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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-12-23 · Heft 51 (23.12.1898) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 51 (23.12.1898)
Date
1898-12-23
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 lehrten, besuchte, nahm eine Fülle von Anregung mit nach Hause. Man vergaß fast ob der Kraft des reichen Geistes die Schwäche des siechen Körpers. Mit ihm ist eine ideale, echte Gelehrtennatur heimgegangen, welche dem Judenthum mit Treue ergeben war. Seine kostbare Bibliothek vermachte er dem Münchener Verein für jüdische Geschichte und.Litteratur, an dessen herrlichem Aufblühen er stets den innigsten Antheil nahm. Herr Rabbiner Dr. Werner, der dem Verklärten nahe stand, feierte an seiner Bahre in glänzender Rede in ihm den Weisen, der mit vielseitigem Wissen gründliche Forschung, mit antiker Genügsamkeit moderne Lebensauffassung, mit einem begabten Kopfe ein ideales Herz vereinigte. Sein Andenken wird zum Segen sein. o. Fürth, 11. Dezember. Kommerzienrath Siegfried Ullmann, Gründer der weltbekannten Exportfirma Ullmann u. Engelmann, ist nach kurzem Leiden im 73. Jahre einem Cchlaganfall erlegen. Ihm verdankt insbesondere die Nürnberger Kleinindustrie in Kurz- und Spielwaaren zum guten Theil ihr Emporblühen aus ihrem erfolgreichen Kampf gegen die immer mehr sich ausbreitende Großindustrie. Durch seine mehr als 20jährige Thätigkeit als Vorstand des hiesigen Gewerbevereins und in der Verwaltung des baierischen Gewerbemuseums ward ihm Gelegenheit gegeben, fortwährend im Interesse der Kleinindustrie zu wirken. Bei den Ausstellungen in Wien 1673, Chicago 1893 und den beiden Nürnberger Ausstellungen 1882 und 1896 war es der Verstorbene, der unter großen pekuniären Opfern den Kleinindustriellen dazu verholfen hat, in würdiger Weise ihre Erzeugnisse vorzuführen. Die außergewöhnliche Theilnahme aus allen Schichten der Bevölkerung von hier und Umgebung legte Zeugniß von der außerordentlichen Beliebtheit des Verstorbenen ab. Diesen Gefühlen wurde auch von verschiedenen Rednern am Grabe Ausdruck verliehen. Oesterreich - Ungarn. m Wien, 19. Dezember. Nach langen Mühen und Aergernissen istalso der Allgemeine österreichisch-israelitische Bund — nach dem Muster Ihres Gemeindebundes — endlich zu Stande gekommen. Am 11. d. M. fand im Sitzungssaal der israelitischen Kultusgemeinde die erste konstituirende Sitzung statt. In den Ausschuß wurden gewählt : Bernhard Biller-Graz, Reichsrathsabgeordneter Dr. Emil Byk- Lemberg, I. PH. Glesinger-Teschen, Ignaz Hahn-Linz, Dr. Leon Horowitz-Krakau, kaiserlicher Rath Heinrich Kli'nger-Wien, Lanvesschulrath Dr. Gustav Kohn-Wien, Dr. Gustav Lederer-Jamnitz, kaiserlicher Rath Adolf Levit-Pilsen, Dr. Moriz Lichtenstern-Prag, Wilhelm Pappenheim-: Wien, Dr. Arnold Rosenbacher-Prag, Gemeinderath Dr. Alfred Stern- Wien, Dr. Maximilian Steiner-Wien, Reichsrathsabgeordneter Dr. Benno Straucher-Czernowitz, Reichsrathsabgeordneter kaiserlicher Rath David Tittinger-Czernorvitz, Dr. Josef Wechsberg-M.-Ostrau. Der Ausschuß konstituirte sich folgendermaßen: Präsident: Dr. Alfred Stern; I. Vizepräsident: Dr. Arnold Rosenbacher; II. Vizepräsident: Dr. Emil Byk; Kassirer: Dr. Gustav Kohn; Schriftführer: Dr. Maximilian Steiner. In den Vorstand wurden kooptirt: Die Herren Oberrabbiner Dr. Güdemann und David Ritter von Gutmann. Hoffentlich hören wir bald etwas von den Thaten dieses Bundes! — In der letzten Vorstandssitzung referirte Dr. Alfred Stern Namens des Komitees der Dr. Moriz Rappaport'schen Stiftung über die stistbriefgemäß alle drei Jahre vorzunehmende Preisausschreibung „für Schriften und Abhandlungen, welche die Juden betreffen, insbesondere historischen oder sozialpolitischen Inhalts". Für die diesmalige Ausschreibung empfahl das Komitee als Preisangabe: „Geschichte der jüdischen Apologetik". Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Vizepräsident Dr. Kohn, Dr. Steiner, Salo Cohn, Dr. Grünfeld und Dr. Spitzer betheiligten, wurden die Anträge des Komitees genehmigt, wonach als Preis für die beste Arbeit der Betrag von 2500 Kronen ö. W. bestimmt, als Präklusivtermin für die Einreichung der Preisschriften der 30. September 1900 festgesetzt wird. — In Turja-Polyana (Komitat Unv.) wurde der Großgrundbescher Rubin Friedman durch das Fenster meuchlings erschossen. Es liegt wahrscheinlich ein Racheakt vor. Der Mörder entfloh. 