Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 25 (27.2.1838)
- Date
- 1838-02-27
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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iOO die Messiaszeit (?) da. Dann ist die Erinnerung an frühere große Ereignisse nicht mehr Pflicht, sondern nur ein Act der Dankbarkeit, da wir «ns hierdurch zu jenem hohem reinen (?) Gottesdienste durchgearbeitet haben. Dies der Sinn der Disputation in Keraciiot: “)vn 'D1 •pn 'O' hD rrovi -p*n ■>d' und rr'UJDn nio^ rYl'T'bTI- Elftere Ansicht will das Andenken an den Auszug aus Egypten (jüdische Nationalität) blos noch für die Nacht des Druckes (rfi'rSn) festgehalten wissen; die andre Meinung aber erheischt sie noch als Dankbarkeit zur Zeit der herrschenden Universalität. — Beide Meinungen der «»gezogenen Misclma sind eben darin conform, daß die Nationalität in der Jetztzeit nur als ein Andenken (TTOTn), keinesfalls aber als wirklicher factischer Zustand zu betrachten sei. — Hinweg daher mit jeder neuen isolirenden Nationalität, die Mißverständnisse erregen *), und uns von dem großen Ziele, das dem Judenthume vorgesteckl ist, wiederum entfernen könnte. Als Q^JTD rohoD betrachten wir uns, als Mitglieder aller Völker, wollen das Beste aller Menschen, indem wir, den Zustand der langen Jsolirung als mbs beklagend, offen gestehen, weiter nichts zu wollen, als daß alle vernünftige Wesen zu dieser Würde gelangen, gleichviel ob durch eigene Bildung oder durch Belehrung auch von unsrer Seite. Sind ja übrigens die Erleuchtete» aller Religionspartheien in den wesentlichsten Punkten über ihren Glauben einverstanden, warum sollten da gerade wir, die offiziellen Monotheisten, die sich kundthuenden Anfänge jener reineren Universalität, welcher das Judenthum den Weg bahnen soll, „flachen Deismus" nennen? — Ist das nicht Quastselbsttödtung? — Dies sind meine Ansichten über den gegenwärtigen Zustand des Judenthums. B. •) Um bei oberflächlicheren Lesern etwa .die Muthmaßung, alS ob der Abfaffer dieses Briefes hienintcr den Plan, eine jüdisch-theologische Facultät zu gründen, rechne, zu verhindern, bemerken wir, daß derselbe diesen Plan recht wol nur als religiöses Factum verstanden, und selbst durch Subscriptionen die Sache zu fördern sucht. D. Redact. (Schluß folgt.) Correspoudeuzen, Auszüge, Repliken. Aus Baiern, Februar. HunianitLtsverein zu Hürden. Zu Hürben haben mehre Israeliten, in der Ueberzeugung, daß die aufstrebende Jugend, namentlich die armen "Jünglinge, für GerverbSthätigkeit und Bürgersinn empfänglich gemacht werden müsse, wenn anders sich dieselbe zu^ einem acht bürgerlichen Leben entfalten solle, einen „Verein für Industrie und Humanität" gestiftet, dessen Staturen unterm 28. Marz 1837 von Seiner Majestät dem Könige genehmigt worden sind. Der Zweck dieses Vereins ist einerseits die Gewerbsthätigkeit, und andererseits die bürgerliche Bildung unter den Israeliten — vorzüglich im Orte selbst — zu befördern. Die Bestimmung des Vereines ist also: arme israelitische Jünglinge zur Erlernung irgend eines bürgerlichen Handwerks durch Geldunterstüzzungen behilflich zu sein, und unter den Vereinsgliedern selbst in wöchentlichen Versammlungen und durch sonstige Veranstaltungen Bürgersinn und gesellige Bildung zu verbreiten. Ordentliche Mitglieder sind diejenigen, die sowol dem WohlthätigkeitSals dem Bildungszwecke beipflichten; Ehrenmitglieder aber diejenigen, welche aus ehrenwerthem Wohltbatigkeitssinne blos den Gewerbfteiß armer Israeliten befördern wollen. Wenn es die Beschaffenheit des disponiblen Fonds gestattet, so hat der Verein sein Augenmerk auch darauf zu richten, einen oder mehre talentvolle Jünglinge, die er aus seinen Mitteln in die Lehre zu einem Handwerke thun will, jährlich in die Kreiögewerbs- oder auch in die. Weberschule nach Augsburg zu senden. Der vom Vereine begünstigte Jüngling und dessen Vorgesetzter haben sich schriftlich zu verpflichten, daß er das einst erlernte Handwerk-auch bürgerlich betreiben, und daß, im Falle er sein Handwerk nicht ausübe, und keine unübersteigbaren Hindernisse da find, die ihn desselben entledigen könnten, er daS vom Vereine bezahlte Lehrgeld, diesem wieder zurückzahlen müsse. — Zur Beförderung der Humanität versammeln sich die ordentlichen Mitglieder jeden Sabbat- und Feiertag in einem besonder» Locale, und werden zu diesem Behufe zweckmäßige Bücher, Gewerbsbücher und Zeitschriften, welche über die bürgerlichen und religiösen Angelegenheiten der Israeliten abhandeln, und zu belehrenden Vortragen so wie zur geselligen Bildung benutzt, und unter den Mitgliedern verbreitet werden, angeschafft. — Die Mittel des Vereines sind die Beiträge seiner Mitglieder, wöchentlich jede Person sechs Kreuzer. CS werden aber Spenden und Stiftungen von jeder andern Person angenommen. Diese Stiftungsgelder, so wie die wöchentlichen Beiträge der Ehrenmitglieder dürfen nur zu Lehrgeldern für arme Israeliten verwendet werden. Der Vorstand besteht aus einem Vorsteher, der stets ein Handwerker sein muß, einem Secretair, einem Canirer, und einem Ausschuß von vier Personen. Das aufgenommene ordentliche Mitglied muß wenigstens zwei Jahre im Vereine bleiben, und also eben so lange die Pflichten und Lasten des Vereines mittragen. — Wir schließen mit dem Wunsche, daß der Verein herrlich gedeihen und sich ausbreiten möge, und daß noch viele andere Gemeinden diesem gewiß guten Beispiele Nachfolgen sollten. „Wenn du dich nahr'st von deiner Hände Arbeit, wohl dir! du hast es gut." Ps. 128,2. M. . — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. - Druck von I. B. Hirschfeld. Redacteur: Dr. L. PhilippfoNc