Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1899)
- Date
- 1899-10-06
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Gott, mtf bofj er sieb seiner bewunderungswürdigen Familie erbarrne, die von allen Punkten der Welt Beweise so lverthvotter Sympathie erhalten hat. Beten wir zn Gott endlich, daß er sich unseres theneren Frankreichs erbarme, ans das; dieses feinen Neberliefernngen des Rechtes und der Wahrheit tven bleibe, in der Welt sein Werk der Gerechtigkeit und Toleranz weiter verbreite, um so unausgesetzt die Achtung aller Völker zu verdienen." Amerika. Newyork, im September. Das hervorragende Verlagshaus Funk nnb Wagnalls hat beschlossen die lang ersehnte jüdische Encyklopädie heranszngebeu. Eine Reihe hervorragender amerikanischer und europäischer Gelehrter bilden das Redaktionskonntee. Die.Firma verspricht, den ersten Band des auf 12 Bände berechneten Werkes zu Ostern 1900 erscheinen 311 lassen. — Die „Newyorker Staatszeitung", das angesehenste deutsche Blatt des Landes, veröffentlicht einen ausführlichen Artikel über David Kaufmann aus der Feder Ihres Mitarbeiters Professor Deutsch ans Cincinnati.— M 0 fes P. Iac 0 bs 0 h;;, Rabbiner der Ansche-Maariv-Gemeinde in Chicago, hat in einem Aufsehen erregenden Schreiben feine Nesignation überreicht. Die Gemeinde, klagt der Rabbiner, sei so theilnahmslos, daß es fei nein Genüssen zuwiderlanfe, Gehalt ohne Gegenleistung anznnehmen. Auch der vor Kurzem eingeführte Sonntagsgottesdienst muhte wegen Theilnahmlosigkeit wieder aufgegeben lverdeu. Früher;var der verstorbene Liebrnann Adler Rabbiner der Gemeinde. Seither hat schon ein Anderer „resignirt". Amerikanisch-sittlich! — Unter Bezugnahlne auf den Fall Dreyfns hat Gouverneur Roosevelt in einer zu Syracuse gehaltenen Rede seine Landsleute vor dem Antisemitismus, der sich bekanntlich auch in Amerika hier und da zu regen beginnt, sehr nachdrücklich gewarnt. Es würde das größte Unglück für Amerika sein, wenn der Nassen- und Klassenhaß, nüe er gegenwärtig in Frankreich seine giftigsten Blnthen triebe, auch hier feinen Einzug halten sollte. Wir alle," bemerkte er in seiner am 8. September gehaltenen Rede, „erwarten mit Spannung die Entscheidung in dem Prozesse, in dem nicht ein einzelner Mann, sondern die ganze französische Republik ans dem Armensünderbankchen sitzt. In dem ganzen Lande, das doch kein anderes Interesse an dem Prozeß hat, als die Empörung über die Haltung der Schwesterrepnblik, giebt. sich bis zun; Ende der Verhandlungen eine ringewöhnlich rege Theilnahme kund. Es ist schön, für Dreyfns Sympathie und über das .ihm geschehene Unrecht Entrüstung zu empfinden, aber nockr schöner ist das Gefühl der Sicherheit, daß solche Volksstimmnngeu. wie,, sie jenes Mannes Schicksal gefährden, nicht in unserem Lande groh, werden können. Sehe Jeder zn, daß Jeden; Gerechtigkeit werde, ob er nun ein Jude oder Christ, Inländer oder einer von Denen ist,' dessen Ahnen in diesem Lande vor Hunderten von Jahren im Hudson, anlandeten. Die große Lehre dieses Falles ist. daß Jedermann nurnach seinem Verdienst behandelt werden muß: anderes Handeln ist ein Verbrechen gegen die Person, den Staat und die Nation." o. Johannesburg, Ende September. Bei den; Kriege, der sich voraussichtlich bald hier entspinuen rvird, ist es von Wichtigkeit, festznstellen, inwieweit die Ausländer, die. irr Transvaal leben, genöthigt sind, für den Staat der Buren gegen England zu kämpfen.. Zwar hat der General Joubert, der Oberstkommandirende der Bnreryeine Proklamation erlassen. in der er ankündigt, daß die Ausländer nicht zu den Waffen gerufen lverdeu würdeu^ allein diese Proklamation^ lviderspricht dem Grundgesetz von Transvaal, wonach im Fall eines Krieges jeder in der Republik wohnende Weiße verpflichtet ist, in das... Heer derselben einzutreteu, mit Ausnahme der- Engländer und' Deutschen. Danach sind alle russischen Juden, die hiev lvohnen, zwischen. 