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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-13 · Heft 41 (13.10.1899) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 41 (13.10.1899)
Date
1899-10-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Nachbarstrabeil die Läden und Hausthore-geschlossen, wurden. Gerade im rechten Augenblick fmit eilte starke Abtheilnng der Wache tm Lansschritt herbei geeilt, und dieser gelang es, die sich wie toll geberdeudetl Letlte durch Säbelhiebe und Fanstschläge atls der engen Gasse hittauszudrängen, so das; die armen Juden mit deut blähen Schreckeil ilud einem verhältliißmäßig geringen Schaden davonkaillen, B. Budapest, 2. Oktober. In verschiedenen Blättern, die sich die Miene geben, zur Wahrnehmung jüdischer Interessen besonders privilegirt zu sein, lvird eilt Federkrieg geführt, ber auf die orthodoxen Gemeindeverhältnisse eilt schiefes Licht ivirft. Eilt in chassidischen Kreisen viel geleseites Blättchen, das sich erbvtig inachte, die Bestrebungen der orthodoxeil Dtirchführungskomntission gegeit eilte entspreche'.ide Iahressnbvention zu mttevftülum, aber das Uli glück hatte, schlllählich abgeiviesen zu werden, führt seit Jahr intd Tag einen erbitterten Kainpf gegen die geltannte Durchführultgskontmissioit und ihrett Präsidenten, Nabbilter Lipschütz. Die uitgeheuerlichsteit Anschnldigungen iverden gegen die DurchführuligskolNillission imb ihre Getreuen erhoben. Die maßgebenden Männer der chassidischeit Partei treten mit unglaublichen „Enthüllungen" hervor. Wer die in.diesenBlättchen veroffentlichteil Artikel lind Briefe gelesen hat, der lvird es für selbstverstäiidlich filidell, das; die Dnrchfüiirimgskonlmissioll iit ihrem neugegrüitdeteit Organ sich ihrer Hallt wehrt ltnd nothgedrnilgeit sich derselben imebteu Waffeit bedieilt. Kurz. penalur extra et intra tnuros. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen iväre es dringend gebotell, dab eilt friedliches Uebereiltkolltmen aitgestrebt werde. — 9tach übereinstimmenden Meldungen der Zeitilngen haben um die ft an titeln' Ergänzung ihrer Bezüge nur siebeit fortschrittliche Nabbinate angeslicht, während die Orthodoxen auf dieselbe keinelt Anspruch machen. Afrika. s. Johannesburg, im September. In der hiesigen jüdischen Genteillde ist die N o t h seit den durch die Kriegsgefahr hervorgertifenen schlechten Zeitelt stättdig getvachseit. Bon den 12 000 hiesigen Jlidelt ist ivohl kaum einer, der in feinem Erwerbe nicht empfindlich geschädigt ivordeu ist, trotzdem haben die hiesigen jüdischeit Wohllhätigkeitsvereine mit anerkeitneilslvertheilt Eifer namhafte Snlnilien für die Auslvandere^rc. bereitgestellt. Auch für die zu erlvartende Thelternitg ilt der Stadt fiub Borkehrlingeit dttrch Altkäufe volt Mehl re. getroffell worden. Die Helping Hatul Society hat 10 OOO Mark zu derartigen Uliterstützilllgell bereitgestellt, die Benevolent Society scholl 500 Bags Mehl im Werthe voll 10 000 Mark augeschafft, und der Franenverein hat zu delit gleichen Zlvecke 1000 Mk. belvilligt. Auch die Gemeinden haben für diese Wohlthätigkeitsaktiou Geldhilse in Allssicht gestellt. Alt delt hohert Feiertagelt Habelt die Gottesdienste jedoch nicht lveitiger Beter gesehen, als tu srüherett Jahren, sogar eilt sephardischer Gottesdienst fattd diesmal statt, wohl ztuu ersten Mal in Südafrika, freilichwaren nicht lllehr als ein Minjan anwesend dabei. Amerika. (1. II. Newport, Ende September. Folgender Auszug alls deut. letzteit Moltatsberichte der United Heb re w Charit ins ntag gell ü gelt, um ein Bild von dem in der Großstadt herrschenden Elend zu geben. 2374 Gesuche lvnrdelt int Monat August Protokollirt, davon warett 324 Bittsteller zum ersteumal gekommen. Von 792 Gesuchen, um Atbeitsvermittelung konitten nur 247 berücksichtigt werden. Dich Einnahmelt betrugen 7461 Dollars, während die Ausgabeit sich auß 9867 Dollars beliefen. — Am 20. d. M. starb hier der Nichter Charles P. Daly im 84. Lebensjahre. Er hat sich durch seine Geschichte der Juden in den Bereinigten Staaten: ,/The Settlement of the Jcws in North-America“, ein itt wissenschaftlichem und gerechtem Geiste geschriebeites Werk, einen Anspruch auf dauerndes und liebevolles Andenkett ilt der Iudenheit erworbelt. — Bon der großen Zahl der Juden in unserer Metropole kann' ment sich einen Begriff machen, meint man in dein Berichte des Schulsuperintendenten liest, daß an den hohen Feiertagen in manchen Schulen 90—95 Prozent der Schulkinder alnvesend waren. Leider sind genaue Zahlen nicht erhältlich. Herr Julius Weiß aus New-Orleans, der gegenwärtig in seines Hei,näth, Jugenheim ilt Bayern, lveilt, hat der Juda Touro-Jnsirmartz ilt New-Orleans 25 000 Dollars zur Errichtung eines Greisenasyls überwiesen. — Die D r e y s u s - Affäre hat eine ziemlich große Literatur