal sogar ein sogenannter Rabbiner, richtiger Prediger, in einer Gemeinde Böhmens. — Was aus solche Inserate eingeht, und wie es Verwendung findet, entzieht sich eben ganz der Kontrolle. Aber selbst, wenn die Angaben wahr und die eingehenden nage richtig verwendet sind, sind solche Inserate schädlich. Wer ür die einzelne Familie sorgen null, ohne selbst die Mittel zu haben, der mllß sich in seinem Kreise bemühen, aber er hat nicht das Recht, sich an Hie große Oeffentlichkeit der jüdischen Presse zu wenden. Diese muß eben für öffentliche Nothstände Vorbehalten bleiben. Diese Inserate gehen von falschen Gesichtspunkten aus und täuschen den Leser. Es wird der Eindruck erweckt, als handle es sich bei diesen Ausnahmefällen um besonderes Elend. Das ist aber nicht wahr. Die Leute, welche das Ingenium und Geld haben, Inserate zu zahlen, sind sicher nicht die Aermsten der Armen. — Es giebt aber auch in Deutschland Tausende, denen es schlechter geht, vom Osteil ganz zu schweigen. * Berlin, 12. August. Hochachtungsvoll Miscrtten. — Der Ritnalmord im Ei se n bah ll c o up ü. Wir lesen in einenl Budapester Blatte: Zwei elegant gekleidete Herren hatten bereits einICoupöN. Klasse, occitpivt, als drr Abgeordnete der Volkspartei Franz Buzüth am Perron erschien. Der Kondukteur drängt zur Abfahrt. »Hierher bitte," ruft er. auf das von den beiden Herren oceupirte Coupe weisend. „Schon.wieder zwischen Juden?" antwortete indignirt der Herr Abgeordnete. Die beiden Herren hatten sich bei dieseil Worten allgeblickt und llur eine leise Bemerkilng gemacht. „Ein anderes Coupe habe ich llicht," — antwortete 'trocken der Kondukteur. Herr Franz Bnzüth sah sich denlzufolge genöthigt, in dem Coupe Platz zu nehmen, ohne jedoch die Mitreisellden eines Grußes zu würdigen. Die beiden Herren beginllell eine recht lebhafte Unterhaltung. „Weißt Du. wer unser Mitreisender ist?" — „Habe wirklich keiile Ahnung." — „Ein spanischer Stierkämpfer, er hat ein Engagement für Oes-Budavüra angenommen?" — „Wirklich? Na das Aussehen spricht für die Nichtigkeit." — Buzäth fand es llicht der Mühe werth. die Herren über den Jrrthum auszuklären. Nach einer Weile begalln bei* eine abermals: „Vor diesen! Spanier können wir ungenirt sprechen. er versteht ja so kein Wort. Sag' mal, habt ihr schon das Christenmädchen?" — „Zum Passahfest meinst Du? Ja dieslnal haben lvir einen Prachtkerl, vollblütig, 16 Jahre alt und bei alledenr auch sehr billig erhalten." — „Wir haben Malheur, ich sürchte, es geht uns so wie irn Vorjahre." — „Wieso?" — „Denke Dir, sie lieferten uns ein blutarmes Mädchen, wochenlang ließell »vir es mit Eisen füttern, jedoch vergebens. Im übrigen haben lvir noch ein Mädchen in Aussicht, jedoch lvird auf dieses sehr aufgepaßt." — „Schrecklich! Diese Katholiken . . — „Ja, heute morgen müssen lvir ullseren Traditivllen untren werdell!" — „Was! Osterbrod ohne Christenblut essen, ... na das wäre siirchterlich." — „Diese vielen Unkosten für dell Apparat wären dann rein hinansgeworsen." — „Wir haben ullseren Apparat aus der Schlveiz bekommen." — „Wir direkt aus Eligland; das stärkste Christenmädcheil lvird in zehll Minutell ein Häuflein Asche." — Franz Buzüth fühlte sich während dieses Zlviegespräches recht unbehaglich, wiederholt nahm er seine Mitreisendell scharf aufs Korn, konnte sich endlich nicht zurückhaltell ulld sprach zu den unbeqllelnen Reisige,lassen „Solch' dumnle Witze kann Nlan nur voll Inden hörell." — „Oho! mein Herr, ich heiße N. N. nnb bin der Bruder des Veszprimer Domherrn „Und mein Vater ist resornlirter Bischof," sprach der zlveite. Zur Bekräftigung ihrer Angaben überreichten sie denl verblüfften Abgeordlletell ihre Visitkarten. Er lvird sich nächstens wohl überlegen, im Coupe zu antisemiteln. Nuelulruclcere!. 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