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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-18 · Heft 46 (18.11.1898) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 46 (18.11.1898)
Date
1898-11-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 zu nennen, und hofft man, daß dann die Ausfertigung von Besitztiteln ohne Schwierigkeiten von Statten gehen wird. Bei dieser Diskussion, theilte Herr EAN. Adler mit, daß er persönlich die Schwierigkeiten, iü Palästina als Jude hineinzukommen, soeben erfahren habe, da cr gerade von einer Reise dorthin zurückgekommen sei. Eine angesehene jüdische Persönlichkeit habe in Konstantinopel die türkischen Behörden aufgesucht und sei mit der äußersten Liebenswürdigkeit empfangen worden. Trotz dieses freundlichen Empfanges fei noch an demselben Tage ein Telegramm an die türkischen Behörden in Jaffa, Haifa und Jerusalem gesandt worden, und sei denselben aufs Dringlichste die Bestimmung eingeschärft worden, wonach Juden möglichst von Palästina fern zu halten seien. Gleichzeitig sind die Konsuln der Türkei in Europa und Amerika angewiesen worden, die Pässe von Juden nach Palästina nicht mehr zu visiren. Herr Adler steht als einzigen Grund für diese Maßregeln nur die Abneigung der Türken gegen den politischen Zionismus an. Auch von Nissim Behar in Jerusalem liegen Mittheilungen im gleichen Sinne vor. Auch aus Persien liegen keine erfreulichen Nachrichten vor; aus allen Briefen geht hervor, daß die judenfeindlichen Maßnahmen in Jspahan noch andauern, obwohl der englische Gesandte energisch remonstrirt hat. Direktor Cazes von der Allianceschule ist des Lobes voll über die freundliche und hilfsbereite Aufnahme, die er bei dem englischen Gesandten gefunden hat. Für die Schule in Basra werden als Beitrag zur Deckung des Defizits 400 Mark, für die in Tanger 480 Mark und ein gleicher Betrag für die Schule in Jassy bewilligt. Amerika» c. H. New-Aork, Anfang November. Die hiesige Anstalt für verlassene und verwahrloste Kinder, Hebrew Sheltning Guardian Society hielt ihre Jahresversammlung am 16. Oktober. Sie beherbergte während des abgelaufenen Jahres 885 Kinder. Ihr Kostenaufwand betrug 91 ( 00 Dollars, wovon der weitaus größte Theil aus der Stadtkaffe^ floß. Das Waisenhaus Hebrew Orphan Asylum mußte während zweier Monate gesperrt bleiben, weil daselbst eine epidemische Ruhr ausgebrochen war, welcher sieben Kinder zum Opfer fielen. Eine genaue Untersuchung ergab eine Verunreinigung des Leitungswaffers als Ursache. Die Anstalt ist wieder eröffnet worden. — Dr. Ludwig Großmann ist zum Rabbiner der Gemeinde Bne Jeschurun in Cincinnati berufen worden. Er wird Herrn Dr. Jsaac M. Wise zur Seite stehen und eventuell seine Nachfolge übernehmen, wenn Dr. Wise in den Ruhestand tritt. Großmann ist aus Ungarn gebürtig, kam mit seinem Vater, der an verschiedenen Gemeinden Rabbiner war, als Kind nach Amerika, studirte am Hebrew Union College und ist seit 1884 Rabbiner in Detroit, Michigan. Ludwig Großmann hat sich durch eine amtliche und litterarische Thätigkeit einen geachteten Namen gemacht. Anläßlich seines Scheidens von Detroit hat ihm zu Ehren ein Bürgerkomitee mit dem Mayor an der Spitze ein Festbanket veranstaltet. Auch an dem hiesigen Tempel Emanuel, der größten und reichsten Gemeinde Amerikas, dürfte demnächst eine neue Predigerstelle zur Besetzung gelangen. — Die Nachricht, daß Edward Bellamy, der Verfasser von Looking backward, ein Jude war, entbehrt jeder Begründung. Ebenso falsch ist es, daß Lady Curzon, die Gattin des neuernannten Vize- Königs für Indien, jüdischer Abstammung sei. Dieselbe ist die Tochter Levi Z. Leiters, des Vaters jenes verkrachten Weizenspekulanten in Chicago, welchen die antisemitischen Blätter zum Juden gemacht haben. Ebenso falsch ist die Nachricht, von der ich nicht weiß, ob sie auch in Ihrem Blatte Ausnahme gefunden hat, daß Admiral Deweys Mutter eine Jüdin gewesen sei. Seien Sie mißtrauisch gegenüber allen derartigen Meldungen, und halten Sie sich überzeugt, daß ich Sie von allem Wissenswerthen im jüdischen Lager Amerikas prompt unterrichten werde. Dazu wird nächste Woche bei dem Resultat der Wahlen in verschiedenen Staaten Gelegenheit sein. — Wie es im spanischen Amerika trotz der garantirten Freiheit der Kulte und trotz republikanischer Verfassung aussieht, davon liefert „El Tiempo", ein in Mexiko erscheinendes und verbreitetes Blatt, einen Beweis. In dem genannten Blatte wird mit Beziehung auf den Versöhnungstag bemerkt: Am letzten Montag feierte eine Anzahl hiesiger Einwohner ein Fest, wobei fie fasteten und