Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 39 (30.9.1898)
- Date
- 1898-09-30
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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4 Abgeordneter von den Juden mit dem Banne belegt worden sei uind unter den Folgen dieser „jüdischen Exkommunikation" Zeit seines Lebens zu leiden habe. Als Zeugen für den Bestand und die Wirkung dießes „jüdischen Bannes" führt Jstoezy den österreichischen Abgeordneten Msgr. Dr. Scheicher und den französischen Antisemitenführer Druwont an. Seiner Bitte um Vorladung dieser Zeugen wurde jedoch, da diese Ausländer sind, vom Gerichtshöfe keine Folge gegeben. Während die Zeitungsangriffe Jstoezys erschienen, vergiftete sich Dr. Joseph Kellen mit Morphium. Mehrere Blätter brachten damals den Tod des Dr. Kellen mit diesen Angriffen in Verbindung. Afrika. 8. Algier, im September. Die Kapitulation des Generalgouverneurs Laferriere vor den Antisemiten hat im Lager dieser Partei begreiflicherweise allgemeine Freude erregt und ihm zunächst die Anhängerschaft fast aller Antisemiten gewonnen. Nur Max Regis warnt vor einer Falle und will noch keineswegs blind vertrauen. Uebrigens haben die Antisemiten bei den Wahlen zu den Generalräthen eine Schlappe erlitten. Zwar in Konstantine ist die antisemitische Mehrheit gewählt worden, dagegen im Departement Algier waren lüe Erfolge der Judenfeinde nicht groß genug, ihnen eine Majorität ipi Generalrath zu sichern, und im Departement Oran sind sie fast ganz ausgefallen. Vielleicht bedeuten diese Wahlen doch eine Wendung zustr Besseren. Unsere Glaubensgenossen hatten sich übrigens ganz zurückgehalten und dadurch in einem Falle den antisemitischen Kandidaten zum Siege verholfen. Asten. am. Jerusalem, im September. Die in allerneuester Zeit wieder verschärften Maßregeln gegen die jüdische Einwanderung, die von den untergeordneten türkischen Beamten in Jaffa besonders rigoros gehandhabt werden, wenn man nicht mit einem Backschisch ihrem guten Willen nachhilft, haben zu einer Reihe heftiger Konflikte mit den Konsuln in Jaffa geführt. Bekanntlich besteht das Einwanderungsverbot zu Recht nur gegen eine Maffeneinwanderung von Juden, wurde aber schon bisher auch gegen einzeln einwandernde Israeliten aus Rußland, Galizien und Rumänien angewendet, weil diese bei ihren Konsuln keinen Schutz fanden. Neuerdings machen aber die Hafenbehörden in Jaffa den Versuch, dieses Verbot auch gegen andere Juden durchzuführen, und dieses hat zu einem Einschreiten der Konsuln geführt, bei dem die Hafenbehörden bisher den Kürzeren gezogen haben. Der Vorgang ist folgender: Der frühere britische Konsularagent in Antiochia, Mr. Dweck, wurde beim Landen von der Hafenbehörde angehalten und sollte auf das Schiff zurückgeschickt werden. Er weigerte sich aber energisch und blieb drei Stunden in seinem kleinen Boot im Hafen, bis die Intervention des Konsularagenten von England doch die Landung ermöglichte. Der britische Konsul in Jerusalem hat darauf mit einem scharfen Protest geantwortet, der Genugthuung für diese Beleidigung verlangt,-und die neue Streitigkeit ist bereits durch eine Beschwerde an den englischen Botschafter nach Konstantinopel getragen worden. Gleich darauf passtrte einem französischen Unterthanen, daß ihn aus Furcht vor den Behörden kein Boot aus dem Schiff an das Land bringen wollte. Der französische Vizekonsul intervenirte ohne Erfolg bei den Behörden, auf telegraphische Instruktion seitens des Generalkonsuls in Jerusalem nahm er sodann selbst ein Boot, hißte auf demselben die französische Flagge und holte mit ihm seinen Schutzbefohlenen von dem Schiffe ab. Beim Landen faßte der Vizekonsul seinen Klienten unter den Arm und schritt mit ihm an den Polizisten vorbei, ohne daß diese wagten, ihn zu hindern. Auch deO französische Konsul hat nunmehr energisch protestirt, und fast alle Konsuln haben sich ihm angeschloffen. Speziell auch der deutsche Konsul hat sich mit einer Beschwerde an die deutsche Botschaft nach Konstantinopet: gewendet. Hoffentlich erreichen diese vielfachen Schritte, daß der seitens der türkischen Hafenpolizei allzu stramm gespannte Bogen bricht, und die ungerechten und ungesetzlichen, weil den Verträgen widersprechenden Maßnahmen gegen die Juden ststirt werden.