Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1900)
- Date
- 1900-01-05
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Sprerhfaat. Hochverehrter Herr Redakteur! t\ nknüpfend au einen Bericht a»ls Köln und Landau, betreffs der j Eidesvorbereituug der jüdischen Rekruten, gestatte»! Sie mir - güligst. Ihueu mitzutheilen, daß dieser Akt hier bereits seit zehn Jahreil : ausgesührt »vird. Die Kommandantur befragte ulich derzeit, ob ich j bereit sei, die Vorbereitung der jüdischen Rekruten zur Eidesleistung gleichzeitig mit der der christlichen vorzuirehmen, »vas ich natürlich geril bejahte, und so filldet alljährlich zu diesem Zwecke ein feierlicher , Gottesdienst in der Synagoge statt, au dem sich auch ein großer Theil unserer Gelneiude betheiligt. Als ich im Jahre 1895 durch Unwohlsei»» ans Zimmer gefesselt war, wurden miv die Rekruten nach meiner Wohnung Angeführt. Durch das Protokollbuch wurden der evangelische, der katholische Geistliche und auch ich ersucht, durch Nameusunterschrist zu bestätigen, daß die zllr Eidesvorbereitung angesetzte Zeit uns genehm ist. Seit zwei Jahren ist die Eidesleistung am Sonnabend und wurden im letzten Jahre 15 jüdische Rekruten vereidet. Ebenso werden die jüdischen Soldaten zu allen Fester», nachdem ich auf der Kommandantnr eine diesbezügliche Meldung gemacht, voni Dienste dispensirt. Glatz, 13. November. Mit vorzüglicher Hochachtung L. L ö w e n st e i n. Geehrte Redaktion! in von mir vor einigen Jahren in dieser Zeitnilg veröffentlichter Aussatz über „Schrift und Dichtung", in welchem ich ans falsche Schriftcitate der Litteratur aufmerksam machte, die bisweilen geradezu die Heiterkeit des Bibelkeuliers zu erregen geeignet sind, hat es llicht verhindert, daß selbst ein so tüchtiger und vielbelesener Theologe wie Th. Kapp stein sich durch seinen unter der Neberschrift „Bibelwort im Bolksttlnnde" in Nr. 596 des „Bert. Tagebl." veröffentlichten Artikels der Nothwendigkeit einiger Berichtigungen schuldig gemacht hat. Wie zwei Menschen „ein Herz und eine Seele" sind, so ist das Bild nicht ans Kap. 2 der Apg., sondern aus Jer. 32.39 entnommen. Wenn Einer „feurige Kohle»! aufs Haupt" des Feindes fammett, so befolgt er nicht einen Rath des „Paulus im Römerbriefe", sondern einen Rath des bibl. Spruchdichters Kap. 25,22. Wenn Jemand im hoher» Alter seufzt, daß ihm seine Tage nicht gefallen, so spricht er nicht im „Psalmtoll", sondern er gebraucht wörtlich den Ausdruck von Koh. 12,1. Wenil ich Jelnandenl die „Leviten" lese, so hat das wohl mit dern „Orde»»skapitel" eines Bischofs von Metz nichts zu thnn, sonder»! seine Begründung in den» Umstand, daß in Levit. Kap. 26 die ernstesten Vermahnungen und Zurechtweisungen (thoihaclia) erhalten siild. — Auch der Vers des Kirchenliedes, dessen Travestie so unvorhergesehene Folgen gezeitigt, darf seinem Inhalte nach als j ü d i s ch e s Eigenthum rektamirt werden, da derselbe von Psaln» 37,5 ausgeht, wo es heißt: „Befiehl dem Herrn Deinen Weg." Uebrigens ist es eine hohe Ehre und eine große Genugthllnng für den armen Dulder Hiob, daß nach Jahrtausenden der Mißbrauch eines seiner Worte einen Sturm der Entrüstung entfesselt hat. Bamberg. Tr. A. Eckstein. Geschäftliche Notizen. — Unsere Hausfrauen dürfte es freuen, zu vernehlnen, daß, lvie eine kürzlich vorgenommene chemische Untersnchlmg ergab, die Benutzung des Maggi-Fabrikats znrn Würz er» der Suppen re li g i o n s ge s etzl i ch erlaubt ist. Die hygienischen »lnd ökonomischen Vorzüge dieses Fabrikats, das auf mehr als zlvanzig Ausstellungen mit der goldenen Medaille ausgezeichnet wurde, sind längst von der Wissenschaft anerkannt und in der Praxis erprobt. Wenige Tropfell genügen, um jede Suppe oder schwache Fleischbrühe augenblicklich überraschend gut und kräftig, Braten. Saucen. Salate, grüne Gemüse schmackhafter und