16 und 60 Jahren dienstpflichtig, und da viele ehemalige Soldaten unterihnen sind, so bilden sie Eeine unerhebliche Verstärkung der Bnrerw Die Sympathien der hiesigen jüdischen Bevölkerung sind Übrigens: getyeilt, die große Zeitung „Standard and Diggers News", die injüdischem Besitz ist, und mit ihr die meisten russischen, rumänischen, holländischen rc. Juden sympathisiren mit den Buren, die englischen Juden dagegen natürlich mit Englands und die geschickte Taktik der Zeitungen der englischen Partei, welche den seit Jahren gezeigten. Antisenlitismus in den letzten Monaten sorgsam verbargen, im. Zu?,: sannnenhaug mit dem ungeschickten Benehmen der Buren gegen Indern und Katholiken hat den Engländern auch unter den nicht englischer^ Juden viele Sympathien gewonnen. -- In Pretoria ist von der Negierung ein Bußtag für die Buren eingesetzt 'worden, und die jüdische Gemeinde ist diesem Beispiele gefolgt. Sonnabend, 26. Ängnst, würde als Bußtag gefeiert, und'Rev. Jaffe,schilderte in seiner Predigt die Schrecknisse des Krieges recht eindringlich. Gebete um Erhaltung des Friedens schlossen sich dem gewöhnlichen Sabbathgottesdienst an. Cs ist sehr bemerkenswerth. daß, obwohl die Inden unter bet*-oUfteuieineu wirtschaftlichen Depression in Transvaal sehr leide;;, kein Jude die öffentlichen Unterftützungskassen in Anspruch genomnien hat.. Freilich sind die jüdischen. Vereine und'Hilfskassen aus-das Aenßerste angespannt worden. Am-'25. hielten die dortigen Juden ein Meeting ab.;n;d beschlossen, militärische und pekuniäre Hilfe anzubiete;;. — Zn Kapstadt besteht seit einiger Zeit eine jüdische Volksschule, die von der Regierung kräftig unterstützt wird. Zu ihrem Etat von rund 25000 M. leistet dieselbe einen Zuschuß von 6100 M. Von Nah und Fern. Sein 50 jähriges Geschäftsjubiläun; feierte an; 1. d. M. der Gründer der Firma M or itz Hei mann in voller Rüstigkeit, das fünsundzwanzigjährige der Bankier Theodor Marcus. Ausschnßnntglied des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. — Professor Dr. M endet hat den persischen Sonnen-und Löwenorden'niit dem Stern erhalten. — Anläßlich der Eröffnung der Ziederthalbahn überbrachte der Oberpräsident Fürst Hatzfeld den; Erbauer der Bahn, Fabrikbesitzer Hermann Rinke l in Berlin, die Ernennung zum Kommerzienrath. — Das Reichsgericht verwarf die zun; dritten Male beantragte Revision in der Klagesache der Juden Hannovers gegen Adolf Oehlmann, den Verleger des Weih-- uachtsflngblattes vom Jahre 1897. — Dein scheidenden Direktor des Philanthropins in Frankfurt a. M., Dr. H.Bärrvald, lvnrde der Rothe Adlerorden III. Klaffe mit der Schleife verliehen. — In F nlda fand ein Aufsehen erregender Mord statt, inden; ein achtzehnjähriger Mensch Nanwns Burkard einen neunzehnjährigen jungen Mann Namens Levi auf offerier Straße ohne jede Veranlassung erstach. — Eine Schülergruppe der Staatsgymnasien Condorcet und Rolli;; in Paris richtet an alle Mitschüler der Pariser Gymnasien einen Ausruf zur Gründung eines allgeineinen Schülerbnndes, der vereinzelte jüdische Mitschüler gegen den Antisemitismus gewisser Professoren und zahlreicher klerikaler Gymnasiasten schützen soll. — Dreyfns erholt sich zusehends, besonders auch in seelischer Beziehung. Auf einen; Tische des Empfangszimmers liegen n;ehrere Bibeln aus, in welchen die Besucher anfDreysus passende Stellen unterstreichen. Frau Dreyfns läßt einzelne Besucher Bibelstetten in ein Albuin einschreibe;;. — M a x Rogis ist in Barcelona bei einen; seiner Freunde, einen; Elsässer. Er will dort den Ansgang der gegen ihn gerichteten Verfolgungen abwarten. — Wie ans Petersburg gemeldet rvird, hat das Ministerium für Volksaufklärnng bestimmt, daß die in; März d. I. von der Kiewer Universität ausgeschiedene;; Studenten rnvsaischer Konfession, welche später wegen des festgesetzten Maxirualsatzes von zehn Prozent nicht wieder ausgenommen werden konnten, jetzt unbeschadet dieser Festsetzung doch wieder aufgenonnnen werden sollen. Es betrifft dies etwa 200 Studenten mosaischer Konfession. — In Berditschew sind auf Verfügung des Gouverneurs in letzter Zeit über dreißig Synagogen und Bethäuser geschlossen worden. — Die Notabeln der jüdischen Gemeinde in Teheran haben dem neuen Minister des Auswärtigen ihre Glückwünsche darE^lcht. Sie erhielten bei diesem Anlaß das Versprechen, daß tHreAngAegenheiten „in einigen Tagen" würden geordnet werden. — Von den Summen, die in New-Uork für jüdische Wohltli)ätigkeitszwecke verwendet werden, erhält man einen Begriff, wenn man in den; offiziellen Bericht des New-Iorker Registerbüreans liest,' daß 15 jüdische Anstalten, die sich mit Waisenpflege und Kindererziehnng befassen, nicht weniger als 3 Millionen Mark jährlich ausgeben, von denen nur 75 000 Mark Beitrag der Stadt New-Aork sind, der Rest durch freiwillige Beiträge jüdischer Wöhlthäter aufgebracht wird. — Der katholische Erzbischof von Melbourne hat aus eigenen; A;;triebe einen jährlichen Beitrag für die jüdische Hilfsgesellschast in Melbourne gezeichnet. Der hohe Kirchenfürst hat damit nur die vielen Unterstützungen erwiedert, die Inden den katholischen Vereinen zn Theil werden.lassen. Druck und Verlag von R u r> 0 lf. M 0 sse in. Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.