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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-12-09 · Heft 49 (9.12.1898) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 49 (9.12.1898)
Date
1898-12-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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'--V' - r 1 - .-'v^ <»- 4 Kaiserlicher Rath erhielten: Polizeioberkommissar Stukart, Alfred Deutsch in Reichenberg, Inspektor H. Epler in Brünn, Moritz Hahn in Prag, Emil Kuznicky in Oswienczim, Redakteur I. Lichten - stedt und Sekretär der Kultusgemeinde iü Wien Dr. Th. Lieben, Dr. A. Löbl in Dornawatra, Stadtphysikus in Görz Dr. Aron Luzzatto, I. Perlberger in Krakau, Dr. L. Rosenzweig in Lemberg, Jacob Stroh in Lemberg, David Tittinger in Czernowitz. Dekorirt wurde ferner Frau Baronin Hirsch mit dem Elisa bethorden I. Klasse. Derselbe Orden II. Klasse wurde verliehen an Pauline v. Dormitzer in Prag und Julie Fa nta in Smichow. Das Komthurkreuz des Franz Joseph-Ordens erhielten der Vorsteher der Brünner Kultusgemeinde, Julius Ritter von Gomperz, und Leopold von Lieben. Das Ritterkreuz des Franz Joseph- Ordens wurde verliehen dem Vizekonsul Alfred Rappaport, dem Sekretär des Gewerbevereins Dr. Emil Anspitzer, dem Prokuristen Albert Brüll in Wien, dem Obmann der israelitischen Kultusgemeinde in Neu-Bydzow, Herrn Jonas Bergmann, Herrn Max Epstein in Lemberg, dem Advokaten Dr. Fruchtmann inStryj, Herrn Dr. B. Gold - mann in Lemberg, dem Badearzt Dr. Ignatz Hirsch in Teplitz, dem Vorsteher der Kultusgemeinde in Krakau, Dr. Leon H orowitz, Herrn Dr. Gustav Kohn in Wien, dem Advokaten Dr. M. Lichtenstern in Prag, Herrn Dr. W. Lichtenstern in Wien, Herrn Dr. S. Markusfeld in Bielitz, dem Fabrikanten E. Mauthner in Nachod, Herrn Berthold Freiherr v. Popper in Waldzicz, dem Vorsteher der Kultusgemeinde in Prag, Dr. Arnold Nosenbacher, Herrn E. Spiro in Krumau, dem kaiserlichen Rath E. Wilhelm in Wien, dem Landesrabbiner Dr. Baruch Placzek in Brünn. Mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse wurden ausgezeichnet: Universttätsprofefsor Dr. A. Handl in Czernowitz, der Präsident der Handelskammer in Krakau, Albert Mendelsburg, Josef v. Portheim in Prag, Dr. O. Pribram in Prag, L. Rosenthal in Wien, der Präsident der Börsenkammer in Prag, Siegm. Schlesinger, Adolf Weis Hut, Emanuel Ziffer in Wien, Bankdirektor Adolf Klein, Oberbaurath Taußig, der Direktor der Eskomptegesellschaft, Leopold Rechnitzer. Außerdem erhielten das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone: Rabbiner Dr. Mühsam in Graz und Ingenieur Arthur Ehrenfest. Wahrscheinlich sind noch Viele übergangen. Jndeß, es kommt ja nicht darauf an — die Hauptsache ist, daß die Juden nach dem Prozentsatz der Bevölkerungsziffer gleichbetheiligt wurden, und daß vielfach Juden als solche, d. h. als Rabbiner, Gemeindevorsteher u. s. w., ausgezeichnet worden sind. — Am 2. dieses Monats ist hier im Alter von 50 Jahren einer unserer vortrefflichsten Männer plötzlich gestorben: Herr I. Lew in, der Bruder des bekannten Predigers der Berliner Reformgemeinde. Der Verstorbene war ein Mann, der für Humanität und Wohlthätigkeit lebte und hier in den besten Kreisen hochangesehen war. Noch in den letzten Monaten hat er mit großen Anstrengungen einen Verein „Kinderhort" begründet, dessen Wirksamkeit er leider nicht mehr erleben sollte. Ehre seinem Andenken! — Ferner ist hier nach langem Leiden im 72. Lebensjahr Frau Therese Siebenschein, eine durch die edelsten Eigenschaften und durch wahre Frömmigkeit ausgezeichnete Frau, verstorben. 6. Budapest, 24. November. Die Wahl der Repräsentanz der Pester Kultusgemeinde nahm Heuer einen lebhafteren Verlauf, da auch eine neue Partei, die erst in der zwölften Stunde ein Lebenszeichen von sich gab, eine Wahlliste cirkuliren ließ. Für das der Wahlliste beigedruckte, übrigens bedeutungslose Programm konnten sich nur sehr wenig Gemeindemitgliederbegeistern, und so wurden 108Repräsentanten, die von der offiziellen Partei kandidirt wurden, mit großer Stimmenmehrheit gewählt. Die neugewählte Repräsentanz trat Sonntag zur konstituirenden Generalversammlung zusammen, um die Wahlen des Vorstandes und des Ausschusses der Gemeinde vorzunehmen. Es wurden einhellig wiedergewählt: zum Präsidenten Sigmund Kohner, zum Vorstand der Kultursektion S. Deutsch, der Unterrichtssektion Martin Schweiger, der Wohlthätigkeitssektion L. Adler, der Finanzsektion L. Baumgarten, der wirtschaftlichen Sektion M. Grünbaum. Nach der Begrüßungsansprache P. Tencers wies der wiedergewählte Präsident Kohner auf die mannigfachen Aufgaben der Kultusgemeinde hin, mit denen sich die