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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-22 · Heft 25 (22.6.1900) · p. Seite 294

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 25 (22.6.1900)
Date
1900-06-22
Page
Seite 294 (sequence 8)
Language
German
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294 uii0 Werchjchätzuug. Das sind mächtige Bundesgenossen, die, vereint mit Pflichttreue und sittlichem Ernst. Grobes bewirken nnd ein günstiges Resultat zeitigen. Lebtzafter Beifall lohllte beu Ülcferentcu für sein wohldurchdachtes, mit großer Sachkenntnis; atlsgearbeitetes und innerer Wärme vorgetragenes Referat. Die mm er öffnete Diskussion, an welcher sich fast alle Kollegen betheiligen, leitete zugleich zum 3. Punkt der Tagesordnung hinüber. Insbesondere wünscht Kollege Salomon-Sprendlingen die Ansicht der Konserenznntglieder über Ausstellung von Schulzeugnissen zu hören. Die Mehrzahl derselben ist der Meinung, das; der israelitische Religionslehrer von der Ausstellung eines Schulzeugnisses absehe, so lange seine Stellung noch eine solch prekäre unb unsichere ist, wie in den jetzigen Verhältnissen. Häufig habe die Ausstellung eines Zeugnisses Unannehmlichkeiten in; Gefolge nnd könne seine so oft schwierige Stellung unter Umständen noch schwieriger gestalte!;. Atit dein Wunsche „Auf fröhliches Wiedersehen ans der Hauptversammlung in Frankfurt a. M." schloß der Vorsitzende die in allen Theileu würdig verlaufene Versammlung. Herzlicher Dank sei unserem allverehrten Vorsitzenden auch an dieser Stelle ausgesprochen für seine umsichtige Leitung, seine selbstlose, uneigennützige Hingabe an die Sache des jüdischen Lehrerstandes. Möge es uns vergönnt sein, ihn noch recht oft in solch körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische in unserer Mitte weilen zu sehen. I. S t ra u ß - Gau-Odernheim, Schriftführer. Von der Pariser Weltausstellung. Ans den; Russischen von Leon A. Trachtenberg. (gAV7/^ui)t einen eingehenden Bericht über die Betheiligung der Inden an der großen Pariser Weltausstellung Crwill und kann ich hier schreiben, sondern Nllr über einen kleinen Theil des großen Werkes, nämlich über die Skulpturen der russisch-jüdischen Bildhauer, mochte ich nach dem Aufsatz eines russischen Schriftstellers Ludwig Pohl an dieser Stelle berichten. In dem interessanten Artikel heißt es: Ich gelange nun zilr Beurtheilung der Abtheilung der russischerr Skulptur. Dllrch die Zahl der ausgestellten Werke nehmen den ersten Platz Antokolsky, Bernstamm und der Fürst Trubezkoh ein. Ihnen folgen Gäuzburg, Bernsteiu- Sinajelv und Raum Arousohu. Daun kommen Gabowitsch, Glisenstein, Kaplan laus Odessa), Stigel, Rasumny (aus Sebastopol) nnd mehrere Andere. Es versteht sich voll selbst, daß in der Kunst nicht die Zahl, sondern die Qualität wichtig ist Tie Eintheitilng der russischen Bildhauer, die sich an der Ausstellung betheiligen, durch die Zahl der ausgestellten Gegenstände kann bloß eine Bedeutung hinsichtlich des Nachweises einer so zu sagen einfachen Statistik hadern Wir müssen aber eirre andere Eintheilnug nrachen. So stellt z. B. Bernstamm zwanzig Skulpturen aus, wovon der größte Theil Büsten bekannter Persönlichkeiten ausmachen. Günzburg aber stellt zehn Arbeiten ans; für jeden unparteiischen Kritiker, nachdem er die Schöpfungen dieses nnd jenes Künstlers studirt hat, erscheint es deutlich, daß die Werke Günzburgs bedeutend höher stehen als diejenigen von. Bernstamm. Bei Günzburg ist urehr Idealismus als bei Bernstamm; auch die künstlerische Ausführung ist eine bessere als bei Berustamm. Hier haben wir vor uns die Büste und die Statuette des Grafen Leo Tolstoi, eine Sehöpsimg Günzburgs. Beide athmen Lebensltitb