Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1900)
- Date
- 1900-03-09
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
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4 fonb* in 1899 9)1 nvf 1055,82, so bafj am Schlüsse dev Jahres 1899 der Stand sich mit einer Summe von Mark 311 068,79 darstetlt. Zum Schluß folgt noch der Bericht über vier neue Stiftungen zum Besten der jüdischen Gemeinde. Orsterreich-Ungarn. □ Mierr, 5. März. Hier tagt jetzt der Neichsrath und der G e m e i ud era t h. und wahrend bei den Sitzungen des ersteren sich der Kampf zwischen Sozialdemokraten und der herrschenden Partei abspielt, gehts bei den letzterem weidlich über die Juden her: hat sich doch gar der so gebildet sein wollende Dr. Lneger nicht geschämt in der letzten Gemeinderathssitzung. gleich dem erstbestell Schusterjungen, der einen armen jüdischen Hansirer verhöhnt — 311 manschet n. — In Krakail hat die Staatsanwaltschaft die gerichtliche Untersuchung eingeleitet gegen die Verfasser einer antisemitischen Proklamation, welche die Universitätshörer zum Beitritt in einen akademisch-antisemitischen Verein auffordert. — Der jüdische Friedhof in Prag, der einen historischen Weltruf besitzt, soll nun doch beseitigt werden. Vor einigen Tagen fand die Kommission betreffeild die Expropriation des alten Prager jüdischen Friedhofes, von dem nach dem neuen Regnlirungsplane ein Streifen lvegrasirt werden soll, unter Leitung des Bezirkskommissärs Ma hl i »lg statt. Die Vertreter der israelitischen BeerdiglUlgs-Brllderschast, die Herren Hermann Jnwald und Hermann Schütz, mit ihrem Nechtssrennde, dem gewesenen Prager Bürgermeister Dr. Czerilh, haben gegen die angesuchte Expropriation Einwendungen erhoben und bei der Kolllmifsioll den Antrag gestellt, die Expropriations-Verhandlung 311 unterbrechen lind vorher nochmals an den Prager Stadtrath wegen einer Aeudernng des Planes heranzutreten. welche die Erhaltung des Friedhofes ermöglichen wurde. Da sich die in der Konimissiol» aiuvesenden Vertreter des Stadtrathes diesem Ansuchen anschlossen, rvurde die Verhandllmg unterbrochen uub wird erst nach Maßgabe der diesfälligen Berathllllgel» auf Verlallgen des Prager Stadtrathes wieder aufgenommei» lverdell. - - Wie ich seinerzeit berichtet habe, lvllrde tvegell der Ausschreitungen gegen die Juden der Lehrer Franz L i h a r z i k zll vierzehlltägigem einfachen Kerker vernrtheilt. Nunmehr hat der Laudesschulrath in Mährer» die Elltfernruig desselben vom Schllldienste durch Entlassllug verfügt. Der Laudesschulrath voi» Niederösterreich lvird ihn schon wieder aufnehmen; für solche Leute ist ja jetzt Wien der günstigste Boden. B. Budapest, 2. März. Ackerbauminister Darany» brachte, nachdem ihm die authentische Rede, welche seil» Bevolllliächtigter Egal» in Mullkrics gehalter» hat, Zligekommel» lvar, itu Abgeordnetenharise die Egau-Affäre wieder z»»r Sprache und meldete, daß ihm arich eil» Schreiber» des Ministerialbevollmächtigten eiugesei»det wurde, il» den» er erklärte, er halte Alles, was er i»» Betreff der Uu»triebe der aus Galizien eil»ge)vanderten Proletarierelemeute gesagt, aufrecht, allerkenne aber, daß er in der Hitze der Debatte verattgemeirrert uub elltgegel» der liberalen, die Rechtsgleichheit der Bürger ohlre Unterschied der Neligivl» respektireilden Politik der Negierung, lvie entgegei» seinen direkten Jnstruktioller», Dinge gesagt habe, lvelche dahil» nrißdeutet lv»»rder», als hätte er eine rezipirte Konfession beleidigt oder beleidige»» wollen. Beides sei ihrn fern gelegen. Der Mii»ister erklärte, dies zur Kellntlliß irehmel» z»» »vollen. Bezüglich der Umtriebe der einwandernden Proletarier sei auch die vaterlä»»dische Zndellheit (?) der Allsicht der Negierung, daß diese verhindert werden nlüßten. Die Negierung habe beim anch beschlossen, die Eil»lval»derl»ngsfrage nach jeder Richtung hil» gründlich zu regeln. Die Politik der Negierung dürfe llicht nach solchen Jlizidenzfällel» uub nach solchen auch voll ihm ver»»rtheiltel» Aeußer»»ngel» beurtheilt werden, foubern nach dem Programm derselbe!,. Die Politik der Negierung sei keine lvankellde liberale Politik, soilderi» die gleichmäßige Geltelldlllachullg der bürgerlichen Rechtsgleichheit in jeder Richtung ohne Unterschied der Nasse, der Klasse »»ud der Koufessiol». Und die Exekutivorgalle dürfen auf eigelle Fällst keine besondere Politik machen. Die Negierung lverde darüber wachen, daß ähnliche Fälle sich llicht wiederholen. Das Ha»»s gab sich mit der Erklärung des Ministers zufrieden. Der Abg. Dr. Julius Rosenberg, der il» dieser Al»gelegel»heit das Wort ergreifen wollte, hat l»ach deu Erklärungen des Ministers aufs Wort verzichtet. — Das Stiftuugsstatut der „ B a v 0 n in Klara Hirsch 'schen St ist»» »lg f ü r