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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-28 · Heft 4 (28.1.1898) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 4 (28.1.1898)
Date
1898-01-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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auch Albert Barabas, früher Redakteur eines antisemitischen Blattes in Stuhlweißenburg, verhaftet. — Der Kaplan Johann Csapo in Csongrad war wegen Aufreizung zum Klassenhaß zu fünf Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Da sich Csapo zum Strafantritt nicht meldete, wurde er von Gendarmen abgeholt. Er setzte stch zur Wehre. Nach einem Handgemenge mit den Gendarmen wurde Csapo gefesselt und von denselben in das Szegediner Gefängniß eskortirt. — Die Triester Handels- und Gewerbekammer wählte Herrn Heinrich Pollitzer zum provisorischen Präsidenten. Amerika. C. H. New-Dork, im Januar. Leopold Rosenshine, der kürzlich in San Francisco starb, hat dem Waisenhause, dem Hospital, der allgemeinen jüdischen Wohlthätigkeitsgesellschaft und der Eureka Benevolent Society je 500 Dollars hinterlaffen und bestimmt, daß weitere 1000 Dollars nach dem Ermessen der Testamentsvollstrecker für Wohlthätigkeitszwecke ohne Rücksicht auf Rasse und Religion vertheilt werden sollen. — Die Baron Hirsch-Gesellschaft sucht unter den zahlreichen jüdischen Schneidern New-Iorks, welche gegenwärtig wieder streiken, Kolonisten für den Westen zu gewinnen. Der Arbeiterführer Meyer Schönfeld begünstigt das Projekt, während die weitaus größere Mehrzahl der Strecker sich ablehnend verhält. Hingegen ist in Nevada eine neue Kolonie zumeist von San Francisco aus besiedelt worden und verspricht bei dem billigen Grundpreise von zwei Dollars pro Acker (40 Hektar) Gedeihen. Eine andere jüdische Kolonie ist im Staate Westvirginien von russischen Juden ohne fremde Beihilfe angelegt worden. — In Bangor, Maine, wurde am 19. Dezember eine Synagoge eingeweiht. In Maine, wie in Neu-England überhaupt, haben sich erst seit dem russischen Exodus Gemeinden gebildet. — Frau J.H. Hecht in Boston erhielt von Frau Baronin Hirsch 40O00 Fres. zur Förderung wohlthätiger Zwecke unter den Juden dieser Stadt. — Herr Kaufmann Hays in Cleveland, Ohio, hat einen neuen Bauplatz zur Errichtung eines Gebäudes für jüdische Wohlthätigkeitszwecke geschenkt. — Der geschäftsführende Ausschuß des jüdisch-amerikanischen Gemeindebundes, Union ok American Congregations, hielt am 26. Dezember seine Jahressitzung ab. Der Jahresbedarf betrug 25 246 Dollars, wovon 22 000 auf die Unterhaltung des Rehrew Union Gollege entfallen. — In unserer Stadt fand vom 29. bis 30. Dezember die Sitzung der amerikanisch-jüdischen historischen Gesellschaft statt. Ueber die zum Theil recht interessanten Vorträge werde ich später berichten. — Der Historiker Julius Sachse, ein Nicht- Jude, brachte einen alten jüdischen Ansiedler von P ennsylvanien, Jacob Philadelphia, geboren 1720, ans Tageslicht, der als Mechaniker und Schwarzkünstler eine Weltberühmtheit erlangt hatte. — Herr Salomon Loeb in New-Aork hat der jüdischen Wohlthätigkeitsgesellschaft die Summe von 150 000 Dollars zum Bau eines eigenen Hauses geschenkt. — In dem Lehrbuche der vergleichenden Religionsgeschichte, herausgegeben von der theologischen Fakultät in Chicago, erscheint eine Skizze der jüdischen Religionsgeschichte aus der Feder von Professor G. Deutsch in Cincinnati. Bon demselben ist ein Essay über die geschichtliche Entwickelung der national-jüdischen Bewegung in der angesehenen theologischen Bierteljahrsschrift: „The New World“ angekündigt. — In Montreal, Kanada, erscheint die erste jüdische Zeitschrift, welche auf diesem Kontinent außerhalb der Vereinigten Staaten das Licht der Welt erblickt hat, unter dem Titel: „The Jewish Times“. — In New Haven, Connecticut, ist der Kultusbeamte Max R apoport einer Blutvergiftung erlegen, die er stch beim Schlachten zugezogen hatte, nachdem ärztliche Kunst vergeblich versucht hatte, sein Leben durch Amputation des Armes zu retten. Von Nah und Ferm / — Zum Präsidenten der Deutschen Chemischen Gesellschaft ist für das Jahr 1898 der Geh. Regierungsrath Professor Dr. Karl Liebermann gewählt wordeü. — Der Kaufmann Franz H. Mayer hier hat den Rothen Adlerorden vierter Klasse erhalten. — Wegen gröblicher Schändung des jüdischen Friedhofs in Eberswalde haben die Arbeiter Dittmann, Wittke und Botz von der dortigen Strafkammer zwei Jahre, acht Monate und ein Jahr sechs Monate Gefängniß