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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-12-07 · Heft 49 (7.12.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 49 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 gemeinde Glogau an den Ausschuß des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes veröffentlicht: „Wir haben auf Grund unserer langjährigen Erfahrung in unserer Gemeinde und in den übrigen schlesischen Gemeinden die Ueberzeugung gewonnen, daß das preußische Gesetz vom 27. Juli 1847 sich im wesentlichen bewährt hat und deshalb in seinen fundamentalen Prinzipien aufrecht zu erhalten ist. Das Gesetz garantiert die Selbständigkeit jeder einzelnen Synagogengemeinde in den alten preußischen Provinzen unter der allgemeinen staatlichen Oberaufsicht. Diese Selbständigkeit ist ein wertvolles, essentielles Element für die Entwicklung unserer jüdischen Gemeinden und hat sich auch überall da, wo die Prästationsfähigkeit vorhanden — in den mittleren und großen Gemeinden — als erfolgreich bewiesen, sowohl in kultureller wie in wirtschaftlicher Hinsicht, wie auf den Gebieten der Wohltätigkeit und des Religionsunterrichts. Diejenigen Gemeinden, die infolge der Zeitverhältnisse von Jahr zu Jahr immer kleiner und kleiner werden, können der Natur der Sache nach nichts leisten. Abhilfe suchen hier zu schaffen die freiwilligen Bezirksverbände. Nach dieser Richtung wäre wohl eine organisatorische Aenderung zum Zweck der Vereinigung von einzelnen kleinen Gemeinden zu leistungsfähigen Bezirksverbänden zu erstreben. Dagegen ist jede, die Selbständigkeit der einzelnen Gemeinden aufhebende oder irgendwie einschränkende Organisation, wie sie der Rosinsche Entwurf einführen will — Synodal-, Konsistorialverfassung oder dergleichen — entschieden zu bekämpfen. Während die politischen Gemeinden überall in Preußen nach Erhaltung und nach tunlichster Erweiterung ihrer Autonomie streben und zwar in der erprobten Erkenntnis, daß nur die vollste Autonomie das Wohl eines Gemeinwesens zu fördern geeignet ist. sollen die jüdischen Gemeinden Preußens ihre Selbstständigkeit von selbst und ohne Not erschüttern. Eine Gesamtorganisation ist nur im Wege freiwilligen Zusammenschlusses zu erstreben, nicht aber auf Grund gesetzlichen Zwanges. Was in dem kleinen Baden und Württemberg sich etwa nicht als nachteilig gezeigt haben mag, ist nicht auf das größere, mannigfach anders gestaltete Preußen zu übertragen. Wir sind der Meinung, daß essentielle Aenderungen an dem Gesetz vom 27. Juli 1847 überhaupt nicht vorzunehmen sind und daß zurzeit mit Rücksicht auf die dermaligen politischen Verhältnisse in Preußen keinerlei Anregungen zum Erlaß von Gesetzen über die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde Preußens zu geben sind." — Dortmund, 18. November. Der dritte Jahresbericht des Kuratoriums für jüdische Krankenpflegerinnen entwirft abermals ein erfreuliches Bild der Tätigkeit im verflossenen Jahr. Der Mitgliederbestand hat sich bis jetzt behauptet und nach wie vor haben die Leistungen der Schwestern ungeteilten Beifall gefunden. Das Kuratorium hat dieses Jahr sieben Sitzungen abgehalten; etwa 25 Aerzte haben mehr oder minder häufig die Hilfe des Kuratoriums für ihre Kranken in Anspruch genommen. Aus der Aufstellung der Pflege und der Orte, auf die diese verteilt wurden, ergibt sich — auch ohne die gewohnten stundenweisen Hilfsdienste bei Leidenden, bei Armen und bei Operationen zu rechnen — ein recht arbeitsamer Jahrgang. Die erste ernste Erkrankung einer Schwester hatte die außerordentliche Wichtigkeit einer besonderen Rücklage zur Sicherstellung der Schwestern bei vorzeitiger Arbeitsunfähigkeit, zu der mit dem sogenannten Schwesternfonds erst ein bescheidener Anfang geschaffen ist, vor Augen geführt, daß beschlossen wurde, ihm fortan regelmäßig 20 Prozent der Einnahmen zu überweisen. Heute beläuft sich der Schwesternfonds auf 3245,06 Mark, während die Kasse folgenden Stand aufweist: an Einnahmen 9209,01 Mark, an Ausgaben 5072,22 Mark, mithin Bestand 4136,79 Mark. Zu erwarten sind noch — außer einigen anderen Rückständen — von der Stadt Dortmund 300 Mark, welche der Magistrat dieses Frühjahr aus den Ueberschüssen der Städtischen Sparkasse eingestellt hat. An den meisten größeren Plätzen unseres Bezirks, die noch vor wenigen Jahren der jüdischen Schwesternsache sehr kühl gegenüber standen, inzwischen aber die Dortmunder Schwestern bei der Arbeit gesehen haben, rühren sich jetzt alle Hände, um gleichfalls jüdische Schwestern anzustellen. Dieser unverhoffte Umschwung ist gewiß erfreulich, aber anderseits