U u * garl»" ist auf Grund der durch der» König erfolgten Genehmigung voll» ungarische»» Minister für Kultus ulld Unterricht bestätigt worden. - Dr. Ladislaus F a l) e r wurde zun» öffe»»tlichen vrdentlichen Professor an der hiesigen Universität ernannt. Rußland. L F. Ldeffa, 28. Februar. All! 26. v. M. starb in Elisabethgrad l»c,ch langer, schwerer Krankheit tut 76. Jahre seines Lebens der älteste der dortigen jüdischen Lehrer. Herr Moses A l e r a n d r 0 lv i t s ch Jos e — eil»er der erstell Schüler der bekalrnten Allfktärer des jüdischen Volkes, des unvergeßlichen Dr. Lilienthal »md des gelehrten Direktors Bezahl Stern. Der Verelvigte kam im Jahre 1856 nach Elisabethgrad, und seit damaliger Zeit bis zu beit letzten Tagen seines Lebens, d. h. im La»»fe vor» 43 Jahren, arbeitete er auf dem pädagogischen Gebiete; 25 Jahre hilldurch bekleidete der Heilngegangelle die Stelle eines Lehrers an der jüdischen Kronschnte, lvofür er eil»e Medaille empfing. Die übrigen Jahre unterrichtete der Verewigte il» der Talmud-Thora und mehrere Jahre lvar er Lehrer der israelitischen Religion im dortigen klassischen Ghlnnasiun». In» Ganzen arbeitet der Verklärte auf dem pädagogischer» Gebiete volle 48 Jahre! In der Bevötkerllllg von Elisabethgrad befinden sich Hlinderte feiner Schüler; viele von ihi»en nehmen jetzt bebettteube Stellungen in der jüdischell Gemeinde ein. Unter dieser Zahl ftitb Aerzte, Apotheker und Vertreter anderer intelligenter Berufe. Dadllrch erklärt sich die selten feierliche »md zahlreiche Bestattung des Dahingeschiedeueu, die die Vertreter der Geureillde »n»d der jüdische!» Schule!» veranstalteten. Zn Beginn der Leichenfeierlichkeit voi» seiner Wohnung ans nach der Hauptshnagoge versamnlelte sich eine unübersehbare Menge von Menschen, die Zöglinge der Talmud-Thora, der jüdische!» Krollschnlen, deren säinmtliches Lehrpersonal, der pädagogische nnd der Verwaltnngsrath mit dem Stadtrabbiner Temkin an der Spitze und viele der achtbarsten Gemeilldeglieder. Il» der überfüllten Synagoge hielte!» inhaltreiche Reden der Dirigent der 1. jüdischell Kronschnte, Herr Scheiuziß, und der Stadtrabbiner Temkin. Von der Synagoge belvegte sich der Trallerzng, il» Begleitung des Chores »n»d einer großer» Menge Volkes zum alten jüdischen Friedhofe, wo dem Verklärten ei»» Ehrengrab zllgelviesei» mürbe. Friede seiner Asche! Von Nah und Fern. — Der Reichstagsabgeordllete, Sanitätsrath Dr. Ernst Kruse, ein Mitbegründer des Vereills zur Ablvehr des Antiseluitisulus, ist im 63. Lebellsjahre gestorben. Mittel» il» feiner parlamentarischen Thätigfeit ist er im Reichstagsgebällde dahin gerafft »vordeu. — II» Bresla»» ist Dr. Tobias Samter, früher Rabbilier in Waldellburg, in der» letzte!» zehn Jahren Religionslehrer an höheren Lehra»»stalte»» in B., l»ach kurzell» Leiden gestorben. An» selbe!» Tage ist auch ein angesehener, streng religiöser Mann. Meyer Lelvy, der früher vielfach journalistisch thätig lvar, der Vater des Gymnasiallehrers Dr. H. Lelvy in Mühlhausen, daselbst gestorben. Ehre den» Andel»ken der beide»» wackere»» Mällner! — II» Z ü r i ch ist Herr Leopold G »»g g e l» h e i »n, ein allgemein geachteter Mann, Präsident des Komitees der Alliance Israelite Universelle daselbst, gestorben. — Der Grandrabbin ucui R a»»c p. Jsaac Bloch, ist z»»m Ritter der Ehrenlegion eruauit t worden. — Bei der E»»thütt»»l»g der Statue des Erzbischofs Lavigerie in Biskra in Algier sagte der Bischof Gaz a e» 0 l vor» C 0 11 ft a n 11 n e: „Keine Trennung, kein Rassenkampf mehr! Lasset uns ii» Frieden lebe»», ohr»e U»»terschied der Abstammung und des Glaubens. Lasset uns z»»sammen arbeiten, um Frankreich groß, Algier wohlhabend zu mache»». Die Wahrheit, die Zivilisation, das Recht und die Freiheit solle»» siege»»." — Herr A. S 0 l 0 w e i t s ch i k, einer der Direktoren der K 0 lv n oe r Gouvernelllentsbank, hat vom Czaren eine goldene Medaille für langjährige treue Dienste erhalten. — In Novo-Poltawa wird deulnächst eine neue Ackerbanschnle für Inden eröffnet »verdeu, zu der die Negierung das Grundstück gratis 'giebt. — Der Lord-Mayor voll Belfast, Otto Jaffe, hat von der Königin voll England die Ritter- Würde erhalten il» Anerkennung der großer» Dienste, welche er »uld feilte Frau bei dem patriotischen Werke der letzten Monate geleistet haben.— Der Rabbiner der Gemeinde Perth in Westaustralien Nev. D. I. Freedmau, der auch zugleich der Direktor der dortigen jüdischen Schule ist, hat von der Negierung seine Bestallung als Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Unterricht in Westaustralien erhalte»» uub hat als solcher bereits bei der Vertheilnug der Preise il» Perth süuktionirt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für vte Redaktion: MaxBauchwitzin Berlin.