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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-03 · Heft 5 (3.2.1899) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 ehrenha ter Charakter und ein strenggläubiger Jude, als solcher gehörte er auch zu den Förderern des israelitischen Vereins für Handwerker, mit dessen Prediger, dem ihm im Tode vorangegangenen Rabbiner Elias Karpeles, den Verstorbenen ein inniges Freundschaftsverhältniß verband. — Ferner verschied in Brünn Herr Bernhard Morgenstern, Chef der Malzfabrik F. Morgenstern und Sohn, Ritter des Franz Joseph- Ordens, 54 Jahre alt. Der Verblichene hat bedeutende humanitäre Legate im Betrage von mehr als 150 000 Gulden testirt. Er gehörte lange dem Vorstand der dortigen Kultusgemeinde an. Rußland. a. Wilna, 28. Januar. Ich habe Ihnen bereits mitgetheilt, daß am 15. d. M. der rühmlichst bekannte hebräische Schriftsteller Kalmänn Schulmann im 78. Lebensjahr gestorben ist. Seine litterarische Wirksamkeit war von wesentlichem Einfluß auf die Kulturentwickelung der russischen Juden. Sein ganzes Leben stand im Dienste der Aufklärung. Er selbst ist als ein armer, vergessener Mann gestorben. Durchmustert man die lange Reihe seiner selbständigen Werke und Uebersetzungen — es sind mehr als 70 Bände — so wird man finden, daß durch diese ganze Lebensarbeit sich wie ein rother Faden der Gedanke an die Bildung und Aufklärung der Juden im Osten zieht. Er war der letzte jener Wilnaer Schule, die so viel geleistet, und deren Wirken noch zu beschreiben sein wird. Schulmann übersetzte Beckers Weltgeschichte, die Werke des Josephus, einzelne Bände der Geschichte von Grätz, geographische Werke, allerdings auch die „Geheimnisse von Paris" pon Eugen Sue und derartige Schriften, letztere um des Erwerbes willen, erstere im Dienste seiner Lebensmission. Auch eine Art jüdische Litteraturgeschichte hat er in 4 Bänden geschrieben, die den Titel führt: „Toldot Chachme Jisrael" (Wilna 1879). Alle seine Schriften sind in einem flüssigen und klaren hebräischen Stil geschrieben, der vortheilhaft absticht von den willkürlichen Wort- und Satzbildungen der neuesten hebräischen Schriftsteller. Eine Zeit lang war Schulmann Lehrer an der hiesigen Rabbinerschule; seit Auflösung der letzteren lebte er als Privatmann ausschließlich seinen litterarischen Arbeiten in stiller Zurückgezogenheit. So hat ihn der Tod unmittelbar aus seinem Berufe geholt. Ehre seinem Andenken! T. Odessa, 15. Januar. Die „Russischen Mittheilungen" widmeten einen tiefgefühlten Nekrolog dem vor einigen Tagen dahingeschiedenen jungen Astronomen I. S. Abelmann. Wir finden in diesem Nekrolog ein kurzes eurrieulum vitae des Verewigten. Nach Beendigung seiner Studien auf der Moskauer Universität verbrachte Abelmann ein Jahr ungefähr in Berlin, wo er unter anderem die Vorlesungen über Astronomie von Förster und Titjen hörte, und gedachte er später mit Liebe und Anerkennung der humanen Beziehungen des erstgenannten Gelehrten zu ihm. Hierauf machte er sein Magisterexamen in Moskau und beschäftigte sich damit, sich zu seiner Dissertation vorzubereiten. Nachdem er einige Zeit in Pulkow verbrachte, weilte der Verblichene die letzten zwei Jahre in Petersburg, wo er sich mit der Frage über die Bewegungen der Meteore beschäftigte und die ihm dargebotenen Anleitungen der Akademiker Bredichin und Baklund benützte; das Resultat seiner Arbeiten war das Werk „Ueber die Bewegungen einiger meteorischer Strömungen", das vor Kurzem erst im Druck erschien und zur Erreichung des Grades eines Magisters der Astronomie vorgelegt wurde; aber der frühzeitige Tod gestattete ihm nicht mehr, die Früchte seiner Arbeiten zu genießen. Der jüdischen Konfession angehörend, konnte der Dahingegangene nicht darauf rechnen, ein Katheder an irgend einer russischen Universität oder eine Stellung bei einem unserer Observatorien zu erhalten; zu gleicher Zeit, da er sich in den letzten Jahren in mißlichen materiellen Verhältnissen befand, war er gezwungen, sich mit Privatunterricht und mit litterarischen Arbeiten zu befassen, und sür seine Beschäftigung mit der Astronomie war einzig und allein der Grund seine wirkliche Liebe zu dieser Wissenschaft. Abelmann starb in der Blüthe seiner Kraft, er erreichte nur das 32. Jahr. Gesegnet sei sein Andenken! - t. Von Nah und Fern. ----- Aus Anlaß des kaiserlichen Geburtstages haben die Rothes Kreuzmedaille zweiter Klasse erhalten: Geheimer Sanitätsrath Dr. Aus-' recht in Magdeburg, Justizralh Benfey in Hannover, Rechtsanwalt; Dr.Oppenheim in Mainz, Frau Kommerzienrath Fr änkel in Neustadt,!! O.