Repräsentanz in der nächsten Zeit befassen muß. „Es wird der Bau des neuen Tempels begonnen werden," sagte der Präsident, „der eine dringende Nothwendigkeit ist und eine große Lücke ausfüllen wird. Anläßlich der hohen Feiertage haben 17 000 Personen in 80 Aushilfsbethäusern, und zwar nicht immer an würdigen Orten, ihre Andacht verrichtet. Im Gegensatz zu diesem nicht eben erfreulichen Bilde liegt ein erhebendes, moralisches und ethisches Moment in dem erfreulichen Umstande, daß unsere Konfession in der Nähe der Paläste der ungarischen Legislative und des obersten Gerichtshofes ihren Altar errichten kann. Dieses weittragende Ereigniß wird aber unsere Thätigkeit sonst nicht berühren; die Entwickelung unserer anderen Institutionen darf darunter nicht leiden; die Zukunft unserer wackeren Beamten und Lehrer muß auf sichere Grundlagen gestellt werden." Von Nah und Fern. ----- Das „Volk", das Organ des Herrn Hofpredigers a. D. Stöcker, wird zum 1. Januar sein Erscheinen hier einstellen. Damit ist wohl auch die „Berliner Bewegung" endgiltig abgethan. — Herr Mich. Baendel hat am 1. d. Mts. sein 25jähriges Amtsjubiläum als Nuntius der Synagogengemeinde „Ahavas Reim" gefeiert. — Die antisemitische „Deutsche Volksmacht" hat die Nachricht gebracht, daß der vom Reichsgericht in Leipzig wegen Spionage verurtheilte Gärtner Isidor Coq Jude sei, und hieran die höhnische Bemerkung geknüpft, daß wir Deutschen nun auch unseren Dreyfus-Skandal hätten. Wie von gut unterrichteter Seite bestätigt wird, gehört Coq der israelitischen Konfession nicht an. — In Köln a. Rh. ist bei den Stadtverordnetenwahlen Rechtsanwalt und Bankier Dr. Eltzbacher als Ersatz für den kürzlich verstorbenen Stadtverordneten Liebmann mit erdrückender Stimmenmehrheit hervorgegangen. Dies Wahlresultat ist umsomehr bemerkenswert, als sich nach dem Tode Liebmauns eine Diskussion über die Frage erhoben hatte, ob wieder ein Angehöriger derselben Konfession in die Stadtverordnetenversammlung gewählt werden solle. — Dem ordentlichen Professor der Mathematik Dr. Moritz Pasch in Gießen ist vom Großherzog von Hessen der Charakter als Geheimer Hofrath ertheilt worden. — In Marburg ist der Lehrer E.Alexandern 'Sur Annahme eines Unterrichtsfaches an der dort begründeten städtischen Fortbildungsschule veranlaßt worden und hat daselbst Anstellung bekommen. — Der Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde zu Eich, Juda Guttmann, hat vom Großherzog anläßlich dessen Geburtstages das allgemeine Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste erhalten. — Noch ein jüdischer Senator ist in Italien ernannt worden, Ugo Pisa, Präsident der Handelskammer in Mailand. Es giebt also jetzt 7 jüdische Senatoren: Malvans, Ascoli, Fano, Masserani, Astom, Levi und Pisa. In Padua ist im 62. Lebensjahre der bekannte Rechtsanwalt Dr. Jesaja Luzzatto, ein Sohn von S. D. Luzzatto, gestorben. Derselbe war der Herausgeber der nachgelassenen Werke seines großen Vaters. — In Florenz wird ein jüdisches Waisenhaus, für das die Wittwe Regina Atthias ein Legat von 300 000 Lire hinterlassen hat, begründet. — Das Kuratorium des ehemaligen Rabbinerseminars in Rom hat nunmehr beschlossen, das Institut nach Florenz zu verlegen und unter Leitung des Rabbiner Dr. Margulies zu stellen. — Im russischen Ministerium der Bolksaufklärung ist ein Projekt für die Verschmelzung der hebräischen Kronsschulen mit den Stadtschulen aus folgender Grundlage ausgearbeitet worden. Bei jeder Stadtschule werden Parallelvorbereitungsklaffen für Schüler hebräischer Herkunft und mit hebräischem Lehrer eröffnet; die Stammklaffen find gemischte; das ganze Eigenthum der hebräischen Schulen wird an die städtischen übergeben. — Für die Hebrew Educational Alliance in Nerv-Jork sind bereits 100 000 Dollars für die Ausdehnung dieses Instituts aufgebracht worden, und man giebt sich der Hoffnung hin, daß dem Institut in seinen verschiedenen Zweigen 1000 000 Dollars votirt werden können. Zu den 200 000 Dollars haben beigesteuert: Louis Stern 25 000 Dollars; Jacob H. Schiff 25 000 Dollars; B. Altman 20 000 Dollars; William Salomon 10 000 Dollars; Isidor Strauß 10 000 Dollars; Felix Marburg 5000 Dollars; Louis Marschall 5000 Dollars. — Den Berichten über den Empfang des deutschen Kaisers in Jerusalem ist noch ein interessantes Detail nachzutragen. Die beiden Oberrabbiner wurden mit den anderen Kirchenfürsten im deutschen Konsulat von den Majestäten empfangen und bei dieser Gelegenheit durch einen liebenswürdigen Händedruck und freundliche Anrede ausgezeichnet. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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