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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-04-21 · Heft 16 (21.4.1899) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 16 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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6 a. Nürnberg, 12. April. Heute wurde ein in allen Kreisen beliebter und angesehener Mann, Herr Nathan Bergmann, unter großer Theilnahme zur Erde bestattet. Der im 53. Lebensjahre Verstorbene hat den Feldzug 1870 vor dem Feinde beim 9. baierischen Infanterie-Regiment mitgemacht; er wurde wegen seiner erwiesenen Tapferkeit zum Oberleutnant befördert und erhielt die Kriegsdenkmünze / 1870/71. Mit Recht wurden daher dem Verblichenen die militärischen Ehrenbezeugungen durch drei Salutsalven erwiesen. Der Veteranen- und Kampfgenossenverein mit umflorter Fahne und viele Landwehroffiziere folgten dem Sarge. Herr Rabbiner Dr. Ziemlich hielt eine tiefergreifende Trauerrede, darin betonend, daß der Verschiedene seine Pflicht der Familie wie dem Vaterlande gegenüber im reichsten Maße erfüllt habe. Der Verstorbene war ein hochbegabter, feingebildeter und liebenswürdiger Mensch, und sein Name wird daher seinen vielen Freunden in steter Erinnerung bleiben. Gestrrreich-Ungarn. □ Wien, 17. April. Die Statthalterei hat das Vorstandsmitglied der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Marcus Spitzer zum Bezirksschulrath ernannt. Diese Ernennung wird allgemein sympathisch begrüßt werden. — In prachtvoller Ausstattung haben die Söhne des verdienstvollen Emanuel Baumgarten die Lieder, Aufsätze und Gedichte, die ihrem allgemein verehrten Vater von allen Seiten zu seinem 70. Geburtstage im vorigen Jahre gewidmet wurden, in einem stattlichen Bande vereinigt, der den Titel führt: „Unserem theuren Vater Emanuel Baumgarten zur Erinnerung an seinen siebzigsten Geburtstag (Wien 1898), und der ein schönes Denkmal kindlicher Pietät sowie ein werthvoller Beitrag zur Kulturgeschichte des Judenthums in Oesterreich bleiben wird. — In Nach od ist jetzt Ruhe eingekehrt, ob diese auch anhalten wird, wenn das Militär abzieht, das steht dahin, und ob dieser Befürchtung haben bereits die dort ansässigen Fabrikbesitzer beim Bezirkshauptmann Schritte unternommen, daß eine ständige Garnison in Nachod verbleibe. Die Höhe der Schadenersatzziffer hat Dr. L. Bendiener aus Prag auf 85000 Gulden festgestellt. — Hier haben in allen israelitischen Gotteshäusern Trauergottesdienste für die verstorbene Baronin Hirsch stattgefunden. — Bei der vierzigjährigen Jubelfeier des von allen Bewohnern verehrten Superintendenten Dr. Haase in Tefchen betheiligte sich auch eine Deputation der dortigen israelitischen Kultusgemeinde. — Im hohen Alter von 93 Jahren ist in Prerau der ehemalige Bürgermeister der Judengemeinde, Bahnarzt Dr. Markus Rokotnitz, gestorben. Mit ihm schied ein Original, er verkörperte in sich den Typus des ehrlichen derben Landarztes mit den ungeschminkten, geraden Manieren, mit weitreichender Humanität und besonders ausgeprägtem Wohlthätigkeitssinn. Er blieb zeitlebens trotz seiner weit ausgebreiteten Praxis in den bescheidensten Verhältnissen, blos weil er nie von irgend Jemand I Zahlung verlangte, dessen Verhältnisse nicht die allerbesten waren. Der Kaiser ehrte den Verstorbenen für seine Verdienste im Jahre 1866 durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone. Ein Sohn des Dr. Rokotnitz wirkt als der einzige jüdische Notar in Mähren. Don Nah und Fern. — Dr. Ludwig Bamberger hat in seinem Testamente dem hiesigen Asylverein für Obdachlose ein Legat von 20 000 Mark vermacht, dessen Annahme der Verwaltungsrath unter dem Ausdruck lebhaften Dankes in der letzten Sitzung beschlossen hat. — Herrn Philipp Freudenberg, Seniorchef der Firma Herrmann Gerson, ist der Charakter eines königlichen Kommerzienraths verliehen worden. $ — Am 18. d. Mts. ist hier im Alter von 85 Jahren der frühere. Hauptlehrer der jüdischen. Industrieschule zu Breslau, Benjamin Bloch, nach kurzem Krankenlager gestorben. — Wegen Wieder- * gäbe der Reden des Grafen Pückler-Klein-Tschirne ist nunmehr gegen die „Staatsbürger-Zeitung" und den „Deutschen General- Anzeiger" in Berlin und gegen die „Sachsenschau" in Magdeburg An- J; klage erhoben worden. Dagegen hat die sächsische Staatsanwaltschaft y ein Einschreiten gegen die in Dresden erscheinende „Deutsche Wacht", deren Herausgeber der frühere Abgeordnete Zimmermann