-S., Geheimer Sanitätsrath Dr.Boas hier, Kommerzienrath Dr. Caro hier, Rechtsanwalt Dr. F. Landau hier, Geheimer Kommerzienrath Heimann in Breslau, Kaufmann W. Speyer in Frankfurt a. M. — Sanitätsrath Dr. Julius Kirsch st ein aus Anklam ist im vollendeten 83. Lebensjahre gestorben. — Der Köchin Henriette Stern, in Breslau, welche vierzig Jahre ununterbrochen in ihrer gegenwärtigen Stellung thätig ist, wurde von der Kaiserin in Anerkennung ihrer treuen Dienste das goldene Verdienstkreuz verliehen. — Der bekannte Rechtsanwalt Gustav Broda in Leipzig ist zum königlich sächsischen Notar ernannt worden. Es ist dies das erste Mal, daß ein Jude in Sachsen diese Auszeichnung erhalten hat. — Die Polizei in Apolda versagte dem Abgeordneten Ahlwardt die Genehmigung, an Kaisers Geburtstag dort einen Bortrag zu halten. — Der außerordentliche Professor der Mathematik Dr. A. Schönflies in Göttingen erhielt den Ruf als Ordinarius nach Königsberg. — Der Antrag auf Verbot des Schächtens in Linnich ist vom Stadtrath einstimmig abgelehnt worden. — David Emanuel, Professor der Mathematik an der philosophischen Fakultät in Bukarest, ist zum Mitglied des Generalraths für den öffentlichen Unterricht der höheren Lehranstalten ernannt worden. Er ist der erste Jude, der zu einer solchen Stellung berufen wird. — Comm. Augusto Mortara in Rom ist zum Generalinspektor des Schatzes und Comm. Achills Padoa zum Generalinspektor der Bauten ernannt worden. — Signor Giacomo Pincherle in Rom ist zum Mitglied des Staatsrathes ernannt worden. In Livorno haben die katholischen Krankenpflegerinnen, Nonnen, im Stadtspital die jüdischen Patienten zum Christenthum bekehren wollen. Die Stadtbehörde hat deshalb eine Untersuchung angeordnet und nach den Ergebnissen derselben zehn Pflegerinnen entlassen. — Dr. Jules Goldschmidt in Paris ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Derselbe hat in Madeira ein Hospital begründet, das allen Nationalitäten offen steht, und mehrere bedeutende Arbeiten über Klimatologie, Schwindsucht, Influenza und Aussatz geschrieben. — In Amsterdam wurde ein Stück von einem jungen holländischen Schriftsteller Heyermanns, „Ghetto", aufgesührt, welches das Leben der unteren jüdischen Volksklassen schildert und bei den zahlreichen Aufführungen den Aerger der orthodoxen Juden erregte. Infolgedessen hat der Polizeidirektor den Direktor aufgefordert, die Aergerniß gebenden Stellen abzuändern, sonst werde er strenge Maßregeln ergreifen. Der Autor hat sich dieser Censur gefügt. — Dem Palestine Exploration Fund in London ist ein neuer Firman von den türkischen Behörden bewilligt worden, der Ausgrabungen im heiligen Lande gestattet. — In der nächsten Zeit wird ein neues Genesungsheim für arme Juden in London erstehen. Die verstorbene Baronin von Stern hat eine Summe von 1 209 000 Mark letztwillig zur Errichtung einer solchen Anstalt vermacht. — In Belfast ist ein Jude, Herr Otto Jasfe zum Lord-Mayor erwählt worden. Die Familie besteht seit dem 16. Jahrhundert; sie hat sich um die irische Leinenindustrie große Verdienste erworben. — Im Gouvernement Wladimir waren plötzlich die Juden aus allen Gymnasien ausgeschlossen worden, und die jungen Leute, die nicht das Wohnrecht hier hatten, wurden nach dem Anstedelungsrayon verwiesen. Durch diese vom Gouverneur angeordnete Maßregel sind eine Menge junger Israeliten betroffen worden, hierunter Manche, die in wenigen Monaten die Gymnastalkurse beendigt haben würden. Erfreulicherweise hat der Minister des Inneren, gemeinsam mit dem Unterrichtsminister, die ganze Verfügung des Gouverneurs aufgehoben. In Smyrna ist der Chacham Baschi, R. Abraham Halaeei, im 92. Lebensjahre, allgemein betrauert, gestorben. — Aus Rosch- Pinah kommt die Kunde, daß der allgemein verehrte Lehrer dieser Kolonie Nissim Dobruschin plötzlich verstorben ist. — Die dritte Bertheilung von Geldern aus dem Nachlaß Simon Muhr s, des großen Philanthropen in Ph i la d elp h ia, hat stattgefunden, und abermals sind 42 000 Dollars ----- ca. 180 000 Mark Wohlthätigkeitsanstalten zugeführt worden. Im Ganzen sind schon 900 000 Mark vertheilt worden, wovon mehr als die Hälfte an jüdische Institute. Die Gemeinde „Zion" in Chicago hat ihre Synagoge für die Sonntag- Vormittage an eine christliche Gemeinde, die „Christian Church Society“, vermiethet. Weiter kann man die Toleranz wohl nicht mehr treiben. Druck und Verlag von R u o o l s M vsse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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