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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-23 · Heft 25 (23.6.1899) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 25 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
Seite 290 (sequence 2)
Language
German
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..■ d 290 Dozent am Breslauer Seminar Dr. S. Horovitz ruhig und streng sachlich, wie das seine Art ist. die Amsterdamer Glossen geprüft und ist zu dem Ergebniß gekommen, daß sie durch nichts weiter als durch einen außerordentlichen Mangel an Tiefe und Klarheit und durch eine erstaunliche Unkenntniß der einfachsten kritischen Operationen sich auszeichnen." „Man kann den Randglossen des Herrn Dünner", sagt er, „alles Mögliche nachsagen; von ihrer Gefährlichkeit habenMr uns nicht überzeugen können," und „man erweist dem Verfasser viel zu viel Ehre," fährt er fort, „wenn man ihm zutraut, seine Erklärungen seien im Stande, die gesammten Religions-Codices über den Haufen zu werfen." Dem angegriffenen Verfaffer wurde auf eine indirekte Anfrage, wie wir aus bester Quelle versichern können, bereitwilligst die Möglichkeit gegeben, den Ausführungen des Rezensenten in der „Monatsschrift" selber mit sachlichen Gründen entgegenzutreten. Eine solche Entgegnung unterblieb aber. Damit schien die Angelegenheit erledigt zu sein, und man hätte erwarten sollen, daß, wie dermaleinst nach des ersten Napoleons Tode durch die Reihen der europäische» Monarchen, so jetzt nach dieser wohlbegründeten und erschöpfenden Beurtheilung des Dünner'schen Buches ein „Uff" der Erleichterung durch die Reihen der rechtgläubigen Heerschaaren gehen würde. Niemand in aller Welt hätte es anstößig gefunden, wenn sie in ihrer Weise die Ergebnifle des Breslauer Kritikers mit Genugthunng ausgebeutet hätten. Allein „blinder Haß haut über die Schnur", haben unsere Alten bereits gesagt. An derselben Stelle, wo mit Entrüstung die schriftstellerische Thätigkeit des Amsterdamer Oberrabbiners verurtheilt wurde, schrieb unter dem Titel: „Die Vertretung der Talmudwiffenschaft am Rabbinerseminar zu Breslau" ein Bruder des Angegriffenen einen Aufsatz, in welchem die „neue Thauroh" als der Inbegriff der höchsten Weisheit verherrlicht und der Breslauer Rezensent nicht etwa mit Gründen widerlegt, sondern mit einer Sintfluth von Schimpfwörtern überschüttet wird. Es kann uns natürlich nicht einfallen, in diesen Streit einzugreifen. Denn was die Vertretung der Talmudwiffenschaft am Breslauer Rabbinerseminar angeht, so bedarf diese zu allerletzt unserer Vertheidigung. Wenn man von jenen „gesetzestreuen" Helden absieht, so weiß die gesammte Glaubensgemeinschaft diesseits und jenseits der Grenzen des Deutschen Reiches sehr wohl, daß es mit dieser Vertretung auf das Allervortrefflichste bestellt ist. Der Satz, daß der Vertreter der halachischen Studien oder, wenn jener Herr es lieber will: „die" Vertreter der halachischen Studien an der Breslautr Anstalt an Umfang und Tiefe des Wissens und an Schärfe und Klarheit der Auffaffung allen ihren Kollegen, die den gleichen Lehrgegenstand an den übrigen Rabbinerbildungs-Anstalten des In- und Auslandes vortragen, durchaus ebenbürtig und daß sie manchen derselben in der Handhabung der neueren wiffenschaftlichen Methode bei der Behandlung des Gegenstandes sogar überlegen seien, wird kaum irgendwo auf Widerspruch stoßen. Alles das braucht kaum hervorgehoben zu werden. Eines aber muß festgestellt werden. Auf das Nachdrücklichste muß das Treiben jener Richtung verurtheilt werden, die sich den Anschein giebt, „um des Himmels willen (l’schem schomajim)" die „Breslauer Richtung" zu bekämpfen, während sie in Wahrheit in die Schranken tritt für ein Buch, welches von den Rabbinern der eigenen Partei als ein „gefährliches, alle Grenzen überschreitendes Opus" bezeichnet worden ist, gegen welches nach der Erklärung derselben Rabbiner „jeder Jehudi