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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-02-17 · Heft 21 (17.2.1838) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 21 (17.2.1838)
Date
1838-02-17
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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heute friedlichen und morgen stürmischen Verhältnissen; ts fehlet ihm Eittts — düs Herz, düs Äemüth. Was daher die Alten so erhaben und unübertrefflich macht, ist die Ruhe, die Einfalt, in der sie weben, und die in ihnen webt. Da ist kein Kampf, kein Sturm, keine Zerrissenheit des Innern, und um so mehr hat das Aeußere, die Form, Kraft und Raum, sich zu gestalten und zu vollenden, und wie ein Gewächs der Natur steht endlich das Product, harmonisch in Wesen und Form, da. Ganz anders verhalt es sich mit den heiligen Schriften der alten Hebräer. Wie das Volk selbst, im Kampfe geboren, im Widerstreben gegen de» immer wiederkehrenden Sturm von außen erzogen, enthalten sie das Abbild eines markvollen Lebens. Die ganze Verwirrung, welche über die menschliche Gesellschaft hereingebrochen, liegt schon in ihnen entziffert da, und die Waffen, mit denen der Mensch dagegen kämpfen soll, werden uns durch sie in die Hand gegeben. Darum gilt hier die äußere Form gar nichts, keine Mühe wird darauf verwendet, ein kunstvolles Gebäude anfzurichten mit Grund - und Schlußsteinen, mit Sockeln und Kapitälem, alle Kraft wird aufgespart, um jedem einzelnen Worte die höchste Innigkeit, das stärkste Gewicht zu geben — jeder einzelne Gedanke ist sich selbst Bestimmung. Wie nun, theuerster Freund, wenn ich mit jenen Griechen vorerst fertig zu sein glaubte, wenn ich sie genugsam begriffen zu habe» meinte, um, die Hauptansicht in mir davon tragend, das weitere Studium und de» Genuß der einzelnen Autoren einer spatem Rückkehr vorzubehalten? Jetzt, da ich im Begriff bin, dem wirklichen Leben selbst näher zu treten, müßte eS mir nicht Bedürfniß sein, die Erwartungen und Meinungen von diesem Leben in mir zu vergewissern Und zu befestigen, und mich für und gegen dasselbe zu rüsten?" „Je unerwarteter mir deine geäußerten Gedanken kommen," antwortete Ludolf, „und je weniger ich in beide« Feldern Herr bin, desto mehr muß ich sie jetzt gelten lassen. Aber die Frage möchte ich an dich thun, warum, da doch unstreitig das jetzige Leben am besten in den neueren Schriftstellern begriffen ist, du dich nicht lieber zu diesen wendest, um so mehr, da du mir immer sie zu wenig zu berücksichtigen schienest?" „Deine Frag,, lieber Ludolf, ist von äußerstem Gewichte, und du wirst erlauben, sie deshalb etwas umständlich zu beantworten, um dich ganz auf meinen Standpunkt zu versetzen, den ich jedoch durchaus nicht für einen allgemein gütigen anerkennen will. Du weißt, mein Vater ist noch einer jener alterthümlich gebildeten Juden, die mit unveränderlicher Strenge an dem alten Judenthum hängen, und außer ihm nur nothgedrungen Etwas gelten lassen. In diesem Geiste ward ich erzogen, und obschon ich das GyiNnasium besuchte, so mußte ich meine übrig« Zeit ausschließlich dem Studium des Talmud, seiner CommentOtoren und her rabbinischen Literatur widmen. So wie von Kunst und systematischer Wissenschaft überhaupt in dieses Kreise nicht im geringsten die Rede ist, und sich alle diese Schriften nur um die eine Frage drehen, wie das Leben in jedem einzelnen Moment« mit höchster Gewissenhaftigkeit zu einem gotterfüllten, auf das religiöse Heil — auf welche Weise nun dies auch gefaßt ist — hinstrebenden zu machen sei: so drängt sich unwillkürlich und tief in die innerste Seele des Studirenden die Geringachtung jedes andern Strebens ein, das eben auf die Frage: wozu dies? nicht mit einem Aehnlichen zu antworten vermag. Auch ich, Freund, konnte diesem besonnenen Charakter nicht widerstehen, er machte sich mir ei» genthümlich. Bei den Griechen nun beantwortete sich die Frage: wozu sie da sind? leicht dahin, daß sie die Menschen an und für sich in der vollkommensten Harmonie als Men sch erzielen, ohne auf höheres, jenseitiges Leben einzugehen. Wie aber konnten, als ich späterhin Muße und Gelegenheit hatte, die Schriftsteller der neueren Völker kennen zu lernen, und sie mit allem Eifer benutzte, wie konnten nach diesen schweren, das ganze menschliche Sein scharf abwägenden Fragen, die Mahrchen des Ariost, die Träumereien des Dante und Tasso, die Spielereien des Voltaire, die selbstbewußtlosen Verworrenheiten des Shakespeare Stand halten, um ihr Studium zu einer Lebensaufgabe zu machen?— Nein, Ludolf, nicht, wie du sagst, haben die neuen Autoren das neuere Leben am besten begriffen nnd verstanden; höchstens schattiren sie uns die Verwirrung des neueren Lebens'selbst treulich ab; den« in den verschiedenen Werken eines und desselben Autors findest du, in dem Einen die Ehre, in dem andern das Vaterland, in dem dritten den Glauben, fn dem vierten die Tapferkeit, im fünften die Liebe und den Frauendienst als das höchste Princip, als das Ideal des Menschen aufgestellt. Ein wahres Begreifen des Lebens kann ich aber 'nicht nennen, wenn man durch sich selbst nur ein Bild davan gibt, wie denn eine Spiegelung keine Beleuchtung ist — sondern nur wenn wir die Tendenz desselbm durchdringen, uns darüber erheben, und die Mittel zur Beherrschung desselben erkennen und darbieten. So wie aber die Neuern keine Einheit in ihrem inner« Wesen besitzen, so können sie eben deshalb auch nicht Herr über die Formen werden, und ein endloser Streit zwischen Wesen und Form waltet in ihnen vor, de« Keiner, nicht einmal Göthe, der den Griechen doch am nächsten steht, zu schlichten vermag. Wehe also dem, der dem Studium der Neuern sein Leben weiht: ist er nicht an und für sich flach

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