Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 37 (14.7.1900)
- Date
- 1900-07-14
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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64. Jahrgang. Nr. 37. Allgemeine Kerlin» 14. September 1900. eitung öes Audenlhums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich.! Abonnements-Preis: Durch Buchhandel,! Post oder direkt von der Expedition in Berlin I unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. I Redacteur: Gustav Karpeles.! Begründet von Rabbiner 21*- Ludwig Philippson-Konri Verlags-Erpe-ition: Gerlin, Herusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Leitartikel r Glaubensbekenntniß rmd höheres Studium. — Die Woche. — Prozeß Jsraelski. — Aus Westpreußen. — Ueber den finanziellen Rückgang und den Verfall jüdischer Gemeinden. Von Moritz Grünfeld in Schwersenz. — Feuilleton: Bethulah. XI. Von I. Zangwill. — Von der Reise. VI. — Litterarische Mittheilungen. Der Gemeiudebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Königsberg i. Pr., Gleiwitz, Frankfurt a. M., München, Bruchsal, Wien. — Bon Nah und Fern. Glaubensbekenntniß und höheres Studinm. Berlin, 12. September. ^Äpiner der giftigsten Pfeile aus dem Köcher des Antisemitismus richtet sich bekanntlich gegen das Streben der Juden nach höherer Bildung, gegen den Prozentsatz, den diese in den höheren Schulen Deutschlands bilden. Am Liebsten ivürden unsere Gegner nach dem theuren russischen Vorbilde, einen bestimmten kleinen Prozentsatz für die Juden an Ghmnasien und Universitäten festsetzen. Die statistischen Notizen, die die „Kreuzzeitung" und ihre Affiliirten von Zeit zu Zeit darüber bringen, geben einen deutlichen Fingerzeig, wohin diese Leute zielen. So kommt denn eine Schrift sehr zu rechter Zeit, die sich in streng objektiver Weise mit den einschlägigen Fragen auf Grund eines reichen Materials und eingehenden Studiums beschäftigt. Es ist dies eine Arbeit voll Dr. Ludwig Cron: „Glaubens-Bekenntniß und höheres Studium", die demnächst im Verlage von A. Wolfs in Heidelberg ericheinen wird, und voll der wir durch die Güte der Verlagshandlung schon jetzt die ersten Aushängebogen erhalten haben. Die Untersuchungen Cron's, die sich hauptsächlich um die Stellung der beiden christlichen Konfessionen zu den geistigen Fortschritten drehen, haben natürlich auch für uns ein großes Interesse, da sie in ihrer Beschränkung auf ein deutsches Land, in dem auch die Juden eine angesehene Stellung einuehmen, einen werthvollen Blick in die Verhältnisse derselben gewähren und dadurch Schlüsse aus die Gesammtlage gestatten. Der erste Abschnitt handelt von der durchschnittlichen Gesammtbetheiligung der Bekenntnisse am Studienzilgang. Von («201 Studirenden stellten für die Zeit von 25 Jahren die Katholiken im Durchschnitt 126, die Evangelischen 169, die Juden 113 jährlich. Die durchschnittliche Seelenzahl für den gleichen Zeitraum, alis den in denselben fallenden Volkszählungen berechnet, betrügt in Tausenden für die Katholischen 585,4, für die Evangelischen 543,6, für die Israeliten 26,6. In übersichtlichen Zahlen dargestellt, baut sich demnach die Bevölkerung auf im Verhältnisse von 98 (katholischen): 54 (evangelischen): 22/a (israelitischen), während die Studientheilnahme in der gleichen Reihenfolge der Konfessionen bezeichnet wird durch die Zahlen 12%: 11:1%. Im ganzen ergiebt sich somit ein starker Unterschied in der Betheiligung am Zugang zu den Studien, und zwar erweisen sich die Juden auch hier als am regsten; ihnen folgen die Evangelischen, diesen die Katholiken. Das zweite Kapitel handelt von der Vertheilung der Konfessionen auf die drei Studienorte, die der Verfasser seiner Schrift zu Grunde legt, nämlich ans die Universitäten zu Heidelberg und Freiburg, sowie auf die technische Hochschule zu Karlsruhe: Evangelische Katholiken Israeliten Heidelberg: 1383 Freiburg: 390 Karlsruhe: 955 654 229 1787 61 715 27 Diese Zahlen bestätigen zunächst die konfessionelle Stellung der beiden Universitäten. Daß in Freiburg weit weniger Protestaiiten als in Heidelberg Katholiken und weiterhin in Heidelberg das Großtheil der Israeliten studiren, ist dabei bedeutungslos, da die Ursache, wie wir später sehen werden, in erster Linie anderer als religiöser Natur ist. Karlsruhe erweist sich auch nach der Frequenz seiner Studien als interkonfessionell, doch fällt immerhin auch hier der iin Vergleich mit der Volkszahl stärker noch als bei den Universitäten hervortretende Rückstand der Katholiken und gegenüber ihrem sonstigen Stndieneifer noch mehr derjenige der Israeliten auf. Von mehr lokalem Interesse ist der dritte Abschnitt, in ivelchem der Antheil einzelner Bezirke Badens an dieser Studienstatistik dargesteüt wird. Dagegen ist das vierte Kapitel, welches die wirthschaftliche Lage des Landes innerhalb dieses Zeitraums bespricht, wieder von allgemeinerem Interesse. Die Anzahl der Juden betrug im Jahre 1896 26735 gegen 25 599 im Jahre 1867. An dem Wachsthum der allgemeinen Bevölkerung sind die Juden daselbst mit 3,84 Prozent betheiligt. Das fünfte Kapitel des Cron'schen Buches handelt von dem Stndienzugang in Rücksicht auf Elternberuf und Konsession. Auch hier finden wir Zahlen, welche für uns von Werth und Bedeutung sind. Denn eigentlich beginnt hier erst der Unterschied der Konfessionen eine Bedeutung zu gewinnen, indem er in Vereinigung mit dem hervorstechenden Wirthschaftsmoment der Einzelnen, ihrem Berufe, vor uns tritt. Es studirten also innerhalb des genannten Zeitraums 196 Söhne von jüdischen Kaufleuten, 18 von Staatsbeamten, 6 von Handwerkern,