Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1899)
- Date
- 1899-08-11
- Page
- Seite 374 (sequence 2)
- Language
- German
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374 Wer die Tabelle genauer ansieht, erstaunt bald übu die grade Zahl der Arbeiter jüdischer Konfession, die besonders in Handel und Industrie zahlreich sind. Da die Statistik drei soziale Klaffen unterscheidet: Selbständige, Angestellte und Arbeiter, so entspricht diese Trennung ziemlich genau der sozialen Gliederung. Freilich wird man von der Klasse der Selbständigen viele dem Mittelstände, und selbst nicht unerhebliche Bruchtheile, besonders aus dem Handwerk, dem Kleinhandel und Hausirgewerbe, den unteren Ständen zuzuzühten haben. Dagegen wird man die Klasse der Angestellten im Allgemeinen dem Mittelstände, die Klaffe der Arbeiter dem unteren Stande zuzurechnen haben. Es ergiebt sich so eine Ziffer für diese letzte Gruppe, die ganz erstaunlich ist, und die, obwohl der Prozentsatz immer noch etwas günstiger ist als bei den Bekennern anderer Religionen, doch deutlich beweist, was von dem Gerede über den Reichthnm der Juden zu halten ist. Die folgende Tabelle zeigt diese drei Klaffen in der erwerbsthätigen Bevölkerung von ganz Deutschland zusammengefaßt. Bevölkerung . . Juden. A. Landwirthschaft Angestellte Arbeiter Selbstständige 6. Industrie ständige! Angestellte | Arbeiter Selbstständige _C. Handel : Angestellte j Arbeiter Zusammen Wnd/ge! Angestellte j Arbeiter 2 568 725 1616 96 173 76 5 627 794 2 061 764 263 745 |5 955 711 843 5571 261907 1283 047 5474 046 621 825 12 816552 1679 23 598 5 566 16 829! 80 105 1 14 997 38 349 115 319 20 639 56 857 Wir sehen hierbei in der Bevölkerung im Allgemeinen die Arbeiter j der Ziffer der Selbständigen. Sehr intereffant ist auch der Vergleich um mehr als das Doppelte die Zahl der Selbständigen überwiegend,! dieser Zahlen, wenn die mäiiiilichen von den weiblichen Erwerbsdagegen erreicht bei den Juden die Ziffer der Arbeiter nur die Hälfte ■ thätigen getrennt werden? wie in den folgenden beiden Tabellen: männliches Geschlecht Bevölkerung . . 2 221 826 i 78 066 3 239 646!'1 542 272! 254421 | 4 963 409!j 640 941 | 249 920! 868 042 jj 4 405 039! 582 407 9 071097 Juden.i 1971 73 893' 18 8021 5 029! 11799 jj 72 269 | 14 314; 27 745 92 2681 19 416 40 437 weibliches Geschlecht Bevölkerung . . . 346899! 18 107! 2888 148!! 519 492 9 324! 992 302!! 202 616! 11987 365 005 '! 1069 007! 39 418! 3 745 455 Juden.419! 3 | 756 4 796 537; 5 030|| 7 836 j 683 10 604 12 0511 1223 | 16 420 Bei den weiblichen Eliverbsthätigen ist die Differenz zwischen! dies übrigens die folgende Tabelle, die die Verhältuißzahlen enthält. Juden und Nichljudni nicht ganz so groß im Verhäliniß der j — Von 100 Erwerbsthätigen jedes Religio,lsbekeiintnisics der Selbständigen zu de» Arbeitern als bei dem männlichen Ge- I Berufsabtheilungen A bis C entfallen auf die. einzelnen Berussschlecht, doch immerhin noch sehr bedeutend. Am besten zeigt! gattungen: Evangelische . . . ’:j 12,37 0,64 27,58 ’ 11,73 1,62 Katholische.... 