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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-29 · Heft 26 (29.6.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 26 (29.6.1900)
Date
1900-06-29
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Manufaktur I. K. Posnansky in Lodz"; 10000 Nudel zu Gunsten der christlichen Wohlthätigkeitsgesellschaft; 3000'Rubel zur Vertheilung an Nothleidende durch die jüdische Wohlthätigkeitsgesellschaft; 3000 Rubel zum gleichen Zwecke durch die jüdische Gemeinde; 9000 Nudel zur Einrichtung einer Wasserleitung auf dem jüdischen Friedhofe; 8000 Nudel zur Gründung zweier Stipendien, die den Namen des Heimgegangenen tragen sollen (in der Handelsschule ein Stipendium für einen jüdischen, und das andere für einen christlichen Schüler); 2000 Rndel zu Gunsten der Gesellschaft gegenseitiger Hilfe der Meister der Stadt Lodz; 1000 Nudel der freiwilligen Fenerwehrgesellschast; 1000 Nudel der Gesellschaft rascher medizinischer Hülse; 1000 Nudel der Gesellschaft zur Unterstützung Kranker (Bikor Cholim); 500 Rudel dem jüdischen Kinderasyl; 500 Rudel für arme jüdische Wöchnerinnen-; 500 Rubel dem christlichen Lehrerverein; 1000 Rubel der Synagoge in Wlosehtow; 500 Rubel der Synagoge in Alexandrowo (Lodzer Kreis); 50000 Rubel zur Gründung eines Ambulatoriums am Hospitale der Gatten Posnansky". Der verewigte Israel Posnansky vermachte in seinem Testamente für jüdische und christliche wohlthätige Anstalten in Lodz eine halbe Million Rudel. Asten. fl'. Jerusalem, 2. Juni. Vor kurzem hat in Palästina der bekannte Berliner Professor der Botanik. Dr. O. Marburg, geweilt. Prof. Marburg, Mitglied des Central-Komitee des Vereins „Esra", kam zu uns über CYpern, wo er die Verhältnisse gründlich studirt hatte. Eine eingehende Inspektion der jüdischen Kolonien in Palästina versetzte beu gelehrten Botaniker in die Lage, zwischen den beiden Ländern eine Parallele zu ziehen, die keineswegs zu Gunstell Cyperns ausfiel. Der Boden ist in Cypern keinesivegs besser wie in Palästina, dafür würde dem jüdischen Bauer auf Cypern jenes undefinirbare Etwas fehlen, das ihn befähigt, alle die zahllosen Schwierigkeiten zu überwinden, welche der Umwandlung des jüdischen Kleinhändlers und Städters in einen echten Bauer entgegenstehen. Die Liebe der Juden zum heiligen Lande ihrer Väter, welche die jungen, unerfahrenen Kolonisten von Macknajim alle Hindernisse fast spielend überwinden ließ, sie würde auf Cypern gänzlich fehlen. Denn was ist dein Juden Cypern? Freilich habe Cypern nach Ansicht des Prof. Marburg den nach unserer Meinung sehr zweifelhaften Vorzug, unter englischer Verwaltung zu stehen. Dennoch warnt Prof. Marburg davor, ohne reichliche Mittel sich in Cypern als Kolonist ansiedeln zu wollen. Die E i n r i ch t u n g e i n e s K o l o n i st e u k o st e t i n C Y p e r n m i n d e st e n s 10 000 Fr cs. Amerika. New-Aork im Juni. Die iniposante Feier der Besitzergreifung des neuen Prachtbaues der Young Men’s Hebrew Association aus den Händen des Herrrn Jakob H. Schiff fand vor Kurzem statt. Das Gebäude sammt der inneren Einrichtung ist ein Geschenk des Herrn Schiff, und stellt eitlen Werth von ungefähr 200000 Dollar dar. Durch dieses fürstliche Geschenk ist diese strebsame Gesellschaft in den Stand gesetzt, ihre großen Ziele — sittliche Erziehung und wissenschaftliche und gewerbliche Heranbildung ihrer Mitglieder — mit größerer Energie, als je vorher rnöglich war, zu verfolgen. An der Dedikationsfeier nahmell eitle große Anzahl hervorragender Bürger aller Glaubensbekenntnisse Theil. In den bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden, einschließlich derjelligen des Herrn Schiff, spiegelte sich der Geist echter Hunlanität unter kräftigster Betonung des hohen Werthes eitler aller Berufsarten durchdringenden freien Bildung. Einer der Redner, Oberst Mc-Cook, welcher mit der Young Men’s Christian Association als einer ihrer lverkthätigsten Leiter identifizirt ist, begrüßte mit den sympathischen Worten eines toleranteil Vertreters einer anbeveit Konfession den durch die Gabe des Herrn Schiff ernlöglichten Ansschwnng der Gesellschaft. Von Nah und Fern. — Der bisherige Privatdozellt in der medizinischen Fakultät der Ulliversität Berlin, Professor Dr. Emil Grunmach. ist zum außerordelltlichen Professor in derselben Fakultät ernannt wordeil. Grnninach liest über physikalische Untersuchnngsmethoden zur Diagnose. — Ein Bild des sel. Rabbiners Dr. Hildesheimer, in Lebensgröße und in verkleillertenl Format, ist soeben zum Besten der Chebra Kadischa feiner Gemeinde herausgegeben worden und wird sicher viele Abnehmer fillden, die die geistvollen rmd liebenswürdigen Züge des verewigten Gelehrten hier treu und charakteristisch wiedergegeben finden werden. — An der ulllängst in Pallkow stattgehabtell Allgellleillerl Gartenbau- Allsstellung hat sich auch ein jüdischer Gärtner, Ludwig Marcuse, ein Zögling des Anerbach'schen Waisenhauses, betheiligt mld „für hervorragende Leistungell" die Ehrenmedaille erhalten.