Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1900)
- Date
- 1900-03-09
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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m 3 Lr. Kalischer dankte innig und ties belvegt für den ebenso feierlichen oie herzlichen Empfang, dessen er in langem, mit göttlichem Beistände egensreichem Streben für die Gemeinde sich verdient zu »rachen hoffe. Während der liturgische Verein unter der bewahrten Leitung des wntors Herrrr Badrian ein Lied sang, bestieg Dr. Kalischer die Kanzel, mit seine wirkungsvolle Antrittsrede zu halten, die ans alle chhörer einen tiefen Eindruck hervorbrachte. 9tach Schluß der Predigt uhrten Vorstand und Repräsentanten unter Gesangbegleitnng dell Rabiner zu seinem Platz hin, derr Blurnenschmnck zierte. Der synagogalen *ier folgte am 25. die rveltliche Begrnßrmgsseier. ein ^yeftefien im Saale s Wallhanses, das rnrter Betheilignng aus allerr Kreisen der Gerneinde! md zündenden Ansprachen seitens des Borsitzeriden der Repräsentanten,! »erru Arorr ans den Rabbiner und anderer Festreden eilten glänzenen Verlaus nahm. Tr. Kalischer erlviderte mit herzlichen Worten iid dankte dem Borstande und Repräsentanten noch eillmal für das menvolle Vertrauen. Dann toastete Herr Golde auf ben Synagogenorsteher Goldstein. Die Festtheilnehlner blieben ziemlich lange in emüthlicher Stimmung zlisammen. v. Wohlan i. Schlesien, 28. Februar. Am 22. d. M. verschied ierselbst nach knrzeln schlverem Leidell im Allter von 63 Iahrell Herr Bankier S. Wohl aller, eine in alleil Kreisen der Bevölkerung unserer 5ladt und des Kreises dlirch feinen Edelsinn, seine streng rechtliche! 'alldtllngslveise lind seine Bescheidenheit allgelilein beliebte lind hoch- > pachtete Persölllichkeit. Der Elltschlafelle bekleidete allster anbereu; ielfachen Ehrenämtern tarnie Jahre Hill durch das Amt des Stadterordlletenvorstehers, des Kassirers ini landtvirthschnftlicheil Kreisvereili,; erner seit 20 Jahren erster Vorsteher der jüdischen Geineillde Wohlan. > Wenzig lind Dhherll fn r t. h. Alls einer strellg frolnillen Familie ellt- , lammend, loelche sich zlir Zeit allch großer Beliebtheit allgelnein erfreut, j oar ihm stets die Sache seines Gtallbens, für deil er voll nlld ganz bei | cd er Gelegeilheit eiiltrat, erlist, heilig nild Ehrenpflicht. Der Heimj iallg dieses leider viel zil früh Eiltschtafenell lvird allseitig bedauert;! meil kleilleil Belveis lieferte hierzu die überalis zahlreiche Betheiliglmg ller Konfessiollen bei denl Leicheilbegäilgniß anf dem Friedhöfe zu ryhernsnrth. Der Edle rllhe in Frieden. S. Lattdsbeig C. 23. Febrilar. Eineil großen Kreis der Leser .ihres lvertheil Blattes lvird es interessirell. nild vielleicht zugleich cindi H'ii Leiteril kleinerer Gemeinden einen nicht zn verachten deil Wiilk zll ben solchem Thlln geben, uhmui sie nachsteheildes erfahren: Die liesige „ C h e lv ra Kadi s eh a h " nahm mit tiefer Betrübniß ivahr. >aß der Friedhof sich in arg verloahrlostein Znstallde befalld llild mniseben bei der geringeil Mitgliederzahl (21) lind daher bestehendell Ocittellosigkeit kaulil hätte elitrissen lverdell fbnnen. Da kam dem Vorstände der gute Gedanke, in einem Aufrufe an die Angehörigen der nerorts Ruhendell zlir