Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1898)
- Date
- 1898-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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62. Jahrgang. Ar. 45. Berlin. 11. November 1898. eitung öes Audenchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. Redakteur: Gustav Karpeles. Begründet von Nabbtrrer Ludwig Phttippsorr-Bonn Veriags-Grpe-itron: Berlin, Jerufalemerstr. 48/49. I Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosfe, Berlin. Leitartikel r Die Schulverhältnisse der jüdischen Schüler und Schülerinnen. — Die Woche. — Unsere „Orthodoxie". I. — Die zweite israelitische Landesshnode. — Unsere Bibel in Wissenschaft und Unterricht. (Schluß.) Von Dr. B. Iacob. — Zacharias Frankel in Berlin. X. Von Dr. S. Bernfeld. — Ferrilletonr Die Rose von Saron. XX. — Das Geheimnitz. V. Historische Erzählung von A. Stern. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Königsberg i. Pr., Neustadt, O.-S., Hamburg, Frankfurt a. M., Cassel, Nürnberg, Wien, Turin, Jerusalem. — Bon Nah nnd Kern. — Sprechsaal. Me Schuiverhäitnisse der jüdischen Schüler «nd Schülerinnen. Berlin, 8. November. einigen Monaten ging eine Notiz ans der „Statistischen äLJ Korrespondenz" durch die Zeitungen, die unter anderem ^*-*9 darauf hinwies, daß in den letzten fünf Jahren die Zahl der jüdischen Kinder in der Volksschule eine sehr erhebliche Verminderung erlitten habe. Von ca. 34 000 im Jahr 1891 war dieselbe auf ca. 29000 im Jahr 1896 heruntergegangen. Die meisten Zeitungen waren geneigt, diese merkwürdige Erscheinung dahin zu erklären, daß sie annahmen, die Juden schickten ihre Kinder mehr als bisher in die höheren Schu'.n, Gymnasien rc. Die antisemitischen Zeitungen nahmen schnell die Gelegenheit wahr, über das Vordringen der Juden in die gelehrten Berufe zu eifern und die Gefahren, die aus der wachsenden Bildung der Juden dem deutschen Volkskörper drohen sollten, zu denunziren. Wir müssen gestehen, wir hätten es gar nicht bedauert, wenn die Aufregung der antisemitischen Zeitungen diesmal einen thatsächlichen Grund gehabt hätte, aber leider war dem nicht so, denn kurz darauf publizirte die Unterrichtsverwaltung Ziffern über den Besuch der Gymnasien, aus denen hervorging, daß der Antheil der Juden prozentuell sogar zieinlich stark gefallen ist. Während derselbe noch 1891 rund 9,3 pCt. betrug, ist er im Jahre 1896 auf 7,9 pCt. gesunken. Wir sehen also, daß auch hier von einer wesentlichen Vermehrung keine Rede sein kann. Nun ist vor Kurzem das Heft 151 der Preußischen Statistik erschienen, das sich mit dem gesammten niederen Schulwesen des preußischen Staates befaßt, und wir entnehmen demselben die folgenden Ziffern, die es ermöglichen, uns ein ziemlich klares Bild von den thatsächlichen Verhältniffen der jüdischen Schulkinder zu machen. Es ist dies aber auch nöthig, wenn wir der oben erwähnten seltsamen Erscheinung auf den Grund kommen wollen. Es waren jüdische Schüler resp. Schülerinnen in 1886 1891 1596 jüdischen Volksschulen . . . . . .18 249 9 502 8123 evangelischen „ . . . . . 11451 10853 9 231 katholischen „ ... . . . 4 994 4 327 . 3 857 paritätischen Volksschulen .... 5 726 5 704 5 804 öffentlichen Mittelschulen 1 9 221 2 994 3 084 höheren Mädchenschulen / 6 284 6124 Privatschulen mit dem Ziele der Volksschule. 516 3 491 2 597 Private Mittelschulen .... 1 Private höhere Mädchenschulen l . und Mädchen-Mittelschulen J 2191 1 538 7 629 5 832 6 083 Seminar-Uebungsschulen ..... 248 236 191 Blinden-Anstalten. 11 7 7 Taubstummen-Anstalten. 70 86 93 Unterrichtsanstalten für Schwachsinnige, Epileptische und Idioten . . . 31 28 33 Schulen in Rettungs-und Waisenhäusern 133 88 104 Jnsgesammt in allen Unterrichtsanstalten des niederen Unterrichtswesens 53 279 51 613 46 869 In höheren Lehranstalten (Gymnasien, Progymnasien, Realgymnasien, Realprogymnasten,Oberrealschulen, Realschulen). 14 665 14 644 11 456*) Eine Prüfung dieser Tabelle führt zu folgenden Resultaten: 1. Die Zahl der Schüler in den jüdischen Volksschulen nimmt rapid ab. Die Zahl der Schulen selbst ist stark zurückgegange», von 318 in 1886 auf 244 in 1891, während 1896 eine kleine Zunahme von 2 Schulen aufweist. Aber die Zahl der Schüler in jeder einzelnen Schule ist noch weiter zurückgegangen, von 42 pro Schule 1886, 39 pro Schule 1891 auf 33 pro Schule 1896, und dies hängt wesentlich mit dem Fortzug der Juden aus den kleinen Städten zusammen. 2. Der Rückgang der jüdischen Schüler in den evangelischen und katholischen Volksschulen ist ebenfalls bedeutend, dagegen ist die Ziffer in den paritätischen Schulen gleich geblieben, weil sich diese meist in den großen Städten befinden, wohin die Juden vom Lande ziehen. 3. Die Zaht der jüdischen Schülerinnen in den höheren Mädchenschulen, öffentlichen und privaten zusammen, hat eine ganz geringfügige Vermehrung aufzuweisen, von 12116 auf 12 207 Kinder. 4. Die Zahl der jüdischen Knaben in den höheren Lehranstalten jst konstant geblieben. 5. Die Gesammtzahl aller jüdischen schulpflichtigen Kinder ist bedeutend zurückgegangen. Waren es 1886 noch rund 68000, so waren es 1891 nur ca. 66000 und 1896 gar nur rund 61000 jüdische schulpflichtige Kinder. Diese letztere Erscheinung ist nur aus einer Thatsache zu erklären: aus dem Rückgang der Geburten, der seit 20 Jahren ständig fortdauert. Die folgende Tabelle wird dies Nachweisen. *) In dieser Ziffer sind die Vorschulen nicht mitgerechnet.