Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1898)
- Date
- 1898-07-29
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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352 sein. Unter den Abgeordneten ist eine Bittschrift an Lord Salisbury im Umlauf, welche ihn ersucht, der Vorlage in seinem nächsten Programm einen hervorragenden Platz zu widmen. Außerhalb des Parlaments rührt sich die Agitation auch mächtig. Ein Mitglied der konservativen Primrose-Liga hat in wenigen Wochen 25000 Unterschriften gesammelt, damit die Bill auf alle Fälle durchgesetzt wird. Unter den Unterzeichnern befinden sich der Lordmayor und fast sämmtliche Mitglieder des Gemeinderathes der City von London. Man gebe sich aber keinem falschen Eindruck hin. Gegen die deutsche Einwanderung ist die Bill nicht in erster Linie gerichtet, wohl aber gegen die jüdische aus Rußland und Galizien, obwohl bereits der Nachweis erbracht wurde, daß diese Einwanderer nicht dem Staate oder der Stadt zur Last fallen. $ Aus Rußland kommt nur selten etwas Gutes für uns. Um so lieber bringen wir die folgende telegraphische Mittheilung politischer Blätter: Der russische Ackerbauminister genehmigte die Anlegung jüdischer Ackerbaukolonien im Königreich Polen, ähnlich wie im eigentlichen Rußland." Diese Nachricht erweckt die Aussicht, daß auch den armen und unglücklichen Juden in Polen nunmehr Hilfe kommen dürfte. Diese ist auch dringend von Nöthen, da dort sonst eine Katastrophe nahezu unvermeidlich wäre. Die Armuth und das Elend der dicht zusammengepferchten jüdischen Bevölkerung in Russisch-Polen spottet thatsächlich jeder Beschreibung. Protokolle drr Versammlung des Vereins israel. Lehrer in Schlesien und Posen und deren Nnterstutzungskasir am 30. Mai 1898 in Breslau. nwesend waren: a) als Mitglieder: die Herren Alexander-Breslau, Alexander - Militsch, Behle - Lissa, Bach - Myslowitz, Professor Dr. Badt-Breslau, Blumenfeld-Schweidnitz, Bornstein-Städtel, Dr. Brann-Breslau, Brock-Hirschberg, Dr. Elbogen-Breslau, Ellguther- Neisse, Ludwig Graf-Breslau, Max Graf-Breslau, Grünfeld-Schwersenz, Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau, Guttmann-Ohlau, Herbst-Lissa, Jacobsohn-Gleiwitz, Rabbiner Dr. Kopfstein-Beuthen, Krolik-Cosel, Ksinski- Kempen, Ledermann-Bernstadt, Löwy-Lublinitz, Löwenstein-Glatz, Löwenthal-Gr.Wartenberg, Malachowski-Zabrze, Muschel-Cosel, Fräulein Peiser- Breslau, die Herren Plaut-Laurahütte, Rabbiner Dr. Rosenthal-Breslau, Dr. Samter-Breslau, Steiner-Groß-Strehlitz, Tintner-Bunzlau, Translateur-Lublinitz, Translateur-Carlsruhe, Translateur-Langendorf, Kreis Gleiwitz, Rabbiner Dr. Wreschner-Samter, Dr. Zuckermandel-Breslau; b) als Gäste: Herr Th. Oschinski-Breslau, Deleg. des D.-J. G.-B., Fräulein Baron-Breslau, die Herren Bernhardt-Tarnowitz, Brann- Beuthen, Fräulein L. Mugdan-Breslau. 1. Vormittags 8 Uhr wird unter dem Vorsitze des Herrn Professor Dr. Badt die Berathung des Vorstandes der Unterstützungskasse eröffnet. Anwesend find außer dem Vorsitzenden die Herren Herbst-Lissa, Tintner- Bunzlau, Steiner-Groß-Strehlitz und Blumenfeld-Schweidnitz, während die Herren Dr. Samuelsohn durch Krankheit und Stadtrath Pringsheimdurch eine Reise entschuldigt sind. Der stellvertretende Vorsitzende theilt mit, daß infolge der Erkrankung des Vorsitzenden, Herrn Dr. Samuelsohn, die Vereinsgeschäfte insofern eine Stockung erlitten hätten, als der Jahresbericht nicht fertiggestellt und wegen längerer Abwesenheit der beiden Revisoren eine Kassenrevision diesmal nicht vorgenommen werden konnte. Demzufolge kann eine Entlastung der Kassenverwaltung für das abgelaufene Jahr nicht beantragt werden, und der Vorstand wird für das abgelaufene Berwaltungsjahr die Verantwortung bis zur nächsten Jahresversammlung tragen müssen. — Der Voranschlag für 1898 balaneirt mit 3077,50 Mark, und zwar in Einnahmen, nämlich 1. Jahresbeiträge 1600 Mark, 2. Zinsen 1477,50 Mark, und in Ausgaben, nämlich 1. Pensionen 1600 Mark, 2. Botenlohn tz6 Mark, 3. Berwaltungskosten 120 Mark, 4. Kapitalanlage 1321,50 Mark. — Der Abschluß der Unterstützungskasse für 1897/98 wird eingereicht, schließt mit 43481,35 Mark in Einnahmen und Ausgaben ab und wird genehmigt. 