ist, abgelehnt. — Neuerdings sind Logen des Benai-Berith-Ordens in Liegnitz, Thorn 4 - und Krotoschin begründet worden. — In G nesen ist am 12. d. M. der ehemalige Lehrer I. Rackwitz im 76. Lebensjahre gestorben. — Für seine Mitwirkung an dem großen Reiterfest in Frankfurt a. M. ist Herrn H. Jchenhäuser in Halberstadt, von dem unter dem Protektorat des Großherzogs von Hessen stehenden Komitee ein kostbarer silberner Pokal mit kunstvoll eingravirter Widmung als Ehrengabe durch den Freiherrn von Bissing überreicht worden. — In Lüneburg feierte der Bankier Marcus Heinemann unter allgemeiner Theilnahme seinen 80. Geburtstag. Dem Jubilar, der um Stadt und Gemeinde große Verdienste sich erworben, wurden von der Handelskammer, dem Haus-und Grundbesitzerverein, dessen Vorsitzender er ist, der Synagogengemeinde und anderen Korporationen Glückwünsche dargebracht. - Fräulein Mathilde Lippmann, die verdienstvolle Oberlehrerin der Israelitischen Töchterschule in Hamburg, ist einem kurzen, schweren Leiden in der Nacht zum 9. d. M. erlegen. — Rechtsanwalt Dr. Biel haben ist in Hamburg theilt durch Rundschreiben mit, daß er sein Reichstagsmandat für den Wahlkreis Kassel-Hofgeismar-Rinteln aus Geschäftsrücksichten niederlegt. Er war einer der „schneidigsten" und sollte die Petition gegen das Schächten vertreten. — In Kassel wird das Waisenhaus im Spätsommer sein neues Heim beziehen. Dem rührigen Kuratorium der Anstalt war es ermöglicht, in aller Stille die Mittel zu einem zeitgemäßen Neubau zu beschaffen.— In München hat Bürgermeister v. Brunner in öffentlicher Sitzung des Magistrats der verstorbenen Baronin Hirsch, die bekanntlich eine Wöchnerinnenstiftung mit 1200 000 Mark in München errichtet hat, einen warm empfundenen Nachruf gewidmet. Das Plenum erhob sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen. Die Verstorbene hat auch vor ganz kurzer Zeit der dortigen israelitischen Kultusgemeinde 100 000 Mark zur Errichtung einer Wohlthätigkeitsanstalt überwiesen. — Die Komitatskongregation in Arad hat Bela Hirsch zu der hohen Würde eines Komitatsstuhlrichters erwählt. — Die italienischen Freimaurer haben auch in diesem Jahre wieder einen Juden, Ernesto Nathan, zum Großmeister ihres Ordens erwählt — der in Preußen bekanntlich nicht einmal Juden aufnimmt. — Im Haag wurde Dr. T. Lewenstein, bisher in Leeuwarden, zum Oberrabbiner gewähkt. — JnStockholm feierte der - bekannte Gelehrte Dr. L. Levysohn, früher daselbst und in Worms als Rabbiner thätig, in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. — In Z üri ch ist am 6. d. M. eines der angesehensten und wohlthätigsten Mitglieder der dortigen Gemeinde, der Kaufmann Raphael! Lang, gestorben. — Das Testament der Baronin Hirsch umfaßt achtzig Seiten. Im Ganzen erscheinen etwa 80 Millionen Francs für wohlthätige Zwecke ausgesetzt. Das Testament dürfte nicht vor vierzehn Tagen in Wien publizirt werden, da noch Formalitäten zu erledigen sind, die längere Zeit in Anspruch nehmen. Noch kurz vor ihrem Tode hat die Verblichene 8 Millionen Francs für Schulen im Orient gespendet und ein Komitee in Paris damit betraut, die Vertheilung der Summen vorzunehmen. — Der Zuavenkapitän Godehot hat einen antisemitischen Journalisten in Algier, der ihn in seinem Blatte angegriffen, auf Pistolen gefordert. In dem Duell erhielt der Journalist eine leichte Verwundung. — Das Zuchtpolizeigericht in Algier verurtheilte den früheren Maire von Algier Max Regis wegen Beleidigung des .Generalgouverneurs von Algier zu vier Morsten Gefängniß. — In dem Kampf zwischen dem Negus von Abefk synien und dem rebellirenden Vizekönig von Tigre, Ras Mangascha, haben sich die Falaschas für den Negus erklärt und dem Vizekönig die Heeresfolge wie die Steuerzahlung verweigert. Der Negus hat sie deshalb belobt und ihnen auch weiter seinen königliche i Schutz zugesichert. — Dr. Emil G. Hirsch, der die Rabbinerstelle m New-Iork, wie wir bereits gemeldet, definitiv abgelehnt, erhält nunmehr in Chicago ein jährliches Gehalt von 15 000 Dollars (= 60000 Mark!) und einen fünfzehnjährigen Kontrakt. In New-Iork hatte ihm die Temple Emanuel - Gemeinde ein Gehalt von 14 000 Dollars, freie Wohnung.und eine auf zehn Jahre laufende Lebensversicherung' im Betrage von 100 000 Dollars angeboten. Druck und Verlag von Ruvolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. « d. V C A A N ii S u h ft tt a d v b n « a b e f< 3 b b h z ti 8 f s 3 i s

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