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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-14 · Heft 2 (14.1.1898) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 2 (14.1.1898)
Date
1898-01-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Gründung von Schulen sich angelegen sein lassen und auch den Kindern minderbegüterter Juden die Gelegenheit bieten, einen geregelten und nützlichen Unterricht zu genießen. — So wird aus Jekaterinoslaw berichtet, daß die vor einem Jahre dort von einigen edlen Frauen begründete jüdische Mädchenschule in bester Entwickelung begriffen ist. Die Zahl der Zöglinge ist von 70 im Vorjahre auf 100 gestiegen, und die Lehrerinnen, sowohl die besoldeten als auch die den Unterricht unentgeltlich ertheilenden, obliegen mit großem Eifer ihrem Beruf und bemühen sich, die ihrer Erziehung anvertrauten Zöglinge zu brauchbaren Menschen und guten Jüdinnen auszubilden. In der von Herrn Brodski in Slatopol (Gouv. Kiew) begründeten Altersversorgungsanstalt starb kürzlich ein jüdischer Greis im Alter von 110 Jahren. Derselbe hat bis zu seinem 104. Lebensjahre sein Brod durch schwere Arbeit verdient; noch als 100jähriger Greis war er an der Brodski'schen Mühle in Slatopol als Lastträger beschäftigt. Großbritannien. London, 2. Januar. Am 2. d. Mts. fand die Monatsversammlung der Anglo Jewish Association statt, in der verschiedene neue Berichte aus dem Orient mitgetheilt wurden. Aus Persien kommt die betrübende Botschaft, daß Anfangs November die Geistlichkeit in Teheran wieder die Hetze gegen die Juden begonnen hat. Auch Plakate an den Straßenecken forderten zu einem Massakre der Juden an dem Geburtstage des Schah auf. Die Behörden sind zwar sofort eingeschritten, auch der englische Geschäftsträger begab sich sofM zum Schah und sandte nach der Audienz seinen Sekretär in das Judenquartier, um den geängstigten Israeliten zu sagen, daß sie ruhig bleiben dürften. Trotzdem und obwohl der Großvezier Emin Dowlah ein Freund der Juden ist, sind dieselben doch äußerst beunruhigt. Die Anglo Jewish Association wird sich gemeinsam mit dem Board of Deputies bei dem englischen Geschäftsträger für feine raschen Maßregeln bedanken und seine fernere Hilfe erbitten. Ferner lagen seßr günstige Berichte vor über die Schule in Bassorah, wo der Unterricht so vollständig im Argen liegt, und die von 150 Knaben besuchte AnstaÜ die einzige Schule ist. Ebenso günstig lauten die Berichte aus Bombay, in welchem Orte 221 Knaben und 85 Mädchen die Schule der Anglo Jewish Association besuchen. Das Komitee wird daher die Subvention für diese Anstalt auf 2500 Mark pro Semester erhöhen, an solchen Subventionen wird ferner bewilligt 400 Mark für die Mädchenschule in Bottuschani und 800 Mark für die Talmud-Thorafchule in Smyrntz. Endlich, theilte das Exekutivkomitee der A. I. A. noch mit, daß das Ministerium des Aeußeren auf Ersuchen des englischen Konsuls sich über die Haltung der Rabbiner in Jerusalem gegenüber der englischen Mission beschwert hat. Das Exekutivkomitee hat deshalb zwei Briefe an den Oberrabbiner und an Lord Salisbury gerichtet; in dem ersten spricht die A. I. A. demselben ihre Anerkennung aus für seine feste Haltung gegenüber der Mission, warnt aber dringend vor ungesetzlichen Maßregeln; in dem zweiten schreibt die A. I. A. an Lord Salisbury, den wahren Sachverhalt der Vorgänge in Jerusalem und betont das Recht der Nothwehr der Juden gegenüber den Schlichen der Mission. Die Haltung der Anglo Jewish Association in dieser Angelegenheit verdient volle Anerkennung. — Unsere Presse bespricht die Bemühungen' der Juden, in Cypern Kolonien zu errichten, sehr wohlwollend. Richtig ist, daß auf diesem Eiland schon zwei Unternehmungen von Juden verunglückt sind, jedoch war die damalige Gesellschaft Ahawath Zion aus lauter Personen zusammengesetzt, welche von der Bodenbearbeitung nicht das Geringste verstanden, die Leute aber, welche gegenwärtig dorthin auszuwandern beabsichtigen, sollen alle schon etwas vom Ackerbau verstehen und tüchtige Arbeiter sein. Die Regierung wird freilich nicht mit Geld, wohl aber mit Rath oder sonstiger Hilfe den Ansiedlern gern zur Seite stehen, vorausgesetzt, daß die Jewish Colonisation Association die nöthigen Gelder bewilligt. Dieselbe hat neuerdings außer Mr. Walter Cohen aus London auch Mr. Niego ays Jaffa dorthin gesandt, um diese Frage zu studireu. Amerika C. H. New-Iork, im Januar. In Albany, der Hauptstadt dieses Staates, starb am 20.