— Bezüglich der Reise-tofe deutschen Kaisers steht jetzt fest, daß der Monarch in der Nähe vom Sichron Jaaeob frühstücken, dagegen die anderen jüdischen Kolonien nicht sehen wird. Die Juden unserer Stadt beabsichtigen, für den deutschen Kaiser, ebenso wie seinKzeit für den österreichischen Monarchen^ s einen Triumphbogen zu errichten, bei dem die beiden Oberrabbiner mit den Thorarollen den Kaiser erwarten werden. In dem vom Pascha eingesetzten Komitee für den Empfang des deutschen Herrschers sind die Juden durch die Person Nissim Behars vertreten. Von Nah und Fern. ----- Die Antwerpener königliche Akademie der schönen Künste hat den Berliner Kupferstecher Professor L. Jakoby zum wirklichen auswärtigen Mitglied gewählt. Diese Wahl ist durch königlichen Erlaß bestätigt worden. — Der Hilfslehrer Dr. M. Sänger ist zum Oberlehrer an der Friedrich-Werderschen Oberrealschule ernannt worden. — Der Bankier Carl Levy hat den Kronenorden IV. Klaffe erhalten. — Am 22. d. M. ist hier Herr Nathan Schlesinger im 74. Lebensjahr gestorben. Derselbe gehörte ein Jahrzehnt dem Vorstand des Vorschußvereins für hilfsbedürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde und anderen Wohlthätigkeitsvereinen an und hat dort mit Eifer und Liebe gewirkt. Friede seinem Andenken! — Der Arzt Dr. Bock in Peine hat sich öffentlich als bekehrter Antisemit präsentirt, damit man ihn nicht wieder als Kandidaten der deutsch-sozialen Partei aufstelle. — Prinz Georg von Preußen, der Dichter unter den Hohenzollern, übergab vor seiner Abreise von Ems einem dortigen Beamten die Mittel für ein Denkmal, das dem vor zwei Jahren dort gestorbenen, von dem Prinzen sehr geschätzten Maler Professor Emil Loewenthal aus Rom auf dem israelitischen Friedhof in Ems errichtet werden soll. —- Der Redakteur des antisemitischen „Bolksboten" in Mannheim, G. Kaufmann, wurde wegen Beleidigung der Firma Tietz in München zu 75 Mark Geldstrafe verurtheilt. — Der Privatdozent Dr. Adler in Wien wurde zum außerordentlichen Professor des österreichischen Civilrechts an der Universität zu Czernowitz ernannt.. — In Polanka bei Krosno (Galizien) haben sechs Bauern ein jüdisches Wirthshaus überfallen, den Spiritus aus. geschüttet und angezündet und den Schnapsvorrath geraubt. Die Gendarmerie hat vier der Flüchtigen festgenommen. — Gegenüber antisemitischen Ausstreuungen wird jetzt von berufener Seite konstatirt, daß Dreyfus der erste jüdische Offizier im französischen Generalstab war. Desgleichen wird die Behauptung, daß Bernhard Lazare ein ostpreußischer Rabbiner Namens Lazarus sei, als nichtswürdige Lüge erklärt. — M. Job, Richter in Balognes, wurde zum Staatsanwalt in Redon ernannt und H. Aron zum Staatsanwaltssubstitut in St. Etienne. — Die Juden in Algier beabsichtigen eine Petition an die Kammer und den Senat zu richten und in dieser alle Vorfälle und Angriffe der letzten Jahre zu beleuchten. — Die russischen Juden in Amsterdam haben der Königin von Holland zu ihrer Thronbesteigung eine Adresse gewidmet und dafür ein huldvolles Dankschreiben erhalten. — Ein russischer Philanthrop, der Großkaufmann Nieolaus Tereschtschenko, spendete 3000 Rubel zur Errichtung einer Talmud-Thora mit einer Gewerbeabtheilung für jüdische Kinder der Stadt Gluch ow im Gouvernement Tschernigow. — Der russische Minister für „Volksaufklärung" hat erklärt, daß es bei der Bestimmung bleiben müsse, wonach nur drei Prozent jüdischer Studenten in die Universität Moskau ausgenommen werden dürfen. Ebenso hat er die Petition der Universität Odessa, den Prozentsatz der jüdischen Studirenden von zehn auf fünfundzwanzig Prozent erhöhen zu dürfen, abgelehnt. — Jn Saratoga hat während des Sommers der jüdische Gottesdienst, da die Synagoge restaurirt wurde, in der Kirche der Presbyterianer stattgefunden. — Der neue amerikanische Gesandte in Konstantinopel, Oskar Strauß, begab sich nach Paris, wo er mit der Baronin Hirsch, deren Vertrauensmann er ist, zu konseriren hat. Er überbringt dem Sultan die Erklärung des Gouvernements in Washington, daß man beabsichtige, den Posten bei der Türkei zum Range eines Botschafters zu erheben, wenn die Türkei dasselbe mit ihrem Gesandten in Washington thue. — In Perth (Westaustralien) hat sich ein „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" gebildet. Vorsitzender ist Rev. Dr. I. Freedmann daselbst. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redattion: Max Bauchwitz in Berlin.