Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-11 · Heft 45 (11.11.1898) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 45 (11.11.1898)
Date
1898-11-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228257-3228303--55037-3291225
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

4 von Frankfurter, Besitzer des Ordens der eisernen.Krone und des Franz Josefs-Ordens, eine in Finanzkreisen hochgeachtete Persönlichkeit, gestorben. — Eine folgenschwere Beschwerde haben einige Krakauer Juden an das österreichische Finanzministerium gerichtet , und die Handels- und Gewerbekammer von Krakau hat sich zu ihrem Organ gemacht: Sie behaupten nämlich, daß bei der Steuerveranlagung die ganze Steuerlast auf jüdische Kaufleute gewälzt und das Gesetz nicht genau beobachtet werde! — Dr. I. Bach, ein Schüler des hiesigen Rabbinerseminars, ist zum Gemeinderabbiner für die Synagoge in Ottakring ernannt worden. — Im Reichsrathe verwiesen die Abgeordneten Noske, Kareis, Dr. Kopp, Dr. Kronawetter und Wrabetz in einer Anfrage an den Unterrichtsminister auf ihre Interpellation in Angelegenheit des Erlasses des Bezirksschulrathes wegen Trennung der Kinder nach Konfessionen und fragten, ob der Minister gewillt sei, diesen gesetzwidrigen Erlaß ehestens aufzuheben. Italien. 8. Turin, 5. November. Am 24. v. Mts. ist hier der rühmlichst bekannte Dichter und Patriot David Levi im Alter von 77 Jahren gestorben. Ueber seine Bedeutung als Dichter und Denker hat Herr Rabbiner Dr. Margulius-Florenz schon im Jahrgang 1894 (S. 305ff.) Ihres geschätzten Blattes ausführlich gehandelt. Dort ist auch eine schöne Ueberfetzung seines Gedichtes: „La biblia“ enthalten. David Levi wurde zu Chieri geboren. Er hat sein Leben in einer Selbstbiographie beschrieben, die zugleich eine Verherrlichung des Fudenthums ist. Sein Hauptwerk ist die Dichtung: „II profeta e la passione di un popolo“, welche in Italien großes Ansehen genießt, und von der ein bedeutender katholischer Litterarhistoriker, Anielli, gesagt hat, „daß sie die italienische Litteratur zu einer Höhe emporgehoben hat, auf der sie seit Dante nicht gestanden hat". Auch gegen den Antisemitismus hat der greise Dichter ein Buch: „II Semitismo“ geschrieben, das eine feurige Apotheose des Judenthums bildet. David Levi war aber auch ein großer italienischer Patriot, einer der muthigsten Kämpfer für die Einheit und Freiheit Italiens, ein Freund Ratazzis und Cavours, der lange Jahre im Parlament saß und in Italien eine große Rolle spielte. Levis Biographie hat 1889 Giulio Bindice ausführlich beschrieben. Seine letzten Lebensjahre waren leider durch Krankheit und Armuth getrübt, aber die Erscheinung des greisen Dichters, der für sein Judenthum begeistert eintrat, war gerade in Italien eine überaus bedeutsame. Sein Name wird nicht nur in der italienischen Litteratur, sondern auch in der Geschichte des Judenthums unvergänglich fortleben. Asten. 2) Jerusalem, im November. Der Telegraph hat bereits kurz über die Kaiserreise berichtet. Es bleibt nur noch wenig nachzutragen. Schon vor der Anwesenheit des Kaisers halten sich die Oberrabbiner Eljaschar und Salant an den deutschen Konsul mit der Mittheilung gewendet, daß die jüdische Gemeinde einen Triumphbogen errichten und unter diesem die kaiserlichen Majestäten begrüßen wolle. Der Konsul schrieb deshalb nach Berlin und erhielt kurz darauf den Bescheid, daß der Kaiser „sehr erfreut" die Huldigung der Jerusalemer Gemeinde annehme. Am Tage des Einzugs empfingen der Chacham Baschi Eljaschar und der Oberrabbiner Salant sowie ein Empfangskomitee und viele angesehene Mitglieder der Gemeinde die kaiserlichen Majestäten unter dem Triumphbogen mit der bei solchen Gelegenheiten vorgeschriebenen Benediktion. Dann trat der Chacham Baschi vor und begrüßte den Kaiser mit folgenden Worten: „Die Juden Jerusalems heißen in tiefster Ehrerbietung Ew. Majestät und Ihre Majestät, die Kaiserin, willkommen in dieser alten und ehrwürdigen Stadt, geheiligt durch die Geschichte Israels." Der Oberrabbiner Salant überreichte dem Kaiser die Adresse, welche in deutscher und hebräischer Sprache von Rabbi I. M. Salomon und Ephraim Cohn in poetischer Prosa abgefaßt worden war, und fügte hinzu: „Mögen Ew. Majestäten diese Adresse und den Willkommensgruß der Juden der heiligen Stadt gütig entgegennehmen." Der Direktor der von Lämmel'schen Schule, Cohn, übersetzte hierauf die hebräischen