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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-08 · Heft 27 (8.7.1898) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 27 (8.7.1898)
Date
1898-07-08
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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beschmutzt wird, gebe es keine Regierung und kein Gesetz, welches sein Ansehen schützen kann". — Die Amtseinführung des Predigers Dr.SalomonSpira in Miskolez erfolgte endlich unter den üblichen Feierlichkeiten, denen Bischof Zelenka, Oberhausmitglied Horvath, Bizegespan Tarnay, der Prior des Minoritenordens und andere Notabilitäten beiwohnten. — Die königliche Kurie fällte in einer Versicherungsangelegenheit eine bemerkenswerthe Entscheidung. Die Versicherungsgesellschaft „Unio catholica“ nahm in ihre Statuten die Verfügung auf, von Juden Versicherungsanträge nicht entgegenzunehmen. Nichtsdestoweniger versicherte ein Jude sein Hab und Gut bei der Hauptagentschaft in Budapest und entrichtete die fälligen Gebühren mit größter Pünktlichkeit. Als aber die versicherten Objekte ein Raub der Flammen wurden, verweigerte die Gesellschaft die Auszahlung des Schadenersatzes. Der oberste Gerichtshof verpflichtete nun die Gesellschaft zur Auszahlung der Versicherungssumme, nachdem das religiöse Bekenntniß die Abschließung eines Geschäftes nicht beeinträchtigen dürfe. — Frau Charlotte Naschitz- Eibenschitz wurde in Anerkennung ihrer Verdienste auf dem Gebiet des Unterrichtswesens durch Verleihung des goldenen Berdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. Großbritannien. B. London, 1. Juli. Der 27. Jahresbericht der Anglo Jewish Association giebt ein getreues Bild von der Thätigkeit dieses großen Vereins, der, obgleich von der Alliance Israelite Universelle getrennt, die gleichen Ziele, und meist in freundschaftlichsten Beziehungen zu derselben, verfolgt. Während die Summen, die aus London der Anglo Jewish Association zufließen, sich vermindert haben, sind die Zweigvereine gewachsen. Neu hinzugekommen sind solche in Auckland, Hongkong und Shanghai. Im Ganzen existiren 36 Zweigvereine, darunter 21 in dem Königreich England und Schottland. Der Bericht giebt eine Uebersicht über die Situation der Juden im Osten. In Rumänien liegt es am schlimmsten, 30 000 jüdische Kinder sind in der Praxis von den öffentlichen Schulen ausgeschlossen; aus allen höheren Schulen sind die Juden verdrängt, und ein neuer Winkelzug der Regierung versperrt ihnen auch die medizinische Karriere, die ihnen sonst in allen Ländern offen steht. Während die bei den Exzessen geschädigten Israeliten, wenn sie nicht Unterthanen fremder Mächte sind, beinahe gar keinen Ersatz für ihre'Verluste erhalten, gehen die Exzedenten vollkommen straffrei aus. Gut sind dagegen die Beziehungen in Serbien und Bulgarien zwischen den Juden und Christen. Das Auftauchen der Blutanschuldigung in Slivno störte für einen Moment diese guten Beziehungen, indessen das energische Einschreiten der Regierung hatte bald den Erfolg, die Grundlosigkeit dieser Behauptungen nachzuweisen. In Persien wurden im Laufe des Jahres 1897 dreimal Unruhen gegen die Juden von der dortigen fanatischen Geistlichkeit veranstaltet, und zwar in Teheran, Lar und Jspahan. Der energische Druck jedoch, den der englische Gesandte auf den Schah und seine Minister ausübte, veranlaßt durch das Einschreiten der Anglo Jewish Association, brachte jedoch die Ruhe bald wieder. In Marokko dagegen erwiesen sich die gleichen Schritte fast nutzlos, so daß die Anglo Jewish Association Geld für die verfolgten Juden in Marokko sammeln und hinsenden mußte. Diesem Zweck flössen 6600 Mark zu. Viel größere Mittel wurden für das Erziehungswerk in den Ländern des Orients verausgabt, im Ganzen circa 53 000 Mark. In den so subventionirten Schulen befanden sich 4516 Knaben, 3227 Mädchen und 277 kleine Kinder. Die Resultate der subventionirten Schulen waren durchaus befriedigend, und die Angio Jewish Association dankt den englischen Konsuln und Diplomaten für das thätige Interesse, das sie häufig für diese Schulen gezeigt haben. Im Ganzen sind mit verhältnißmäßig kleinen Mitteln, nicht mehr als 60 000 Mark im Jahr, sehr schöne Erfolge erzielt worden. Nußland. W. Petersburg, 3. Juli. Wiederholt wurde an dieser Stelle von den Folgen berichtet, welche die Einführung des Branntweinmonopols in Rußland nach sich zieht, indem ein großer Theil der Bevölkerung, welcher bisher sich vom Branntweinverkauf ernährte, nunmehr beschäftigungs- und brodlos geworden ist, was besonders von der israelitischen Bevölkerung