hervorgerufen. Am interessantesten in dieser Hinsicht ist eilt Essay von James Morris Morgan im Septeinberheft des Century-Magazine unter dem Titel: „Ein amerikanischer Vorläufer vvlt Dreysus." Der Essay behandelt die Schicksale des Kommodore Uriah P. Levy. geborew von portngiesischeit Eltern in Philadelphia 1792, gestorben zu New-Pork 1862. Er stand sechsutal vor deut Kriegsgericht, immer unter Anklagen, die blos ein Borlvand für delt Wunsch seiner Kameraden waren, delt jüdischeit Offizier losznwerdeu, lvurde 1855 vott seiner Oberbehörde ohne Verhör, ohne Altgabe eines Grnitdes, aus der Liste der Marine gestrichen, allerdings vout Präsidentett Nneder eingesetzt, aber seine ganze Karriere war eine Kette von Verfolgungen. — Madison E. Peters, einer der typischen amerikanischen Neklautehelden ans der Kanzel, hat eilt Buch geschrieben: .luslice l.o the Jew. Es ist voll der üblichen Schmeicheleien: und Uebertreibungen. Volt seiner wissenschaftlichen Grülldtichkeit kann malt sich einen Begriff machen, wenn ich konstatire, daß der Walzerkomponist Johann Strauß darin als Jude aufgeführt lvird. Von Nah und Fern. Einige Blätter meldeten, Herr Stöcker habe sich um eine Kandidatur bei den bevorstehenden Berliner Stadtverordnetenwahlen beworben. — Fern von der Heimath starb in Segli auf Sumatra int Alter von 27 Jahren der niederlündisch - indische Militärarzt Dr. Albert Paradies, ein Sohn des verstorbenen Kreisphysikns Dr. M. Paradies. — Der Gerichtsdiener a. D. L o u i s L i t t h a lt e r in G r a n - de uz, bisher zu Lissa i. O., hat die Nettungsmedaille am Bande erhalten. — In KiHingen ist der Distriktsrabbiner M. L. Bamberg er am 29. d. M. plötzlich gestorben. — Der Lehrer Wolfs tu Sennfeld (Baden) hat die goldene Verdienstmedaille nach 45 jähriger Wirksamkeit erhalten. — Das antisemitisch-dentsche „Volksblatt" ilt Münch eit meldet, daß gegeit die Alliance Israelite Universelle dem Vernehmen nach eitdlich auch gerichtsseitig Schritte im Gange seien. Dabei lvar wohl der Wunsch der Vater des Gedankens bei dem antisemitischelt Blatte. — Der Jltgenieur-Techltolog N. S. F i tt ke lstei lt ist zum Chef der Kursk-Charkow er Eisenbahn, mit den Nechten des Staatsdienstes, ernannt worden. Dies ist eilt seltenes Beispiel der Aufnahme eines Inden in den russischen Krondienst. — Das Vilajet A i d i n ilt Kleinasielt ist am 21. v. M. vott einem fürchterlichen Erdbeben heimgesucht worden. Am stärksten wurde das Judenviertel nlitgenommeu. Sämmtliche Synagogen sind eiugestürzt. Auch ilt anderen Orten mit starker jüdischer Einlvohuerschaft fiub zahlreiche Menschenleben vernichtet worden. — In lvie großer Zahl die Juden als Freiwillige in deut a m e r i k a n i s ch e n Heere dienen, konnte man wieder einmal am Versöhnuitgsfeste sehen. Das 27. New-Iorker Negiment ist auf dem Wege nach deit Philippinett im Hafen von San Franeisko, und nicht weniger als 50 Soldaten nahnteit aus diesem Negimettt am Gottesdienst Theil. Um diese Ziffer recht zu lvürdigeu, tnitß matt sich vergegeinvärtigeu, daß dieses Negiment im Ganzeit nur 600 Mann Bestand zählt, also fast 10 Prozent Inden hat. — Aus Jr> h a n n e s b n r g lvird gemeldet: Tausende von Eingeborenen kommen gegenwärtig vom Lande in die Stadt. Gestern Abend betraten zwei Eingeborene den Laden eilies jüdischen Kleiderhündlers, stachen Letzteren in den Nackeir und schnitten ihm die Gurgel durch. Auch im Eastrand wurden zwei jüdische Ladenbesitzer ermordet. — Das „Jelvish Chronicle" beschäftigt sich mit einer Uebersicht über die jüdischen Politiker in Australien und kann konstatiren, daß im öffentlichen Leben dieser Kolonien jüdische Persönlichkeiten eine hedeuteude -llolle spielen. In Ostaustralien ist Sir Julian Salomons der Führer der Opposition gegen die Föderation der australischelr Kolonien. In Victoria dagegen ist der Kronanlvalt I. A. Jsaaes einer der bedeutendsten Förderer dieses Plaues. Bemerkenswerth ist auch, daß Jsaacs der Urheber der gegen den Wucher, gerichteten neuen Gesetze in dieser Kolonie ist. In Nen-Süd-Wates ist John Cohen einer der einflußreichsten Politiker,'und in Südaustralien V. L. Salomons der Führer der Opposition und zukünftiger Ministerpräsident. Nicht uninteressant ist, daß dieser parlamentarische Leiterein frommer Jude ist. In Westanstralieu ist wenigstens eilt Jude, Elias Salomon, Abgeordneter, freilich wohnen in dieser Kolonie nur sehr wenig Juden. — Itt Fitzroy, einer der größtett Städte der Kolonie Victoria, ist eilt Jude, Maurice Groß, zum Bürgermeister gewählt wordeit. — Miß Theodora Cowett, eine sehr begabte Bildhalierin, hat in der Kunstausstellung von S i d n e y die große Medaille erhalten. Bvuif »int Verlag ucn A w d u, i, M u j) e m Berlin. VsHantwortlich jitr die Kedaltion: Max Bauchwitz in Berlin.

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