15,87 0,31 - 34,13 9,46 0,98 Andere Christen.j 15,88 0,39 20,50 il 15,12 2,31 Israeliten . . . . 0.88 0,04 0,92 s 12,91 3,05 Andere.i 6,05 0,47 6,58 17,13 i 4,11 Zusammen . . . . j 13,58 . 0,51 29,76 10,90! 1,39 32,78 4,60 1,63 7,05 - 28,70 3,89 67,41 29,94 : 3,21 0,80 5,30! 28,54 2,09 69,37 33,90 i 5,67 1,93 4,30 36,67 4,63 58,70 9,20 I 43,82 8,20 20,98; 57,61 11,29 31,10 40,66! 10,81 3,71 10,48; 33,99 8,29 57,72 31,49 1 4,46 1,39 6,52 28,94 1 3,29 67,77 Dieselbe Tabelle nach Geschlechtern getheilt giebt die beiden folgenden Tabellen: Evangelische . . . ' 14,37 0,66 21,75 Katholische.... 18,70 j 0,38 26,- Andere Christen. 17,48 0,39 16,59 Israeliten .... 0.79 1 0,05 0,59 Andere. 6,29! 0,47 4,95 Zusammen.... 15,80 0,55 1 23,05 Evangelische. . . 6,22; 0,55 45,59 Katholische.... 8,55! 0,13 55,16 1 Andere Christen. 8,93 : 0,40 37,55 Israeliten . . . . 1,36 0,01 2,56 Andere. 4,10 0.46 19,82! Zusammen.... 7,15 | 0,37 i 49,20 männliches Geschlecht 11,59 : 2,07 36,03; 4,61 9,83 1,32 34,88 i 3,18 14,94; 2,74 36,01 5.68 12,36 3,30 7,75 47,51 16,75; 4,42 41,51 11,26 10,97 1,81 35,31 4,56 w e : i b l i d) e i s Geschl echt 12,15 0,24 22,76 j 4,56! 8,53 0,10 17,17! 3,28 15,90 0,38 24,72 | 5,62 15,63 1,75 16,39 | 25,53 20,27 1,59 33,71! 7,06 10,70 0,19 20,45 i 4,17 2,06 6,86 ji 30,57 4,79 64,64 1,06 4,65 i 31,71 2,76 65,53 2,30 3,87 Ü 38,10 5,43 56,47 9,41 18,24 jj 60,66 12,76 26.58 4,03 10,32 j! 34,30 8,92 56,78 1,78 6,17 i| 31,33 4,14 64,53 0,30 7,63 j 22,93 j 1,09 75,98 0,14 6.94 i 20,36 i 0,37 79,27 0,34 6,16 j 30,45 1,12 68,43 2,22 34,55 j 42,52 3,98 53,50 1,14 11,85 j 31,43 3,19 65,38 0,25 7,52! 22,02 0,81 77,17 Diese Berussstatistik zeigt uns freilich die Gliederung nur nach großen Berufsgruppen. Es wäre zum Beispiel sehr intereffant, zu erfahren, und es ist zu bedauern, daß darüber keine amtlichen Ziffern vorliegen, wie sich die jüdischen Arbeiter in der Rubrik „Industrie" auf die einzelnen Zweige derselben vertheilen. Ebenso intereffant wäre es, zu erfahren, wie viel von den 38 349 jüdischen Arbeitern, die im Beruf Handel vorgemerkt sind, den kaufmännischen Betrieben, wie viel davon den Verkehrsgewerben, wie viel dem Gast- und Schankwirthschaftswesen angehören rc. Da die amtliche Berufsstatistik abgeschlossen ist, so ist eine Ergänzung nach dieser Richtung durch das Statistische Büreau nicht zu erwarten, aber vielleicht nimmt sich die private Initiative dieser Sache an. Wir sind überzeugt, daß eine Enquete sehr lohnende Resultate zu Tage fördern würde. Aber auch so ist die amtlich fcstgestellte Thatsache, daß unter den erwerbsthätigen Israeliten Deutschlands sich 56 857 Arbeiter und 6371 Dienstboten befinden, eine gewiß den meisten Glaubensgenossen und fast allen Nichtjuden vollkommen neue Erfahrung, die bei der Beurtheilung der jüdischen Verhältnisse nicht unwesentlich mitspricht. Zugleich zeigt die Vertheilung der jüdischen Erwerbsthätigen, daß, wenn auch die Berufsverhältniffe bei den Juden noch nicht genau so liegen wie bei den Nichtjuden, doch die ausgleichende Assimilation schon recht weit vorgeschritten ist.