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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-03 · Heft 44 (3.11.1899) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 44 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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gestellt: „Die hohe Regierung wird aufgesordert, unverzüglich einen Gesetzentwurf einzubriugeu, durch welchen die Einwanderung ausländischer Judeil nach Oesterreich auf das Strengste verboten wird. Dieser Antrag ist einem aus dem ganzen Hause zu Wähler,den 24gliedrigen. nur aus Ariern bestehenden Ausschüsse znzuweisen." — Heute findet hier ein jüdischer Gemein de tag statt, über dessen Resultat ich Ihnen nächste Woche berichten werde. — Gestern Nacht überfielen die jüdisch-nationalen Studentenverbindungen „Kadi »nah", „Jbria" und „Unitas", angeblich infolge politischer Differenzen, die deutsch-akademische Studentenvsrbindung „Hedone". nachdem diese ihre Eröffnungskneipe beendet hatte. Sämmtliche Mitgliederder „Hedone" erlitten Verletzungen, darunter zwei solche schwerer Art. Die Polizei verhaftete mehrere Studenten. Dieser Vorfall zeigt zur Genüge, wie weit man in Oesterreich schon gekommen ist. Von Unh und Fern. — Herrn Kommerzienrath Bernhard Loeser ist die Rothe Kreuz-Medaille zweiter Klasse verliehen worden. — In Anerkennung der hervorragenden Verdienste des verstorbenen Herrn Valentin Weisbach hat der Magistrat beschlossen, für eine Straße den Namen ihres Begründers, „Weisbachstrasze", in Vorschlag zu bringen. — In Breslau starb Dr. med. Krön er. Dozent für Frauenheilkunde an der dortigen Universität. Der Verstorbene hat ein Alter von nur 45 Jahren erreicht. Sein Werk „Ueber die Krankheiten der Kinder bei den Griechen" wurde. preisgekrönt. — Die goldene Hochzeit feierte am 29. v. M. das Kaufmann Abraham Israelische Ehepaar in Säppzig, das seit 50 Jahren dort wohnt, ferner das Jakob R o s e n b e r g' sche Ehepaar in R o s e n t h a l (Hessen). Das letztere Jubiläum wurde in der Synagoge gefeiert, wo Rabbiner Dr. Munk-Marburg die Festrede hielt, der Bürgermeister die Ehejnbilüurnsnledaille überreichte und schließlich der Sohn des frommen und angesehenen Paares, Rabbiner Dr. Rosenberg-Thorn, eine ergreifende Ansprache hielt. Im Festhause sprach noch Stadtpfatrer Hoffmann. Möge den, edlen Jubelpaar noch ein glücklicher Lebensabend beschieden sein! — In Groß - Strehlitz feierten Kantor St e i u e v und seine Frau die silberne Hochzeit unter attgenleiner Theilnahme der Gemeinde, die ihren Beamten in schöner Weise durch ein kostbares Geschenk und herzliche Glückwünsche ehrte. Auch ans Stadt und Gemeinde kamen zahlreiche Geschenke und Wünsche für das allgemein geachtete Paar, die Zeugniß gblegten für die Beliebtheit des Mannes und für die Schätzung, die er genießt. — Bei dem Parteitage der deutschen Sozialisten in Hannover sprach Hoch über das Ansinnen der Thierschntzvereine bezüglich der Abschaffung des rituellen Schlachtens. Redner steht prinzipiell aus dem Standpunkt der Toleranz in religiösen Dingen, diesen Grundsatz müsse man sesthalten, so lange, nicht von den Schächtgegnern der evidente Beweis erbracht ist, daß das Schlachten' eine Thierqnälerei invvlvire und eine andere Methode richtiger ist. — In Scharm beck feierte am 21. v. M. Herr A. Go ld schmidt. ein angesehener und beliebter Mann, in voller Rüstigkeit ünd unter allgemeiner Theilnahme der Bevölkerung seinen 80. Geburtstag. — Der Großherzog von Baden hat den Lehrern Brand eis in Worblitt gen und Schwarzwälder in Schlüchtern die goldene Verdienstmedaille verliehen. — In Bruchsal feierte das allgemein beliebte Marx'sche Ehepaar seine diamantene Hochzeit. Herr Moritz Marx ist 87, seine Gattin Rebekka 82 Jahre alt; beide sind völlig . rüstig. Sie erfreuen sich in ihrer Heimathsstadt allgemeiner Beliebtheit, die sich bei diesem Anlaß in würdigster Weise kundgab. Regierungsrath Lang überreichte mit herzlichen Wünschen Herrn Marx das Ritterkreuz des Zähringer Löwenordens. Oberbürgermeister Stritt, an der Spitze einer Abordnung des Stadtraths, feierte mit Usberreichttng eines prachtvollen Blumenkorbes in warmen Worten die Bürgertugenden des Jubilars und die wohlthätige Wirksamkeit feiner Gattin. Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher verlas eine Zuschrift des grobherzoglichen Oberrathes der Israeliten und überreichte in dessen Auftrag ein vortrefflich ausgeführtes Bild des Großherzogs. Daran schloß er die Glückwünsche des ganzen Rabbinätsbezirks, dessen Verwaltung der Jubilar als Bezirksältester angehört, sowie des Vorstandes des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogthum Baden, den derselbe mit begründen half und als dessen zweiter Vorsteher er fungirt. Möge dem würdigen Ehepaar noch ein glücklicher Lebensabend beschieden sein! —Für einzelne Landorte des Karlsruher Bezirks sind ortspolizeiliche Vorschriften über das rituelle Schächten erlassen worden. Ihr Zweck geht dahin, so weit irgend möglich jede Thierquälerei zu vermeiden, namentlich beim Niederwerfen der Thiere und bei deren Kopfhaltung. Das Blut aus dem Halsschnitt darf nur aufgefangen und als Nahrungsmittel verwendet werden, wenn der Schlund nnterbunden oder mit einer Zange fest zugehalten wird; auf diese Weise kann sich dem Blute kein Mageninhalt beimischen. — Dem Oberkirchenvorsteher , und Vorsteher des israelitischen Waisenhauses Eßlingen, M. H. Goldschmidt in Stuttgart, wurde von König Wilhelm II. anläßlich des Geburtstages der Königin Charlotte der Olgaorden Verliehen. — Der Redakteur des Sigl'scheu „Vaterland" Schah wurde vpm. Schöffengericht in München wegen Beleidigung des Kaufmanns Fränkel 311 80 Mark Geldstrafe verurtheilt. Fränkel wurtw vorn „Vaterland" in antisemitischer Weise als Jude behandelt, er ist aber gar kein Jude. — Bei den jüngsten Demonstrationen an der Wiener Universität riefen die katholischen Studenten den (antisemitisch e n) d e u t s ch - n a t i 0 n a l eit Studenten „ Jude ubanbe!" zu. — Ein ungarischer Rabbiner (?) Dr. P. Tis in an hat sich dem Vernehmen nach nach Ron, begeben, um zum Katholizislnus überzutreten und Mitglied des Ordens der Franziskaner zu werden. Auch seine Schwester, eine Aerztin in Mostar, soll am gleichen Tage in einem Nonnenkloster, in welchem sie schon weilt, getauft werden. — Man weiß, daß die Juden an den Universitäten und Sekundärschulen in Rußland nur in einem Verhältnisse zngelassen werden, das auf 3 von 100 der Gesammtzahl der Schüler sich beläuft. Hier das Verhältniß für das Schuljahr 1899/1900: 3 pCt. an beu Universitäten von Moskau und St. Petersburg, 5 pCt. an den Universitäten von Kazan, Kharkoff, Derpt und Tornsk, 10 pCt. au den Universitäten von Warschau, Kiew und Odessa. Kein Jude ist in diesem Jahre an dem technischen Institut irr St. Petersburg angenommen lvorden. — Der Eigenthümer eines Hauses in Wilna hatte eine Entscheidung erlangt, die ihn ermächtigte, bem jüdischen Kultus gehörige Gegenstände all sich zll nehmen. Der Senat hat foeben dies Urtheil kassirt, ' in Allbetracht dessen, daß Kultusgegeilstände ullallgreisbar seien. — In Paris starb im 72. Lebensjahre der Hauptmann der Reserve, Moyse Halpheil, Offizier der Ehrenlegion lind ehemaliger Regierungskommissar beim Kriegsgericht in Chartoll-sur-Marile, ein glaubellstreuer und allgenleill beliebter Mann. — Die srallzösische Erbstener für Barvll Hirschs Nachlaß beträgt 12 Millionen. die neulich in Banknoten ausbezahlt lvlnden. — Zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika schwebt seit 8 Jahren ein Streit über die Besitzverhältnisseim Behrings- Nleer, der jetzt durch Schiedsspruch der holländischen Regierung entschieden werden soll. Die Angelegenheit ist jetzt dem Vertreter Hollallds auf der Haager Friedenskonferenz unterbreitet lvorden, Professor Tobias M. C. Ässer, einer der größtell Alltoritäten auf dem Gebiete des internationalen Völkerrechts. So entscheidet ein Jude .zwischen zwei Großmächten. — In ß 011 b 011 ist Oberstlieutenaut C 0w e u, der bis 1880 im dritten Londoner Schützenregiment diente, am 22. Oktober im Alter von 67 Jahren verstorben. Er nahm an allen Angelegenheiten der jüdischen Gemeillde den wärmsten Antherl, gehörte unter anderen auch dem Vorstände der Anglo Jewish Association an. — In Quazzan, einer Stadt von 20000 Seelen, drei Tagereisen von Tanger entfernt, wo vor mehreren Jahren 3 Israeliten ermordet wurden, wllrden 5 Jsraeliteil, von bene» 3 Brüder waren, Hausierer von Beruf. von Arabern überfallen nlld getödtet. Der Grund des Mordes ist offenbar Raub. Das Centralkomit^ der Alliance hat die Aufmerksamkeit des Ministers von Frallkreich in Tanger augerufeu und gebeteli, zu Gunsten der dortiger» Israeliten seinen Einfluß gelterrd zu nlacheu. — Auch die heilige Stadt der Mormonen, Salt Lake City, hat eine jüdische Gemeinde, die es jetzt sogar zu einem Rabbiner gebracht hat. Es giebt dort ca. 300 jüdische Seelen und eine Synagoge, für die jetzt Rev. Loewenstein, bisher in Houston in Texas, engagirt würbe, der sofort eine Religionsschule eingerichtet hat, ein weites Feld für seine Thätigkeit. . Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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