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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-03 · Heft 44 (3.11.1899) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 44 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
Seite 521 (sequence 5)
Language
German
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' -P?W'^7-'-■* >»-- -; ••; ■■■■ ---t-t 1 r v 521 Jur Statistik der Mischen Bevölkerung in der Pxomnx Posen. Von Moritz Grünfeld, Schwersenz. tekanntlich war Posen in früherer Zeit die von jüdischen Einwohnern bei Weitem bevölkertste Provinz des Staates. .Obwohl diese, im Vergleich zn den anderen preußischen Provinzen, auch heute noch mit Bezug auf die jüdische Bevölkerung den Vorrang einnimmt, so befindet sich ihre Seelenzahl seit Jahrzehnten stetig in auffallendem Niedergang. Es dürfte von Interesse sein, auf die allgenieine Verminderung derselben einen Rückblick zu werfen, urid sollen hier die Jahre 1827 (nach einer alten Topographie, deren Titelblatt fehlt), 1857 (Jahrbuch der jüdischen Gemeinden Preußens, Liebermann) 1899 (Statistisches Jahrbuch und andere Quellen) in Betracht komme»!. Wenn diese Arbeit auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen kann, so giebt sie doch im Allgemeinen ein Bild von dem Wechsel der Bevölkerungszahl in den einzelnen Orten der Provinz. Nach dem mir zu Gebote stehenden Material habe ich auch zum größten Theil die jeweilige Gesammtbevölkerung der einzelnen Ortschaften anfgeführt, woraus der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung zur christlichen ersichtlich wird. Zur Orientirung bemerke ich: Die Zahl vor dem wagerechten Strich giebt die Gesammtbevölkerung an, hinter demselben die jüdischen Seelen, v. I. --- viele Juden, m. I. — meist Juden, m. e. D. — »nt einigen Dörfern, bezw. Ortschaften. Den Grund der Abnahme der jüdischen Bevölkerung in der Provinz Posen erblicken wir zunächst in der massenhaften Auswanderung junger Leute, vornehmlich in den dreißiger und vierziger Jahren, nach Amerika, die dann ihre Familien nach sich zogen. Andere,, dies waren die Bochrim (Talmudbeflissenen) bezw. Jünglinge, die nicht auf den Kopf gefallen waren, gingen nach Berlin, wo sie sich eine Existenz zu gründen verstanden. Wenn vor noch nicht gar zu langer Zeit Eltern, deren Kinder über New-Iork (der Zielpunkt der großen Massen) hinaus wohnen, sagten: „Unsere Kinder sind noch hinter Amerika", so ist nicht zu verwundern, wenn zu jener Zeit hier zu Lande die Frage gestellt wurde, ob Berlin oder Amerika größer sei. Ferner verzogen infolge der vor ca. einem halbe» Jahrhundert stattgegebenen Freizügigkeit viele Juden nach den angrenzenden Provinzen, um dort ihre Verhältnisse aufzubessern. Insbesondere sind es die mittleren Gemeinden, welche in letzter Zeit immer mehr an Seelenzahl einbüßen. Von gewisser Seite wird diese Abnahme mit der Redensart begründet: „Die Juden werden reich und verziehen dann Nach größeren Orten." Von einzelnen Fällen kann aber unmöglich ein solcher Schluß gezogen werden. Die Juden der Provinz zeigen sich im Allgemeinen betriebsam, unverdrossen, ja intelligent bei ihren Unternehmungen, bescheiden in ihren Lebensansprüchen, mäßig in ihren Genüsse» und halten