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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-03-15 · Heft 32 (15.3.1838) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 32 (15.3.1838)
Date
1838-03-15
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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128 Kapitel auch über die Juden in Habessinien sprechen und beweisen wird, daß sie dort nicht «ingewandcrt sind. Das Nähere zur Zeit. München, 18. Febr. (Pcivatmitth.). Der Maler Kaulbach, berühmt durch seine Hunnenschlacht, ist mit einer Skizze zur „Zerstörung von Jerusalem" fertig geworden. Sie ist sehr großartig angelegt; da sie aber die ganze Scenerie als Triumph der Römer und Strafgericht Gottes darstellt, so erfüllt sie die Seele nicht mit Lheilnahme, sondern mit Schrecken, und wird wol deshalb weniger gelungen sein. Gemälde mit Schaaren von fliegenden Engeln u. s. wwollen längst nicht mehr ansprechen. Marienwerder, 25. Fcdr. In unserm Regierungsbezirke waren im verflossenen Jahre 2585 schulpflichtige jüdische Kinder vorhanden, von denen etwa 1400 christliche und 1000 jüdische Schulen besuchen; es gibt gegenwärtig e in unserm Regierungsbezirke 52 jüdische Privatlehrer. Die Anzahl der Juden in diesem Reg.-Bez. ist 12,035. Luzern, 17. Febr. In Solothurn hat die Regierung einem französischen Israeliten das nachgesuchtc Niedclassungsrecht verweigert. Man erwartet nun eine Wiederholung der Wahl'schen Störung zwischen Frankreich und Basel-Landschaft. — Es wäre zu wünschen, daß diese Angelegenheit ein - für allemal bestimmt und durchgeführt werde. Belletristik. Die Gegensätze. Eine israelitisch - religiöse Novelle. (Fortsetzung.) II. Einige Tage, nachdem dieses Gespräch unter den Freunden Statt gefunden, finden wir unsern Jonathan in den Gangen des Kastanienwaldes vor der Stadt lustwandelnd. Die Morgensonne flimmerte durch die weiten blattlosen Aeste, und der Rasenteppich hatte durch den geschmolzenen Schnee frische grüne Spitzen getrieben. Eine laue Lust umfächelte den Wandler, dem es bedünkre, als ob der Süden wieder nach dem Norden rücke. Au dieser Zeit hebt sich die Brust des Menschen in freieren Athemzügen, und das Auge schaut leicht wechselnd von der grünenden Erde zu dem duftig blauen Himmel. Auch der innere Mensch richtet sich wieder auf, und mit den Hüllen des Winters fallen alle Lasten des Geistes ab. Die Hoffnung, diese Frühlingssonne des menschlichen Herzens, die gerade nach den bangsten und kältesten Winterstürmen des Lebens am lache ln dstm aufgeht, treibt Schneeglöckchen und Krokus schnell hervor, uyd wenn sie einen warmen Boden findet, bald das duftend- Veilchen. Jenen aber, unvermerkt, gahrt und schäumet das Leben, uyd verkündet nahe Knospen und Blüthen. Der Frühling weckt auch die Erinnerung in Menschen — an genoffene Freuden der verflossenen Zeit, zwischen die sich der Winter gelegt hatte. Auch Jonathan weilte in der Vergangenheit. Nicht daß ihn der Anblick der wohlbekannten Gange an seine Knabenjahre gedenken machte, wo er in kindischem Leid und Freud so oft sie durchstürmte. Solches geschieht Einem nur, wenn alle Stimmen des innern Menschen in schöner Harmonie zusammenfließen oder schweigen — aber wenn nur eine Sehnsucht, ein Schmerz, so ist die Seele zu befangen vor der Gegenwart. Die Unschuld der Kinderwelt nahet uns nur bei unschuldiger Ruhe des Gemüthes. Er gedachte der erst' kürzlich verflossenen Studienjahre, besonders aber der schönen Stunden., die er im Hause einer befreundeten Dame verlebt, als Julie, die Tochter des Banquier Kaspar, mehre Monate bei dieser, ihrer Tante, verweilte. So sehr auch ihre beiderseitigen Familien wegen der ganz entgegengesetzten religiösen Ansichten und Lebensart in ihrer Heimat getrennt, ja feindlich gegenüber standen: so hatten sich doch auf dem neutralen Gebiete der Tante und Universität die Herzen der beiden jungen Leute achten und lieben gelernt; sie hatten sich in tiefem Schmerze getrennt, und die wehmüthige Sehnsucht, die sie seitdem in sich nicht beschwichtigen konnten, sagte ihnen, wie viel sie sich wären. Hierj, in der Heimat, war es ihnen nicht einmal gestattet, sich zu nähern; oft war er vorübergegangen, und sie vermochte nur, ihm nachzuschauen, und er nicht einmal zu grüßen. Es wallte unserm Jonathan heiß durch das Herz, denn der erwachende Frühling erhöht alle unsere feineren Empfindungen — daß er bald langsam, bald schneller durch die verschlungenen Gange eilte. Als er um eine Ecke bog, stand vor ihm — Julie; in .weiter Entfernung folgte ihr ein Diener. Sie schaute ihn mit erstauntem Blicke an; er verbeugte sich, und ging vorüber. Da bemerkte er ein Taschentuch, das ihrer Hand entfallen sein mußte, er deutete es willig auf die Ueberraschung. Ehe er sich dessen bewußt war, hatte er es aufgehoben und eilte ihr nach. „Sie haben dies wol verloren, Fräulein," sprach er mit ungewisser Stimme, „und^ ich gebe mir die Ehre, es Ihnen zu überreichen." Sie sprach ihren Dank mit süßer Stimme aus, ohne ihre Schritte aufzuhalten, und da sie so vorwärts gelangten, war es natürlich, daß er ay ihrer Seite verblieb.

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