— In Potsdaul wurde eine Volksversammlung polizeilich aufgelöst, die der „Deutsche Volksbnlld" veranstaltete, und in der Herr v. Mosch über die Vorgänge in Könitz sprach. Als die allgemeine Besprechung etwa zwei Stunden gewährt hatte, wurde der Lärm so groß, daß der überwachende Beamte im „Interesse der öffentlichen Ordnung" die Auflösung verkündete. — In Ja nowitz (Posen) ist die Synagoge erbrochen worden. Durch gewaltsames Aufreißen der Anßenthür waren die Einbrecher in das Innere gelangt und haben dort allerlei Unfug getrieben. Die jüdische Gemeinde setzte sofort aus die Ermittelung der Thäter eine Belohnung von 50 Mark aus. Die Einbrecher sind ermittelt worden. Es sind der Arbeiter Theophil Piazek und der Maurergeselle Stanislaus Broczhnsky. — Am 16. d. feierte der Kaufulann Samuel S i e d n e r und seine Gattin in G u t t e n t a g das 25 jährige Ehejubiläum unter allgemeiner Theilnahme der Stadt, in der der Jubilar als Stadtverordneter, Hauptmann des Schützen- Vereins, Branddirektor der Feuerwehr, und der Gemeinde, in der Herr Siedner als Repräsentant und Vorsteher der Chebra Kadischa gedeihlich wirkt. — Die Verwaltung des antisemitischen Bades Borkum hat sich an einen bekannten Hamburger Arzt christlicher Konfession mit dem Ersuchen gewandt, nur christliche, beileibe aber keine jüdischen Patienten dorthin zu senden. Der Arzt besprach die Angelegenheit mit mehreren Kollegen, woraus sich bisher 50 Aerzte, sowohl christliche wie jüdische, schriftlich verpflichteten, überhaupt keine Patienten nach Borkum zu senden. Die einzig richtige Antwort auf eine so beleidigende Zumnthnng! — Die Direktion der israelitisch-ungarischen Li tteratur-Gesellschaft hat in ihrer letzhin gehaltenen Sitzung auf Grund der überaus günstigen Urtheile der Preisrichter Dr. Wilhelm Bacher, Dr. Heinrich Bloch und Dr. Franz Mezei der eingelanfenen Arbeit über die Organisation der europäischen Juden den Preis von 1000 Kronen zuerkannt. Bei Eröffnung des Deviseubriefes ergab sich, daß Dr. Lndwig Venetianer, Oberrabbiner in Neupest, der Verfasser der vielbelobten Arbeit ist. — Bei den italienischen Kammenvahlen sind' 12 jüdische Abgeordnete gewählt worden. Zu den bereits früher gewählten Deputirten Barzilai, Franchetti, L. Luzzatto, Riccardo Lnzzatto, Melli, Morpurgo, Pavie, R. Jacur, Mollemborg sind um hinzugekommen: Donati, Arthur Lnzzatto und Sorani. Diese zwölf Abgeordneten vertheilen sich aus alle Parteien des Parlaments, von der konservativen bis zur republikanischen Richtung. — Staatsrath T. M. C. Ass er in Amsterdam ist zum Präsidenten des daselbst tagenden Kongresses zur Regelung der internationalen Eherechtsverhältnisse gewählt worden. Der Kongreß ist international nub von allen europäischen Negierungen beschickt worden. — Der russische Senat hat die Entscheidung getroffen, daß jüdischen Soldaten, wenn sie auch auf unbestimmte Zeit beurlaubt oder aus dem Dienste entlassen werden, das Recht zusteht, sich im ganzen Reiche aufhalten und überall die Zuständigkeit erwerben zu dürfen. — Die Frage, ob in den Adelsstand erhobene Juden in dem Adelsregister eingetragen werden sollen, mußte seiner Zeit vom i russischen Senat zu Gunsten der Inden entschieden werden, weil j es keinen Gesetzesparagraphen giebt, der für die Juden in dieser Hillsicht einen Ausnahmezustand schafft. Es war in der Gesetzgebung offenbar eine Lücke gelassen worden, durch die zwei bis drei Juden in das Adelsregister schlüpfen konnten. Diese empfindliche Lücke ist nun ausgefüllt. Am 16. Juni ist im offiziellen „Negierungsboten" ein das Adelswesen regulirender kaiserlicher Mas erschienen, dessen § 6 kurz und bündig lautet: Juden, welche den erblichen Adel erworben haben, dürfen in dem goldenen Buch des russischen Adels nicht registrirt werden. Fortan werden die Adeligen Rußlands unter sich bleiben können. — Kiew er Blätter melden: Am 3. Juni drang die Polizei in die im Hanse Neiterstraße 7 gelegene Wohnung des jüdischen Schneiders Simon Chasauow und hob da eine geheime — Synagoge auf. (Es wird Wohl ein Minjan gewesen sein. Red.) 15 Juden wurden überrascht, wie sie, „in Gebetmäntel gehüllt", inbrünstig beteten. Entsetzt stoben die Missethäter auseinander. Viele gelangten wirklich aus dem Hause und entkamen. der Rest wurde von der Polizei — ausgeschrieben. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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