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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-09-07 · Heft 36 (7.9.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 36 (7.9.1900)
Date
1900-09-07
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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4 Rumänien. W. Bukarest, 2. September. Aus dem Laude, von dem mau bisher nur t*on Greueln und Angriffen zu hören gewohnt gewesen ist. kann ich Ihnen diesmal eine erfreuliche Nachricht melden. Ein angesehener itub wohlhabender Glaubensgenosse, Herr Focsaneann. hat hier unter dem Namen „Fitip und Nasel Focsalteautl-Stistnng" eine Professional-Mädchenschule gegründet, welche den Zweck hat. Mädchen nicht snur beu Unterricht einer gilten Volksschule, sondern allch tu der deutschen und französischen Sprache, in der Buchführung uttb Haushaltung angedeihen zu lassen, damit dieselbell gute Hauslnütter werden oder im Nothsatte sich eine ehreilhaste Existenz verschaffell könllen. Die Schllle, lvelche nicht allein jüdische Mädchen, solldern allch solche anderer Kollfessiott aufnimmt, ist im Herbst v. I. mit 35 Schülerinnen eröffnet worden, für lvelche drei Lehrerillllell fämmt-- lich mit der Autorisation des früherell Unterrichtslnillisters Jonescn allgestellt silld. Im Schltljahre 19001901 wird die zweite Klasse eröffllet werdelt u. s. s., bis 4 Klassen, gemäß der Organisation der staatlicheltProsessionalschulell, eillgerichtet sind. Lehrer itttb Lehrerilrnen lverdell llach Bedürflliß angestellt werdell. Die Direktorin, Frau Eullnh Levinsohn ist eine Deutsche, Tochter des Herrn Nabbiners Blulllellsetd zu Schlveidllitz, welche das Lehreriltllellseminar in Breslau b es licht und 1880 das Fähigkeitszenguiß erlangt hat. Dieselbe hat früher bereits ein höheres Mädcheninternat in Gens geleitet. Die vorder staatlichen Aufsichtsbehörde vorgenolnmene Prüsllllg hat ein glänzeildes Resultat geliefert. In dem kllrzell Zeitraun» Volt 8 Monaten hattell die meifteu Schüleriltnen überraschende Erfolge iu der deutschen und französischell Sprache erzielt sowie auch itt den Handarbeiten, lvelche in einem besollderen Saale allsgestellt warell. Int Allgemeinen zeigten die Schülerillnelt eine erstanilliche Intelligenz und Aufsassungsgabe. Die Schule ist in einem ilnposailten Prachtbau untergebracht, der aus mehreren Stocklverken besteht und Nanm für 6 Klasselt zu je 50 Schülerinnell, eiltem großen Arbeitssaal, die Wohltullg der Direktorilt sowie des Dieners, ferner Küche, Kanlnieril n. s. w. gewährt. Das Gebäude ist mit Wasserleitung versehelt und bedeckt mit dem hinter demselben liegenden Gartell einen Flächenraum voll 1650 qm. Das Schulgeld beträgt 4 bis 2 Lei (Frs.) für den Monat und wird lllonattich oder vierteljährlich bezahlt. Da dasselbe aber kaunt den fünfteu Theil der Kosten int vergangenen Schuljahre gedeckt hat, so hat' die Adnlinistration der Baron Hirschstistung zu Paris eine Beihilfe von 4220 Franks geleistet. Trotzdent war noch ein Defizit von 2000 Lei vorhanden, rvelches von Herrn Focsaneann gedeckt worden ist. Um den Bestand der Schule auch für die Zukunft zu sicherll, hat Herr Focsaneann die Bestimmung getroffen, daß nach seinem Tode ein Grundstück, welches z. Zt. einen jährlichen Nutzungswerth von 8000 Lei hat, all seine Stiftullg fällt. Wenll doch recht viele reiche Glaubensgellossen diesem edlen Beispiele folgell möchtell. Rußland. L. T. Odessa im August. Der „Odeßkh Listok" brillgt iu einer seiner letzten Nummern einige Notizen, die sür Ihre deutschen Leser Interesse haben lverdell. Am 7./20. d. M. fand in der Petersbllrger Synagoge eine Trauerfeier für den in Mandfchurien von den Chinesen getödteten Jllgeilielir I. A. B ernft ein statt. Derselben wohnten der Minister der Konnnultikatiollen, wirklicher Geheimrath Fürst Chilkow, die Verwalldten, Fremlde. Kameraden unb Kollegen des Verewigten bei. Nach den üblichen Trauergesällgen ulld Gebetell hielt Nabbiller Dr. Drabkin eilte kurze, aber sehr ilthaltreiche Gedächtnißrede. — Am neunten Tage nach dem Hinscheidelt des Philosophen Wladiulir Sergejelvitsch S o l o wj elv, nach der Trauerfeier, wurden auf seinent Grabe illl Kloster zlvei metallene Kränze ltiedergelegt, ltnd zwar einer vom Odessaer Komitee der „Gesellschaft zur Verbreitmtg der Bildung unter den Juden in Rußland" mit folgender Inschrift: „Dem wahren russischett Philosophen ulid Humanisten", ulld der andere von den Moskauer Mitgliedern derselbett Gesellschaft mit folgender Inschrift: „Deut Apostel der Humanität und der Glaubensdnlduug." — Itt Odessa empfing der Fretllld eittes jungen Schriftstellers in Moskau einen Brief, worilt derselbe schreibt, daß der verewigte Philosoph W. S. Solowjelv, der sich bekanntlich durch seine herzliche