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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-09 · Heft 6 (9.2.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 6 (9.2.1900)
Date
1900-02-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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64. Jahrgang. Nr. 6. Berlin» 9. Februar 1900. Allgemeine eitung des Audenchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Rabbiner 51*- Ludwig Philippson-Sonn. Verlags-Crpedition: Berlin, Jerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von derExpedition inBerlin unter Streifband bezogen Vierteljahr». 3 M. Rcdacteur: Gustav Karpeles. 3ttl)(tlt. Leitartikel: Ein „Staat im Staate". — Die Woche. — Aus der Berliner Gemeinde. — Ein neuer Fall. — Brief aus Oesterreich. — > Ludwig Bambergers Erinnerungen. I. — Zyeuilleton: Lose Blätter ans dem j Tagebuche eines russisch-jüdischen Studenten. IV. Von N. Brainin. —; eitte» arische Mittheilungen. — Lprechsaal.! Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Aus der Provinz Posen, Filehne, Gleiwitz, Nosenberg (Oberschl.), Hannover, Hamburg, Eisenach, Vom Taunus, München, Wien. — Von Ray und Kern. — Miseellen. — Briefkasten. Gin „Staat im Staate". Berlin, 6. Februar. ^^^ehr zur rechten Zeit 'kommt der neueste Bericht der ,Alliance israelite universelle über das abgetaufene Jahr, 9) um eine antisemitische Insinuation zll widerlegen, die geeignet sein könnte, falsche Vorstellungen zu erlvecken ulld diese wahrscheinlich auch hie und da erweckt hat Die „Sachsenschall", ein antisernitisches Blatt in Magdeburg, brachte vor einiger Zeit einen Artikel, in dein die angeblichen Sammlnngen sür Dreyfus in München mit der Alliance in einen, wie es auf den ersten Blick scheinen möchte, ziemlich natürlichen Z»lsammenhang gebracht wurde. Es steht aber doch sehr schief darum. Denn fast alle Behauptungen des antisemitischen Blattes lassen sich durch die Thatsachen klar und bündig widerlegen. „Den Juden ist es immer höchst unangenehm, iuchu von ihrem Weltbünde die Rede ist", so beginnt der Artikel, und wir können sofort beit Nachweis erbringen, daß diese Behauptung nicht den Thatsachen entspricht, illdem fast in jeder Nummer mlseres Blattes von der Alliance die Rede ist. Und wenn die „Sachsenschan" durchaus will, so roürde das hiesige Lokalkomitee der Alliance ihr bereitwilligst für ihre sämmtlichen Abonnenten den Bericht itub die Statuten der Alliance zur Verfügung stellen. Ebenso steht es mit der zweiten Behauptung, daß die Alliance ein „Geheimbund aller Inden" sei. Wenn das wahr wäre, so erschiene es unbegreiflich, das; dieser Geheimbund in jedem Jahr einen ausführlichen und völlig wahrheitsgetreuen Bericht über seine Thätigkeit durch den Druck veröffentlichte. Das pflegen doch sonst Geheimbüude nicht zu thun. Wahrhaft genial ist die Kombination der angeblichen Dreyfus-Kampagne in München mit der Alliance. Da diese den Zweck verfolgt, überall für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt der Juden zu wirken und Denjenigen, welche in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, eine wirksame Hilfe angedeihen zu lassen, so ist es natürlich, daß die Alliance hinter den Dreyfus-Sammlnngen in München stecken muß. Wer das nicht begreift, der hat eben keinen antisemitische»! Verstand! Wie, wenn aber diese Sa»nmlungen für Dreyfus überhaupt nicht stattgefunde»! habe»», »vas »oir noch immer mit aller „Unverfrorenheit" behaupten; »vo bleibt da die geheime Thätigkeit der Alliance? Das Antisemitenblatt glaubt, eine große Entdeckung genlacht zu haben, indem es de»! ersten Paragraphen der Alliance-Statuten und die Organisation in den Central-, Bezirks- und Lokalkomitees, sowie deren Aufgaben publizirt. Und doch werden, »oie gesagt, Berichte und Stat»»ten in jedem Jahre verschickt und stehen Jeden», auch de»»» verbohrtesten Antisemiten, zur beliebigen Verfügung. Wo steckt da, so fragen »oir, in aller Welt das Geheimnis;? Niemals hat Jemand behauptet, daß die Alliance „nur ein Verein für jüdische Schnlzwecke" sei, und niemals Habel» wir Jemandem glaube»» mache»» »vollen, daß die Alliance in ihren Jahresberichten sich nur a»»s ihre „Sch»»le»» in» Orient" beschränke. Wie hätte man auch solches behaupten können, »»achdeu» der letzte Bericht über die Propaganda, über die Lage der Jude»» in Rußland, in der Türkei, in Palästina, in Griechenland, Bulgarien und Marokko, über die falsche»» Anklagen wegen der Blntlüge in Bulgarien, Jerusalem, Äther» u. a. O. »»»indeste»»s ebenso ailsführlich berichtet »oie über die Schulen und Lehrlingswerke im Orient, de»»en die Alliance ihre Förderung angedeiheu läßt. Das Schlimmste irr deu» antisemitischen Artikel sind aber die Behauptungen über die Einnahmen der Alliance, die sich allerdings sehr allgemein auf die Angabe»» „einer Frankfurter Zeitung" stütze»». Zrvar sind die Eirrnahmen »uit 158 720 Franks an Jahresbeiträgen und de»»» Betrag aus de»»» Fonds der Baronin Hirsch mit 426 916 Francs richtig angegeben, aber beide Zahlen sind mit große»»» Geschick aus den» Poster» „Einnahme" he raus ge griffen und der Rest in» Betrage vo»» ca. 590 000 Francs ist einfach fortgelassen, un» eine möglichst große Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben herzrrstellen. Natürlich stinunt nach diesen» Exempel die Rechnung mit den Allsgaben nicht. Das Antisemitenblatt behauptet: „Run betragen aber die gesamrnten Ausgaben 1 168 603 Francs, wovon angeblich 880 754 Frarrcs auf die Unterhaltung und Unterstützung von Schule»» u. s. »o. verwendet »vorder». Zugegebenermaßen sind also ungefähr 300 000 Francs für andere Zwecke verbraucht. Da aber die Bila»»z sich mit Aktiven und Passiver» aus 1 896 191 Francs belärrft, ist also immerhin noch

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