Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1900)
- Date
- 1900-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Spvechscrai. Geehrter Herr Redakteur! /^^estatten Sie mir. zu dem interessanten Artikel des Herrn Dr. Pick „Zum 500. Geburtstage Johannes Gutenbergs" die Bemerkung, daß der Raine des großen Erfinders direkt mit der jüdischen Geschichte verknüpft ist. Der Hos „Zum Gntenberg". den die Mutter Gutenbergs. Else Wyrich. ihrem Manne Frielo Gensfleisch als Heiralhsgut brachte, und nach welchem sich die Hauptlinie der Geusfleisch zum Gutenberg nannte, war ursprünglich ein Judenerbe. d. h. das Hans war tu den mittelalterlichen Verfolgungen den Inden abgenommen worden. In der ältesten Urkunde, in der Gutenberg erwähnt ist, wird er „Henchen zum Gudenberg" genannt, und da I und G in der Schreibung zuweilen wechseln, so ist vielleicht die Vermuthung nicht unberechtigt, daß der Name sogar ursprünglich „Zum Jndenberg" lautete. Hamburg. Dr. I. Loewenberg. Misrellen. — Wie das Blutmärchen entsteht? „Maghar Sz6" meldet aus Ungvür folgende ergötzliche Geschichte: Vor einigen Tagen hörte man in Ungvür aus dem Kellerlokale eines jüdischen Spenglers Wimmern. Die Passanten wurden aufmerksam und bald entstand vordem Hause ein kleiner Auflauf. Die Leute riethen hin und her, was denn die Ursache sein möge. Da rief plötzlich Jemand aus: „Ein ritueller Mord wird verübt! Die Juden brauchen Blut für ihr Osterbrod, drinn wird ein Kind gemordet." Roch größer wurde die Erregung, als eine Frau sich durch die Menge einen Weg bahnte und schluchzend ausrief: „O, mein Gott, mein Gott! Meine Tochter ist heute früh verschwunden. Gewiß wird diese ermordet!" Nun wurde die Menge von blinder Wuth erfaßt. Drohende Rufe wurden laut: „Holt Gendarmen! Man muß den Juden zerreißen!" Das Wimmern dauerte unterdessen fort. Wer weiß, was geschehen wäre. wenn der Eigenthnmer der Werkstätte, der Spengler, nicht zufällig auf dem Schonplätze erschienen wäre. Er kam gerade ans den: Tempel, wo er dem Samstag-Gottesdienste beiwohnte. Verblüfft trat der Spengler vor die kreischende Frau: „Was wollen Sie denn eigentlich?" fragte er. — „Meine Tochter wird drinn ermordet." — Ganz außer sich von der infamen Behauptung, versetzte der Spengler. die Regeln der Ritterlichkeit vergessend, dein Frauenzimmer zwei schallende Ohrfeigen. Diese Maulschellen hatten eine wunderbare Wirkung. Der Frau fiel es plötzlich ein, daß sie selbst ihre Tochter in die Nachbargemeinde geschickt hatte. „Und jetzt," sagte der Spengler zur Menge, „schauen wir, was denn dort drinnen winselt." Die Menge^konstltuirte sich sofort als Volksversammlung mW entsandte einige Vertrauensmänner irr den Keller. Dort sah man. daß das „Blntopfer" eine kleine Katze war, deren Pfote unter ein Tischbein gerathen war. Oben aber suchte eine Frau durch Seitengassen der Menge zu entkommen. In der Tasche klimperten ihr zwei Silbergulden u\xi> auf der Wange brannten ihr zwei Ohrseigen. Die zwei Gulden hatte sie erhalten, damit ihre Tochter in Verlust gerathe und die zwei Ohrfeigen, weil das Mädchen nicht in Verlust gerathell war. Geschäftliche Notizen. — Bad Salzbrun n i. Schl., 15. Juni. Der Bau des neuen Badehauses sowie auch des Waschhauses lvird nach Kräften betrieben. Die Gebäude präsentiren sich jetzt schon im Aeußeren als sehr geschmackvoll und wird auch auf die innere Einrichtung viel verwendet. Die Natur prangt in den herrlichsten Farben. Die Zahl der Kurgäste beirügt bis heute 1599 Personen, der gemeldete Fremdenverkehr 1051 und der Gesammtbesuch 2650 Personen. Kciraths- Gesuch. Feingeb., alleinst. Wittwe, Jsr., repräsentationsf, 45 I., reich begabt an Herz u. Geist, von vorneh. Gesinnung u. bewährt tüchtig, w. trotz klein Vermög. Heir. m. ebenbnrt. gutsit. Herrn. Off. R.1.4998RndolsMoffe,Berlin SW. Für meinen Bruder, 28 Jahre alt, aus guter ifr. 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