Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 19 (13.2.1838)
- Date
- 1838-02-13
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 gnügen gemacht, die aber zwiefach belohnt ist, wenn Sie zufrieden sind. Darum ukarucb! Das ist der Schlußgruß der 8efarüim. M. Die Musik-Beilagen erfolgen nächstens. D. Redact. CorresPondenzen, Auszüge, Replikerr. Paris, 1. Febr. Zweiter Artikel. Die Israeliten des mittägigen Frankreichs. Dieselbe Verschiedenheit, welche man seit dem Mittelalter zwischen den Juden dev Mittags und denen des Nordens von Frankreich bemerkt, besteht noch wesentlich, aber in einem andern Sinne. In der Zeit, von der wir sprechen, begründeten die Rabbinen des mittägigen Frankreichs, in ihren Studien dieselbe Richtung wie die spanischen verfolgend, ihre Untersuchungen auf einen philosophischen Geist, den ihnen die Araber mitgeiheilt, während die nordischen, wie in Lothringen, der Champagne u. s. w., an deren Spitze R. Gerson von Metz, Isaaki oder Raschi, und im Allgemeinen die Verfasser der Tosefot, standen, ihre Literarische Laufbahn in der Verbreitung der talmudischen Ueb'erlieferungen, in de Erklärung der Bibel, und in einer weniger rationellen Exegese einschrankten. Bei dem Mangel authentischer Documenre über diese Parthie unserer Geschichte, weiß man nur, daß die politische Stellung der Juden in den nördlichen Provinzen Frankreichs und der beengende und verfolgerische Geist eines unwissenden Clerus Vieles beigctragen hat, den Studien derRabbinen eine scharf gezeichnete Untergeordnerheit gegen die des'Südens aufzuprägen. Dieser Stand der Dinge hat sich sehr geändert. D!e politische Emancipanon hat für die Juden des Nordens eine Veränderung hervorgebracht, die, wenn sie auch noch nicht ganz durchdringend ist, ihnen dennoch ein gewisses Uebergewicht als Israeliten über die von Bordeaux und Marseille, durch zwei Consistorialfitzen, verschafft. Der Grund hiervon ist vielleicht folgender: Die Gemeinde von Bordeaux hatte Freiheiten, als die andern Gemeinden noch außerhalb des Gesetzes waren; daraus ist es erfolgt, daß, sei es aus Stolz, welchen der Vorzug gibt, sei es durch die Wirkung einer älteren oder eingewurzelteren bürgerlichen Existenz, die Juden dieser Gegenden nichts mehr gethan haben, um sich zu regeneriren, und es ist ausgemacht, daß sowol in Betracht des religiösen Unterrichts, als auch in Betracht der Einsichten (lumieres), die Juden des Südens unter denen des Nordens gegenwärtig stehen. Ein noch mächtigeres Motiv hat diesen unangenehmen Stand hervorgebracht. Die jüdische Bevölkerung des Nordens wird nach und nach von Auswanderern aus Deutschland, wo die Ideen der Reform, seit Joseph II., unter den Israeliten tiefeWurzel geschlagen, und aus Polen, deren Geist eine erstaunenswerthe Geschicklichkeit besitzt für Alles, was Nachdenken und ausdauernde Untersuchung erfordert, vermehrt. D'ese Auswanderer kommen sehr selten in den Süden. Marseille im Gegentheil, durch seine Handelsverbindungen sich aus den Barbareskenstaaten recrutirend, empfangt Juden, die noch auf der untersten Stufe der Leiter der Socialität stehen. Der, welcher die Juden von Algier kennt, weiß auch, welche Unwissenheit die Juden dieser Gegenden, die freilich gegen die Moslems noch weit hervorragen, charakterisirt. — Den besten Beweis, wie sehr Bordeaux und Marseille noch zurückstehen im religiösen Unterricht, ist, daß die Eleven, welche der Consistonalbezirk nach der Rabbinenschule von Metz sendet, für Bordeaux und Marseille, nicht junge Männer aus diesen