verpflichtet (mechujjow) wäre, das Wort zu erheben". Derartiges sollte nirgends in Israel „gesehen und gefunden" werden. Es wäre hoch an der Zeit, wenn unsere „Rechtgläubigen", welche die wahre „Jiroh" in Generalpacht haben, ernstlich daran gingen, auch in ihrer Mitte solche Treibereien nicht länger zu dulden. i „La verite est en marclie“ hat Zola gesagt. Es hat den Anschein, als ob sie in Paris wirklich ihren Einzug halten wollte. Vielleicht setzt sie ihren Siegeszug dann auch wenigstens bis an den Rhein fort, damit man auch dort überall, unbeschadet der Orthodoxie, der Wahrheit und den Frieden von Neuem lieben lerne. Ww Woche. Berlin, 20. Juni. ie wir es vorausgesagt haben, nähert sich der häusliche Krieg zwischen Antisemiten einerseits und den Konservativen mit dem Bund der Landwirthe andererseits seinem glücklichen Ende. Letzterer hat durch sein Oberhaupt die deutsch-soziale Reformpartei bereits als zuverlässige Bundesgenoffin „voll und ganz" anerkannt, und nun erläßt auch der Vorstand des „Berliner deutsch-konservativen Wahlvereins" in mehreren Parteiblättern eine Erklärung, die mit der „zuversichtlichen Erwartung" schließt, „daß bei den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen alle national gesinnten Wähler, einschließlich auch der Angehörigen der deutsch-sozialen Reformpartei, sich vereinigen werden, um die bisherige manchesterliche Uebermacht in der Berliner Stadlvertretung zu brechen und gesunden sozialen, wirthschaftlichen und kommunalen Reformen die Bahn zu ebnen". Jntereffant ist, daß auch hier die Schuld an den Zerwürfniffen, die bisher bestanden, einzelnen Personen in die Schuhe geschoben wird. Nur von dem antisemitischen Parteihäuptling wollen die Konservativen nichts wiffen; sie bedauern in der Erklärung, daß die „deutsch-soziale Rcformpartei in ihrer Berliner Organisation zur Zeit von einem Manne geleitet wird, welcher seine offenbar völlige Unkenntniß der einschlägigen Verhältniffe durch nichtssagende, zum Unfrieden aufreizende Phrasen zu bemänteln und dadurch das freundnachbarliche Einvernehmen der die Berliner Bewegung bildenden Parteien zu erschüttern sucht". Dagegen wehren sich noch die Antisemiten. Aber in jedem Falle ist der Friede erfreulicherweise wieder hergestellt! * Gegenüber der perfiden Art und Weise, in der einzelne konservative und antisemitische Blätter die Dreyfus-Affäre darstellen, hat die Haltung der „Kölnischen Volkszeitung" während der ganzen Zeit des Kampfes durch ihre Entschiedenheit und Objektivität vortheilhaft sich abgehoben. Das Blatt nimmt selbst gegen seine katholischen Gesinnungsgenossen in Frankreich Stellung in dieser Angelegenheit. Von besonderem Jntereffe ist aber das, was das . erwähnte, in Centrumskreisen als führendes Organ angesehene Blatt über den jetzigen Stand der Sache in folgender Weise ausführt: „Wir haben schon so lange und so oft unserem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß eine große Zahl der französischen Katholiken den erwähnten Auswnrf der französischen Journalistik nicht seiner wahren Natur nach erkannte, zum Theil auch in schuldbarer Selbstverblendung nicht erkennen wollte. Weil ein Zola nicht kirchentreu ist, darum kann, so war und ist die Logik dieser Leute, nichts wahr, nichts unanfechtbar sein, wofür ein solcher Mann sich ausspricht. Weil ein Rochefort, ein Drumont gegen Zola sind, weil sie dem Antisemitismus, der für sie nur Geschäft ist, das Mäntelchen der Rettung Frankreichs umhängen und weil sie namentlich Dreyfus nebst dem frei erfundenen Berräthersyndikat als Inbegriff des Frankreich feindlichen Judenthums verfolgen, darum waren sie die Propheten, denen man folgen mußte; man übersah ihre Schwäche, ihre Fehler, ja alles, was vom patriotischen Standpunkte als ein Verbrechen am Vaterlande bezeichnet werden mußte. Wenn Dreyfus wirklich Landesverrath geübt hätte, so wäre dieses Berns

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