Gott weiß was für sonstige Gebräuche übten. Mit Recht bemerkt der in Mexiko erscheinende „Herald": Offenbar soll damit ein satanischer Kult angedeutet werden. Gleichzeitig kommt die Nachricht aus Peru, daß daselbst protestantische Missionäre wegen Bectheilens von Traktaten verhaftet wurden. So wird wohl auch Argentinien sich schwerlich als eine angenehme Heimath für die Juden erweisen. Non Nah und Fern. ----- Die königliche Akademie der Wissenschaften hat den Ingenieur en chef des Mines Auguste Michel Levy, Mitglied des Instituts in Paris, zum korrespondirenden Mitglied in ihrer physikalisch-mathematischen Klasse gewählt. — Die Meldungen der „Frankfurter Zeitung" über die Ausweisungen aus Königsberg entsprechen, wie aus gut unterrichteter Quelle berichtet wird, nicht den Thatsachen. — In Breslau wird am 1. Dezember von der Gemeinde eine jüdische Lesehalle eröffnet. — In der Frage der Breslauer Ausweisungen veröffentlicht die„Schles. Bolkszeitung" nachstehende Zuschrift des Polizeipräsidenten von Breslau: „Massen-Ausweisungen von österreichischen Staatsangehörigen bezw. polnischen Juden sind weder neuerdings noch früher hier vorgekommen. Im Uebrigen ist bei der Ausweisung von Ausländern im Einzelfalle lediglich nach Maßgabe der gesetzlichen und administrativen, seit Jahren unverändert gebliebenen Vorschriften verfahren worden." — In Landsberg a. W. ist am 10. d. M. Sanitätsrath Dr. Grünfeld an den Folgen eines Schlaganfalls nach fast vier Jahrzehnte langer segensreicher Thätigkeit gestorben. Derselbe gehörte dem Vorstand des dortigen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur an. — Vom herzoglichen Amtsgericht in Zerbst wurde der Tischlermeister Bücher wegen Beleidigung des Kaufmanns Max Wolff, den er einen „Judenjungen" rc. genannt hatte, verurtheilt, 30 Mark an den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" zu zahlen, sämmtliche Kosten zu tragen und eine Ehrenerklärung für den Beleidigten abzugeben. — Gegen sämmtliche Mitglieder des „Radfahrer-Vereins von 1887" zu Elmshorn hatte der Kaufmann John Rosenberg einen Prozeß angestrengt, weil er ohne irgend einen triftigen Grund aus dem Verein ausgeschlossen worden war. Das Amtsgericht zu Elmshorn hat die verklagten 49 Radfahrervereinsmitglieder zur Zurücknahme des Ausschließungsbeschlusses sowie zur Zahlung sämmtlicher Kosten verurtheilt. — Rabb. Dr. B. Levi in Gießen feierte jüngst sein 70jähriges Doktorjubiläum. Bei diesem Anlaß überreichte ihm der Dekan der philosophischen Fakultät, Professor Behrens, eine herzlich abgefaßte Glückwunschadresse. — Dr. H. Bärwald, Direktor des Philanthrop ins in Frankfurt a. M., vollendete am 8. d. das siebzigste Lebensjahr. Ehemalige Schüler der Anstalt brachten ihm aus diesem Anlaß ein Ehrengeschenk dar. — Polnische Blätter melden aus Lodz, daß daselbst Anfangs der> vorigen Woche die Gendarmerie-Kommandanten aus Warschau und Peterhoj angekommen sind und mit Hilfe der Ortspolizei im Gebiete und in der Umgebung der Stadt zweiundsiebzig Israeliten, welche zionistischen Vereinen angehören, verhaftet haben. Gleichzeitig wurde eine geheime jüdische Druckerei entdeckt und Schriftstücke konfiszirt, aus denen angeblich geschloffen werden kann, daß die Zionisten mit den Sozialisten verbunden seien. Unter den Verhafteten befinden sich auch sieben jüdische Frauen. Es sind dies durchweg Lehrerinnen, mit Ausnahme des Fräulein Sachs, der Tochter eines Fabrikbesitzers. — Die Nachricht, daß die War schau ei Tageszeitung „Hazefirah" gleichfalls in der Türkei verboten worden sei, bestätigt sich erfreulicherweise nicht. — M. Durant, Bizepräsideu des Seine-Tribunals, ist zum Rath am Appellationsgericht in Pari' ernannt worden. — Der Artillerie-Lieutenant S. Bernard, der au einem Auge infolge einer Explosion blind geworden ist, hat den Militär dienst quittirt und ist Lehrer am Rabbinerseminar in Amsterdam worden. — Rath A. A. de Pinto, Mitglied des höchsten Nathe (oberster Gerichtshof in Holland), feierte feinen 70. Geburtstag un empfing bei dieser Gelegenheit von allen Seiten, auch von seinen Kollege: Zeichen der höchsten Werthschätzung. — Kapitän Matthew Nathan, Vorstandsmitglied der „Anglo Jewish Association“ in London, der aun! in mehreren Komitees fleißig arbeitet, ist zum Major befördert wvrde- Ein Bruder von ihm bekleidet bereits diesen Rang. — In Kalkutta ist Elias S. Gubbay, einer der angesehensten Männer der Stadt uns der jüdischen Gemeinde, am 18. v. M. im 72. Lebensjahre gestorben. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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