erhalten. — Wie schon kürzlich die erste Kammer, so lehnte jetzt auch die zweite Kammer des sächsischen Landtags eine die Uebersetzung des Schulchan Aruch wünschende antisemitische Petition ab, obgleich Dr. Mehnert; der Führer der Konservativen, dafür eintrat. — Der unbesoldete Beigeordnete Kommerzienrath Gustav C o p p e l in S o li n g en, wohl der einzige jüdische Beigeordnete in der Rheinprovinz, ist in gleicher Eigenschaft auf fernere sechs Jahre bestätigt worden. — In allen Pfarrkirchen der Diözese Paderborn ist ein Hirtenbrief des Bischofs Hubertus Simär verlesen worden, worin vor dem Eingehen gemischter Ehen gewarnt wird. In dem Hirtenbrief wird aüsgeführt: „Zwischen Juden und Katholiken könnten giltige Ehen nicht eingegangen werden/' ~ An Stelle des am 1. April in Pension tretenden Lehrers Cohnhoff in Duderstadt ist der Lehrer Waller in Moringen gewählt. — Wie die „N. Fr. Pr." meldet, hat der Kaiser dem Baron Nathaniel Rothschild in Wien die Hoffähigkeit verliehen. — Wie das „Journ. de St. Petersb." vernimmt, wird aus dem Kabinet des russischen Kaisers ein Kunstwerk aus Edelgestein vom Ural an den Prokuristen des Bankhauses Mendelssohn u. Co. in Berlin, Herrn Arthur Fischel, abgesandt. Das Journal fügt hinzu, dieses Zeichen kaiserlichen Wohlwollens für Herrn Fischel sei auf einen Bericht des Finanzministers v. Witte erfolgt. — Die Petersburger kaiserliche Akademie der Wissenschaften hat Dr. Ignaz Goldziher in Budapest in Würdigung seiner Verdienste um die orientalische Wissenschaft zu ihrem auswärtigen Mitglieds gewählt. — In Uman, Gouvernement Kiew, fand die Verhandlung wegen der antisemitischen Unruhen in Schpola statt. Von 58 Angeklagten wurden zwölf freigesprochen, die übrigen zu Gefängnißstrafen von acht Monaten bis zu ein und einem Vierteljahre verurtheilt. — In den letzten Tagen empfing die Synagogalverwaltung zu Moskau vom Polizeipräsidenten den Befehl, das Asyl für jüdische Waisen und den Talmudthora-Unterricht zu schließen. Der Grund dieser Maßregel, die der Generalgouverneur von Moskau in Uebereinstimmung mit dem Minister des Innern beschlossen habe, sei der, daß „das Asyl eine zu beschränkte Zahl von Waisenkindern ausnehmen könne", und daß der Talmudthora - Unterricht zwecklos sei, da die Kinder der in Moskau lebenden Juden die öffentlichen Unterrichtsanstalten besuchen dürfen. — Herr Pampulow, der Großrabbiner der Karaiten von Odessa und Taurien, hat soeben den Behörden einige Betrachtungen über die augenblickliche Lage der Karaiten unterbreitet. Er beweist, üaß sich die Zahl der Karaiten verringert. Diese Abnahme erklärt stch durch die große Anzahl verheiratheter Karaiten. Die Anzahl der Mischheirathen zwischen rabbinischen Juden und Karaitenmädchen nimmt zu. Die Großrabbiner bitten nun die Regierung, sich um diese Frage zu kümmern und den Juden die Heirath mit karaitischen Mädchen zu gestatten unter der Bedingung, daß sie zum Karaiten-Glauben übertreten und die Bortheile der Anhänger dieser Sekte mit genießen. Der Mann wird sich wundern! — Frau Baronin Clara v. Hirsch-Gereuth hat allen ehemaligen Beamten und Bediensteten der orientalischen Bahnen, welche 10 Jahre unter ihrem verstorbenen Gemahl treu und ehrlich gedient haben, oder deren Wittwen und Waisen einen Jahresgehalt ausgeworfen. Im gleichen Ausmaße sind alle niederen Bediensteten und Arbeiter, welche noch im Dienste stehen und eine zehnjährige Thätigkeit unter Baron Hirsch aufweisen, bedacht worden. Für die aktiven Beamten der orientalischen Bahnen hat Frau Baronin v. Hirsch zum Andenken an ihren verstorbenen Gemahl zwei Millionen Francs zur Gründung einer Pensionskasse gespendet, welche mit 1. Januar d. I. zu funktioniren begonnen hat. — Die Jewish Colonisation Association hat beschlossen, die Ansiedelung in Cypern, die dort der Verein Ahawath Zion angelegt hat, zu unterstützen. Zunächst wird eine Summe Geldes als Darlehen gegeben werden, dann werden die Ansiedler in geschäftlichen Dingen auf Veranlassung der Jewish Colonisation Association Rath bei einem Engländer, der auf Cypern ansässig ist, erhalten können. Die Ansiedelung besteht erst ein Jahr. — Zum italienischen Konsularagenten in Mogador ist ein Jude, Signor Victor Lombroso, ernannt worden. — Auch Kanada hat nun eine jüdische Zeitung. Seit dem 1. Januar erscheint in Montreal ein vierzehntägiges Organ unter dem Namen „Jewish Times". Druck und Verlag von Nudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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