Zeichiillllg von Beiträgell allszllsordern. um Ke Friedensstätte in eineil der Würde des Ortes entsprechenden Zustand 'ringen zll fömien. Die Arbeit war vom schönsten Erfolge gekrönt, äm Jahre 1898u>itvbeu 434,11 Rtark vereinnahmt, imb das Jahr 1899 'chloß mit denl Wirtschaftsbetrage voll 725 Mark. Es foiutte für die Sommermonate ein Gärtller engagirt lverden, ivelcher die versalleileil Gräber allfschüttete, darin alle allderen llnd die Gällge rc. fleißig pflegte. Alte Grabsteine lvnrdell anfgerichtet bezw. allfgefrischt, Bäume geoftanzt. Gartengeräthe angeschafft nnb der verfallene Zaun erneuert. Wer jetzt dell Friedhof betritt, evfennt ihll kaum wieder, Unerläßlich bleibt die jährliche Versendnilg eilles Geschäftsberichts liebst Abrechnung. aber ilicht llllter „Drucksache". Zll jeder AusklNlst ist der Uenban t der „Chewra Kadischah", Herr Salo Matzdorff, gern bereit. x. Aus Overschlesieu, 4. März. Einer der lvenigell echt religiösen MälNler llllserer Gegend ist am 25 v. M. zll Grabe getragell ivordell, der Kallfmalm Earl Reißer ill Kätscher. Derselbe lvar ein mackerer überzengungstrener Jude, der in Gottesfurcht all deil Satzllilgell unserer Religivll sesthielt unb in dieseln Sinne allch feine Killder erzog. Durch fein einfaches Wesen, wie durch fei neu lauteren Charakter hatte er sich einen wahrhaft guten Ramen und in inerteren Kreisen viele Freullde erlvorbeli. Die Trauer nm deil im Alter von 75 Jahren plötzlich abbernfenen lvackereil Mann kam bei der Bestattluig recht Zllni Ausdruck. Voll nah unb fein lvaren Berlvandte nnb Freunde, unter letzteren allch ailgesehelle Nichtjuden, erschienell. Im Trauerimufe sprach im Ramen des weiteren Verwandtenkreises der Rabbinatsfandidat Dr. Dienemann-Breslall tiefenlpfnndene Worte des Abschiedes. In der Leichenhalle ergriff der älteste Schwiegersohn des Verblichenen. Rabbiner Dr. Eppensteill-Briesen das Wort, um dem Schmerze der Familie Allsdrltck zu verleihen. Alsdann sprach noch als Freulid der Falnilie Rabbiller Dr. Freimann-Holleschau, der die Frömmigkeit und Herzellsgüte des Entschlafenen hervorhob. Friede feinem Alldenkeu! t. Barvy, 1. März. Der heutige Tag war für die hiesige jüdische Genleinde ein trauriger, da die S h ll a g o g e, die bereits hundert Jahre bestalld, auf Polizeilichen Befehl wegen Baufälligkeit abgebrochen lvurde. Aber ilicht dieses allein, sondern auch das Grundstück ist verkauft, und zwar für den Preis von 800 Mark. Das Grundstück giilg in den Besitz eines Sehlvagers des Bürgerilleisters über, dessen Garten nnmittelbar an die Synagoge grenzt. Da hier nur sieben beitragssähige Gemeindemitgliedeli sind, ist es nicht getlmgell, die Kosten für eine event. Reparatllr znsammenznbringen. Eiil recht traliriges Zeicheil der Zeit. 6. Stadtoldendorf, 2. März. Ein Leichenzllg. wie ihll nufer Städtchen vielleicht noch nicht gesehen. belvegte sich gesterll Nachmittag nach deln israelitischen Friedhofe. Der Sellior-Ches der meltbefanuten Firma A. I. Rothschild Söhne, Adolf Wolfs wurde zur letzten Ruhe bestattet. Der Verstorbelle, der das Alter von fast 78 Iahrell erreichte, entschlief am Dienstag llach nur viertägigem Krankenlager. Geboren in einem Dorfe bei Hannover, kam er im Jahre 1843 als 21 jähriger junger