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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-12 · Heft 41 (12.10.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 41 (12.10.1900)
Date
1900-10-12
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 29. August inubom Brüxer KreiSgerichte stattgehabten Einspruchsverhandlung wurde dem Einspruch Folge gegeben. Gegen dieses kreisgerichtliche Erkenntniß führte null die Staatsanwalt Beschwerde au das Oberlaudesgericht, welches der Beschwerde Folge gab itub das kreisgerichtliche Erkenntniß dahin abäuderte, daß es die Konfiskation bestätigte. In den Gründen der tuteveffaiiten Entscheidung heißt es: „Der Beschiverde der Staatsanwaltschaft war Folge Zu geben, weil der in Rede stehende Aufruf im Widerspruche mit dent jeden! redlichen Geschäftsverkehre gebührenden Schutze zweifellos auf die nraterielle Schädigung der Gewerbetreibenden anderer Nationalität und Religion, somit auf Feindseligkeiten gegen dieselben abzielt und hiennit den Thatbestand des im § 302 St.-G. bezeichneten Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung begründet." — Aus Kolomea in Ostgalizien wird berichtet: In der Ortschaft Zalucze überfielen mit Hacken und Messern belvaffnete Bauern das Wirthshaus eines jüdischen Schankwirthes Koppel Siegel und tnassakrirten in grausamer Weise den Wirth. seine Frau und Magd, wonach sie alle Werthsachen raubten. Koppel Siegel starb unter schrecklichen Schmerzen, seine Frau und Magd sind lebensgefährlich verwundet. Rußland. I.. T. Odessa, 27. September. Der in diese«! Momente hier weilende kaiserliche Leibchirurg Professor Weljatn in otv besuchte am 8. d. das jüdische Hospital. Er wurde vorn Oberarzte Dr. Iusefo!vitsch, dem Ordinarius Dr. Pouritz und den Mitgliedern des Kuratoriums empfangen. Die Sauberkeit, die weiten Räume, die Masse von Licht und Luft in den Krankenzimmern brachten bei dem berühmten Professor einen angenehmen Eindruck hervor. Hierauf begab sich Prosessor Weljaminow' in Begleitung des Oberarztes und des übrigen Personals in die gynäkologische Abtheilung und von dort in die Sommerbaracken. Professor Weljaminow war von der Besichtigung dieser Abtheiluug ungemein zufrieden. Aber einen besonders glinstigeu Eindruck brachte auf den Gast die Besichtigung des zu Ende gehenden Baues des Operationssaales hervor, der aus den Mitteln der Frau Louise Aschkenasy errichtet wird. Bekanntlich kostet der Bau dieser Abtheiluug 100 000 Rubel. Professor Weljaminow drückte dem Direktor seine besondere Anerkennung aus und benlerkte. daß tnan ein ähnliches Operationsgebände schwerlich selbst in den großen Städten Rußlands finden wird. — Der Senat entschied, daß die Juden im Ansiedelungsrayou das Recht haben, sich zeitweilig aus detn Lande aufzuhalten, tvobei die Frist des Aufenthaltes von der Nothlvendigkeit. die dieselbe hervorgerufen, bedingt ist. — Im gegenwärtigen akademischen Jahre tvird der Prozentsatz der jüdischen Studenten in der kaiserlichen Petersburger Universität (3 Prozent) nicht nach der allgeineinen Zahl aller in der Universität, sondern nach der Zahl in jeder Fakultät besonders Anfgeuommenen berechnet. Das Resultat dieser Maßregel wird die Verringerung der Zahl der jüdischen Studenten zur Folge haben, die die Petersburger Universität beziehen tverden, da in die historisch-philologische Fakultät und die der orientalischen Sprachen sehr wenig Juden eintreten. — Bor Kurzen! wurde die Aktiengesellschaft z n m Bau hygienischer Wohnungen für die arrue jüdische Bevölkerung bestätigt. Diese Gesellschaft wird hauptsächlich im Königreiche Polen und den westlichen Gouveruetnents suuktioniren. Der Sitz des Verwaltnngsrathes befindet sich in St. Petersburg. Bon den zweitausend Aktien zeichnete die „Jca". die vorn verewigten Baron Moritz von Hirsch begründet wurde, 900 Aktien. Von Nah und Fern. — De«! Landgerichtsrath Lion wurde bei«! Uebertritt in den Ruhestand der Rothe Adlerorden IV. Klasse verliehen. — Die Leitung der neuerrichteteu Universitätsanstalt für Massage wurde Herrn Prosessor Dr. I. Zabludvwski hier übertragen. — Zn Handelsrichtern sind ernannt: der Fabrikbesitzer Georg Be er mann, der Bankier und Konsul a. D. Julius Paul Friedetnann. der Kaufiuann Julius Grüuwald, der Bankier Dr. jur. Paul Arons, der Kaufmann Theodor Schück, der Hofjuwelier Heinrich Strauß in Berlin bei dem Landgericht I in Berlin. Zu stellvertretenden Handelsrichtern sind ernannt: der Kaufmann Theodor Pi neu s, der Fabrikant Jakob