Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 23 (22.2.1838)
- Date
- 1838-02-22
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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9i Transport 2079 - 8 - Erste Sammlung der Gemeinde zu Magdeburg. Da auch diese nur langsam vor sich gehen kann, wir aber dennoch die Resultate dem Publikum zur Kenntniß bringen wollen, so theilen wir sie nach und nach mit. Bis jetzt, waren schon abgedruckt aus Magdeburg (No. 1.) No. 3.) 4.) 235.) und 236.). Es folgen: 334 Thlr. 305) Herr M. Susmann. 100 - - 306) - A. E. Max.; . 100 - 307) - H. M. Heidenreich. 50 - - 308) - S. M. Friedheim. 100 - - 309) - August Hirsch 25 Thlr. Gold. 28 - 8 - 310) - I. Friedenthal. 25 - - 311) - S. Brandus. 10 - - 312) - I. H. Cohn .. 15 - 313) „ - Ludwig Hirsch. 15 - - 314) - I. Allier..'. 5 - 315) - F. Falkenburg. 5 - - 316) - B. Ahrend .. 10 - - 317) - B. Göttinger.. . 10 - - 318) - Bressensdorff. 10 - - 319) - L. H. Rosenthal.. 20 - 320) - A. Löwenthal. ........ - 16 - 321) - M. Arnstedt.. . 10 -_- Summa 2620 - - Herr v. A. Geiger hat eine vortreffliche kleine Schrift „über die Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultat," deren Ertrag diesem Institute gehören soll, herausgegeben. Wir werden nächstens darüber ausführlich referiren. — Aus Frankfurt am Main kommen uns die angenehmsten Berichte. Es hat sich dort ein Comite gebildet, über dessen Thatigkeit wir bald genauere Nachricht geben werden. — Herr Dr. M. Freystadt in Königsberg setzt seine Bemühung unermüdet fort, und diese dehnt sie bereits auf die Provinz aus. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Fortsetzung.) Tarnopol, 23. Januar. Die Gemeinde zu Larnopol scheint vor allen andern Galiziens vom Schicksale dazu ausersehen, in siegreichem Kampfe gegen Orthodoxie und Chasidäismus ihren Mitschwestern mit glanzendem Beispiele voranzugehen. Schon durch die feit 1815 bestehende deutsch-israelitische Hauptschule, von dem in der jüdisch-literarischen Welt rühmlichst bekannten Josef Perl nach hartem Kampfe und nicht ohne große Opfer ins Leben gerufen, bekundet Larnopol, daß es berufen sei, sich an die Spitze galizisch-jüdischer Bildung zu stellen. Aber wahrend nun die Segnungen dieses Instituts sich nicht nur auf Galizien sondern auch auf einen großen Lheil des benachbarten Rußlands verbreiten, und, hie und da zur Nachahmung aneifernd, ähnlichen Anstalten das Dasein geben, ist es abermals'.^arnopol, wo vor dem mit neuem Sieg gekrönten Engel des Lichts die Machte der Finsterniß scheu zurückweichcn. Denn auf dem Stuhlei, worauf Jahrhunderte lang abwechselnd Unwissenheit und Bigotterie, Fanatismus und Hypokrisie, sich breit gemacht, sehen wir nun hier einen Mann, der wacker geholfen, Bausteine für die hebräische Literatur herbeizuführen, den Sänger des rnVT nemlich den hochgefeierten Rapoport sitzen. Van dem Wahl-Collegium, worunter blos drei Wähler gegen ihn stimmten, zum TarnopolerKreis-Rabbiner gewählt, wurde ibm das Anstellungsdekret von Seiten der Kreisregierung ohne Weiteres ausgefertigt und zugeschickt. Der Herr Gubernial-Rath und Kreishauptmann Carl Ritter von Sacher, ein durch seinen Hellen Verstand, sein warmes Herz, wie durch