Mann hierher nild lrmrde erster Mitbegrüllder der Firma. Nicht alleill nllsere Stadt, solldern die gallze Umgegend hat ihnl viel zil verdanken, da jetzt all 700 Arbeiter in der Fabrik ihren Lebensunterhalt verdienen. Der Verstorbene ivar ein edler Charakter. Einfach uub bescheiden in seinem Allstreten trotz seilles großen Wohl, staildes. erwarb er sich die Liebe Aller. Wo es galt Roth zll (inberii konnte man bei ihm stets eine offene Hand finden. Ill Freud llnd Leid nahm er all afleu Ereignissen unserer Gemeinde lebhaften Antheil llild war eili treuer Besllcher unseres Gotteshauses, llnfeve Gemeinde hat darum einen großeil Verlust zll beklagen. Alll Grabe sprach Landrabbilier Dr. R ü l f-Brannschlveig unb schilderte in sehr trefflichen Worten die Tllgelldell des Verstorbenen. Möge die Erde dem Entschlafenen leicht werdell. o. München, 4. März. Der Bericht über die Wohlthätigt e i t s p f l e g e der i fr a e l i t i f ch e n K ll l t u s g e rn e i ll d e im Jahre 1899 theilt mit, daß die in den letzten Jahren stetig sich steigerrldeil Anforderllllgen, welche an die Wohlthätigkeitskasse gestellt toitrbeu, es llothweildig machten, an die Gemeindemitglieder das Ersllchen zu richten, auch ill Zukullft bei frendigeil Anlässen, lvie in deil Tagell des Leides der Armen zn gedenken, und Spenden für dell genannten Zweck z'.lfließen zu lassen. Alls den Eillküllfteil der Gemeillde. namentlich aus den Knltusbeiträgen der Mitglieder, dürfen, lvie befauut, keinerlei Allflvendnllgell für Wohlthätigkeitspflege gemacht lverdell; deshalb besteht uilabhällgig voll der eigelltlichen Gemeindekasse eille befoubere W o h l t h ä t i gkei ts ka sse mit den aus nachstehender Ansstellung ersichtlichen Eillllahnlegnellen. Ans dieser Kasse erhalten hier wohllhafte israelitische Arme zlveimal im Jahre Beiträge zllm Wohnllngsllliethziilse, in oringenden Fällell allch sollstige Unterstützungell. Ansnahmsweise werdell auch hier llicht wohnhafte Arme für welche in erster Lillie die Fürsorge des Frenldenvereins eiutritt, mit Spenden bedacht. Die Eillllahnleil alls Alijoth. Sperldellbüchsell in der Synagoge unb am Friedhofe, zweimaligen Sammlungen innevhalb der Gemeinde, direkt eillgegangene Spenden, Renjahrsenthebungskarten. Eilltrittskarten zur Besichtignilg der Synagoge. Zuschüsse ans Wohlthätigkeitsstiftungeil, Zinsell aus vorübergehelld angelegten Geldern betragell illklusive Mark 4538.33 Aktivrest aus 1898 Mark 17 053.94. Dagegell wnrdell verausgabt: für Beiträge zlnn Wohilllllgsllliethzillse Mark 6502, Unterstütznllgell all hier wohnende Arnie Mark 2845.29, all llicht hier lvohnende Arme Mark 3268.90. zllsammell Mark 12 616,19. so daß ein Aktivrest voll Mark 4437.75 verbleibt. Die israelitische Waisellstistullg erzielte 1899 au Zinsen ans allgesammettell Kapitalierl Mark 10 669,56 mib verausgabte für: Erziehungsbeiträge für 82 Kinder Mark 8163, Auflagen, Legate n*. Mark 1263,74 Stückzinsen imb Klirsverlnste Mark 187, zusammen Mark 9613,74, so daß eill Aktivrest voll Mark 1055,82 verbleibt, welcher dem Stamnlsond einverleibt lvurde. Der Stanullfond betrug Ellde 1898 Mark 296 261,27; Schenknugell. Legate, Ernkanfsgelder erbrachtell Mark 13 148,20, Kursgewinne Mark 603.50, Ueberschuß des Betriebs,