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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-07-14 · Heft 28 (14.7.1899) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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- 4 - lehrte an dieser Anstalt jüdische Geschichte, Homiletik und Religions- Philosophie, sowie Deutsch und Griechisch an dem mit dieser Anstalt verbundenen Gymnasium. Trotz seiner anstrengenden Lehrthätigkeit entwickelte er eine geradezu staunenerregende wissenschaftliche und litterarische Thätigkeit auf den verschiedensten Gebieten. In jüngster Zeit beschäftigte er sich vielfach mit Familiengeschichten, die er aber stets in Zusammenhang mit der Zeitgeschichte zu behandeln wußte. Es mögen hier seine „Monographien von S. Wertheimer" (1888), „Urkundliches aus dem Leben Wertheimers" (1892), „Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien" (1889), „Aus Hernes Ahnensaal" (1895) rc. verzeichnet werden. Seine enorme Gelehrsamkeit kann man aber erst schätzen, wenn man die zahllosen gelehrten Artikel in den verschiedensten Zeitschriften übersieht. Kaufmann war einer der größten Gelehrten auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Litteratur. Er war aber auch einer der universellsten und umfassendsten Gelehrten, ein Mann von großer Bildung und feinem Formenstnn, ein großer Stilist und Sprachkünstler. Im Umgang war er einer der liebenswürdigsten und geistreichsten Menschen und den Freunden ein aufopfernder Freund. Möge ihm die Erde leicht sein. Großbritannien. B. London, 9. Juli. Auf dem internationalen Frauenkongreß wurden von jüdischen Damen noch folgende Borträge gehalten. Lady Battersea sprach über die ethische Bedeutung des Vergnügens, Mrs. Frederick Nathan über die Ethik des Schenkens und Miß Sadi American über Ferienfchulen. Besonders der letzte Vortrag war sehr interessant, da er eine Einrichtung schilderte, die sich sehr nützlich erwiesen hat und ganz neu ist. Da die Kinder der Armen in den großen Schulferien leicht verwildern, so sind diese Ferienschulen eingerichtet, deren Besuch ganz freiwillig ist, in denen die Kinder mit Musik, Gesang, Malen, Spielen, Turnen und Gartenarbeiten beschäftigt werden. Am vorigen Sonnabend ist in den meisten Synagogen, ebenso wie in den Kirchen, über den Kongreß gepredigt worden, auch der Oberrabbiner hat dies gethan und sich die Worte der Töchter Zelophads: „Gieb uns ein Besttzthum unter den Brüdern unseres Vaters", zum Text genommen. Man steht, die jüdische Homiletik hier zu Lande hält Schritt mit den allgemeinen Bewegungen. Die amerikanisch-jüdischen Damen, die hier sehr geehrt werden, haben wieder auch außerhalb des Kongresses mehrere Vorträge gehalten. So sprachen Miß Richmann und Miß Sadi American in der Generalversammlung der West-London Synagogengesellschafl gemeinsam mit Rev. Maurice Harris über jüdisch-religiöse Erziehung in Amerika und die beiden Damen gemeinsam mit Mrs. Nathan und Lady Battersea im jüdischen Mädchenklub. — Die jüdi schhistorische Gesellschaft hielt am Dienstag, 3. Juli, ihre jährliche Generalversammlung ab, in der der bisherige Vorstand wiedergewäylt wurde. Zum Vorsitzenden wurde Claude G. Montefiore bestimmt. Von Nah und Fern. ----- Professor Dr. Immanuel Munk, Abtheilungsvorsteher am physiologischen Institut der hiesigen Universität, bisher Privatdozent, ist zum außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität ernannt worden. — Die Schulamtskandidaten Dr. Eng länder und Dr. Samuel find zu Oberlehrern der 10. Realschule HM ernannt worden. — Am 8. d. M. ist hier der durch feinen Wohlthätigkeitssinn bekannte älteste Pokurist des Hauses Bleichröder, MW Frank, im 64. Lebensjahre gestorben. Er gehörte dem HarDe 48 Jahre an. — Ein Verbot des Schächtens hat die Regierung fcfg Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen erlassen, wie rfn Vertreter desselben auf der am 2. d. M. in Arnstadt abgehaltenG Generalversammlung des Verbandes thüringischer ThierschUhverei^e mittheilte. — In Jena wurde zum Prorektor der Universität für das nächste Halbjahr der Professor der Rechte Dr. Eduard RosenthHl gewählt. — Der außerordentliche Professor der juristischen Fakultät H Bonn Dr. E. Landsberg ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. — Professor Dr. Alfred Philippson in Bonn wur^e zum Ehrenmitglied der griechischen polytechnischen Gesellschaft in AtW ernannt. — In Homburg v. d. H. feierte am l. d. M. unter freH-= diger