wissenschaftliche Bildung und warmen Eifer für alles Gute, Wahre und Schöne ausgezeichneter und in feinem Wirkungskreise hochverdienter Mann, rechnete es sich zum Vergnügen, Rapoport, denen literarische! Ruf und sonstige Vorzüge ihm nicht unbekannt geblieben, in seinem neuen Amte zu bestätigen und seines Schutzes zu versichern, all die nichtswürdigen Verleumdungen scheelsüchtiger, boshafter, übermürhiger, fanatischer, heuchlerischer, unwiyendcr Zionswüchte _ mit Verachtung zurückweisend. — Von dem würdigsten.Manne der Gemeinde, Hr. Schuldirector Josef Perl, und einem der Herren Gemeindevorsteher von seinem bisherigen Wohnorte Lemberg abgeholt, von der Elite der Gemeinde, welche ibm eine Meile weit entgegen gefahren war, aufs Ehrerbietigste empfangen und bewillkommt, hielt nun der neue Kreis-Rabbine am 12. d. M. seinen Einzug. Tags darauf, welcher ein Sabbat war, hielt er vor einem zahlreichen Publikum in dev alten Synagoge seine Inaugurations- Rede. Wie zu erwarten, war d'cse eineOffenlegung selrnerSchatze rabbinischer Gelehrsamkeit, welche von der Fackel seines kritischen Geistes beleuchtet, sich zu einem Ganzen gestalteten, das die Zuhörer zur höchsten Bewunderung hinriß. Man mußte zugleich die Gewandheit bewundern, mit welcher er sein oft kritisches oder rein moralisches- Thema, um es dem Geschmacke seines Publikums anzubequemen,in das Gewand der hierlands üblichen Deraschot zu kleiden gewußt, wie man etwa der einem Kinde zu rächenden Arznei die Form und das Ansehen seiner liebsten Leckerbiyen zu geben pflegt. Wohl manch orthodoxem Munde, der sich schon anticipamlo zu einem spöttischen Lächeln verzogen hatte, entschlüpfte nun unwillkürlich ein Lächeln des Beifalls, und Mancher aus der Menge, dem der neue Kreis-Rabbine von den Feinden der guten Sache als ein Bartloser Epikoros in Frack und Hosen und ohne alles rabbinische Wissen dargestettt worden, rieb sich die Augei bei dem Anblicke der stattlichen' Figur mit der hohen Stirn, dem feurigen Auge und dem unbeschnittenen, bereits die Zeichen des Alters und der Ehrwürdigkeit tragenden Barte, angethan mit dem vollständigen, polnisch-jüdischem Sabbat-Ornate, und, von ehrfurch^vo^er Scheu ergriffen, blickten voll Verwunderung die armen Getäuschten aus der Menge einander an, als die unzähligen Citate aus Mischna, Gemara, Rambam, R asch h a, etc. frei aus dem Gedächtnisse vorgetragen, und all die Namen von wohlbekanntem, heiligem Klange von der Kanzel herab, in ihr verwundert Oh* drangen. Aber rwch vorzüglicher war der Vortrag, welchen er am folgenden Sabbat, am 20. d.M., in dem mit der Hauptschule vereinigten Betsaale der sogenannten neuen Synagoge gehalten, a) und kaum vermochte da die Ehrfurcht vor dem Heiligthum, worin sie sich befanden, den Enthusiasmus der Zuhörer, der ft$ auf ihren Gesichtern malte, zu zügeln, daß er nicht in laute Erclamationen des Entzückens und der Bewunderung ausbrach. Von jeher gewohnt, nur Sophistereien, Spitzfindigkeiten und Alfanzereien von der Kanzel herab zu vernehmen, hatte das Publikum bei dem zweiten Vortrage noch den Vortheil, daß es von dem ersten bereits einige Fertigkeit mitbrachte, dergleichen Vortrage zu a) Beide Vorträge werden demnächst im Druck erschauen.