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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-06-24 · Heft 25 (24.6.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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62. Jahrgang. Ar. 25. Berlin» 24.1«ni 1898. Mn unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Nabüiüer Lu-mtg PHNippson-Konn. Verlags-Expedition: Gerün, Jerufalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgern. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Diese . Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.8 M. Redacteurr Gustav Karpeles. Leitartikel: Ein einheitliches Gebetbuch. — Die Woche. — Nus Ostpreußen. Von Moritz Scherbel. — Persien und die Juden. Von Thomas G or d o n. — Antike und christliche Weltanschauung. Von Rabbiner Dr. Adolf Bi ach. — Leone de Sommi Portaleone, der Dramatiker und Shnagogengründer von Mantua. Von Professor Dr. David Kaufmann (Schluß). — Feuilleton: Das Grab eines Propheten in Offenbach. II. Von Dr. Arnold Hirsch. — Litterarische Mittheilungen. — Sprechsaal. Der Gerneirr-ebote. Korrespondenzen nnd Nachrichten: Berlin, Schrimm, Jnowrazlaw, Detmold, Frankfurt a. M., Soden a. T., Karlsruhe, Wien, Baja, Petersburg, New-York. — Bon Nah nnd Fern. — Miseellen. Mn einheitliches Gebetbuch. Berlin, 22. Juni. n einer der letzten Sitzungen der Berliner Repräsentantenversammlung ist die Gebetbuchfrage wieder auf das Tapet gebracht worden. Die Debatte über diesen Punkt war eine sehr intereffante, denn sie lehrte uns, daß von keiner Seite „an eine Rückwärtsrevidirung des Gebetbuches auch nur im Entferntesten gedacht werde". Diese Erklärung wurde von den Vertretern der konservativen Richtung mit aller Entschiedenheit ausgesprochen, und wir konstatiren diesen Erfolg mit aufrichtiger Genugthuung. Zugleich wurden aber auch bestimmte Wünsche zum Ausdruck gebracht, die bei einer etwaigen Revision des Gebetbuchs der Berliner Orgelsynagogen berücksichtigt werden sollen. Der Gedanke an Zion soll in dem Gebetbuch seine Stelle finden, und ebenso sollen alle Grundwahrheiten und Glaubensartikel des Judenthums darin zum Ausdruck gelangen. Diese Wünsche sind unzweifelhaft berechtigt und werden zu erfüllen sein. Aber es taucht bei diesem Anlaß noch eine andere und viel wichtigere Frage auf, nämlich die, ob es nicht endlich an der Zeit wäre, an die Abfassung und Herausgabe eines einheitlichen Gebetbuchs für alle jüdischen Gemeinden Deutschlands, die einen geregelten Gottesdienst eingeführt haben, zu denken. Der gegenwärtige Zustand ist ein wenig würdiger und darum auch unhaltbarer. Mr haben jetzt mehr als zwanzig verschiedene Gebetbücher in Deutschland! Schon seit Jahren beklagen einsichtsvolle Männer diesen Zustand und wünschen eine Aenderung herbei. Es sind auch schon von verschiedenen Seiten mehr oder minder praktische Vorschläge gemacht worden, wie diesem Uebelstand abzuhelfen sei. Einer der hervorragendsten unserer Glaubensgenossen, Herr Regierungsrath Dr. Mayer in Karlsruhe, hat sogar das schwierige Werk unternommen, eine Einigung der maßgebenden Gemeinden auf diesem Gebiete zu Stande zu bringen, damit die der fortschrittlichen Richtung huldigenden Gemeinden mit ihrer bunten Musterkarte von Gebetbüchern sich zusammenschließen, um ein mustergiltiges gemeinsames Gebetbuch zu schaffen. Man sollte doch meinen, daß es nicht allzu schwer wäre, diese Einigung herbeizuführen, aber merkwürdigerweise hat sich gerade Berlin diesem Gedanken gegenüber kühl und ablehnend verhalten. Und doch wird er zur Durchführung gelangen und auch Berlin seine Abneigung überwinden müssen, denn das Ziel ist ein edles und großes, und es muß erreicht werden. Der Zeitpunkt aber ist jetzt ein besonders günstiger. Die Schwierigkeiten, die der Schaffung eines solchen einheitlichen Gebetbuchs entgegenstehen, sind auch durchaus nicht unüberwindlich, es muß nur endlich einmal der Anfang gemacht werden. Eine Konferenz von Vertretern der in Betracht kommenden Gemeinden, von Rabbinern, hervorragenden Theologen und Schriftstellern würde sich bald über die Grundsätze einigen, nach denen ein solches Gebetbuch abzufassen wäre, und eine gleichfalls aus den Vertretern dieser vier Berufe gewählte Kommission würde die große Aufgabe sicher zu allgemeiner Zufriedenheit lösen können. Im Allgemeinen stellt man sich die Schwierigkeiten und Hindernisse einer Einigung auf diesem Gebiete viel zu groß vor. Man braucht nur die geschichtliche Entwickelung der Reform des Gebetbuchs seit dem Hamburger Tempelstreit aufmerksam zu studiren, man braucht nur die vorhandenen Gebetbücher sorgfältig zu prüfen und die aus solchem Studium gewonnenen Resultate nutzbringend zu verwerthen, um ein Werk zu Stande zu bringen, das allen berechtigten Anschauungen Rechnung tragen und der getreue Ausdruck der religiösen Grundgedanken sein würde, die das fortgeschrittene Judenthum der Gegenwart erfüllen. Die Ansichten über die Grundprinzipien sind ja längst geklärt, die verschiedenen Parteien haben ihren festen Standpunkt, und man kann wohl sagen, daß die der historischen Reform im Jndenthum huldigenden Gemeinden Deutschlands auf dem gleichen Boden religiöser Weltanschauung stehen. Um so nothwendiger erscheint es dann aber auch, diese Gemeinsamkeit der religiösen Grundprinzipien in einem einheitlichen Gebetbuch zu fixiren, und um so leichter wird es sein, diese Aufgabe in würdiger Weise durchzuführen. Die Grundsätze, nach welchen ein einheitliches Gebetbuch herzustellen sein würde, wären, wenn man die Wünsche der maßgebenden Richtungen gebührend berücksichtigt, etwa die folgenden: Zunächst müßten in dem neuen Gebetbuche alle bisherigen Verbesserungen in: Gottesdienst geordnet, erweitert und zu konsequenter Durchführung gebracht werden. Es versteht sich von selbst, daß die hebräische Sprache der Grundstock des Gebetbuches bleiben, daß aber auch dem deutschen Element der gebührende Platz eingeräumt werden müßte. Auszuscheiden wären die Gebete und Gebetstellen, welche durch die Religionsverfolgungen im Mittelalter hervorgerufen wurden, sowie auch diejenigen, die unserer Weltanschauung nicht entsprechen, wie

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