^ Dezember der angesehene Arzt und medizinische, Schriftsteller Dr. Josef Lewi, aus Radnitz in BöhWn gebürtig. Dr. Lewi stand im 78. Lebensjahre und hatte sich nöich Vollendung seiner Studien im Jahre 1849 in Albany niedergelassen. — Pater Pius Mortara weilt gegmwärtig in unserer Stadt, um unter feinen Landsleuten Gott für die Gnade zu preisen, die ihm durch das Attentat Pius IX. auf die heiligsten Menschenrechte zutheil wurde. — Benjamin Lichtenstein, Besitzer des Opernhauses in Harlem, welcher jüngst hier starb, vermachte je 2500 Dollars den folgenden jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten: dem Waisenhause, dem Hospital, dem Siechenhause und der Gewerbeschule. — Die Gemeinde Jifereth Israel in Cleveland, Ohio, welche bisher Sonntagsgottesdienst neben dem Sabbathgottesdienst hält, geht mit dem Gedanken um, den Sabbathgottesdienst ganz aufzugeben. — Der jüdische Wohlthätigkeitsball in Chicago hat einen Reinertrag von 30 000 Dollars geliefert. — In Philadelphia wurde aus der Stiftung des vor 40 Jahren verstorbenen Hyman Gr atz das Gratz-College als eine Schule für Religionslehrer eröffnet. — Einem Schiffsunfall im karaibischen Meere ist Samuel Cers zum Opfer gefallen, welcher in Nicaragua ein hervorragender Kaufmann und angesehener Bürger war. Er war zur Zeit seines Todes Alealde in seinem Wohnorte. — Die jüdische Litteraturgesellschaft hat neulich ein Bändchen „Sketch of Jewish History“ von Gustav Karpeles herausgegeben, welches von der jüdischen Presse sehr beifällig besprochen wird. Von Nah und Fern. — Maurermeister Josef Fränkel, eines der angesehensten Mitglieder der Berliner Gemeinde, feiert am 13. d. M. seinen 70. Geburtstag. — Der Kaufmann Bernhard Cron er und der Rentier Valentin Weißbach haben den Rothen Adlerorden vierter Klaffe erhalten. — Die Generalversammlung des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden in Deutschland findet am 16. d. hier im Konferenzzimmer der Logen,Wilhelmstr. 116, statt. — In B r e s l a u ist Rechtsanwalt Dr. Max Berkowitz, einer der hervorragendstendortigenVertheidiger,im44.Lebensjahre gestorben. — Der Partikulier Emil Schlesinger feierte am 1. Januar sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Vorsteher der Synagogen-Gemeinde Oberglogau. Das Vorstands- und Repräsentanten-Kollegium der jüdischen Gemeinde beglückwünschte den Jubilar im Namen der Gemeinde und überreichte ihm einen silbernen Becher mit Widmung. — In Hamburg ist die Oberin Werlheim er vom israelitischen Krankenhause, die mehr als 25 Jahre in ihrem verantwortungsvollen Berufe thätig war, gestorben. — Herr Hermann Zivi in Düsseldorf, ist als Kantor und Lehrer nach Elberfeld berufen worden. — In Rheine feierte am 9. d. M. die Gemeinde das fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum des Lehrers L. Baum. Aus diesem Anlasse fand Abends im Hotel Schultze ein Festessen statt. — Die Aufnahmeprüfung für das israelitische Lehrerseminar in Kassel findet am 28. März, die Entlassungsprüfung am 21. März, die zweite Lehrerprüfung am 24. Oktober statt. — Frau Dr. Karl Sulzbach und Paul Kohn-Speyer in Frankfurt a. M. haben zum Andenken an ihren Bruder der Volksheilstätte in Ruppertsheim die Summe von 225 000 Mark geschenkt. — Aus Haag wird berichtet: Die Regierung untersagte auf Wunsch der französischen Gesandtschaft die Aufführung des Bolksstückes „Dreyfüs der Märtyrer", das in Amsterdam großen Zulauf hatte. — Der Kongreß der Karäer über eine zeitgemäße Reform des karäischen Gebetbuches findet in der nächsten Woche in Eupatoria statt. — Die Gemeinde Corfu beklagt den Verlust eines ihrer besten Mitglieder, des Herrn Marchetto Besso. Er war bei Christen und Juden gleich beliebt, und sein Begräbniß legte Zeugniß für die allgemeine Achtung ab, deren er sich erfreute. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Nationalitäten auf der Insel haben sich überhaupt gebessert. — Auch die Insel Hongkong hat eine jüdische Gemeinde, wie fast alle englischen Kolonien. Dieselbe ist freilich klein und zählt nur 150 Seelen, 52 Männer, 26 Frauen, 25 Mädchen und 40 Knaben, sie besitzt auch eine kleinere Synagoge, in der zum Versöhnungstage 57 Erwachsene und 10 Kinder versammelt .waren, freilich nicht die ganze Gemeinde. Die Mehrzahl der Gemeinde ist arm; sind doch nicht weniger alH 40 ...männliche. Hepsonrn'^,Äem einen Geschäft von Mefsrs. Saloons angestellt, aber trotzdem besteht auch dort ein Zweigverein der ArtzLy Jewish Association. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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