Philipps ohn, der Bankier Seliuar Solmitz, der Kauflnauu Hermann Hansen, der Direktor Dr. Phil. Byk, der Kaufntann L ö b e l Mendelssohn, der Buchdruckereibesitzer Hugo Bernsteil! in Berlin, der Kaufmann Sally Ei sner in Charlottenburg. bei de«! Landgericht I in Berlin. — Infolge eines Herzschlages verschied am 7. d. M. im 75. Lebensjahre der Zeichen- und Schreiblehrer Loeweuthal. Seit dein 1. März 1859 widtnete er sich an der hiesigen Knabenschule der jüdischen Gemeinde mit hingebnngsvolleiu Eifer seinen! Berufe. — Der in deni Preßprozeß anläßlich der Konitzer Mordthat zu einem Monat Gefänguiß vernrtheilte Redakteur Haus Contzen von der „Germania" hat die Revision gegen das Urtheil angemeldet. — Die Censnr hat den „orientalischen Natursängern" im Theater Grand Hotel Alexanderplatz das von der Direktion eingereichte Melodran!a von Goldfaden „Die Opferung Isaaks" für die Aufführung verboten. — Die alrtisemitische „Charlottenburger Kritik", herausgegebeu von Rudolph Plack, ist nach halbjährigem Bestehen eingegangen. — Ein 13 jähriger Schüler ans Gröbzig tvurde von der dritten Strafkantmer des Landgerichts Dessau in der gestrigen Sitzung wegen Grabschändung in zlvei Fallen zu einer Gesängnißstrafe von drei Wochen verurtheilt. Der Angeklagte hatte ün Dezember v. I. auf dem israelitischen Friedhofe in Gröbzig Einfassungsstücke und Juschriftsplatteu von dem Gräbern losgerissen und im April d. I. mit Steinwürfen ein Grabmal zertrümmert. - Dr. Gerson Lange, Rabbiner der orthodoxen westfälischen Vereinigung in Marburg wurde als Nachfolger des verstorbenen Dr. M. Hirsch zum Direktor der Realschule und höheren Töchterschule in Frankfurt a. M. einstimmig gewählt. — Auf der Obstausstellung in Bremen erhielt die Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover 3 erste Preise, und zwar: 1. für die beste Sammlung von hochstämn!iget! Obstbanmen, 2. für die beste San!mlung gut gezogener Zwergobststämme und 3. für die beste und zwecklnäßigste Vorführung von Obstbäumen und Fruchtsträuchern. — Senator Trarieux in Paris veranstaltete eine Anfrage bei den Sektionen der „Liga zunt Schutz der Menschenrechte", um einen Aufruf an die Nnmänen zu richten, in den! er sie zur Gewährung voller Rechte an die Juden in Runiänien anffordert. — Der bisherige Generalsekretär der Präfektur in Marseille. M. S chr am a ck, wurde zum Präfekteu des Departemeuts T a r n - e t - G a r o u n e gewählt. Früher war derselbe Kabiuetsdirektor des Polizeipräsekten Lepine in Paris. — Der Generalkommissar für Schweden bei der Weltausstellung in Paris, Arthur Thiel, hat das Konnnandeurkreuz der Ehrenlegion erhalten. — In den Waisenratb der jüdischen Gemeinde in Londot! wurden zlvei Frauen mit großer Majorität gewählt. Früher waren in der jüdischen Gemeinde die Frauen von allen derartigen Aemtern aus geschlossen, jetzt giebt es überhaupt nur zwei jüdische Körperschaften in London, die nicht Frauen in irgend welchen Ehrenstellen haben. - Bei dieser Gelegenheit wird wieder die alte Zeitungsente ansgewärmt, daß Rachel Frank in San Francisco das Aiut eines Rabbi ansübe, das ihr von der jüdischen Gemeinde verliehen worden sei. Die Nachricht ist runvahr. — Nach den Angaben polnischer Zeitungen finden Heirathen bei den Juden in Russisch-Polen schon früh statt. Der Prozentsatz beträgt 31.9 pro 1000. Die Zahl der unehelichen Kinder ist sehr gering: 2.18 auf 1000, während sie sich bei den orthodoxen Christen auf 12,9 und bei den Katholiken auf 16,67 beläuft. Die Sterblichkeit in der jüdischen Bevölkerung ist geringer als bei den übrigen. Sie beträgt bei ben Juden 17,27 bei den Protestanten 21.59 und bei den Katholiken 24.82. — In den beiden s n d r n s s i s ch e n Gonvert!etnents Cherson und Jekateriuoslaw giebt es gegenwärtig 31 jüdische Dörfer, die zusammen 127000 Hektar Land besitzen, von denen 87 000 Hektar gutes Getreideland, der Rest Weide-, Wald- und Wiesenland ist. Die 1090 Fan!ilien besitzen 3506 Gebäude nebst 49 Mühlen, an Vieh besitzen sie 11584 Kühc. 9544 Ochsen und 3285 Pferde sowie 4530 Stück Kleinvieh. Die Ernte der Bauern war in diesem Jahre eine überaus klägliche. Neben den verschiedensten Stenern in baar und Naturalleistungen haben die Kolonisten selbstverständlich auch die Blutsteuer zu entrichten. Es wurden in! Jahre 1899 von den 35000 Inden (davon 18100 männlichen Geschlechts) 308 einberufeu mrd von diesen 105 eingestellt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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