künstlerische Wahrheit, wiewohl der Gesichtsausdrnck unseres großen Romaneiers nicht gleich in beiden Schöpfungen des Bildhauers ist. Wie ersichtlich, hat der Künstlerin der Büste jene inächtige Kraft des Gedankens unb des Verstandes ausgedrückt, die der schöpferischen Arbeit des großen Schriftsteller-Künstlers vorausgeht. Die Statuette dagegen zeigt uns den Grafen Tolstoi bei der Arbeit, und je mehr lvir feilt Gesicht betrachten, desto lebhafter erscheint uns dasselbe. Und es scheint uns, daß wir ernstlich suchen, wie der Prozeß der Schöpfung sich entwickelt. Dasjenige, was vom Bildhauer besonders erfaßt ist, das ist der Gesichtsansdruck des Schriftstellers in demselben Moment, wo der Gedanke in der großen Schöpfung sich verwirklicht. In dein Gesichte ist jene nlächtige, anziehende, fast möchte ich sagen: Naturkraft ansgedrückt, die den Schriftsteller begeistert, wenn er arbeitet und schöpft. Diese Eigenthümlichkeit in den Arbeiten von Günzburg merkt man auch in beu Statuetten voll Werestschagin nnd des Professor Mendelejew. Der Künstler schuf in höchst gelungener Weise die psychologischen Züge Derjenigen, die er uns vorstellt. Außer den erwähnten Büsten und Statuetteli stellte Günzburg noch einige reizende Sachen aus, von denen man als die geluligenste die kleine Gruppe unter der Benennung „Nach dem Bade" bezeichnen kann. Der Künstler hat mit einer merkwürdigen Lebens Wahrheit die Kälte und das Zittern am Leibe, das die Knaben nach dem Ausgange aus dem Bade erfaßt, wiedergegebeu. Recht schön ist auch die Gruppe „Die Dornen". Weniger gelungen sind „Die Schüler", „Der Knabe im Bade" und „Im Bade". Aber auch in diesen Arbeiten hat man ein Talent, und zwar kein alltägliches vor sich. Günzburg gehört, lveiui wir nicht irren, der jungen Schule der russischeu Skulptur an. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er in Petersburg, wo er auch lebt. Unter den jiuigen Künstlern nimmt er zweifelsohne den ersten Platz ein. Aber die russische Abtheilinig der Weltausstellung wird lwch einige andere junge Künstler vorwärts bringen. Noch einige Worte über die südrussischen Bildhauer. Zuerst überM. Kaplan, der drei Büsten ausgestellt hat, von denen die eine die unseres großen Kritikers W. Belinsky ist. Der in Parisausgebildete Rasnmny ans Sebastopol hat einen Nahmen mit Medaillen und kleinen Münzen und eine Vitrine lllit Medaillen ausgestellt. Endlich M. Jampolsky ans Kiew (ein noch ganz junger Malin) hat einen Rahuien mit einer ganzen Serie von Medaillen ausgestellt. B ernste in-Sinajew exponirt eine ganze Reihe von Gegenständen, von denen nialiche bereits in den Pariser „Salons" figurirten, andere dagegen jetzt zum ersten Male dem Publikum gezeigt werden. Für eine von Berustein-Sinajew ausgestellte Statue erhielt derselbe vor einigen Jahren eine „Ehrenauszeichnung" im Pariser Kunstsalon; das war „Der niedergedrückte Esra". Aber seit jener Zeit hat er bedeutende Fortschritte gemacht. Er stellte fast alljährlich in den Pariser- Salons aus, und erst im vorigen Jahre zog seine Statue „Der Traum" die Aufmerksamkeit auf sich. Im verflossenen Jahre lieferte der Künstler außer einer Reihe von Büsten, voll denen ich blos die der Großfürstin Helene Wladimiroivua erwähne, auch die Marmorstatuette „Das Echo der Wellen" und „Die Rast des Arbeiters". Besonders zeichnet sich Bernstein-Sinajew dadurch aus, daß ersieh in der Technik seiner Kunst vervollkommnet, daß er immer mehr und mehr an Erfahrung und Wissen gewinnt, daß fein Talent sichtlich in den Augen seiner Freunde und Bekannten, wie in seinen eigenen sich entfaltet hat. Er besitzt ein Talent, welches nicht aufhört zu blüheli und sich noch mehr zu ent-

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