2. Um 52/4 Uhr versammeln sich die Mitglieder der Unterstützungskasse. Die Versammlung genehmigt den Beschluß des Vorstandes, daß dieser infolge der in dem Berichte über die Vorstandsfihung angeführten Uebelstände die Verantwortung für die Kasse trage, und daß eine Kassenreviston erst im nächsten Jahre stattfinden solle. Hierauf wird ein Voranschlag des Etats für 1898 genehmigt. Dasselbe geschieht mit dem Geschäftsbericht, nachdem er verlesen worden ist. Dr. Brann-Breslau beantragt, daß der Vorstand sich an die Oberprästdenten der Provinzen Schlesien und Posen mit der Bitte wenden möge, den jüdischen Lehrern ihrer Provinzen den Beitritt zur Unterstützungskasse zu empfehlen. — Der Antrag Herbst-Lissa wird, nachdem ein Gutachten des Schatzmeisters verlesen worden ist, von dem Antragsteller unter den obwaltenden Umständen zurückgezogen. — In. der darauf stattgehabten Borftandswahl wurden einstimmig die Herren Dr. Samuelsohn, Stadtrath Pringsheim, Professor Dr. Badt, Hamburger, sämmtlich in Breslau, Herbst in Lissa, Tintner in Bunzlau, Steiner in Gr. Strehlitz gewählt. Zu Revisoren wurden die Herren Geheimer Justizrath Freund, Rentier Baruch und Fabrikbesitzer Pfeffer bestimmt. 3. Um 10 Uhr begann die 20. Versammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen. 1. Der Vorsitzende drückt sein Bedauern aus, daß der Ehrenvorsitzende des Vereins, Herr Dr. Samuelsohn, durch Krankheit verhindert sei, der Versammlung beizuwohnen, er, der ein Muster von Pünktlichkeit und Hingebung für die Vereinssache stets gewesen sei, und wünscht, daß es dem Verein vergönnt sein möge, Herrn Dr. Samuelsohn als Vorbild aufopferungsvoller Thätigkeit noch lange erhalten zu sehen. Hierauf begrüßt der Vorsitzende die Versammlung, drückt seine Freude aus über das zahlreiche Erscheinen der Mitglieder und wünscht, daß die Anregungen, die hier gegeben werden sollen, denen nicht nachstehen mögen, welche die etwaigen Theilnehmer an der deutschen Lehrerversammlung, die zu gleicher Zeit hier tage, empfangen würden. In dem hierauf ertheilten Geschäftsbericht hebt der Vorsitzende besonders die Verbindung mit dem Verbände der israelitischen Lehrervereine im Deutschen Reiche und den Verkehr mit demselben hervor, dessen Thätigkeit um so anerkennenswerther sei, da sie sich neben der Verbesserung der materiellen Lage der Lehrer auf die Pflege des Religionsunterrichts und auf die Ueberwindung der Schwierigkeiten erstrecke, die diesem entgegenstehen. Ferner sei es anznerkennen, daß das Streben des Verbandes darauf gerichtet ist, die bestehenden jüdischen Schulen zu erhalten, eine Mühewaltung, die trotz aller Angriffe von hüben und drüben mit Eifer fortgesetzt wird. — Die Mitgliederzahl ist von 103 auf 107 gestiegen. 2. Der Schriftführer, Dr. Samter, giebt hieraus den Kassenbericht, nach welchem die Einnahmen, einschließlich des Bestandes aus dem vorigen Jahre im Betrage von 31,68 Mark, auf 104,73 Mark sich belaufen, während die Ausgaben 61,96 Mark betragen, so daß ein Bestand von 22,77 Mark für das folgende Jahr verbleibt. Die Rechnung wird von den ernannten Revisoren, den Herren Max Graf-Breslau und Grünfeld-Schwersenz, geprüft und für richtig befunden, infolgedessen wird dem Kassirer Entlastung ertheilt. 3. Borstandswahl. Herr Dr. Brann-Breslau beantragt, den bisherigen Vorstand durch Zuruf wieder zu wählen. Da gegen diesen Vorschlag kein Widerspruch erhoben wird, gilt er als einstimmig angenommen, und der Vorstand besteht daher wieder aus den Herren Professor Dr. Badt als Vorsitzenden, Dr. Samter als Schriftführer, beide in Breslau, und Hauptlehrer Herbst-Lissa als stellvertretenden Vorsitzenden. 4. Hierauf hält Herr Hauptlehrer Alexander-Breslau mit den Schülerinnen der ersten Klasse der hiesigen Industrieschule eine Probelektion über das Wochenfest und die Nächstenliebe im Anschluß an das Buch Ruth. Der Vorsitzende drückt in dem an Herrn Alexander gerichteten Danke seine Befriedigung darüber aus, daß Herr Alexander dargethan habe, was er auf dem Gebiete des religiösen Unterrichts beabsichtige und zu leisten vermöge. Auf Antrag des Herrn Bernhardt- Tarnowitz findet keine Diskussion über die Probelektion statt. (Der iittl