Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1900)
- Date
- 1900-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
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Meister über den größten' Th'eil desselben in der Weise verfügt, dAMer den verschiedenen Wohlthätigkeitsvereinen und Anstalten elltspmchiMde Beiträge zuwendete. Es wurden die christlich-^holischen Vereine, di? als Separatsport die Judellhetze betreiben, reichlich bedacht Vs^ jüdischeil Vereinen erhielten auf Wunsch der Er^en und nach derM Anträgen: Israelitisches Bliudeninstitllt nlld Mäd?hen-Ullterstützüngsverein in der Leopoldstadt je 10 000 K., Verein zur Unterstützung hilsH bedürftiger Waisen der israelitischen Kultusgemeinde je 3000 K.^ Kinderhort ini 2. Bezirk, Große Pfarrgasse, Israelitischer Frauen- Wohlthätigkeitsvereiu in der inneren Stadt. Theresieu-Kreuzervereilh Israelitische Kinderbetvahranstalt im 2. Bezirk, Israelitisches Taub? stunluleninstitut irn 3. Bezirk, Verein zur Förderung der Handlverke unter den inländischen Jsraetitell je 2000 K.. Frauenhvrt im 9/Bezirk 1000 K., Treubund im 2. Bezirk, Mädchenhort im 2. Bezirk, Kaiser Franz-Joseph-Ambulatorium im 0. Bezirk je 500 K. ° 7 Frankreich. — Paris, 27. Mai. Der Londoner Gerichtshof hat dieser Tage das T e st a m e n t des B a r o tl s Adolf v. Roth s ch i l d geprüft^ Die genaue Feststellung des Werthes der sehr zahlreichen Legate ist aber nicht leicht, da das Testament voll dem Erblasser hätlstg geändert verbessert nlld vertällgert lvorden ist. Es enthält z. B. nicht weniger als 44 Kodizilabschnitte. Einige der tvichligsten Legate seien hier all-, geführt. Die öffeuttictieu Wohlthätigkeitsiustitnte in Paris erhalte^ ans verschiedenell Legaten sehr bedeutende Sunlmell, bereu Gesauimt'^ werth noch licht arlgegebell werdeil kallil, die aber sicher rilehrere Hunderttauselld Francs betragell. Das Pasteur-Institut, und zlvar die voll Dr. Roux geleitete Abtheilnng für die Behaudlnng von: Rachencronp (Diphterie) erhält 10 800 Francs jährlich. Im Jahre 1886' vermachte der Baroil für die Gründung eilles großen ophthalmologischell Illstltllts iil Paris, das nach dem Muster des gleichfalls von ihul gegründeten ophthalmologischen Instituts in Gellf eingerichtet lverdell soll, 1 000 000 Francs, nlld für den Unterhalt der Krallken, Besoldung des Wärterpersouals k. eine Rente von 100 000 Francs..' Inl Jahre 1894 wurde diese Schenkling auf 1 500 000 Francs erhöht und die Unterhaltungskosten auf 250 000 Frallcs, das elltspricht also llngefähr einem Kapital von 10 Millionell Frailcs. Das Hospital iil Gellf erhält u. a. eine Rellte voll 80 0OO Francs. Jill Jahre 1889 setzte der Barvll eine Rente voll 40 000 Francs fest, die alle Jahre an 40 Mädcherl, lvelche kümmerlich voll ihrer Hände Arbeit leben, vertheilt lverdell sollen. 250 000 Francs erhalten die Pariser Mäßigkeits-s Vereine, 150 000 Frallcs die arlnell Kiilder iil Boulogne, 50 000 Frallcs das Rothschild-Hospital in Paris, 10 000 Frallcs das Rothschild-Asyl in Nizza, 100 000 Frallcs die armen Falnilieu in Jssy, 210 000 Francs die Armen der Stadt Paris. Die Gemeillde Bolllogne erhält evelltuell.. d. h. weilil die Erbell einverstanden silld, das Rothschildh'che Pachtgut in Boulogile. das bann in eine öffentliche Promenade verwandelt lverdell soll. Dem Louvre-Mnseunl hat der Baroil seine unvergleichliche Saullnlnllg voll Kunstgegenständen vermacht. Für die Verwaltung der Saulmlullg siild 300 000 Frallcs ausgesetzt. Die Kullstlverke, die das Louvre-Muselliil etwa zurückweisen sollte, erhält das Mnsellm von Cluny. Mehrere Städte, in welche der Baroll häufiger gelebt hat, erhalten für ihre Armen sehr bedeutende Summen. Die Toleranz des verstorbellell Barons offenbart sich in eineul Legat von 500 000 Francs, dessen Zinsen jährlich an bedürftige Rabbiner. Priester nlld Pfarrer vertheilt lverden sollell. Auch an die Thiere hat der Erblasser gedacht. Die Zinseil von 150 000 Frallcs sollen zur Besserung des Looses der Hansthiere verwe'.ldet werden; „besonders aber soll so viel wie möglich verhilldert werden, daß alte lahme Pferde noct) angespannt werdeil und Dienst thun". Von Nah und Fern. — Der außerordentliche Professor der Augenheilkunde. Dr. Julius H i r s ch b e r g . ist zum orde»ltlichen Hollorarprofessor in der medizinischen Fakultät der hiesigen Friedrich Wilhelnls-Universität ernannt worden. — Professor Dr. Max Wolfs, der Leiter der hiesigen Uni-- versitüts-Poliklillik für Lullgenkrankheiten, ist zum Geheimen Medizinalrath ernanllt worden. — Das Stipendium der Jul i us-Adelhei d- Stistung im Betrage von 240 Mark soll für das Stlldieiljahr 1. Oktober 1900/1901 an einell talentvollen, würdigen und bedürftigen -Studirenden des Baufaches jüdischen Glaubells verliehell werden. - Am 25. d. M. ist^in Steglitz der Professor Dr. Phil. Moritz Löw in- 59. Lebensjahrs^ plötzlich am Herzschlag gestorben.