Antheilnahme weitester Kreise Herr Louis Lehmann seinen siebzigsten Geburtstag. Wir senden unserem alten verehrten Mitarbeiter nachträglich die herzlichsten und besten Glückwünsche! — Stadtrath Fritz Hamburger wurde an Stelle des verstorbenen Medizinalraths Dr. Seligmann zum Mitglied des Oberraths d <r Israeliten in Baden ernannt. — Die Baronin Clara von Hirsch hat einem in Oesterreich lebenden Verwandten Namens Salomon Herer, der auf dem Boden des gesetzestreuen Judenthums steht, ein Legat von vier Millionen Francs vermacht, daß er am Jahrzeitstage der Baronin das Kadischgebet verrichten sowie 10 Prozent der Zinsen an würdige arme, streng religiöse Juden nach seinem Gutdünken vertheilen solle. — In einem St an is lau nahe gelegenen Dorfe wurde eine jüdische Familie, bestehend aus sechs Personen, vergiftet. Der bis jetzt noch nicht eruirte Thäter hat nämlich das Wasser, welches zum Kochen diente, vergiftet. Bis auf das jüngste Kind konnte man kein Mitglied der Familie retten. — In Paris hat wieder ein antisemitischer Skandal stattgefunden. Studenten haben den Laden eines Trödlers mit dem Rufe: „Nieder mit den schmutzigen Juden!" gestürmt. Der Humor an der Geschichte ist aber, daß der Trödler, Gadbois kein Jude ist, sondern selbst ein guter Antisemit und eifriger Leser der antisemitischen Organe Libre Parole und l'Jntransigeant. — Aus London wird berichtet: Die Gartengesellschaft, die Lady Rothschild und Mrs. Leopold de Rothschild zu Gunnersbury Park gaben, um die Mitglieder des internationalen Frauenkongresses nach Abschluß der Arbeiten zu bewirthen, wird als eines der glänzendsten und erfolgreichsten Gartenfeste geschildert, die je in England gegeben wurden. — In London soll eine jüdische Rettungsanstalt für verwahrloste Knaben errichtet werden. Lord Rothschild hat zu diesem Zweck 12l/2 Acres Land in Hayes, Grafschaft Middlesex geschenkt und außerdem 100 000 Mark, während von anderer Seite noch 150 000 Mark zugestchert sind, so daß man nur noch 110 000 Mark braucht, die durch eine öffentliche Sammlung aufgebracht werden sollen. — Die Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland hat eine Preisaufgabe für die beste Bearbeitung des folgenden Themas ausgeschrieben: „Die jüdischen Typen in der russischen und polnischen Litteratur des 19. Jahrhunderts". Der Einreichungstermin ist bis zum 13. April 1902 festgesetzt. — Der russische Minister des Inneren hat eine den jüdischen Lehrern sehr ungünstige Entscheidung gefällt. Danach genießen dieselben, wenn sie an jüdischen Schulen unterrichten, nicht dieselben Privilegien wie die Lehrer an allen sonstigen öffentlichen Schulen, selbst dann nicht, wenn sie alle vorgeschriebenen Examina gemacht und ihre Studien auf der Universität beendigt haben. — In Eupatoria (Krim) verbreitete sich plötzlich das Gerücht, daß Judenexzesse von einigen Wühlern vorbereitet würden. Eine jüdische Deputation ging nach Simferopol zu dem Gouverneur, um seinen Schutz zu erbitten, und erreichte, daß die Polizei in Eupatoria durch Gendarmen verstärkt wurde, doch ist erfreulicherweise alles ruhig geblieben. — An die 74 Familien, die bei den Exzessen in Nikolajew am meisten gelitten haben, ist eine namhafte Summe vertheilt worden, doch fehlen immer noch größere Beträge, die gesammelt werden müssen. — In New-Uork streiken 2500 jüdische Schneider, speziell die Kinderjackennäher. — In Johannisburg fand am 28. v. M. ein neues Massenmeeting der Juden statt, das Stadtrath Harry Soloman leitete. Man verlangte allgemein dieselben Rechte, die den anderen Weißen gegeben werden sollten, und protestirte dagegen, daß Transvaal den Weg Rußlands einschlage und religiöse Unduldsamkeit die Ertheilung der Bürgerrechte beeinflussen lasse. Ein Telegramm vom Oberkommisflonär Milner wurde verlesen, worin er sich dagegen verwahrte, daß er je die Absicht gehabt habe, von den Juden im Allgemeinen oder den russischen Juden im Besonderen Schlechtes zu reden oder sie vom Bürgerrecht auszuschließen. Die Deputation der Juden aus dem Randgebiet ist am 30. v. M. vom Präsidenten Krüger empfangen worden und hat von ihm die Zusicherung erlangt, daß er für Ertheilung der Bürgerrechte an die russischen Juden unter denselben Bedingungen wie an die Christen im Volksraad stimmen werde und dies Hoffentlich erreichen könne. -Druck und Verlag von Ruvvlf Mosse in Berlin. DerMtwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin,

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