beiden Städten, sondern aus Paris und Metz sind. Bordeaux hat zUm Groß-Rabbsnen den Herrn vr. Marx, früher Professor an der Jsraelitenschule in Nancy. Er ist zu kurze Zeit an seiner Stelle, um über seine Wirksamkeit urtheilen zu können. Er ist dem Herrn Andrade gefolgt, dessen Beredsamkeit man rühmte. — Es besteht also hier ein Consistorium; hier wie anderswo thut es Nichts, um den Cultus zu verbeffern; aber eö hat hier auch nichts Gutes zu verhindern, da man nichts dergleichen versucht. Die Reichen beschäftigen sich mit ihren Geschäften, und die Armen mit ihrem kleinen Erwerb. Einige israelitische Schriftsteller haben ihre Werke dem Consistorium von Bordeaux übersandt. Es waren Werke, nothwendig für die Studien der israelitischen Jugend. Die Einen haben keine Antwort erhalten, den Anderen sagte man-: Ihre Arbeiten können Interesse für die Gelehrten haben (!); aber das Consisiorinm hat kein einziges Exemplar gekauft. — Man hat auch Einiges für die Organisation der Schulen versucht, aber die Ehre dieses Versuchs gehört der würdigen Madame Robbe, einer israelitischen Dame, dieser Stadt, an. Indem wir das, was wir über Bordeaux zu sagen haben, beschließen, bemerken wir, daß mit sehr wenigen Ausnahmen die reichen Familien sich der jüdischen Speisegesetze entschlagen haben, und die Beobachiung des Sabbats für sie nur im Almanach existirt. Das Consistorium von Marseille scheint einige eifeige Mitglieder zu besitzen, und der neue Groß-Rabbine, Herr D. Cahen von Metz, beschäftigt sich, wie man sagt, mit Thätigkeir, um Gutes zu schaffen in einer Carriere, wo so Viel zu thun ist. Vor einigen Jahren zählte die israelitische Schule dioser Stadt nur 25 Schüler. Wir haben wenig? über Bayo nne zu sagen, wo der Rabbine, Herr Jacob Athiaö ein braver Mann ist; freilich ein kurzes Lob für einen Rabbinen. Im Süden hat ein spanischer Jargon und in Marseille ein verdorbenes Arabisch denselben Ruf der Heiligkeit, den bei den ruffischen Juden das schlechte Deutsch hat, daö von den deutschen Juden länst verachtet wird. Es wohnen Israeliten auch in einigen andern Städten, wie Nimeö, Carpentras, Avignon, Pierreh ora de, und durch Italien, zurückkehrend, in Lyon, Clermont, ChalonS für Saone, Toulouse rc. Aber mit Ausnahme von Lyon, wo die Gemeinde ziemlich zahlreich ist, sind es die in den anderen Städten durchaus nicht; und außer Marseille, Nimes,Bayonnerc., wo die Israeliten dem portug. Ritus angehören, folglich^ denen von Bordeaux gleichen, verstärken sich die andern aus Lothringen und Elsaß. Die Israeliten des Südens rühmen sich mit Grund ihres Landsmannes Herrn Crüniieux, eines ausgezeichneten Advocaten zu Paris, er ist auch ein Mitglied des Centralconsistoriums, wo er sich aber noch nicht ausgezeichnet hat; und des Herrn Bedarride, eines unterrichteten Advocaten zu Montpellier; derselbe hat >'in noch nicht erschienenes Werk über den Zustand der Juden in Frankreich, Italien und Spanien vom 5ten bis zum I6ten Jahrhundert versaßt. Ein Rabbiner, Namens Moses Crem reu von Nimeö hat ein Werk über -die Gebete und einige Schriften über Aden Esra veröffentlicht; bis jetzt waren sie aber nur im Buchhändlerblatt angezeigr *). Wir werden darüber in unserem Artikel über die hebräische Literatur in Frankreich sprechen. Kurz in dem Süden Frankreichs ist Znoch Ä^es für die israelitische Wiedergeburt zu thun. * 0 * *) Wir bemerkten es schon in No. 41. vor. Jahrg. D. Red. Redacteur: Drf L. Philippfon. — Verlag von Baurngärtrrers Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.