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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-24 · Heft 47 (24.11.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 47 (24.11.1899)
Date
1899-11-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 63. Jahrgang. Ar 47 emerne Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direktvon der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!.3 M. Nedncteur: Gustav Karpeles. Begründet von lllabbiner D» Ludwig Philippson-Koun Veriags-Grpedrtion: Gerlin, Jerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adrefie: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin 8W., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. Leitartikel r Chanukah. — Die Woche. — Jennh Hirsch. Von Regina Neifser. — Aus dem Ctudentenleben. Von Eugen Beer.— Briefe aus England. Von Rev. Dr. I. Chotzner. — Die Frauen im Talmud. IV. Von Rabbiner Dr. Tobias Cohn. — Der religiöse Optimismus. II. Von Prof. Dr. Ludwig Stein. — FeitiU tonr Mirjam. V. Eine Geschichte aus dem römischen Ghetto. — Rabbiner-Versammlung. — Im Lager zu Mizpa. Von Dr. M. Fiegel. — Sprechsaal. Der Gemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichten r Berlin, Kyritz, Strelitz, Wittmund, Nürnberg, Wien, Budapest. — Bon Rav und Fern. — Geschäftliche Notizen. Chanukah. Berlin, 23. November. J-s giebt Worte, die so umhaucht find von Gefühlen, so j) getränkt von Erinnerllngell und Wallungen, daß sie keine Worte mehr sind, sie sind ein belebender Inhalt für die Tiefen und Weiten der Seele. — Chanukah! Wenn die Männer heimkehren von der Arbeit des Tages, glänzt es ihnen still entgegen, die ersten Laute des Kindes erklingen im Heim, ein warmer Schimmer breitet sich um das Auge. Wir keilnen die Bedeutung des Lichtes, des Gesanges und der illneren Bewegung: wir feiern das Fest der Weihe. Weihe vor zwei Jahrtausenden und Weihe in der Gegenwart, und doch haben so viel Stürme geweht in den langen Jahren. Was wahrhaft bedeutend ist und schön, übt seiner! Zauber aus unabhängig von Zeit und Ort, von Eigenart und Entwickelung des betrachtenden Menschen. Bedeutend iru Inhalt und schön in der Form ist eine Feier, die der Erinnerung geweiht ist einer entschwundenen Zeit und die Seele noch weitet in Verhältnissen des Leberls, die anders geartet sind, jn dem Bereiche einer Kultur, die länger gereift. Entstehung und Dauer offenbaren den Werth des Festes, geschichtlich besehen; die Wirkung auf das Genlüth zeugt von der lebendigen Kraft, die es für den Zeitraum birgt, der unser Leben umspannt. Unser Leben hat alldere Färbung — in anderer Zeit, und doch werden Gefühle in uns wach, wie sie einstens gelebt in verblichener Zeit. Und Alle ergreift es. Alle, die „da gedenken unserer Väter unb der Thaten, die sie geübt in ihren Geschlechtern". Es ergreift das unbefangene Kinderherz und den gereisten Mann, das willige Gemüth und den Prüfenden Denker. Es verbinden sich Gedanken des Festes mit solchen, die uns erfüllen, die Erinnerung vertieft und stärkt, lvas uns belvegt in eigener Brust. Das Kind, das beim Spiele noch weilt, der Farben sich freut und dem Sange lauschet, es freue sich nur und horche dem Ton. Was das kindliche Herz empfunden, die Seele bewahrtes für spätere Zeit, die Erinnerung-wird es laben in ernster Stunde, lind in stille Wehmuth löst sich der Schmerz. Nur eine alte Melodie wird gesungen, und bescheiden ist der Glanz, der vom Lichtlein erstrahlt, doch ein Hauch schwebt darüber, der das Herz erwärmt. Die Melodie ist ein Hoffen und Sehnen zugleich bei Freude und tröstendem Klang. Wie Schlnerz, der geschwunden, llnd Sehllsucht, die gestillt, imb doch klingt Leid lioct) heraus und ein Ballgen ist dem Jubel vereint. Wie der Text, der sie trägt, tönt sie Erlösung mit Trauer gepaart; denn es sang sie ein Kreis, der leiden gelernt, und im Liede zeigt sich das Volk. Die Töne wehen uns Grüße zu, Vatergruß den Kindern; die Worte künden von Leid und von Hoffnung. Das Leid trugen sie selbst, die Hoffllung galt uns. Das Kind sieht zu, es horcht, in seinem Auge glänzt eine Frage, es ahnt die Stimmung, sein Herz wird vertieft, bereichert, und nicht leer ist es einst an seelischen! Werth. Ja es lerne sich freuen an dem bescheidenen Licht, weil reich an Inhalt sein eigell Gemüth, lind nicht durch Uebersättigung wird ihm vergiftet die Stunde des Genusses. Wäre es ein Spiel mir für bct§ Kind, was Chanukah bringt, man müßte es ihm bieten, denn es veredelt das Kind und giebt ihnl sittliche Werthe fürs Leben, doch ist es mehr denn ein Sviel. Nicht llach Stunden ist die Wirkung verflüchtigt. So das Kind. Der Mallll blicke zurück tu den geschichtlichen Verlauf, nud in der Betrachtung stärke sich sein Charakter. Zwei Gruppen stallden sich im eigenen Lager gegenüber, als voll außen Gefahr nahte für die Religion, die Israel ererbt. Die eine fand Gefallen an den: Kultus des Taumels und der berarischenden Andacht, die der Syrerkönig geboten. Wie der Kult, so die Götter, schmeichelnd dem @imt; doch ohne Weihe für die lechzende Seele. Poesie unb Plastik gestalten die Form, doch kein Prophet ist vorhanden, der da künde das göttliche Gesetz. Fehlt ein solches der Gottheit und soll sie lvatten im All? Mit Schänder wenden die Anderen sich ab. Biele wareu's, die abtrünnig gewordeil, und die Großen des Reiches wurden zu ihllen gezählt, und gesiegt hat die kleinere Schaar. Dle Begeisterullg verdoppelte ihre Kraft, und ihr Ziel war der Begeisterullg werth. Jn einem alten Priester lvallte es jugendlich auf, und wie der Vater ein Held, so waren Helden seine Söhlle. Die Hand, die Weihrauch gestreut. reißt das Erz ans der Scheide, Priesterlinnen wird zum Panzer der Brüst, und der Feind muß weichen vor dieser flammenden Gluth. Sieg folgt auf Sieg. Geweihter Glanz erstrahlt ans

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