hat er auch die ernste Folge, daß dem hiesigen Verein mit dem Fortfall der dortigen Ortsbeiträge ein einschneidender Einnahmeausfall droht und gerade zu einer Stunde, wo durch die Anstellung einer dritten Schwester eine Erhöhung der Ausgaben uut 8000 Mark bevorsteht. Das Beispiel der israelitischen Gemeindevertretung Bochums, die das Kuratorium kürzlich aus eigenem Antriebe durch einen Jahresbeitrag von 300 Mark einigermaßen für den Wegfall der dortigen Liste entschädigte, sollte überall Nachahmung finden. Das Kuratorium besteht zurzeit aus: Herrn Sally Flörsheim, Frau Salomon Elkan, Frau Julie Alsbach, Frau Salomon Goldschmidt, Frau Ludwig Lilienthal. Sanitätsrat Dr. Blankenstein, L. Cohen, Dr. med. Friede. Fischbein, Joseph Friede, Hugo Heymann, Louis Sternau, I. N.Wolff, Joseph Sondheim in Hörde, Julius Udewald in Hörde, Dr. med. Paul Marx in Witten. 1. Solingen, 30. November. Anläßlich der goldenen Hochzeits» seier des Herrn Geheimrats Gustav Coppel fanden hier Feste statt, die von der seltenen Beliebtheit des Jubilars sprechendes Zeugnis ablegten. Am Abend vorher wurde ihm ein großartiger Fackelzug dargebracht, wie ihn unsere Stadt schöner und stattlicher kaum je gesehen. Dann ging es zu einem Festkommers, bei dem Landrat und Oberbürgermeister die Verdienste des Jubilars in begeisterten Reden feierten. Kurz, die ganze Feier war ein echtes Bürgerfest, das für uns von besonderer Bedeutung ist, da Herr Coppel zu allen anderen Ehrenämtern seit langer Zeit das des Vorsitzenden des Vorstandes der Synagogengemeinde in Solingen bekleidet. Der hier beschriebenen Feier folgte am 5. d. M. ein wahrhaft großartiges Festbankett im Hotel „Breidenbacher Hof" in Düsseldorf. Demselben wohnten etwa 120 Gäste bei, zu welchen unter anderen gehörten: Landrat und Oberbürgermeister von Solingen sowie der Superintendent der evangelischen und der erste Geistliche der katholischen Gemeinde daselbst. — Lörrach, 18. November. Ein großer Leichenzug bewegte sich gestern Nachmittag von der Bergstraße aus dem jüdischen Friedhofe zu. Es galt, dem an einem Herzschlag verschiedenen Rechtsagenten Moritz Nord mann die letzte Ehre zu erweisen. Die große Trauerversammlung war ein Beweis der allgemeinen Hochschätzung, die der Verstorbene sowohl bei der jüdischen Gemeinde, wie auch in allen Kreisen der hiesigen Einwohnerschaft genoß. Die Feuerwehr, welcher der Verstorbene angehörte, war in zahlreicher Abordnung im Paradeanzug erschienen und eröffnete den Leichenzug. Am Grabe angekommen, hielt der Bezirksrabbiner Dr. Levin-Freiburg eine Grabrede, in der er der Verdienste, des Wirkens und Schaffens des Toten in würdiger Weise gedachte. Der Verstorbene wurde schon in frühem Alter in den Synagogenrat gewählt und zum Vorsteher der jüdischen Gemeinde berufen. In dieser Stellung hatte er reichlich Gelegenheit, sein Wirken ersprießlich und gedeihlich zu entfalten. Sein erstes war der Ausbau der Synagoge und die würdige Ausgestaltung derselben, ein weiteres Werk des schaffensfreudigen Mannes war die Anlage eines neuen jüdischen Friedhofes neben dem allgemeinen. Die Verwaltung all der ihm übertragenen Aemter war eine mustergültige, und noch lange wird dieses, sein vorbildliches Wirken die Grundlage für künftige Geschlechter sein. Mitten in diesem Wirken überfiel ihn eine schleichende Krankheit, der er zwar mit frischem Lebensmute wehrte, die ihn aber doch zwang, alle seine Aemter niederzulegen, um seine Gesundheit zu erhalten. Er war ein bescheidener Mann, der niemals auf seine Perdienste pochte, stets aber da zu finden war. wo eine tüchtige Kraft vonnöten. Er wird in Frieden ruhen. Gesterreich-Nngsrn. Wien, 3. Dezember. Am 25. v. M. wurde hier die israelitische Lehrerbildungsanstalt feierlich eröffnet. Vom Tempelchor begleitet, der unter Professor Josef Sulzers trefflichen Leitung stand, bildete der künstlerische Vortrag des Psalm 133, in der Sulzerschen Vertonung, durch Oberkantor Singer den Beginn der Feier. Präsident Dr. Stern schilderte in schwungvollen Worten unter Hinweis auf die Notwendigkeit der Anstaltsgründung deren Entstehen und Ziele und brachte allen, die an dem Zustandekommen mitgewirkt, den Dank der Gemeinde zum Ausdruck. Lebhaft akklamiert wurde die Festrede des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann, die mit dem üblichen Segensspruche schloß. Rabbiner Dr. David, der Direktor der Anstalt, gab namens des Lehrkörpers der Versicherung Ausdruck, daß dieser, seiner hehren Aufgabe bewußt, sein bestes Können einsetzen werde, um dieses Institut zu einem Mnslerinstilut

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