Segenssprüche, und der deutsche Konsul gab eine Uebertragung der Ansprachen der Rabbiner. Der Kaiser erwiederte auf diese Ansprachen, daß er sich freue über diesen herzlichen Empfang an derselben Stätte, die auch sein tiefbetrauerter Vater besuchet habe. Er spreche dafür seinen wärmsten Dank aus und sende der jüdischen Gemeinde zu Jerusalem seine freundlichsten Grüße. Direktor Ephraim Cohn übersetzte zum Schluß die huldvollen kaiserlichen Dankworte für die Rabbiner und die anderen Mitglieder des Empfangskomitees ins Hebräische. Der ganze Empfang dauerte sieben Minuten, während welcher die Schulkinder die preußische Nationalhymne in hebräischer Ueberfetzung sangen. Von Nah und «jfont. ----- Professor Max Liebermann-Berlin ist von der königllchen Akademie der bildenden Künste in München zum Ehrenmitglied ernannt worden. — Die jüdischen Rekruten des Gardekorps wurden Sonntag früh in der Neuen Synagoge durch Herrn Rabbiner Dr. Rosenzweig vereidigt. — Nach kurzem Leiden ist hier der Sanitätsrath Dr. Hermann Fröhlich im 62. Lebensjahre gestorben. — Bor Kurzem brachte eine Lokalkorrespondenz die Nachricht von einem Duell eines hiesigen Gardeoffiziers mit einem Rechtsanwalt. Die vom Generalkommando veranlaßten eingehenden Erhebungen haben der „Kreuzztg." zufolge ergeben, daß die Nachricht auf Erfindung beruht. Jedenfalls ist also der Gegner des Anwalts kein aktiver Gardeoffizier gewesen.— In Breslau ist Sanitätsrath Dr. H. Gold schm idt, ein in den weitesten Kreisen unserer Stadt als Arzt und Mensch gleich hochgeschätzter Mann, gestorben. — Wie der Jahresbericht des Breslauer Genesungsheims meldet, hat Bankier Pototzky-Nelken dieser gemeinnützigen Anstalt 3000 Mark überwiesen. — Die Nachricht von der Ernennung des Privatdozenten Dr. L. W. Stern in Breslau zum außerordentlichen Professor an der dortigen Universität entbehrt der Begründung. — In Ziegenhals bei Neiße feierte dieser Tage, wie schon kurz gemeldet, der Stadtälteste, Rathsherr und Kaufmann Joseph Fränkel fein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum unter allgemeiner Theilnahme. In der Stadtverordneten - Versammlung feierte Bürgermeister Kern die Verdienste des Mannes, der 41 Jahre lang im Dienste der Kommune Ziegenhals gestanden hat, und bei einem glänzenden Kommers feierte ihn Graf Zieten-Arnoldsdorf als „Freund der Landwirthschaft und des Militärs". - Wie die „Fr.Pr." berichtet, ist Baron Willy Rothschild der Chef des Frankfurter Hauses, welcher im Alter von 70 Jahren steht, nicht unbedenklich erkrankt. Hoffentlich befindet sich derselbe inzwischen wieder auf dem Wege der Besserung. — In Lichten st adt (Böhmen) wurde Dr. Wilhelm Klauber zum Rabbiner gewählt. — Frau Baronin Hirsch hat in London ein Rekonvaleseentenheim für jüdische Kranke gegründet. Das jetzige ist in Anbetracht der bedeutenden Zunahme der jüdischen Bevölkerung ganz unzureichend geworden. Der Ankauf des Gebäudes hat 16 000 Lstrl. gekostet. Für den Betrieb des Heims hat die Frau Baronin 40 000 Lstrl. ausgesetzt. — In London wird eine jüdische Gewerbeschule für verwahrloste Knaben eingerichtet. — Der am 9. September 1899 in London verstorbene Maurice Beddington hinterließ für wohlthätige jüdische Zwecke die Summe von 143 000 Mark, wovon das Hospital und Waisenhaus in Lower Norwood 60 000 Mark, eine Beddington-Stiftung für Arme jüdischen Glaubens 40000 M., der Jewish Board of Guardians 10000 M. und sieben andere Anstalten zusammen 35 000 Mark erhielten. — Bei dem großen Orkan, der in Saloniki wüthete und einen enormen Schaden anrichtete, hat besonders das Judenquartier stark gelitten. — Ir Petersburg wurde ein Gesetz veröffentlicht, betreffend Gründung eine' jüdischen Ackerbaukolonie aus dem Gute des Barons Horace Günzburg Dshemen Abad in Bessarabien. Das 500 Desjätinen große . Gut wirr zur Ansiedelung ackerbautreibender Hebräer parzellirt, wobei die An siedler während der ersten vier Jahre keine Abgabe zu zahlen brauchen. — Jn Guatanamo starb am gelben Fieber Kapitän DanielL.M.Peixo tto der sich während des Krieges rühmlich ausgezeichnet hatte. Peixottt stammte aus einer alten und angesehenen spanischen Familie und war erst 44 Jahre alt. — Unter den Kandidaten für das Repräsentantenhaus der Bereinigten Staaten befindet sich hier auch ein Jude Jefferso:- M. Levy, ein Neffe des bekannten Kommodore Uriah. P. Levy. Seim Chancen sollen sehr gut stehen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.