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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-09-07 · Heft 36 (7.9.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 36 (7.9.1900)
Date
1900-09-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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64. Jahrgang. Nr. 36, Kerlin, 7. September 1900. Zeitung Des Zudenchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Rabbiner D* Ludwig Phttippson-Vonn. Verlags-Expedition: Berlin, Jerufalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. Redacteur: Gustav Karpeles. Leitartikel r Romanicae res. — Die Woche. — Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands. — Hüben und Drüben. Von Professor Dr. G. Deutsch. — Am Grabe S. D. Luzzattos. Von Dr. I. Elb o gen - Florenz. — Feuilleton: Bethulah. X. Von I. Zangw ill. — Von der Reise. V. — Sprechsaal. Der Gemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichten r Berlin, Königsberg i. Pr., Könitz, Liegnitz, Kreuzbnrg. Dresden, Nordhausen, Münster, München, Hechingen, Wien, Paris, Bukarest, Odessa. — Bon Nah und Fern. — Geschäftliche Notizen. Romanicae res. Berlin, 4. September. innrer wieder wendet sich der Blick der Zeitgenossen nach Tro jenem Lande, das seit einem Bierteljahrh rindert den eurv- (J5~> plüschen Mächten so viel Sorge bereitet hat. Warum ist die Lage der Juden gerade in Rnmänielr eine so unglückliche? Worin besteht ihr Uiiglück? Wie ist dem abzuhelfen? Diese Fragen, die heute so oft gestellt werden, sucht eine kleine aber sehr inhaltsreiche, unter obigem Titel soeben in Wien erschienene Schrift, deren Autor sich nur Spartacus nennt, in sachgemäßer Weise zrr^ beantworten. Aus jeder Zeile dieser Broschüre ersieht man,^daß der Verfasser mit den rumänischen Verhältnissen aufs Genaueste vertraut ist. Er übertreibt nicht, er huldigt keiner falschen Sentimentalität, er appellirt nicht an das Mitleid der Leser, sondern er berichtet kurz uud klar, was in Rumänien sich zugetragen, und daraus zieht er mit unerbittlicher Logik seine Schlüsse. Wir ivollen für heute an der Hand dieses sachkundigen Führes unseren Lesern ein zusammenhängendes Bild von der gegenwärtigen Lage der Juden in Rumänien geben, damit sie die Auswanderungskatastrophe und alles, was damit zusammenhängt, begreifen. Der Grundstein 31t allen fremden- und judenfeindlichen Gesetzen in Rumänien ist in dem Artikel 7 der Verfassung von. 1866 gelegt; durch die Verfassungsnovelle von 1879 wurden diese Bestimmnugeu noch verschärft. Der Artikel 7 begnügte sich mit der Ausschließung der Nichtchristen, also der Juden, von der Möglichkeit der Erlangung des Staatsbürgerrechtes; die Novelle voir 1879, welche die Zulässigkeit individueller Naturalisation der Juden statuirte, verfügte gleichzeitig, daß der Erwerb von Grundbesitz nur dem, der politische Rechte besitzt, folglich nur dem, der im Besitze des Staatsbürgerrechtes sich befindet, gestattet sei. Nun ist es allgemein bekannt, daß von 1879 bis 1900 nur 200 Juden mit schweren Geldopfern das Staatsbürgerrecht erlangen konnten. Schon ein Jahr nach dein Inkrafttreten der Verfassung begann man auch in die Civilrechte der Juden Bresche zu legen. indem das unter Bratiann im Jahre 1867 gewählte Parlament das Rnral-Polizeigesetz schuf, nach welchem die Niederlassung in einer Landgemeinde eines in der Kommune fremden Individuums von der Einwilligung der Kommunal-Obrigkeit abhängig gemacht wird, wvzu die Regierung im Wege interpretirender Zirkulare an die Landgemeinden erklärte, daß Juden solche Einwilligungen zu verweigern sind. Uud so begannen schon 1867 die Vertreibungen der Juden aus allen Dörfern und Marktflecken, Die barbarische Art und Weise, in welcher diese Vertreibungen vollzogen wurde«: — es ging so «veit, daß sogar einige Juden in der Donau bei Galatz ertränkt «vurden! — empörte das Gefühl der gesitteten Volker und veraulaßte die Vornahme einer interliationalen Engllete, in welcher die von den Machthabern geleuglieten Thatsacheu als «vahr koustatirt «vnrdel«. Was geschah? Das Ministerium «vurde zlvar vom Fürsten gezivungeuertveise entlassen, die Maßregeln aber gegen die Juden blieben in Vollkraft! Die aus den Eisenbahn-Konzessionen entstandenen Zahlungsverpflichtungen von inehr als 20 Millionen Francs jährlich ergaben die unumgängliche Nothwendigkeit von neuen Steuern. Es «vurde das Tabakmouopvl und die Licenzsteuer für das Ansschankrecht geistiger Getränke eingeführt. Aber der freisinnige Finanzminister Peter Maivrogeni konnte voin Parlamente die Beivilligung dieser uenei« Steuern nur dadurch erlangen, daß er in die Gesetze die Ausschließung der Inden von den Tabaktrafiken in allen Gemeinden des Landes und von der Licenz zum Ausschanke geistiger Getränke in den Dorfgemeinden ausuahu«. Es «vurde im Gesetz den Trafikanten und Dorfschenken untersagt, der Inden als Geschüftsgehilsen sich zu bedienen. Die Verfügung, daß zur Bekleidung eines Staats-, Distrikts- und Komn«unalan«tes nur ein Staatsbürger zugelassen «verden £mm, brachte die Regierung sehr in Verlegenheit bezüglich der Ernennung des ärztlichen Personals, da eine sehr geringe Zahl von Staatsbürgern dem Studium der Heilkunde sich «vidnren «vollte. Mau verfiel auf de» Ausiveg, Inden wohl als Aerzte anzustelleu, aber nur mit einem Kontrakte, in «velchem ihnen die Eigenschaft des öffentlichen Beamten verweigert wurde, und n«lr ans eine uubestimiute Dauer, bis sich nämlich ein christlicher Kandidat finden würde. Spezielle Gesetze «vurden geschaffen, verschärft durch die ministeriellen Ausführungs-Verordilungen, «velehe den J««den das Recht, eine Apotheke zu besitzen oder als Dirigeiü einer Apotheke zu fungiren, untersagen. Selbst Assistent in einer

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