dauerhafter zu macheil. — P o ln mersetze H y p o t h e k e n - A k t i e n - B a n k. Wie aus den» Anzeigentheil dieser Nnnnner ersichtlich ist. hat die Ponnnersche Hypotheken-Aktien-Bank in Berlin die in ihrem Bankgebände befindlichen Tresoranlagen eröffnet und stellt ihre absolut diebessicheren Stahlkammer-Schrankfächer jSafes) und Silberkanuner z»lr Aufbewahrung von Doklnnenten, Effekten und sonstigen Werthstücken jeder Art zur Verfügung. Gesucht;nm IS. Februar, angehender, aber gewandter nnd intelligenter Commis» Israelit, von angenehmem Aentzern, für ein Herren- und Knaben-Confections-Geschäft bessern Genres. Sonnabends streng geschlossen. Gefl. Anerbietungen unter J.!L. 6427 einzureichen an den Verlag dieser Zeitung._ Gesucht diplomirte Gouvernante, perfect in französischer Sprache, auch englisch, Musik, Zeichnen, Hand arbeiten zu ISjähr. Mädchen n. 12jähr. Knaben, höhere Schulen besuchend. Offerten m. Zeugnissen, Gelialtsansprüchen und Photographie zu adressiren UIax Tom, Antvverpen. Geb. 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KX.4002 Rudolf Mosse, Kölna.RH. »eben erschienen in nreinenr Verlage zwei litterarisch werthvolle, änszerst scannengeschriebene Romane, welche durch alle Buchhandlungen (sowie durch Unterzeichneten Verlag) zu beziehen sind: „Anonym" Noma n von Marie Ktaßk. 380 Seiten. Preis 4 Mk. In gar spannender Darstellung schildert die rühmlichst bekannte Verfasserin die Folgen anonymer Briefe, die eine intrigante Salonschlange in der Gesellschaft einer Provinzialstadt und deren Gutsnachbarschaft verbreitet. Man wird bei der Lektüre der konfliktreichen und bewegten Handlung, die sich in dem gut beobachteten Milien adliger Familien und deren Anhang abspielt, unwillkürlich an gewisse hauptstädtische Vorgänge der jüngsten Vergangenheit erinnert. Mit großer Geschicklichkeit ist der Knoten geschürzt, dessen Lösung eine Reihe von Ueberraschungen bringt. Kein Leser wird diesen litterarisch »verthvollen Roinan, der z»veifellos großes und berechtigtes Aufsehen machen »vird, unbefriedigt aus der Hand legen. „Am Zuchthaus vorbei" «Anna Ethnisch. von 420 Seiten. Preis 4 Mk. Die junge talentvolle Schriftstellerin, deren „Blutstropfen" erst unlängst bei der Kritik Aufsehen erregten, führt den Leser in eine fremde Welt. Hinter den Gittern eines Zuchthauses, und zwar im Hause des Direktors, spielt sich ein aufregendes Drama ab. Er selbst, der gestrenge Beamte und fein Bruder schleppen eine geheime Schuld aus ihrer Jugendzeit mit sich herum, die, der Entdeckung nahe, das Glück ihrer Familien bedroht. Der Konflikt »vird dadurch verschärft, daß der Schwiegersohn des Direktors, ein angesehener Richter, amtlich mit der Untersuchung betraut wird und einen schweren Kampf Mischen Pflicht und Liebe kätnpft. Mit großem Geschick und hoher dichterischer Kraft versteht die Verfasserin, den Leser bis zur letzten Seite zu fesseln. Nudolf Moste. Serlin SW. 19, Ärrnsolemerstr. 48/49. Verlagsbuchhandlung. Kantoremusbildimg. Schulgerechten Unterricht in Stimmbildung, Harmonielehre, sowie in alter und neuer Eesangsweise ertheilt J. Epstein, Oranienvnrgerftr. 74. Einer älteren, fein gebildeten isr.Dame mit Spra ch ke n n tni sse»», die geneigt ist, einem alleinstehenden jungen Mann mit eigener größerer Wohnung die Haushaltung zu führen, ist eine seltene Gelegenheit geboten, sich eine angenehme Position 31t sichern. Hilfskraft für gewöhnliche Arbeiten, sowie jede persönliche und gesellschaftliche Annehmlichkeit »vird gern geboten, und soll die betreffende Tarne »»ichl sowohl eine bestimmte Thätigleit ausüben, als eine gemüthliche Häuslichkeit schaffen. Domizil Frankfurt a. M. Gefl. Offerten mit genauer Angabe von Familien-Verhältnissen rc. unter 1. J. 483 an Haasenftein Bögler, A.G., Frankfurt a.M., erdete»». 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