von Russisch-Polen gilt. Es wird hier daher mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen, daß der Finanzminister Witte einen der ältesten und angesehensten Beamten des Ministeriums, den Wirklichen Staatsrath Zytowitsch, nach dem General-Gouvernement Warschau abkommandirt hat, datnit er die Städte Piotrkow, Kalisch, Suwalki u. a. besucht und genau die einschlägigen Verhältnisse studirt. Die Vorstände der jüdischen Gemeinden in Stadt und Land werden nicht verfehlen, dem thatkräftigen Beamten die besonders heikle Lage der Juden durch mündlichen Bortrag und eingehenden schriftlichen Bericht darzulegen, wozu jetzt an allen Orten seitens der Gemeindevorstände sowie Privater die Vorbereitungen getroffen werden. — Die Appellation der Juden aus Minsk, die wegen Gewaltthätigkeit gegen das Militär verurtheilt worden, ist vom Senat verworfen worden, und diese müssen ihre schwere Strafe antreten. In welchem Kontrast steht zu dieser Strenge die Milde gegen die wegen der Exzesse gegen die Juden Berurtheilten aus Spola? Don Nah und Fern. ----- Stadtrath Mamroth feierte am 4. d. Mts. sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als unbesoldeter Kommunalbeamter. — Der Stadtverordnetenvorsteher Dr. med. Mannheimer zu Beuthen,O.°S., hat den Rothen Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Der hessische Staatsminister Finger, der jetzt abgegangen, hat israelitische Anwärter für die Justiz und Schulverwaltung nicht zugelassen. — Das bairische Centrum bedauert die Alliance mit dem Antisemitismus, der sich nicht als lebenskräftig erwiesen hat. — In seiner Sitzung vom 4. v. Mts. hat das Centralkomitee der Alliance Israelite Universelle in Paris sein Büreau ernannt. Herr N. Leven ist zum Präsidenten, die Herren Oppert und S. Reinach zu Vizepräsidenten ernannt worden; Herr I. Machiels zum Schatzmeister. — In Algier hat ein Jude, Namens Aaron, durch die dortigen antisemitischen Gewaltthaten brodlos gemacht, vom jüdischen Konsistorium Unterstützung verlangt und auch eine Kleinigkeit empfangen. Die Erledigung seines Gesuchs empfand er als Ungerechtigkeit und überfiel den Oberrabbiner von Algier, Bloch, in einem Pferdebahnwagen mit Messerstichen, die Bloch lebensgefährlich verwundeten. Der Vorfall ist bezeichnend für die Stimmung der algerischen Juden gegen ihre Führer, die sie für ihre verzweifelte Lage verantwortlich machen. Oberrabbiner Bloch ist übrigens bereits außer Lebensgefahr. — Auch der neue italienische Schatzminister Pietro V acchelli stammt aus einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie in Cremona, wo er 1840 geboren wurde. — Unter den zur Besetzung von Port Arthur ausgeschickten russischen Soldaten befinden sich mehr als 100 Juden, die von dem Rabbiner Dr. Pomeranz in Odessa mit Erlaubniß des kommandirenden Generals ein Sefer Thora mitgenommen haben. Auch in Sibirien, in Sachalin und den chinesischen Kolonien befinden sich viele jüdische Soldaten. — Die Gesellschaft für Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden verbrauchte nach ihrem Jahresbericht 1897 die Summe von 49 000 Rubel; davon erhielten Studenten 22 649 Rubel in Form von Stipendien, 15 000 Rubel Subvention die jüdischen Schulen in Petersburg, den Rest die jüdischen Schulen in der Provinz. — Die Franziskaner in Jerusalem veröffentlichten in der französischen Zeitung „La Croix" eine Schauergeschichte, nach der sie mit Mühe einen Ritualmord verhindert hätten, den ein österreichischer Jude an einem italienischen Kinde verüben wollte; jetzt stellt ein Bericht des österreichischen Konsuls gemeinsam mit dem italienischen fest, daß die ganze Sache auf folgende Thatsachen zurückzuführen ist. Ein Jude fand ein verirrtes Kind, das italienisch sprach, und ging mit demselben auf das österreichische und das italienische Konsulat, um den Vater des Kindes ausfindig zu machen. Das war alles! — Die amerikanischen Militärbehörden wissen den Eifer der Juden zu würdigen und erwiedern denselben mit allerlei Aufmerksamkeiten. So haben die jüdischen Soldaten von dem Kommandanten Oberst Bäcker in Camp Lee Urlaub für den ganzen Sonnabend erhalten, damit sie ihren Gottesdienst nicht zu versäumen brauchen. Ferner hat die National-Relief-Kommission, die etwa die Funktionen des „Rothen Kreuzes in Amerika ausübt, Rev. Dr. Josef Krauskopf in Philadelphia als Inspektor auf den Kriegsschauplatz nach Tampa entsendet, und Col. Keegan hat den Rev. I. Leonard Levi zum Kapitän einer Freiwilligenbrigade aus Pennsylvanien ernannt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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