— Die Gemeinde in Wre scheu Mk beschlossen, für das Jahr 1900 als Korporation« beiträge 110/Prozent der Staatssteuern zu erheben. — Der Kaufmann S. Radt in Berlin hat der Synagogengemeinde in O st rowo zlvei Teulpelsitze daselbst im Werthe von 300 Mark als Gescheilk überwiesell. — Graf Pückler hatte gegell beu Redakteur des „Niederschles. Anz." il- Glogail, nachdem er vom Staatsanwalt aus den Privatklageweg verlviesen worden lvar, Privatklage lvegell Beleidigung allgestrengt. Der „Niederschlesische Anzeiger" hatte geschriebell, daß Graf Pückler llicht niehr fähig und llicht mehr lvürdig sei, fernerhin Alntsvorstehen zll sein. Jnzwischell hat der Kreisallsschuß bekailntlich auf Anlts entsetzuilg des Grafen Pnckler erkannt. Nunmehr ist auch das Ver fahren gegen ben „Niederschles. Anz." vonl Gericht lvegell Verjährung eingestellt worden. — Herr M. Levy iil Stadtoldendorf, Mit' inhaber der bekannten Firma A. I. Rothschilds Söhne, welcher schm mehrere Jahre Magistratsmilglied ist, hat kürzlich aus Veranlassung seines 50. Gebllrtstages der Stadt ein Kapital voll 5 0 000 Mark zur Erbaliullg eines Krallkellhauses überiviesell, da bis jetzt ein solches dort noch nicht vorhanden ist. — Dr. M. Spanier in Ha nl bürg ist zum Seminardirektor in Münster an Stelle des nach Berlin berusellen Herrn Dr. Glltmalln gewählt worden. — In Sa ch se ll h a g en (Kr. Rinteln feierte am 29. v. M. das S a l o m o N H e rz b e rg h'che Ehepaar in voller geistiger und körperlicher Frische unter allgemeiner Theit liahme seine goldene Hochzeit. Vonl Ortsvorstande wurde die Ehe jnblläumsinedaille nebst Glückwunschschreiben überreicht. Der Jubilcn hat 1849 im ehelnaligen Kurhessischell Leibgarderegimellt den Feldzug gegell Däneulark mitgemacht. Möge ben braven Leuten noch ein langer und schöller Lebensabend beschiedell sein. — Professor Oska r Minkolvski voll der Universität Straßbnrg ist als leiteubev Arzi all die innere Abtheilung des städtischen Krankellhallses in Köln be rufell worden. — Jll M ü nsterei fel feierte am 17. d. M. unter freudiger Theilnahme der ganzen Gemeinde Herr David Apfel und feine Gattin Sibilla geb. Nathan die goldeile Hochzeit. Der Jubilar, Barer des rühmlichst bekannten Dr. Apfel in Köln, lvie feine Gattill, erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit. Zeliglliß dafür legte die schöne Feier in der Synagoge ab, bei der Lehrer Voß deill Jubelpaare die Ehejubilällms Medaille überreichte itub die städtische Liedertafel mitlvirkte. Auch die katholische Geistlichkeit betheiligte sich an der schöllen Feier. Möge es dem Jubelpaare vergönllt seili, sich noch viele Jahre in gleicher Rüstig keit des Lebens zll freuell. — Eitler der bekanntestell jüdischell Pädagogen Delltschlallds, der Lehrer L. Co heil in Rees (Rheinpreußenj zliglerch einer der bestell Kellner des jüdischen Kaleilders, feierte am 26. d. M. feinen 70. Geburtstag. Am 1. Anglist lvird er sein 50 jährige- Lehrerjubilälllll begeheil. 26 Jahre wirkt er bereits iil Rees. — Ju Hürb e n i. B. ist am 17. d. M. der Kalitvr Israel Lach malln iln 62. Lebeilsjahre gestorben. Derselbe hat sich durch die Sammlllng und Bearbeitllng der trabittouelleu Synagogengesänge nach süddeutsche!'.! Ritus befannt gemacht. — Der Marinebeamte Philipp, der jetzt in Frankreich rvegell Berraths zll vier Jahren Gefängniß verurtheiU worden ist, ist nicht Jude. Ja, die „Libre Parole" hat ihn vor ein paar Monaten halb und halb als Gesiullullgsgellossen proklanlirt und es selbst sehr bedauert, ihll zuerst angegriffen zu haben. — In Pari« wird eine neue anti-jüdische Liga organisirt. Ulld ein hochgeborener Herr, Vicornte de Bruc, ist bereu Chef. Alles Jüdische ist von der Liga in Acht und Ballll gethall, voll Meyerbeers Musik allgesangen bis zll den von jüdischell Fingerll hergestellten künstlichen Blumen. - Dr. H. Bergsoil ist zllm Professor der griechischen und lateinischer: Philosophie am College de Frallce ernanllt worden. — Aus Anlas' einer Beschwerde, die ein jüdischer Rechtsanwalt in Odessa einbrachtc, weil seiner kranken Frau nicht gestattet worden lvar, in dem außer halb des Ansiedlungsrayons gelegenen Kurorte Jalta allein zu ver weilen, entschied der Petersburger Senat, daß dell Gattillnen gradnirte jüdischer Akadeuliker das Recht zustehe, iln ganzen Reiche uilgestört zr^ veriveilen ohne Rücksicht aus den Aufenthaltsort des Gatten. Druck und Verlag von Rudolf Blosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.