das Erworbene weislich zn Rathe. Aber gegenüber der anderen Bevölkerung wird es ihnen s>a und dort trotz aller Mühe schwer, aufzukommen, daß sie sich gezwungen sehen, anderwärts ihr Glück zu versuchen. Man liest in mancher Geographie, selbst aus neuester Zeit: „Die Juden der Provinz betreiben Handel und Schankwirthschaft." Halten wir aber an vielen Orten Umschau, so sehen wir jene Erwerbszweige jetzt vielfach, die Schankwirthschaften stellenweise fast ausschließlich, in den Händen von Christen. Wenn auch nicht in solchem Maße wie in früherer Zeit, so wandern auch jetzt noch junge Leute nach jenseits des Ozeans äus, oder sie wählen einen anderen Bezirk, wo sie ein ersprießlicheres Feld für ihr Wirken erhoffen als in ihrer Heimath. JmJahre1827.waren in der Provinz Posen bei einerGesammtbevolkerung von einer Million Einwohnern über 70000 Juden — über 7 pCt., 1857 bei 1 392 000 Einwohnern.74 000 Inden — 5,32 PCt., 1899 unter 1828 000 Einwohnern 40000 Juden =7 2,2 PCt. Regierungsbezirk Posen: Im Jahre 1899 1857 1827 Adel,m». . . . . 2 260—184 —336 1280 Beutsche» .... 3 360—135 —350 1 300 Betsche. 2 000— 58 1 700— 97 1 100 Birnbaum ... 3200—150 3000—700 2200—650 m. m. D. Bojanoivo mit Pnnitz 1899 (2200 + 2050) — 58 + 20; 1857 (2600 + 1900) — zusammen 300; Bojanowo 1827 3000 - über 200 Bomst. 2 078— 57 2200—300 2 000—400 Boreck. 2 070—150 über 500 1 700 Buk . .. 3 380-250 2000—172 2 000 Brätz im statistischen Jahrbuch nicht verzeichnet, hatte 1890 46 jüdische Seelen. 1857 150 Seelen Czempi». 2 240—125 —300 800 — v. I. Dobrzyn. 1350— 68 . —135 Fraustadt .... 7580-212 6000—600 5800 Gostyu. 3 834—171 2 600—251 1 750 — v. I. Grabow ..... 1764—140 1300-166 GÄtz, Reutomischel 1899 <3867 + 1844); — 366 + 154 — 520 1857 — zusammen 1155 Jaratschewo. . . 957— 72 900—179 750 — v. I. Jntroschin ... 1890-113 -237 1700-160. Kempen. 5 757-1240 5 800— 3 200 — m, I. m. e. D.3282 1815 3350 — m. I. Kobylagora. . . 306—150 zu Kempen gezählt Kobylin. 2 255-197 2 000-452 2 000 Koschmin .... 4 700-450 3 000-600 2 350 - v. I. 'Kosten.. 4625-171 3 200—191 1 700 Kostschhn .... 2 274— 41 1200— 40 900 Kriewen. 1 586— 68 700 Kröben. 2 012— 52 — 1300 Krotoschin.... 11 547-800 7 500— . 5 900 — über 2000 m.e.D.2098 1815 n&a- 2200 Kurnik. . . . . . 2 555-220 2 800—753 2 500 — v. I. Lissa 1899 13 583—1205; 1857 6000 mit Sch wetzkau und Zaborowo 3500. 1815 S 400 m. I. J,n Jahre 1890 hatte Schwetzkau 3, Zaborowo keine jüdischen Seelen. , 1827: Der nicht unansehnliche Handel ist meistens tu den Händen der Juden. Ferner ist in der Topographie zu lesen: Die Stadt ist der Geburtsort des bekannten jüdischen Gelehrten Wehl, geboren 1744, gestorben 1826. Meseritz .... . 5 366-454 4 500—773 4 200 — über 1000 Misoslaw . . . . 2 213—237 1600-450 1400 - über 300 Mixstadt. . . . . 1420-111 —131 1150 Moschin .... . 1 670-125 1 300—185 900 Mur. Goslin . . 1464-132 295 1300 Neustadt a. W. . 1138—103 1400-370 900 — v. I- Neustadt b. P. . 2 600-280 2 500-715 2 000 - über 600 Neutornischel . . 1844-151 1 300- 700 Obersitzko . . . . 1 563—200 512 1900 — v. I. Obornik .... . 3 059—250 1 700—394 1200 Ostrowo.... .10327-1 100 7 000-1 632 3 800 - v. I.

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