und tiefe Shutpathie für die Inden auszeichnete, vor feinem Tode in seinen Phantasien in hebräischer Sprache die Psalmen Davids recitirte, und bevor er in die Ewigkeit eingiilg, sagte er folgende Worte: „Wecket lnich tlicht — ich muß für das jüdische Volk beten." — Von Nah und Fern. — Die Rechtsanwälte und Notare O. Cassel, I. Auerbach ttiib Paul Jonas sind zu Iltstizräthen ernaullt wordell. — Regierllltgsrath Prof. Dr. W e i u ft e t it, Mitglied der Normal-Aichnngs-Kommission iu Berlilt, hat ben vttffi fd)en St. Stanislaus-Orden zweiter Klasse erhalten. — All der Expedition llach China haben sich lwch folgeilde jüdische Freilvittige betheiligt: der Matrose Nathan Feld he im aus Altenkirchell, der bereits an drei Gefechten theilgeltomnteu, der Artillerist Bach mann vom Artillerieregiment Nr. 47 in Fulda aus Gleicherlviesen, Rosenthal ans Ibbellbüretl, eilt Bruder des bereits genallnten Rvsellthal und L. Freudeltberg aus Barby. — Itt Schöiteck in am 28. d. M. der Bankdirektor David Herzberg gestorben. Derselbe war Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde. — Der Oberrabbiner Fornari in N o llt las im Tempel das Gebet der Königilt in hebräischer Sprache vor, das der Vatikan bekanntlich verboten hat. — Der Oberst der Artillerie, Samuel P. Naquet- Laroque iit Paris, ist zum Brigadegeneral ultd Direktor der Kommission für Schießübungen in Versailles ertlallnt worden. Was tvird die „Kreuzzeitung" dazu sagett? — In Tltnis ist Mo'ise Berrebi von der Regierung zullt Großrabbiner ernattut worden. Er steht schon int 80. Lebettsjahre. — Aut 24. v. M. verstarb illl Haag der berühmte holländische Maler Elchanon Verve er, der eilt Alter von 74 Jahren erreicht hat. Berühmt sind seine Bilder aus dem Lebert der Fischer von Schevettiugen sowie das vom dortigett Museunt erworbene Bild „Invaliden derZee". Auch Landschaftsbilder Volt Strand lllld Düne hat er geutalt. Verveer war Ritter des goldenen Löwelt voit Nassau sowie des belgischen Leopoldordens. — Am 26. v. M. ist in Stockholm der Buchhändler Albert Bo uni er, eitler der ersten schwedischett Verleger, im 80. Lebettsjahre gestorben. In seiltem Testament hat er tnehr als 400 000 Kronett zu wohlthätigett Zwecken, auch für jüdische Attstalten, hinterlassen. — Der Großindustrielle M. Sachs in Stockholtn hat vom Sultan den Medjidie-Orden I. Klasse erhalten. — In London ist aut 22. v. M. der Baronet Sir Saul Samuel itit 81. Lebensjahre gestorben. Samtlel hat sein ganzes Lebert der Entwickelung Australiens gelvidmet. Er war nacheinander Richter, Parlamentsmitglied, Kolonial- und Filtanzminister von Neu-Süd-Wales, als dessen Generalagent er 1880 nach Lottdon ging. Auch an jüdischen Angelegenheiten nahm er reges Interesse. — Vont 18. bis zu nt 22. v. M. rückte die 5. russische Schützeubrigade nebst 3 Batterien Artillerie in mehreren Abtheilungen ltach China ab. Unter ben Soldaten waren nicht lvettiger als 700 Juden, von denen 200 verheirathet warett. Am 22. v. M. kamett die jüdischen Soldatett des 20. Bataillotts zum Rabbiner und baten um Ueberlassung einer Thorarolle. Die Bitte wurde bereitlvilligst gewährt und der Rabbiner selbst trug mit deut Gemeiltdevorsteher die Thorarolle ttebst eiueui Schofar uttd einem Taliß nach detn Bahtthof. Das gattze Bataillon, seinen Chef alt der Spitze, empfing die Beiden mit einem Tusch. Der Major hielt eilte Ansprache, in der er dent Rabbiner sür die Gabe dankte und das Versprechelt gab, die Thorarolle vor jeder Entweihung schützen mtd sie neben der Regimentsfahne aufbelvahren zu wollen. — Die Juden Volt Buchara habett durch eine tteue Verordnultg der russischen Regieruttg das Recht erhalten, sich ans Grund eines Gewerbe- resp. Kommisscheines in den Grenzstädten von Turkestan für unbeschränkte Zeit aufhalten zu dürfen. Im übrigen Rußland dürfen sie sich als ausländische Juden nur für die Dauer von 5 Jahrett aufhalten. — Graf Schuwalow, der Stadthauptmanll von Odessa, machte ant 30. v. M. bekannt, baß wegen Ungehorsam gegen polizeiliche Anordnungen gelegentlich der Judenkrawalle vont 29.—31. Juli 89 Leute mit Gefängniß von 1—5 Mvltatett bestraft worden sind. Davon erhielt 1 Person 1 Monat, 12 Personelt je IV2 Monate. 5 je 3 Monate und 71 Personen je 1 Monat. — In dem in Baltimore erscheinenden „Sun" beschwert sich ein Jtlde darüber, daß er in einer So nt merfrische in der Umgebnng von Baltimore in drei Hotels kein Zimmer finden konnte. „Ich sehe weder abstoßend aus, noch läßt meine Kleidung etwas zu wünschen übrig, und dennoch wurde ich von den Hoteliers verwiesen, als wenrt ich den Aussatz hätte." Amerika, du hast es nicht mehr besser! Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Lauchwitz in Berlin.

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