61. Bttdapest, 10. Dezember. Der Handwerker- und Ackerbau- Verein nahm in seiner letzten Sitzung 52 Zöglinge auf, so daß jetzt 342 Zöglinge unter dem Schutze des Vereins stehen. Es. wurde auch auf die Nothwendigkeit hingewiefen, daßjm Lehrlingsheim die Freiplätze bedeutend erhöht werden müssen, da die Zöglinge nur in Menen Fällen daselbst verköstigt und untergebracht werden. — Von der altehrwürdigen Chewra Kadi sch ah in Preß bürg wurde eine Bewegung eingekeiM die dahzn abzielt, eine Anstalt zur Ausbildung von jüdischen Wärtern upd Wärterinnen zu errichten. Die Schützlinge der Anstalt werden lebenslänglich versorgt, müssen aber die Pflege' armer Kranker umsonst, wohlhabender! Leute hingegen gegen ein geringes Entgelt besorgen. Die Kosten dieser neuen, dem Andenken der Heimgegangenen Königin geweihten Anstalt sollen im j Wege von Sammlungen herbeigeschafft werden. — Die stchalsChassidim bekennenden und im Nordosten des Landes ansässigen Ortho - J doxen sind seit dem Amtsantritt des Kanzleipräsidenten Rabbiners \ Leopold Lipschütz mit der Thätigkeit der orthodoxen Durchführungs-! kommission unzufrieden und bieten alles auf, um den früher innegehabten Einfluß auf die Erledigung orthodoxer Gemeindeangelegenheiten wieder zu erlangen. Rabbiner CH. I. L. Teitelbaum in M. Sziget, der Führer der unzufriedenen Elemente, berief nach Er-Mihalyfalvä eine Versammlung ein, um angeblich über die ins Stocken ge-! rathene Organisation der orthodoxen Judenschaft Berathungen zu pflegen, in Wirklichkeit aber gegen die Thätigkeit der orthodoxen Durchführungskommisston und ihres Präsidenten Stellung zu nehmen. Bon nahezu 500 orthodoxen Rabbinern erschienen blos fünfzig und ebenso viele Privatleute, die sich zur chasstdischen Richtung bekennen. Der Umstand, daß dem Alarmruf ihres Führers nur so wenige Anhänger! Folge leisteten, und die besonneren Kreise der Orthodoxie sich gänzlich fernhielten, trug viel dazu bei, daß die Versammlung sich nur auf \ einige Beschlüsse untergeordneter Bedeutung beschränkte und den urj sprünglichen Plan, sich als chassidisch-orthodoxe Körperschaft selbständig \ zu organistren, fallen ließ. Vorläufig geben sie sich mit der Wahl eines Vizepräsidenten, natürlich aus ihrem Lager, und der Sicherung ihres j Einflusses auf die Konstituirung des Landeskongresses zufrieden.! Von Nah und Fern. ----- Der Hofeellist Heinrich Grünfeld hat das Ritterkreuz des! Franz. Josefs-Ordens erhalten. — Rechtsanwalt Dr. H. Staub ist! zum Justizrath ernannt worden. — Dr. Emanuel Wreschner, der eine lange Reihe von Jahren hindurch als Stadtverordnetenvorsteher und | Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Rackwitz gewirkt hat, beging am j 21. d. in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß j hat eine Deputation der jüdischen Gemeinde eine Glückwunschadreffe in f Berlin, wo Herr Dr. Wreschner jetzt wohnt, überreicht. — Dem ersten i Kantor der Synagogengemeinde in Königsberg, Herrn Birnbaum, ist in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen in fast zwanzigjähriger Wirksamkeit innerhalb der Gemeinde und in Anbetracht seiner auch außerhalb derselben hochgeschätzten Verdienste um das kantorale Fach vom Vorstand und der Repräfentantenversammlung der Titel eines „Oberkantors der Synagogengemeinde Königsberg i. Pr." verliehen worden. — In Hamburg feierte das Ehepaar H. B. Cohn das seltene Fest der diamantenen Hochzeit in voller geistiger Frische unter allgemeiner Theilnahme. — In Rotenburg a. F. starb am 2. Dezember er. im 87. Lebensjahre der Rechtsanwalt und königliche Notar Moritz Berlein, dessen sterbliche Ueberreste zur Einäscherung nach Gotha überführt wurden. Der Leichenkondukt war ein überaus zahlreicher, und hatte sich auch der Turnverein, dessen ältestes Mitglied der Verstorbene war, mit der umflorten Fahne dem Zuge angeschlossen. — Dem Architekten Professor Ludwig Levy an der Großherzoglichen Baugewerksschule in Karlsruhe ist der Rothe Adler-Orden vierter Klaffe verliehen worden. — In Stockholm hat der kürzlich verstorbene Kaufmann B. Ursell von seinem 600 000 Kronen betragenden Vermögen je 100 000 der jüdischen | Gemeinde in Soest, dem jüdischen Krankenhaus daselbst oder in Paderborn | und den katholischen Krankenhäusern in diesen beiden Orten hinterlassen. f Der Rest seines Vermögens ist für andere wohlthätige Zwecke bestimmt. f Der Verstorbene war Offizier in der deutschen Armee, hat als solcher den Feldzug 1870/71 mitgemacht und das eiserne Kreuz erhalten. — Nicht weniger als drei Juden haben durch Erlaß des französischen Ministeriums des Inneren die Lebensrettungsmedaille bekommen, nämlich: Israel L.azar in Melun, Jacques Meyer in Paris und Paul Lambert in Laval. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlitz,

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