Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1898)
- Date
- 1898-02-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228257-3228263--54357-3290481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
in Böfing geboren ist. Der Verstorbene wirkte durch länger als fünfzig Jahre als Lehrer und war seinerzeit einer der gebildetsten und freisinnigsten jüdischen Schulmänner Ungarns. Direktor Loewy besuchte während seiner letzten Anwesenheit in Wien seinen alten Lehrer und bemerkte ihm gegenüber, daß er ihm viel fürs Leben zu verdanken habe. Bon Paris aus überschickte er ihm sein Porträt. B. Budapest, 12. Januar. Der jüdische Landes-Stipendiumverein, der bisher nahezu 600 Hörern der höheren Lehranstalten eine Unterstützung angedeihen ließ, veröffentlicht nun zum fünfundzwanzigsten Male einen Wettbewerb um Bereinsstipendium. Der unvergeßliche Kultus- und Unterrichtsminister, Baron Josef Eötvös, entwarf noch im Jahre 1868 nach der Jnartikulirung des Emanzipationsgesetzes den Entwurf des Vereines, der eine der schönsten kulturellen Aufgaben erfüllen sollte. Die bei ihm erschienenen Vertrauensmänner, denen er die Gründung eines solchen Vereins ans Herz legte, errichteten sofort mehrere Stiftungen und konstituirten sich zu einem provisorischen Komitee. Im Schuljahre 1869/70 wurden die ersten vier Stipendien an bedürftige Hochschüler vertheilt. Seit der Konstituirung des Vereins im Jahre 1871 wuchs die Zahl der Stipendien stetig, so daß heute nach fünfundzwanzigjährigem Bestände 42 Stipendien im Gesammtbetrage von 10 000 Kronen zur Vertheilung kommen können. Um das stetige Gedeihen des Vereins erwarb sich der königliche Rath Dr. Josef Simon, der Sekretär der israelitischen Landeskanzlei unvergängliche Verdienste. — Der Ausschuß der hiesigen Kultusgemeinde befaßte sich mit dem Plane eines neuen Synagogenbaues. Die Baukosten des auf dem von der Hauptstadt zur Verfügung gestellten Baugrunde zu errichtenden Tempelgebäudes werden 2 Millionen Kronen betragen. Es wird in der, Nähe des neuen Parlamentsgebäudes in einem frei zu wählenden Baustile errichtet werden und muß 3600 Sitze fassen. Die Konkursbedingungen wurden mit großer Umsicht festgestellt. — Auf Kosten des Erzbischofs Georg von Csaszka erschien eine größere Studie über den Talmud von Leopold Huber, der an dem theologischen Priesterseminar in Kalasa als Professor thätig ist. Das Werk, das in ungarischer Sprache erschien, wird nur in deutscher Bearbeitung auf den Büchermarkt kommen.-? Der Verfasser, den sein Wissensdurst zu den Quellen des jüdischen Schriftthums führte, behandelt sein Thema mit seltener Objektivität, so daß sich ein Rezensent des antisemitischen Alkotmany veranlaßt sah zu erklären, daß die antisemitische Bewegung sich nicht mehr auf den Talmud, als eine Gefahr für das Christenthum berufen könne. — Im Verein der israelitischen Gewerbe- und Handlungsgehilfen in Neupest hielt Max Czabolcsi einen Vortrag über die Arbeit und das Gewerbe bei den Juden im Alterthum. Ein zahlreiches Auditorium zollte dem Vorleser für seinen Vortrag warme Anerkennung. — Die Neutraer Kultusgemeinde stieß stets auf unüberwindliche Hindernisse, wenn sie daran ging, einen Prediger anzustellen. Nach mehreren mißlungenen Versuchen wurde eine Sekretärstelle kreirt, die mit einem Prediger besetzt werden sollte. Diese Stelle wurde nun dem Rabbiner Dr. M. Himmler übertragen, der sich dazu verpflichtete, neben den Sekretäragenden auch Gelegenheitsreden zu halten. Amerika. Mg. New-Aork, 15. Januar. Gestern verschied hier in dem hohen Alter von 89 Jahren Herr Lazarus Straus, der Gründer des weithin bekannten Waarenhauses L. Straus and Sons. Im Jahre 1909 in Otterberg, Baiern, geboren, ein Enkel des gleichnamigen Mitgliedes des französischen Sanhedrins, widmete er sich neben den von ihm betriebenen Studien des hebräischen Schriftthums und der Geschichte der Juden dem merkantilen Fache. An der revolutionären Bewegung in den Jahren 1848 und 1849 nahm er, ein Freund Kinkels und Karl Schurz's, thätigen Antheil. Im Jahre 1853 verließ er die Heimath und wanderte nach Amerika aus. Er eröffnete ein Geschäft in Talbotton, Georgia, und siedelte sich mehrere Jahre später in New- Iork an, wo er mit feinem Sohne Isidor das Haus begründete, das heute zu den bedeutendsten und angesehensten des Landes gehört. In den letzten Jahren seines Lebens zog er sich vom Geschäft zurück und , widmete sich den liebgewonnenen Studien. Als sein Sohn Oskar, der frühere amerikanische Gesandte in Konstantinopel, der gegenwärtige Präsident der „Amerikanisch - jüdisch - historischen Gesellschaft", vor... einigen Jahren Herrn Dr. Kayserling in Budapest veranlaßte, zur Ermittelung des Antheils, welchen die Juden an der Entdeckung Amerikas genommen, eine Forschungsreise nach Spanien zu unternehmen, war er es, der die Kosten der Reise bestritt. Lazarus Straus, eines der ältesten Mitglieder der Beth - el - Gemeinde und vertrauter Freund des Rabbiners David Einhorn, gehörte zu den wohlthätigsten Männern New-Aorks; viele Familien betrauern in ihm ihren Ernährer. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes sein! Don Nah und Fern. Die philosophisch-historische Klasse der Akademie der Wissenschaften hat Herrn Prof. Dr. Freudenthal in Breslau 700 Mark zu Forschungen über das Leben Spinozas bewilligt. — Dem Fabrikbesitzer Louis Leder mann in Oltaschin, Kreis Breslau, ist der Titel Kommerzienrath verliehen worden. — Außer den vielen Kriegsveteranen hat auch eine Damen in Rawiez, Inhaberin der Kriegsdenkmünze von 1870/71, die anläßlich des 100. Geburtstages Kaiser Wilhelms I. gestiftete Erinnerungsmedaille verliehen erhalten. Es ist dies Frau Kommisstonsrath C o h n. Die Dame hat sich um die Kriegskrankenpflege verdient gemacht. — Bon den im vergangenen Jahre aus Memel ausgewiesenen Juden, von denen nicht wenige seit sehr langer Zeit dort wohnten, hat der Minister des Innern jetzt einem Theil dauernde Ausenthaltserlaubniß gewährt. — Kantor Horwitz aus Dessau verläßt mit dem 1. April d. Js. nach zehnjährigem Wirken seine Stelle, um eine gleiche in Kassel anzutreten. — Mit Genehmigung des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens sind die Gebühren für amtliche Verrichtungen der Rabbiner und Vorsänger in Württemberg auf Anregung der Israel. Oberkirchenbehörde neu geordnet resp. erhöht worden. Es betrifft dies die Gebühren bei Leichenbegängnissen, Beschneidungen, Lehrvorträgen, Barmizwah und Konfirmation, Trauungen und Chaliza, Schächter-Prüfungen u. s. w. — Rabbiner Dr. Julius Fürst in Mannheim wurde vom Großh. Oberrath der Israeliten in Würdigung seiner Verdienste um die jüdische Wissenschaft ein Fanny Weil'scher Preis im Betrage von 600 M. verliehen. — Der Gauturntag für Nordwestböhmen in Teplitz lehnte den Antrag mehrerer Turnvereine, Juden nicht aufzunehmen, ab. — Die Handelskammer in Krakau hat abermals einstimmig den bisherigen Präsidenten Albert Mendelsburg zu ihrem Präsidenten gewählt. — In Moskau ist im Alter von 85 Jahren Salomon Poljakoff, der Vater des bekannten Bankiers, ein frommer und wohlthätiger Mann, allgemein betrauert, gestorben. — Der'Kaufmann M. Mamroth in Kalisch hat den russischen Annen-Orden III. Kl., der Kaufmann W. Muttermilch in Warschau die goldene Medaille am Bande des Wladimir-Ordens, der Kaufmann Sal. Landau daselbst die goldene Medaille am Bande des Annen-Ordens, det Kaufmann M. Goldfeder die goldene Medaille am Bande des Wladimir-Ordens und der Kaufmann I. L. Szejmann die silberne Medaille desselben Ordens erhalten. — Am 12. Dezember v. Js. starb Israel Costa, Ober-Rabbiner zu Livorno, Mitglied des Central-Komitees der A. I. U. Sein Ableben ist ein großer Verlust für das italienische Judenthum und die Gemeinde von Livorno. 1872 trat er in das Central- Komitee und wurde ein eifriger Förderer des Werkes. — In der letzten Sitzung der französischen Deputirtenkammer wollte der antisemitische Deputirte aus Algier, Samary, den Minister des Innern wegen der Exzesse in der Kolonie interpelliren, doch bestand der Minister darauf, daß diese Interpellation verschoben werde, damit der Generalgouverneur, der jetzt seinen Posten nicht verlassen könne, zur Stelle sein kann. Die Majorität setzte denn auch auf Wunsch des Ministers den Termin der Verhandlung über die Interpellation Samary für den 19. Februar fest. — 62 ausgeplünderte Juden stellten Ersatzansprüche an die Stadtverwaltung von Algier, wurden jedoch auf den Klageweg verwiesen. Zwei Strafkammern urtheilen über die verhafteten Mörder und Plünderer, jede hat bisher gegen 70 Angeklagte abgeurtheilt; die Schuld ist in allen Fällen genau die nämliche, aber die eine Strafkammer verhängt Strafen von drei bis fünf Jahren Zuchthaus, die andere solche von zwei bis vier Monaten Gefängniß. — Obergerichtsanwalt G. Oppenhejm in Kopenhagen, Mitglied des Vorstandes der Gemeinde, zugleich juridischer Beistand des deutschen GeneyMonfulats, hat den Rothen Adler-Orden IV. Kl. erhalten. Druck und Vertag von Ruools Mo sie in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.