Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1900)
- Date
- 1900-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Sprechfaul. Sehr geehrter Herr Redakteur! f er Artikel des Herrn Dn Ziegler: „Die jüdische Geschichte im Religionsunterricht"/in der letzten Nummer (Nr. 21) Ihrer geschätzten Zeitschrift behandelt ein Thema von solcher Aktnellität und Wichtigkeit, daß Sie, geehrter Herr Redakteur, gewiß auch meiner Wenigkeit, welche schon seit Jahren dieser Frage die größte Aufmerksamkeit zuwendet, ein Plätzchen in Ihrer geehrten Zeitschrift gönnen werden, um dieser aktuellen und wichtigen Frage näherzutreten. „Schon wieder so stolz bescheiden?" — läßt Lessing den Saladin zu Nathan sagen. Nun ich will nicht stolz bescheiden sein, und daher auf die Worte meiner 1894 an» hiesigen k. k. Staats-Obergymnasium erschienenen Programmarbeit hinweiseil: „Bei bedeuteilden historischen oder litterarischen Persönlichkeiten darf sich der Unterricht nicht mit einer kurzen Biographie und Aufzählung der Werke begnügen, vielmehr muß der Schüler einen tieferen Einblick in das Leben und die Schriften derselben gewinnen. Zu diesem Zwecke ist es nöthig, Proben aus ihren Werkeil in Uebersetznugen vorznlesen und zu erklären. Es gilt dies nicht nur bei Besprechuilg der jüdischen Dichter Salomo ben Gabirol, Juda Halevi. Abraham bell Esra u. A., von denen wir sehr gelungene Uebersetzungen haben, sondern ebensogut bei Besprechung des Lebeiis und der Werke Saadias, Maimonides. Mendelssohns und Anderer." Herr Dr. Ziegler ist mit beu Proben, die im Lehr buche selbst gegebeil werden, nicht eillverstanden. hält sie für wellig zweckentsprechelld und für ein Surrogat, das keiner braucht: „Geben wir die Proben nicht aus dem Lehrbuche. fouberu aus den Originalen! — fangen wir bei Mischna und Talmud an. Der Lehrer spricht von Raschi, Jbn, Esra, Massora, — Texte vornehmen. zeigen, lesen!" ruft Dr. Ziegler aus. Es ist uns nicht ganz klar, wie dies Herr Dr. Ziegler meint? Soll man blos die entsprechenden hebräischell Bücher mitnehmen und sofort die Originalstücke, die man ansgewählt hat. übersetzen, oder erst dem Schüler ben hebräischen Text vorlesen und alsdann die Uebersetznng geben? Letzteres kann ivohl Dr. Ziegler kaum gemeint haben, denn bei den geringeil Vorkellntnissen unserer Gymnasiasten wäre der hebräische Text für sie spanische Dörfer, und es lvürde durch das Vorlesen derselben in den nreisten Fällen nicht nur die ohnedies sehr knapp bealler jGrl Strich-Aetzungen, Autotypien, Galvanos und ßlei-C/iches Qlichis BUCHDRUCKEREI RUDOLF MOSSE BERLIN SW. Jerusalemer Strasse 48/49 messene Zeit verzettelt, sondern auch.Langeweile und Unaufmerksamkeit hervorgerufen werden. Ist aber bloß gemeint, daß der Lehrer das Originalwerk in Händen habe, die ausgewählten Proben übersetze und alsdanll dem Schüler auch das betreffende Buch zeige, — so will ich gern zugeben, daß ich bisher selbst aus Mangel an geeignetell Lehrbüchern diesen Weg eingeschlagen habe. Was mich aber veranlaßt hat, in meiner vor kurzem erschienenen Broschüre: „Maimonides, ein Beitrag zlim jüdischen Geschichtsunterrichte all Mittelschulen" als conditio sine qua nou zu verlangen, daß ein Lehrbllch der jüdischen Geschichte Proben haben müsse, sind folgende Umstände: 1. ist es selbst für einen gut situirten Rabbiner sehr schwer, eine solch' umfangreiche Bibliothek zu besitzen, wie sie in einem solchen Falle nothwendig wäre. Herr Dr. Ziegler will allerdings diesen Einwand nicht gelten lassen ulld meint, em Rabbiner, der nicht im Besitze der wichtigsten Lehrbücher unserer Litteratur sei. sei ein Undillg, und außerdem würde jede Gemeinde gern 1000 Mark zu diesem Zwecke opfern. Kann man aber mit 1000 Mark schon im Besitze der wichtigsten Bücher unserer Litteratur sein, die wir zum Unterrichte brauchen? Sollte aber Herr Dr. Ziegler der Anschauung sein, daß die Gemeinde jährlich 1000 Mark zu diesem Zwecke opfern iverde, so möchte ich dies sehr bezweifeln. 2. kostet die Vorbereitung, um die geeigneten Proben aus den Originalwerken zu finden, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, sehr viel Zeit, die nicht jedem Rabbiner zur Verfügung steht. 3. hat der Schüler, wenn die Proben »licht tu seinem Buche stehen, keine Gelegenheit, dieselben noch einnlal zu Hause durchzulesen. Gewiß sollen die Proben nicht auswendig gelernt werden, aber den Inhalt oder den Gedaukengang derselben wird man in ben meisten Fällen verlangen können und müssen. Es soll nicht geleugnet werden, daß die größte Schwierigkeit in der richtigen Auswahl der Proben besteht; ans diesem Grullde hatte ich bereits vor zwei Jahren den Vorschlag gemacht, es möge eine 5—6 gliedrige Fachkommission zusammentreten. um die Prinzipien festzustellen, nach bellen ein solches Lehrbuch gemacht werden muß. Da aber bis heute nichts geschehen ist, so griff ich abermals zur Feder, um durch meine Broschüre „Maimonides" die Frage ins Rolleil zu bringerl. Nun lväre es höchste Zeit, dieser Frage näher zu treten, und mit dem alten Schlendrian zu brechen, daß Jeder nach eigenem Gutdünken vorgeht. Brüx. Dr. A. Bi ach. Loeden ei'8chien: 41. Jahrgang“ Dr. M. Poppelauer’s Berliner Volkskalender für Israeliten auf das Jahr 5661 (1900/1901). Mit Messen und Märkten 50 Pfg. Ohne Messen und Märkte 30 Pfg. Wandkalender mit Omertabelle 50 Pfg. M. Poppelauer’s “ " Berlin, Neue Friedrichstrasse 59. Telephon Amt V, 1706. Kautarenausbildung. Schulgerechten Unterricht in Stimmbildung, Harmonielehre, sowie in alter und neuer Gesangsweise ertheilt J. Epstein, Oranierrbnrgerftr. 74, Nur Stimmbegabte find. Aufnahme, eufeld Pianos 9 mal Anerkannt von Liszt, Kullak, Scharwenka Berlin SW., Gharlottenstr. 18. 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